Keine Swissness

12. März 2015 18:03; Akt: 12.03.2015 18:03 Print

Schweizer Konzerne sind nicht mehr schweizerisch

von Isabel Strassheim - Thomas Minder will eine Credit Suisse mit Schweizer Chef. Die Bank ist aber längst nicht mehr schweizerisch. Mit dem Chef hat das aber nichts zu tun.

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Er hält 5,2 Prozent an der Credit Suisse: Scheich Abdullah bin Mohammed bin Saud al-Thani, Chef der Qatar-Holding. (Bild: AFP/Pedro Ugarte)

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Ständerat und Abzocker-Initiant Thomas Minder schreibt auf Facebook: «Die CS hat sich als Schweizer Bank definitiv verabschiedet.» Er zielt damit auf das neue Aushängeschild der Grossbank, Tidjane Thiam. Der neue CEO kommt aus der Elfenbeinküste und Frankreich. Doch dadurch wird die CS nicht ausländischer, als sie ohnehin schon ist. Nicht nur sein Vorgänger Brady Dougan war Ausländer, die Bank ist schon längst in ausländischen Händen. So wie die meisten Schweizer Konzerne. Mit den Chefs hat das nichts zu tun, sondern mit den ausländischen Aktionären.

Die Hauptaktionäre der Credit Suisse – und damit ihre einflussreichsten Besitzer – sprechen Arabisch. Die Schweizer Grossbank gehört zu einem grossen Teil der Qatar Holding (16,5 Prozent) und der saudischen Olayan Group (acht Prozent). Ohne grünes Licht aus dem Nahen Osten hätte Credit Suisse kaum Tidjane Thiam als neuen Chef bestellen können.

US-Fonds sind die Herren der Swissness

Es sind jedoch nicht Araber, sondern in erster Linie Amerikaner, die Geschicke der börsenkotierten Schweizer Unternehmen bestimmen. Allen voran die weltweit grösste Investmentgesellschaft Blackrock.

Blackrock ist in fast in allen Schweizer SMI-Konzernen engagiert, meistens mit gut drei Prozent. Beim Ölbohr-Konzern Transocean hält die Gesellschaft sogar 6,7 Prozent und ist damit grösste Aktionärin.

Investment-Kapital geht rund um den Globus

Aber auch die US-Investmentgesellschaften MFS und Harris Associates haben viele Schweizer Werte in ihren Portfolios – an Credit Suisse hält Harris Associates etwa 5,2 Prozent. Die norwegische Zentralbank, die die Ölmilliarden des Landes anlegt, investiert auch in Schweizer Firmen und hält an CS, UBS und Zurich je drei oder fünf Prozent.

«Der Auslandsanteil bei den Schweizer Aktien ist ziemlich bedeutend», sagt Robby Tschopp. Der Geschäftsführer des Aktionärsvereins Actares betont jedoch, dass es im Prinzip egal ist, ob die Aktionäre ausländisch oder inländisch sind: «Die Investmentkultur hat mit der Nationalität kaum etwas zu tun.» Denn es geht rund um den Globus schlicht um die beste Rendite.

Swatch und Roche als Raritäten

«Der Grund für die vielen ausländischen Firmen-Chefs liegt jedoch nicht an den ausländischen Aktionären – es wären schlechte Investoren, wenn sie auf den Pass achten würden», sagt Tschopp. So hat etwa die UBS mit Sergio Ermotti einen Schweizer zum Chef, obwohl der Staatsfond von Singapur mit 6,4 Prozent der grösste Aktionär ist.

Raritäten sind Schweizer Konzerne, die in der globalisierten Investmentwelt, tatsächlich noch schweizerisch sind. Aber es gibt sie: Swatch ist nicht nur Swiss made, sondern auch Swiss owned. Das geht nur dank einer Familie, die am Unternehmen festhält und einer Namenaktie, die bei Generalversammlung ihren Einfluss sichert. Genauso gilt das auch für Roche. Auch Holcim wird von Thomas Schmidheiny dominiert – und daran wird auch die Fusion mit Lafarge nichts ändern.

Ein anderer echt schweizerischer SMI-Konzern ist Swisscom. An ihr hält die Eidgenossenschaft 52,2 Prozent.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Alex Rinderknecht am 13.03.2015 08:23 Report Diesen Beitrag melden

    Ein trauriges Schauspiel

    Der Schweizer ist so blöd und schafft sich selber ab! Haben sie dieses Szenario schon mal bei den Deutschen, Amerikanern oder den Engländern beobachtet? Bestimmt nicht! Die lachen sich ins Fäustchen über die Schweizer Schildbürger, welche Ihre best bezahlten Jobs einfach den Ausländern überlassen. Welche dann wiederum durch Seilschaften nur ihre Landsleute einstellen. Ein trauriges Schauspiel!

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  • Volkner am 12.03.2015 22:53 Report Diesen Beitrag melden

    Welle Swissnes?

    Wir haben unsere Firmen an Deutsche, Amerikaner und Asiaten verkauft. Die Politik ist auch gerade daran sich ans Ausland zu verkaufen und wir Bürger werden wir der letzte Dreck mitgetragen.

  • charly7788 am 12.03.2015 18:58 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    nicht gut dieses entwicklung

    ist leider so und das ist alles andere als gut

Die neusten Leser-Kommentare

  • Plastik am 13.03.2015 12:32 Report Diesen Beitrag melden

    es geht nicht um Schweizer oder nicht,

    sondern um den Ausverkauf der Schweiz im Zuge der Globalisierung. Die Abzockermentalität gab es früher nicht, heute geht es nur noch um Rendite. Nachhaltigkeit und Qualität zählt heute nicht mehr. Die Zeche bezahlen aber wir Schweizer mit unseren Steuern, das interessiert die Scheichs und die McKinsey Heuschrecken aber nicht.

  • Putzfrau am 13.03.2015 11:11 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wer weiss...?

    Ich werd' im Himmel erzählen,dass es vor vielen Jahren ein Land auf der Erde gab, das man " Schweiz " nannte. -Kein Wunder,wollten alle Restlichen,der Welt,in dieses Paradies ziehen.

  • @alois am 13.03.2015 10:39 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Kein swissnes

    kein swissnes mehr, also sofort volle Besteuerung und keinen Heimatschutz mehr, aber der Bürger zahlt lieber selber mehr Steuern als dass er einem solchen Konzern die Rechnung präsentiert!!!

    • Richard am 13.03.2015 22:10 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Keine Doppelbesteuerung

      Es hat nie eine Steuererleichterung für ausländische Unterrehmen gegeben, welche weggenommen werden könnte. Aber es scheint bei einigen Reklamierern noch nicht durchgedrungen zu sein, dass international tätige Konzerne den ausländischen Gewinnanteil in der Schweiz kein zweites Mal zu versteuern haben, nur den lokal erwirtschafteten Geainn.

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  • Mausi am 13.03.2015 10:07 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Geld abziehen!

    Jetzt hoffe ich mal, dass jeder Schweizer Kunde der CS sein Geld von dieser Bank abzieht - ansonsten braucht man auch nicht über die Fussball WM in Katar wettern, wenn man diesen Scheichs sogar bei uns noch die Tür öffnet! So traurig wie es ist, aber Geld regiert die Welt und die Schweiz betreibt einen Ausverkauf sondergleichen mit ihren Steckenpferden!

  • heidi am 13.03.2015 09:42 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    tja das wars

    Sbb ist noch 100 % swissness. Aber an ihr lassen wir ja kein gutes haar.