14. Juni

15. Mai 2019 04:45; Akt: 15.05.2019 10:58 Print

Wer am Frauenstreik teilnimmt, riskiert den Job

von Dominic Benz - Am 14. Juni ist Frauenstreiktag. Firmen setzen sich zwar für die Gleichstellung ein, bei unerlaubten Absenzen zeigen sie aber wenig Verständnis.

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Gewerkschaften und Vereinigungen fordern Schweizer Frauen auf, am 14. Juni ihre Arbeit niederzulegen und für die Gleichstellung auf die Strassen zu gehen. Gefordert werden Lohngleichheit, Null-Toleranz gegenüber Sexismus und eine bessere Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben.

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Allerdings zeigen einige Firmen wenig Verständnis für echte Streikende. Der Milchverarbeiter Emmi teilt auf Anfrage mit: «Ohne Erlaubnis wäre ein Streiktag eine unentschuldigte Absenz, was im Minimum zu einer Verwarnung führen würde.» Auch bei der SBB müssen streikende Mitarbeitende «mit arbeitsrechtlichen Konsequenzen rechnen».

Mögliche Konsequenzen bei Migros und Swisscom

Bei der Migros klingt es weniger drastisch. Wenn jemand unentschuldigt nicht zur Arbeit erscheine, liege es im Ermessen des Vorgesetzten, ob man die üblichen arbeitsrechtlichen Konsequenzen einleite, so die Detailhändlerin. Der Frauenanteil in der Belegschaft in der Migros-Gruppe liegt bei 61 Prozent.

Konsequenzen sind auch bei der Swisscom möglich. Man gehe zwar davon aus, dass die Mitarbeitenden ihre Teilnahme am Frauenstreiktag mit ihren Vorgesetzten abstimmten, so der Telecom-Konzern. «Sollte tatsächlich eine Mitarbeiterin ohne Erlaubnis der Arbeit fernbleiben, würden wir allfällige arbeitsrechtliche Konsequenzen im Einzelfall prüfen.»

Streiken nur in der Freizeit

Andere Firmen halten sich betreffend Konsequenzen bedeckt. Die Arbeitgeber betonen aber, dass eine Teilnahme am Streik in die Freizeit fallen müsse. Bei der Credit Suisse kann die Abwesenheit «im Rahmen der geltenden Jahresarbeitszeit kompensiert werden». Bei der UBS darf man zudem einen Ferientag beziehen. Auch bei Ikea, Lidl Schweiz, Nestlé oder Coop soll man für den Streik Freizeit freischaufeln.

Flexibler gibt sich die Post. «Bei einem Streik werden keine disziplinarischen Massnahmen ergriffen», so das Unternehmen. Auch beim Unispital Zürich zeigt man sich wohlwollend, sofern die medizinische Versorgung der Patienten jederzeit sichergestellt ist. Streikende Mitarbeiterinnen hätten «mit keinerlei personalrechtlichen Konsequenzen zu rechnen», sagt eine Sprecherin. Der Frauenanteil liegt im Unispital bei rund 70 Prozent.

«Neuverhandlung der Rollenverteilung»

Doch kann man überhaupt noch von einem Streik sprechen, wenn man dafür die Erlaubnis des Arbeitgebers braucht? Laut Anne Fritz, Frauenstreik-Koordinatorin beim Gewerkschaftsbund, gehe es beim Frauenstreik darum, die Problematik der Gleichstellung auf verschiedenen Ebenen aufzuzeigen. «Auch die unbezahlte Arbeit der Frauen ist Arbeit», so Fritz. Es gehe zum einen um die bessere Bezahlung im Job, aber auch um die Neuverhandlung der Rollenverteilung beim Hüten der Kinder, beim Kochen und im Haushalt.

Von den Drohungen der Arbeitgeber hält Fritz nichts. «Das sind Repressionen, die den Frauen Angst machen sollen.» Immerhin sei das Streikrecht in der Verfassung verankert. Sollte es dennoch Probleme am Arbeitsplatz geben, gibt es für die streikenden Frauen Hilfe. «Die einzelnen Gewerkschaften unterstützen ihre Mitglieder und bieten in Bezug auf den Streik Rechtsschutz», sagt Fritz.

