Enespa

25. Oktober 2018 16:14; Akt: 25.10.2018 16:20 Print

Schweizer Firma gewinnt aus Plastikabfall wieder Öl

von R. Knecht - Aus Plastikabfall wird Heizöl – das verspricht die Appenzeller Firma Enespa. Kann sie so das Plastikproblem lösen?

So will Enespa das Plastikproblem lösen. (Video: rkn mit Material von Enespa)
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Statt im Meer soll der Plastikabfall als Öl in der Heizanlage landen. Das versuchen Wissenschaftler weltweit möglich zu machen. Mit dabei ist auch die Schweizer Firma Enespa, die nach eigenen Angaben eine Methode entwickelt hat, um aus einer Tonne Plastik 700 Kilo Öl zu gewinnen – und zwar CO2-neutral. Ein Teil des Plastiks wird im Laufe des Prozesses dazu verwendet, um die nötige Energie zu erzeugen.

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Das Unternehmen mit Sitz im Kanton Appenzell setzt dabei auf ein Thermolyse-Verfahren: Sortierter Plastikabfall wird auf rund 450 Grad erhitzt und es entsteht dabei ein Gas, das zu Öl verarbeitet wird. Dieses Produktöl ist laut Gründer und Inhaber Cyrill Hugi mit Diesel vergleichbar und dient in Industrie und Gewerbe problemlos als Ersatz für herkömmliches Rohöl. Enespa testete den Prozess in einer Anlage in Bulgarien, 2019 soll der erste Produktionsstandort in Deutschland in Betrieb genommen werden. Wie es in der Testanlage aussieht, sehen Sie im Video oben.


So funktioniert der Prozess von Enespa. (Grafik: Enespa)

«Nutzen ist klein»

Experten sind gegenüber dem Ansatz, aus Plastik Öl zu gewinnen, kritisch. Rainer Bunge, Professor an der Hochschule für Technik Rapperswil, sagt zu 20 Minuten: «Die Technologie ist zwar beeindruckend, der Nutzen aber relativ klein.» Der Grund: Es mache in Sachen Effizienz kaum einen Unterschied, ob man Plastik zur Energiegewinnung direkt in der Kehrichtanlage oder als Öl etwa in einer Heizanlage verbrenne. Es sei darum überflüssig, das Plastik zuerst in einem aufwendigen Prozess wieder in Öl umzuwandeln.

Dagegen hält Hugi von Enespa, dass es viel effizienter sei, Öl zu verbrennen als Plastik. Dies, weil der Verbrennungsprozess von Plastik nicht gleich gut kontrollierbar sei. Energie-Experte Peter Quicker von der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule Aachen widerspricht: «Wenn die frei werdende Energie vernünftig genutzt wird, ist das energetisch nicht schlechter», sagt Quicker zu 20 Minuten.

Nicht langfristig nachhaltig

Ob in Form von Öl oder Plastik, Rudolf Koopmans, Director Plastics Innovation Competence Center in Freiburg, findet die Verbrennung so oder so schlecht: «Ich bin grundsätzlich der Meinung, dass die Verbrennung von Kunststoffen das Letzte sein sollte, was wir tun.» Energie aufzuwenden, um Plastik in Öl umzuwandeln, das dann verbrannt wird, sei nicht langfristig nachhaltig. Es entstehe kein Kreislauf.

Zudem sind sich die Experten einig, dass diese Art der Verwertung von Plastikabfall eine genaue Sortierung voraussetzt. Das dürfte die Kosten in die Höhe treiben. Wie Hugi von Enespa zu 20 Minuten sagt, übernimmt der Lieferant für das Unternehmen die Sortierung – Materialien wie Aluminium, PVC und PET etwa werden nicht zu Öl verarbeitet.

5000 Tonnen pro Jahr

Die Personalkosten bei Anlagen, die 100 Kilo Plastik pro Stunde verarbeiten, sind laut Hugi zu hoch. Darum brauche es ein gewisses Volumen, damit der Prozess wirtschaftlich attraktiv ist: Die Firma will in ihren Anlagen künftig pro Stunde aus 1000 Kilo Plastik 700 Kilo Öl gewinnen: «Unsere erste wirtschaftliche Anlage wird 5000 Tonnen pro Jahr verarbeiten», sagt Hugi.

