Pestizide

21. Dezember 2017 05:43; Akt: 21.12.2017 05:43 Print

Darum ist Ihr Christbaum eine Umweltsünde

von D. Benz - Der Grossteil der Weihnachtsbäume wird mit Chemie behandelt – auch jene aus Schweizer Produktion. Gelangt das Pestizid auch in die Wohnstube?

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Ohne Christbaum keine Weihnachten: Derzeit holen sich die meisten Schweizer Haushalte das Grün in die Stube. Laut dem Verein Vision Landwirtschaft kommen die Bäume zu rund der Hälfte aus der Schweiz. Was die wenigsten Konsumenten wissen: Die meisten hiesigen Bäume sind mit Chemie behandelt und daher umweltschädlich.

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Laut einer Schätzung von Vision Landwirtschaft stammen neun von zehn Schweizer Bäumen aus Betrieben, die Pestizide gegen Unkraut und Insekten einsetzen, darunter etwa das umstrittene Mittel Glyphosat. «Das vergiftet die Böden und das Grundwasser», sagt Andreas Bosshard, Geschäftsführer von Vision Landwirtschaft zu 20 Minuten.

Pestizide sind im Wald verboten

Ob Pestizide in den Bäumen nachweisbar sind, hänge von den konkret eingesetzten Mitteln ab, erklärt Olivier Félix, Leiter Fachbereich Nachhaltiger Pflanzenschutz beim Bundesamt für Landwirtschaft. Aber selbst wenn, dürfte das für Menschen ungefährlich sein. Die Erklärung liegt für Félix auf der Hand: «Die Bäume sind nicht zum Essen vorgesehen.»

Ganz ohne Chemie angebaut sind laut Vision Landwirtschaft lediglich rund zehn Prozent der Bäume. Das sind etwa jene, die aus dem Wald von Forstbetrieben stammen. Die Anwendung von Pestiziden ist im Wald verboten. Auch wenige Biobetriebe bieten nachhaltige Bäume an. Diese Biobäume machen aber nur einen verschwindend kleinen Teil des Marktes aus.

Kritik an gesetzlichen Vorlagen

Bosshard kritisiert denn auch die gesetzlichen Vorgaben des Bundes, den sogenannten Ökologischen Leistungsnachweis (ÖLN). «Dieser begrenzt den Pestizideinsatz kaum», sagt er. Zudem gebe es kaum Kontrollen. So würden sich viele Betriebe oft nicht an die Vorgaben halten. «Unter den Schweizer Lieferanten gibt es immer wieder schwarze Schafe.»

Einen Schritt weiter als das Gesetz will Coop gehen. Auf Empfehlung von Vision Landwirtschaft hat der Detailhändler zusammen mit der IG Suisse Christbaum im letzten Jahr Richtlinien für den nachhaltigen Anbau von Weihnachtsbäumen erlassen.

Keine Preisunterschiede

«Im Fokus dieser Richtlinie stehen der nachhaltige Einsatz von Pestiziden, die Förderung der Biodiversität sowie der Erhalt der Bodenfruchtbarkeit», sagt Coop zu 20 Minuten. Für die Lieferanten sind die Vorgaben verbindlich. Die Fenaco-Tochter Landi hat die Regeln ebenfalls übernommen.

In diesem Jahr stammen bei Coop über 80 Prozent der Bäume aus der Schweiz. Der Rest kommt aus dem Ausland. Die dortigen Betriebe kontrolliere man regelmässig, um sicherzustellen, dass die Standards eingehalten würden, so Coop. Das Ziel sei, dass langfristig alle Tannenbäume aus dem Inland kommen. Einen Preisunterschied zwischen Schweizer und importierten Weihnachtsbäumen gibt es laut Coop nicht.

Vorzüge der Schweizer Bäume zeigen

Letztlich lassen auch die Coop-Regeln den Einsatz von Chemie zu. Der Grund: «In der Praxis ist es nicht einfach, von heute auf morgen auf Pestizide zu verzichten», sagt Andreas Bosshard. Die Betriebe müssten sich langsam darauf umstellen können. Immerhin werde so der Chemie-Einsatz gegenüber dem gesetzlich zulässigen um rund die Hälfte gesenkt.