Keine gesetzliche Grundlage

Laut Roger Rudolph, Professor für Arbeitsrecht an der Uni Zürich, gibt es für das unentschuldigte Fernbleiben von der Arbeit wegen politischen Interessen keine gesetzliche Grundlage. Denn beim Frauenstreik handelt es sich rechtlich nicht um einen Streik, da dieser sich nicht gegen den Arbeitgeber richtet.

Wer aufgrund einer Demonstration nicht am Arbeitsplatz erscheine, verletze die Arbeitspflicht. «Rein rechtlich droht der Mitarbeiterin das Gleiche, wie wenn sie unentschuldigt der Arbeit fernbleibt», sagt Rudolph. Dann könne es eine Verwarnung geben. Allenfalls drohe sogar eine Kündigung.

Mitarbeit: Dorothea Vollenweider

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Ausgewählte Leser-Kommentare

Die heutigen Frauen sollen sich endlich mal entscheiden was sie wollen. Karriere oder Kinder Familie usw. Beides zusammen ist schlicht nicht oder nur teilweise möglich. War immer so und wird immer so bleiben. – Muuuuuuuk

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Mr. Spock am 15.05.2019 06:18 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Das hat Grad gar nix

    Mit dem Geschlecht zu tun, sondern ist allgemein so.

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  • Northern_lights am 15.05.2019 07:00 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Fokus!

    Frauen gehen für Gleichberechtigung streiken und die heranwachsenden Mädchen bekommen Sachen wie die Bachelorette, frauenerniedrigende Songtexte, Politiker welche sich nicht gegen frauenfeindliche Kulturen zu kämpfen trauen, etc. vor die Nase gesetzt. Putzt zuerst vor der eigenen Türe.

  • Cat's Eye am 15.05.2019 05:35 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Allgemein

    Ich glaube dass wäre auch bei einem Männerstreik für Gleichheit (z.B. Vaterschaftsurlaub), gegen Vorurteile und für eine Allgemeine Dienstpflicht der Fall..

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Ruedi58 am 15.05.2019 19:14 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Männerstreik

    Wann findet dieser statt? Fühle mich etwas diskriminiert.

  • Drama am 15.05.2019 11:23 Report Diesen Beitrag melden

    King

    Es geht um einen Tag, und schon herrscht Ausnahmezustand?! Meistens wird ja wegen dem Arbeitgeber gestreikt, Stellenabbau, zu geringer Lohn usw. Und vielfach über Wochen. Dort wird denn Angestellten ja auch nicht gedroht, man will ja schliesslich eine Lösung finden, und auch Verständnis dafür zeigen. Hier hingegen ist dass komplette Gegenteil der Fall, man zeigt Unverständnis, setzt die Leute unter Druck und lästern darüber wie unnötig sowas ist. Wenn man bedenkt dass man tagtäglich dass beste für den Arbeitgeber gibt, sollte es schon möglich sein einen Tag, zu streiken oder demonstrieren.

  • Mike am 15.05.2019 11:15 Report Diesen Beitrag melden

    Streiken ist nicht illegal

    Wenn man den Artikel und die Kommentare liest könnte man meinen das streiken illegal ist. Ist es aber nicht. Es ist in der Schweiz (und den meisten europäischen Ländern) sogar legal unter gewissen Voraussetzungen. Man könnte meinen viele hätten das vergessen oder wollten davon einfach nichts wissen. Ich denke ein Streik für das Streikrecht wäre hier wieder mal dringend nötig.

  • Daniel am 15.05.2019 11:11 Report Diesen Beitrag melden

    Fehl am Platz, die Kinderchen

    Und was bitteschön haben die plärrenden Gören auf Bild 1 in diesem Artikel mit FRAUEN-Streiktag zu tun? Die sollen zurück in die Schulbank und ihre Hausaufgaben erledigen. Dann erstmal etwas werden, und dann ev. nochmals zum Fototermin antreten.

  • MOK1306 am 15.05.2019 11:10 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Gleichberechtigung Mensch

    Gleichberechtigung absolut dafür!! Nicht nur Frauen allgemein jeder Mensch! Finde es nur schade das man einfach immer nur die Vorteilhaften Punkte anschaut, und nicht wie z. B. Auch sagt gut Gleichberechtigung für alle (somit können auch Frauen dann Militärsteuern bezahlen oder zumindest Militärdienst leisten) Ansonsten gute Sache, längst überfällig!