Insider-Handel

08. Februar 2011 17:53; Akt: 08.02.2011 18:12 Print

Schweizer Chefs decken sich mit Wertpapieren ein

von Hans Peter Arnold - Top-Manager erwarten offenbar steigende Aktienkurse: Im Januar haben sie kräftig Wertpapiere gekauft, wie die Börsenaufsicht meldet. Ein gutes Zeichen für Anleger.

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Daniel Vasella hat gut Lachen: Er und sein Top-Kader erhalten Aktien im Wert von 35,4 Millionen Franken. (Bild: Keystone)

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Das Top-Management börsenkotierter Unternehmen muss die Käufe und Verkäufe von Beteiligungspapieren der Börse melden. Durch diese Transparenz sollen unlautere Geschäfte, die durch einen Wissensvorsprung entstehen vermieden werden. Diese so genannten Management-Transaktionen geben allerdings ein interessantes Spiegelbild über die aktuelle Börsenstimmung. Vor allem zeigt die Tendenz, ob das Top-Management ihre Aktie als unterbewertet oder überbewertet betrachtet.

Interessant: Im Januar waren die Käufer von Beteiligungspapieren klar in der Überzahl. 70 Meldungen weist die Schweizer Börse, SIX Swiss Exchange, aus. Den Käufen stehen 61 Verkäufe gegenüber; das heisst es wurden also 15 Prozent mehr Käufe als Verkäufe getätigt. Im Dezember lagen die Zahl der Verkäufe hingegen mehr als doppelt so hoch.

Die von 20 Minuten Online erstellte Statistik zeigt, dass sich viele Firmenchefs in der Vergangenheit antizyklisch verhielten. Das heisst: Sie verkauften in der Boomphase des Jahres 2007 überdurchschnittlich viele Aktien. Während des anschliessenden Börsencrashs ab September 2008 stand das Top-Management mehrheitlich auf der Seite der Käufer. Sie hielten sich demnach an die einfache, aber erfolgsversrpechende Börsenregel: Verkaufe bei hohen Kursen, kaufe bei tiefen Kursen.

35,4 Millionen Franken für Vasella und Co.

Allerdings gehen 26 der 70 Meldungen über Zukäufe auf das Konto von Novartis. Im Rahmen der Anreizprogramme des Salärsystems haben die Top-Manager von Novartis Aktien im Wert von 35,4 Millionen Franken erhalten.

Auf der Verkäuferseite ist im Januar Unternehmensspitze von Dufry aufgefallen. Die Top-Manager des Flughafenshopbetreibers veräusserten Aktien im Wert von über fünf Millionen Franken. Hier will offensichtlich das Kader Kasse machen. Schliesslich sind die Dufry-Aktien seit Januar 2009 um 290 Prozent gestiegen.

Aktien statt Obligationen

Dass viele Indizes wieder auf den Stand vor der Lehman-Brother-Krise (September 2008) zurückgekehrt seien, hätte mit der Erholung der Weltwirtschaft sowie mit der fast unbeschränkt vorhandenen Liquidität zu tun, meint Panagiotis Spiliopoulos, Leiter Research von Vontobel. Auch Umschichtungen von sehr tief rentierenden Obligationen zu Aktien dürften ein Grund für die kletternden Börsenindizes sein.

«Afrika ist nicht von materieller Bedeutung»

Die steigenden Rohmaterialpreise und die Volatilität der Währungen würden Risiken für die Gewinnerwartungen der Unternehmen darfstellen, so Spiliopoulos. Doch dürfte ein Grossteil bereits in den Kursen enthalten sein. «Die politische Situation in Afrika ist bis auf den Ölpreis-Einfluss nicht von materieller Bedeutung, da die Region für die Weltwirtschaft von geringer Relevanz ist.»

Der Trend bei den Management-Transaktionen ist auch für Spiliopoulos relevant: «Während Aktienverkäufe meistens verschiedene Ursachen haben können - Steuern bezahlen, Diversifikation, nur limitiert vorhandene Zeitfenster - sind Aktienkäufe jeweils ein klares Zeichen für eine positive Einschätzung des Geschäftsverlaufs durch das Management. Insofern kann durchaus von Optimismus gesprochen werden.»