Ziel sei die Reduktion von Pestiziden. So soll etwa die ganzflächige Bespritzung von Kulturen ab 2020 ganz verboten sein. «Wir müssen aufzeigen, was die Vorzüge von Schweizer Christbäumen sind», so Bosshard. Sonst gebe es keinen Grund, einheimische Tannen zu kaufen.

Import aus Dänemark

Bei der Migros verlässt man sich derweil auf Lieferanten, die gemäss den gesetzlichen Vorlagen anbauen. Die Lieferanten suche man sorgfältig aus, sagt die Migros zu 20 Minuten. Man gehe davon aus, dass diese nicht grossflächig mit Pestiziden spritzten.

Der Detailhändler bezieht alle seine Import-Bäume aus Dänemark. Diese machen rund die Hälfte der bei Migros im Verkauf stehenden Christbäume aus. Der Rest kommt aus der Schweiz. Bei der Migros kosten die Bäume zwischen 20 und 125 Franken.

sentifi.com

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Pestizid Gegner am 21.12.2017 07:07 Report Diesen Beitrag melden

    Umweltsünde Lebensmittel

    Unsere Lebensmittel dürfen hochoffiziell mit dem Pestizid Glyphosat (krebserregend) "vergiftet" sein. Wieso sollten "Christbäume", nicht mit Pestiziden vergiftet sein? Im Gegensatz zu den Lebensmitteln essen wir die ja nicht. "Die" machen mit uns eh was sie wollen.

    einklappen einklappen
  • Alex dEr Gourmet am 21.12.2017 06:55 Report Diesen Beitrag melden

    Genug ist genug!

    Ich lasse mir doch nicht den Weihnachtsbaum schlecht reden! Die Sachen die in den nächsten 10 Tagen gegessen und gerunken werden, sind gemäss x-Studien eh absolut tödlich und krebserregend und mit Sicherheit wesentlich schädlicher für mich, mein Umfeld, die Umwelt, die Welt, die ach so schlecht bezahlten Erzeuger, und die Pinguine auf der Antarktis, etc. usw. Trotzdem ... allen frohe Festtage!

  • Landei am 21.12.2017 06:35 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    falsche Aussage

    Kaum Kontrolle? da siht man was Herr Bosshard für ein Ahnung hat. Jeder ÖLN Betrieb wird Jährlich mind. 1 mal kontrolliert. Ein Schweizer Baum, dervor der Haustüre wächs ist auf jedenfall viel ökologischer als jehner vom Ausland, der tausende km transportiert wurde....

Die neusten Leser-Kommentare

  • mkauer am 21.12.2017 20:22 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Über 2000 km für einen Christbaum aus Dänemark

    Kein Wunder, dass unsere Strassen so voll sind und die Natur langsam vor die Hunde geht. Wer um alles in der Welt braucht einen Christbaum aus Dänemark?!? Schuld hat alleine die Migros: wenn die uns nur CH Bäume oder zumindest welche aus den DIREKTEN Nachbarland Regionen verkaufen, haben wir indirekt etwas für den Umweltschutz getan. Die Bäume unterscheiden sich niemals, weisen aber eine wesentlich bessere Ökobilanz auf.

  • Black Lab am 21.12.2017 18:35 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Jawohl

    Ich schwöre auf mein Kunstbaum seit Jahren! Und muss so kein Lebenwesen wegen 2 Wochen 'möchtegern Fröhlichkeit' töten...

  • Hunter S. Thompson am 21.12.2017 16:52 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    kein Entrinnen

    Gibt es irgend etwas das nicht vergiftet ist? Irgend etwas das man benutzen kann ohne das es Menschenunwürdig, Natur belastend, ausbeuterisch, total überteuert oder in schlechter Qualität ist?

  • Markus Meier am 21.12.2017 14:22 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Weihnachten

    Ich hab mein Kunststoffbaum seit über 28 Jahren und werde Ihn noch viele Jahre weiter einsetzen....

  • smaily am 21.12.2017 14:05 Report Diesen Beitrag melden

    Die Bösen Bäume

    ach darum sterben so viele Menschen an weihnachten!vergiftet vom eigenen Weihnachtsbaum!! Wahnsinn!!