Lobbying im Klassenzimmer?

18. August 2016 13:49; Akt: 18.08.2016 16:29 Print

Schweizer Firmen sponsern Schul-Lehrmittel

Viele Schweizer Unternehmen bieten kostenlos Lehrmittel an, die Lehrer auch rege nutzen. Sind die Schulen noch neutral?

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Kinder sind unsere Zukunft. Das weiss auch die Wirtschaft: Viele Unternehmen erarbeiten eigene Lehrmittel, um die Jugendlichen zu erreichen. Laut der «Handelszeitung» stehen allein auf der Internetplattform Kiknet Lektionen zu über 195 Themen von 170 Sponsoren zum Download bereit.

Als Beispiel nennt die Zeitung die Raiffeisenbank. Das Geldinstitut stellt unter dem Label «Money-Mix» Arbeitsblätter mit Übungen bereit. In sieben Modulen sollen die Schüler den richtigen Umgang mit Geld lernen. «Satte 38 Prozent der Jugendlichen geben mehr Geld aus, als sie besitzen; als Bank sehen wir uns deshalb ganz besonders in der Verantwortung, so wie dies auch die Eltern und Lehrpersonen sind», sagt Raiffeisen-Sprecher Franz Würth zur «Handelszeitung».

«Qualitätsanbieter von Lehrmitteln»

Es sei ein legitimes Anliegen, dass gewisse Themen der Wirtschaft in der Schule behandelt würden, findet Andreas Hieber. Er ist Geschäftsleitungsmitglied des Lehrmittelanbieters Lernetz. Zu dessen Kunden zählen beispielsweise die SBB, die Credit Suisse, Economiesuisse oder die Schweizerische Nationalbank. «Wir verstehen uns weniger als Produzent von gesponserten Unterrichtsmaterialien als vielmehr als Qualitätsanbieter von Lehrmitteln», erklärt Hieber.

Die Frage stellt sich dennoch: Sind die Schulen noch neutral? Beat W. Zemp, Präsident des Lehrer-Dachverbands, sagt: «Das Sponsoring ist nicht per se gut oder schlecht.» Die Interessen des Sponsors könnten durchaus mit den Bildungsinteressen übereinstimmen. Problematisch werde es nur, wenn die Beeinflussung der Schüler im Widerspruch zu den Interessen von Bildung und Gesellschaft stünde – wenn also beispielsweise die Nachteile ausgeblendet würden.

Verschiedene Kantone haben die Problematik aufgegriffen. Zürich, Basel-Stadt, Basel-Landschaft und Solothurn haben Regeln erlassen, die den Rahmen für das Sponsoring festlegen.

(woz)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Huan am 18.08.2016 13:58 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Gute Idee

    Das ist sehr gute Werbung. Wenn man denkt, dass 1 Minute Fernsehwerbung 80'000,- kostet.

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  • Tanzlehrer am 18.08.2016 14:36 Report Diesen Beitrag melden

    Natürlich nicht

    Die Geschichte der Schweiz vom Schwabe Verlag ist zum Beispiel nicht Bestandteil des Lehrplans, obwohl es das bisher umfangreichste und genauste Geschichtsbuch der Schweiz ist. Der Schwabe Verlag ist zwar ein Schweizer Verlag, aber der verschenkt halt seine Bücher nicht an die Schulen.

  • Ex-Schüler am 18.08.2016 15:05 Report Diesen Beitrag melden

    Neutral. Bestimmt nicht

    Schule und neutral? Spelt doch keine Rolle. Die meisten Lehrer sind auch eher grün und links und geben das schön weiter. Also. Spielt doch keine Rolle.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Kenny am 19.08.2016 18:56 Report Diesen Beitrag melden

    Die Schule ist dazu da, Menschen

    zu trimmen,primär wirtschaftliche Interessen zu unterstützen und nicht dazu,selbstständig Denken zu lernen und unabhängig für das eigene Leben selbst.Alles was im Lösungsheft eines Lehrmittels steht MUSS "richtig" sein,sonst gibt's schlechte Noten.Alles was nicht im Lösungsbuch steht, ist "falsch" und hat es nicht zu geben.Einer der grössten Verbrechen meiner Meinung nach,die individuelle Wahrnehmung mit einem "neuen" Programm zu überspielen,dass sie denken,es wäre ursprünglich ihres!Wie lange wollen die Menschen-die Familien-sich diese Gehirnwäsche auch ihrer Kinder noch gefallen lassen?

  • Anton Keller am 19.08.2016 11:06 Report Diesen Beitrag melden

    Schlimmer

    Schlimmer sind noch die Unterrichtsmaterialien von den NGO-Konzernen wie Greenpeace, WWF & Co.

  • Meinrad Frei am 19.08.2016 08:02 Report Diesen Beitrag melden

    Gefährliche Indoktrination

    Wann haben wir die ersten Lehrmittel die von Freikirchen, Scientology-Tarnfirmen, Sekten, politischen Parteien "gesponsert" werden? Ein gefährlicher Trend, dem wir Eltern mit aller Entschiedenheit entgegentreten müssen. Schulbehörden die dazu ihren Segen geben, gehören abgewählt.

  • Unternehmer am 19.08.2016 07:26 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Nutzlose Fehlinvestition

    Wer die heutige junge Generation kennt oder schon mal das "Vergnügen" hatte, beruflich oder privat mit so einer Jael zu tun haben zu müssen, wird verstehen, was ich meine. In meiner Firma will ich Leute, die etwas taugen und zuverlässig sind, und sicher nicht Jael.

  • Frei-Maurer am 19.08.2016 07:13 Report Diesen Beitrag melden

    Eine neue freie Schule muss her!

    Man müsste dringend neue Schulen schaffen. Jedes Schuljahr ist eine Wiederholung vom letzten Jahr. Ich merke nirgends, dass Leute 9 Jahre Schulbildung hatten. Die Bildung ist in NUR eine Richtung programmiert und die heisst: Sklaverei. Schulen für Sklavenkinder, die jetzt mit Yoga den Stress abbauen dürfen. HALLO! Wir alle brauchen keinen Stress und diejenigen, die uns diesen Stress machen, sollte man kurzerhand ersetzten.

    • Kenny am 19.08.2016 19:11 Report Diesen Beitrag melden

      Alternativen sind da

      ...werden aber nicht "offiziell" gefördert, so dass sich diese eher finanzstärkere Familien leisten können. Wie kann das sein dürfen? Nur wer mehr Geld hat, kann sich auch eine Schule für ihre Kinder 'erlauben' die etwas fürs Leben lehren und alle anderen müssen in die 'Standard-Schulen' und werden verblendet? -> LAIS-Schule, Steiner-Schule, Montessori-Schule oder Homescooling. Jeder kann sich im Netz selbst informieren, wenn er will. Aber die Fremdbetreuung unserer Kinder wird vom Staat subventioniert. Krankes System!

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