Wissenslücken

11. Mai 2015 04:02; Akt: 11.05.2015 04:02 Print

Schweizer Firmen fehlt es an digitalem Know-how

Die Digitalisierung krempelt die Schweizer Wirtschaft um. Eine neue Studie zeigt nun: Viele Unternehmen sind darauf nur ungenügend vorbereitet.

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Eine neue Studie kommt zum Schluss, dass es mehr als der Hälfte der Unternehmen in der Schweiz an digitalem Know-how mangelt. (Bild: Keystone/Alessandro Della Bella)

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Über 50 Prozent der Unternehmen sind digitale Dinosaurier. Das heisst, dass ihnen wichtiges digitales Know-how sowohl auf Führungs- als auch auf Mitarbeiterstufe fehlt. Das digitale Kundenerlebnis ist zu schwach ausgeprägt. Zu diesem Schluss kommt ein Student der Hochschule für Wirtschaft Zürich (HWZ) im Rahmen seiner Masterarbeit. Nur 26 Prozent der Firmen erhalten in der Studie das Prädikat «digitale Master», das heisst, sie befinden sich auf dem aktuellen Stand der Technik.

Umgekehrt sind sich 74 Prozent der Unternehmen bewusst, dass die Digitalisierung in den nächsten Jahren grosse Auswirkungen auf ihre Branche haben wird. Für die Hälfte der Schweizer Unternehmen werde diese bis 2017 erfolgskritisch. Bis ins Jahr 2020 soll dieser Wert sogar auf 73 Prozent steigen.

Fehlende finanzielle Ressourcen

Am meisten Probleme bereitet die digitale Transformation ihres Geschäfts den Schweizer Unternehmen aufgrund von Einschränkungen im IT-System, fehlenden finanziellen Ressourcen und mangelndem Know-how auf der Führungsetage. «Ein Umdenken ist dringend notwendig, da sich der digitalen Entwicklung keine Branche entziehen kann. Ein sinnvoller Einsatz digitaler Möglichkeiten kann die Kundenbindung massgeblich erhöhen und führt meist zu einer Effizienzsteigerung in allen Bereichen», hält Manuel P. Nappo, Leiter des Center for Digital Business an der HWZ, fest.

Als wegweisende Technologien erkennt die Studie «Digital Security» sowie die Bereiche «Mobile», «Big Data», «Social Media» und «Cloud Computing». Als wichtigste Beweggründe für Unternehmen, die digitale Transformation zu vollziehen, werden Produkt- und Dienstleistungserweiterungen, ein verbessertes Kundenerlebnis und die Steigerung der Produktivität aufgeführt.

Auch Cyberkriminalität ein Problem

Passend zu den Resultaten der HWZ-Studie präsentierte das Beratungsunternehmens KPMG Zahlen, die zeigen, dass den Schweizer Unternehmen im letzten Jahr ein Schaden von rund 200 Millionen Franken durch Internetkriminalität entstanden ist. Ihre Abwehrsysteme gegen Cyberkriminalität seien nicht auf dem neusten Stand. Auch hier besteht bei den Schweizer Firmen Nachholbedarf.

Für die HWZ-Studie wurden insgesamt 463 Personen befragt. Sie arbeiten alle bei Schweizer Unternehmen, 62 Prozent in einer Kaderfunktion, 33 Prozent als normale Angestellte. Fünf Prozent sind selbstständig. Drei Viertel der Befragten sind Männer, ein Viertel Frauen.


(kwo)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Bergli am 11.05.2015 07:00 Report Diesen Beitrag melden

    falsche Zuständigkeiten

    so lange irgenwelche Finänzler als oberste IT-Verantwortliche fungieren und sich als IT-Gurus, jedoch ohne fundamentales Wissen betrachten, solange solange wird die IT-Welt eben darben. Denn hIerarchiestufen heissen nicht per se zu wissen was man tut.

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  • Marcel am 11.05.2015 07:35 Report Diesen Beitrag melden

    Hände gebunden

    Ich habe Mitarbeiter, die haben keine Ahnung der neuen Systeme - werden aber von der Geschäftsleitung (die ebenso keine Ahnung hat) gedeckt!

  • Willy D. (76) am 11.05.2015 06:14 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Was Hänschen nicht lernt, lernt...

    Von 1961 bis 2001, während 40 Jahren also, habe ich in verschiedenen Abteilungen der gleichen Firma gearbeitet. Während diesen 40 Jahren hat die hier "Digitalisierung" genannte Technologie in unserem Betrieb nach und nach Einzug gehalten. Ich habe mich immer bemüht meine Kenntnisse auf diesem Gebiet zu verbessern. Was mich in diesen 40 Jahren immer erstaunt hat ist, dass es Mitarbeiter gegeben hat, welche sich nur mit Mühe, wenn überhaupt, in diesem Bereich (freiwillig) gebildet oder weiter gebildet haben. Dass das heute, im Jahre 2015, immer noch so ist, verstehe ich überhaupt nicht.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Danielle am 11.05.2015 21:23 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Zeiten sind vorbei

    Was für eine Neuigkeit. Das weiss doch jeder, dass die CH auf dem absteigenden Ast steht. Wir sind einfach zu verwöhnt und zu faul geworden. Wir sind einfach nur noch Standard Mittelmass.

  • M.G. am 11.05.2015 19:17 Report Diesen Beitrag melden

    Jeder für sich allein gegen die Wand

    Firmen sind zu weit von den Universitäten weg. Es geht nicht um Sponsoren sondern um eine enge Kooperation. Wenn ich in Zürich den Namen Techno Park sehe ist das nur eine Ansammlung von KMUs. Techno Park bedeutet in Deutschland eine Art Campus wo Forschung und Industrie gemeinsam Rahmenbedingungen für Start Ups setzen, mit Beteiligungen und Infrastruktur. Dort müssen aber mehrere Firmen kooperieren und das ist in CH nur schwer durchzusetzen. Man gönnt dem Nachbarn nicht mal das Schwarze unterm Fingernagel, bei zu engem Kontakt könnte der andere ja irgendwelche Interna sehen.

    • Tom am 11.05.2015 19:49 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      ETH@Technopark

      Im Technopark ist einer der grössten Mieter die ETH.

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  • OdinX am 11.05.2015 19:15 Report Diesen Beitrag melden

    Informatikunterricht

    Informatik- und IT-Unterricht sollte als Schulfach ab der Primarschule eingeführt werden, und damit meine ich nicht das bisherige Excel/Word/Windows gelerne, sondern richtigen Unterricht, der einem die notwendigen Grundkenntnisse beibringt, die es braucht um Computer zu bedienen. Das beinhaltet auch ein wenig Programmierung, aber nicht nur.

  • Leser am 11.05.2015 18:00 Report Diesen Beitrag melden

    Know-How

    muss man sich erarbeiten. Unsere Firmen kaufen sie lieber im Ausland ein und wundern sich später, dass das Know-How nicht in der Firma ankam.

  • A.Müller am 11.05.2015 17:54 Report Diesen Beitrag melden

    Gewinnmaximierung für Aktionäre

    Solange die Strategie der Gewinnmaximierung gilt, wird kein Geld für Betriebs interne Ausbildung oder Kompetenzen vorhanden sein. Also folglich werden diese Unternehmen auch die Schwelle ins digitale Zeitalter nie ganz überschreiten und die Hoffnung in Ausländischen Clouds suchen. Nachher wundern sie sich wenn die Konkurenz plötzlich schneller ist.