Die Firma erzielt ihre Erlöse dabei in erster Linie mit dem Verkauf des Rohöls. Dazu kommt ein kleiner Betrag für die Plastikannahme von Recyclingunternehmen.

Fokus auf Industrie

Derzeit liegt der Fokus des Unternehmens auf Kunden wie der Chemieindustrie, Ölhersteller und Raffinerien. Dass Konsumenten dereinst ihr Auto mit Enespa-Diesel füllen können, ist unwahrscheinlich. Ganz auszuschliessen sei ein direkter Verkaufskanal aber nicht, sagt Hugi.

Enespa denkt auch darüber nach, in der Schweiz eine Anlage zu bauen. Entschieden ist das laut Hugi aber noch nicht: «Die gesetzlichen Hindernisse und das politische Umfeld sind leider sehr hinderlich.»

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Nicolas Meier am 25.10.2018 17:11 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Weiter so!!!!

    Ob nachhaltig oder nicht meinen Respekt hatt die Firma auf jeden fall. Es ist eine alternative die nicht nur verlust bringt sondern durchaus einen grossen teil dazu beitragen kann das wir mennschen ein paar jahrhunderte länger mit delphinen ubd fischen schwimmen können. Nur als Beispiel genannt könnte man diese aktion mit der aktion kombinieren die momentan ja an den Meeren starten soll um das Meer vom Plastik zu befreien. Respekt an sie und ihre Mitarbeiter Herr Hugi. Im Endeffekt zählt nur das es funktioniert. Bin gespannt wie sich dies weiter entwickelt.

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  • Neunmalklug am 25.10.2018 17:27 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Hier unwirtschaftlich, aber...

    Montiert die Anlagen auf Schiffe und holt den Plastikmüll aus dem Meer.

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  • Meine Meinung am 25.10.2018 17:10 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Lieber Herr Quicker

    Mit Öl aus Plastikabfällen kann ich einen Motor betreiben, Plastik allein kann ich nicht in den Tank stecken, also lohnt es sich wohl doch noch etwas mehr, in diese Methode zu investieren.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Yellosix am 25.10.2018 20:40 Report Diesen Beitrag melden

    Schmierstoffe wäre auch was

    Ich weiss nicht, welche Qualtiät das ganze haben wird. Dieselniveau ist aber schon sehr hoch. Daraus würde sich doch gut auch wieder Ausgangsprodukte für z.B. Schmierstoffe herstellen lassen, was den Bedarf ein wenig weniger Rohöl zu verwenden auch unterstützen könnte.

  • Butch am 25.10.2018 20:36 Report Diesen Beitrag melden

    Find ich gut!

    Vielleicht kann man daraus wieder Plastiktaschen machen, so wie bei Petflaschen? So wäre der Kreislauf beinahe geschlossen. Recycling ist immer gut. Um so mehr man recyclen kann, um so weniger Rohstoffe braucht man.

  • PROLLTRASH am 25.10.2018 20:25 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    ich sehe es schon vor mir...

    raffiniert daraus kraftstoff. dann verdient der staat auch daran. und kann überteuert an möchtegernökos verhökert werden die trotz allem nicht aufs auto verzichten können. als biokraftstoff :)

  • Lukas am 25.10.2018 20:09 Report Diesen Beitrag melden

    nutzlos

    Wenn man Heizöl verbrennt entsteht Co2, zwangsläufig. Weil es ja ursprünglich aus Erdöl besteht. Also verlagern wird damit das Plastik Problem auf das Co2 Problem. Nachhaltig sieht anders aus, Innovativ vielleicht, aber auch unglaublich nutzlos.

  • Martial2 am 25.10.2018 20:07 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Es wäre einfach...

    Wenn man Plastik Abfall statt immer jammern, richtig wieder verwendet, kann man jeglichen neuen Produkte daraus machen inkl. Bord Bretten, Stossstangen und mehr für Fahrzeuge. Agieren statt immer motzen!