Trendwende

09. September 2018 20:53; Akt: 09.09.2018 20:53 Print

Schweizer Industrie-Firmen holen Jobs zurück

Hiesige Unternehmen verlagern Stellen vom Ausland wieder in die Schweiz. Möglich macht es die Digitalisierung.

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Die hiesige Industrie boomt. Viele Unternehmen holen gar Jobs zurück in die Schweiz. Diese hatten sie nach dem Ende des Euro-Mindestkurses ins günstigere Ausland verlagert. Bei der Entwicklung handle es sich offenbar nicht bloss um eine konjunkturelle Erholung, sondern um eine Trendwende, schreibt die «SonntagsZeitung».

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Gegenüber dem Blatt bestätigt das Fernando Granados, Leiter Ge­­schäftsentwicklung und Marketing bei Siemens Schweiz.
«Wir beobachten eine Tendenz zur Rückverlagerung von Produktionsschritten, die nach dem Frankenschock 2015 ins Ausland verschoben worden waren.» Viele Schweizer Firmen wollten die ganze Wertschöpfungskette bei sich vor Ort haben. Qualitäts- und Kommunikationsproblemen hätten die Geschäfte im Ausland belastet, so Granados.

Weniger Arbeitslose

Den Aufschwung belegen die Zahlen. Im zweiten Quartal verpasste die Industrie der Wirtschaft mit einem Plus von 7.9 Prozent den grössten Wachstumsimpuls. Positiv hat sich auch der Jobmarkt entwickelt. Waren 2016 im Sektor noch 38'808 Personen arbeitslos, ist die Zahl im August auf 22'520 gesunken.

Möglich macht das die Digitalisierung. Sie erlaubt den Firmen Produktlinien und Dienstleistungen wieder in der Schweiz aufzubauen. Wer nicht mitzieht, hat das Nachsehen. «Die Digitalisierung ist für die Maschinenindustrie ein Must. Ohne Veränderung wird sie es schwer haben, im globalen Wettbewerb zu überleben», sagt Granados.

Schweizer Firmen sind top

Jobs zurückgeholt hat etwa Ypsomed – dank Digitalisierung. Die Medtech-Firma rüstete die Fabriken mithilfe der Swisscom mit dem ultraschnellen Mobilfunknetz der 5. Generation (5G) aus. «Nur die Möglichkeiten durch ausgesprochen hohe Automatisierung in der Produktion, etwa auf Basis von 5G, erlauben uns am Standort Schweiz international wettbewerbsfähig zu sein», sagt Thomas Kutt, Investoren-Ansprechpartner bei Ypsomed. Produktionsprozesse holte das Unternehmen etwa aus Mexiko in die Schweiz zurück.

Für Jan Marco Leimeister, Direktor des Instituts für Wirtschaftsinformatik der Uni St.Gallen, hatte die letzte Krise der Branche eine positive Wirkung. «Ich möchte nicht zynisch wirken, aber der Franken-Schock war für viele Firmen auch heilsam», sagt er zur «SonntagsZeitung». Die Krise hätte die Firmen veranlasst, mutige Entscheide zu fällen und massiv in Automation und die digitale Innovation zu investieren.

Anstrengungen stark erhöhen

Wie eine Umfrage des Industrieverbands Swissmem zeigt, sind die hiesigen Firmen in Sachen Digitalisierung sogar top. So haben mehr als neun von zehn der befragten Unternehmen ein Projekt zur Industrie 4.0 (siehe Box) – also zur Digitalisierung der Produktion – umgesetzt, in Arbeit oder in Planung.

Wie Robert Rudolph, Leiter Digitalisierung und Innovation bei Swissmem, der «SonntagsZeitung» sagt, hätten Schweizer Firmen bereits einen hohen Stand an Automatisierung. Beim Einsatz von computergesteuerten Maschinen und Robotern gehörten sie zu den Pionieren. Die Umfrage zeigt laut Rudolph, dass die Firmen nun ihre Anstrengungen bei der digitalen Transformation stark erhöhen.


(dob)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Betroffener am 09.09.2018 21:06 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Leider Realität..

    Komisch...aber die Jobs werden mit Ausländern/ Grenzgängern belegt.....Schweizer ( vor allem Ü50) auf die Strasse gestellt....was wird aus der Schweiz gemacht??

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  • Patricia am 09.09.2018 21:04 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Unternehmer Gier

    Auf das Personal wird keine Rücksicht genommen. Auslagern, zurück holen und wenn wieder etwas nicht passt, wird wieder ausgelagert. Die Politik schaut einfach zu.

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  • Thomas am 09.09.2018 20:59 Report Diesen Beitrag melden

    Digitilalisierungs-Propaganda

    nenn ich das. Und trotzdem geht es dem Volk immer schlechter und hat immer weniger im Portemonnaie. Und eben trotz den vielen Experten, dem techn. Fortschritt und dem ganzen Wissen. Wir stehen alle kurz vor dem Systemcrash und ich würde mir besser Gedanken machen, wie ich mich darauf vorbereite!

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Workforce am 10.09.2018 20:36 Report Diesen Beitrag melden

    Top Shots

    Für die Digitalisierung braucht es qualifizierte und Scharfsinnige Techniker. Liest man Kommentare und achtet auf Likes dürfte klar werden, wovor hier einige Angst haben. Irgendwann rächt sich der Fensterplatz in Schule und Lehre - und der Zeit danach. AfD und SVP kümmern sich dann um die Abgehängten.

    • Ueli am 10.09.2018 20:41 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Workforce, leider wahr

      Blöd nur, wenn die die Mehrheit bekommen.

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  • Maia 27 am 10.09.2018 20:15 Report Diesen Beitrag melden

    Einzig die SIX hat es noch nicht kapiert

    Einzig die SIX hat es noch nicht verstanden. Es werden weiterhin munter Arbeitsplätze nach Polen verschoben, obwohl klar ist, dass die gut qualifizierten Polen die Deutsch und English beherrschen bereits in Deutschland arbeiten.

  • tinu am 10.09.2018 15:49 Report Diesen Beitrag melden

    Der Reihe nach... Nachtrag

    ...weshalb wir also 2 Optionen haben: Entweder sind in 20 Jahren die meisten arbeitslos und haben nichts zu Knabbern. Heisst: Weil Du noch 4 Büchsen Tomaten im Keller hast, könntest Du deswegen ermordet werden. ODER Variante 2: Es wird weltweit ein bedingungsloses Grundeinkommen eingeführt. Weltweit weil sonst ein biblischer Exodus aus armen Ländern stattfinden würde (was übrigens bereits begonnen hat). Hoffentlich entscheiden wir uns für Variante 2. Der Haken ist aber, dass die armen Länder das gar nicht finanzieren können. Was wiederum bedeutet, dass Variante 1 wahrscheinlicher ist.

  • tinu am 10.09.2018 15:23 Report Diesen Beitrag melden

    Der Reihe nach

    ...weil die Automation derart fortgeschritten ist, können auf verschiedene Mitarbeiter verzichtet werden. Weshalb man eigentlich nicht mehr auf ein Billiglohn Land angewiesen ist. Deshalb kommt man zurück in die Schweiz und schafft hier ev. 10 hochbezahlte Jobs. Während in Mexiko ev. 100 verloren gingen. Der Mexikaner flieht jetzt aus seinem perspektivlosen Land in die Schweiz. Dort wiederum macht man sich Sorgen, weil Menschen aus allen Herren Ländern anreisen. Der Roboter werkelt unermüdlich weiter, während die Menschen nach und nach ausgewerkelt haben. Es wird ungemütlich werden.

    • Werner am 10.09.2018 18:40 Report Diesen Beitrag melden

      @tinu

      es wird nur dann ungemütlich, wenn alle immer noch glauben, auch diese industrielle Revolution wird zu mehr Arbeitsplätzen führen wie früher. Diesmal wirds aber nicht so sein.

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  • Rigorosa am 10.09.2018 12:51 Report Diesen Beitrag melden

    Trauerspiel

    Meine anfängliche Euphorie verflog schnell, denn diese Rückverlagerung und Volldigitalisierung der Prozesse vernichtet weitere Arbeitsplätze. Jetzt, wo die vermeintliche Billigproduktion im Ausland in die Hose ging, besinnt man sich wieder auf die Heimat. Damals wurden viele entlassen, wen hat's gekümmert. Jetzt brauchen sie dann wieder Billigkräfte, welche all diese monotonen Jobs verrichten. Wer das wohl sein wird? Eigentlich sollten all diese Unternehmen im Ausland hocken müssen und eine zeitliche Sperre erhalten für ihre Geschäfts- und Menschenpolitik.