Zu wenig Wachstum

12. Juni 2018 14:02; Akt: 12.06.2018 14:02 Print

Schweizer Online-Händler hinken hinterher

von R. Knecht - Schweizer kaufen im Internet zunehmend bei ausländischen Händlern. Einheimische Firmen können in Sachen Wachstum nicht mithalten.

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Der E-Commerce-Report 2018 zeigt, dass der Schweizer Marktanteil der einheimischen Onlinehändler langsamer wächst als der von ausländischen Unternehmen. «Das sind keine guten Nachrichten», heisst es in dem Bericht. Schliesslich beschleunige Amazon seine Exportprozesse in die Schweiz ... ... und die chinesischen Anbieter JD.com und Alibaba investierten Milliarden in den Aufbau ihrer Logistiknetze für Europa. (Im Bild: Alibaba-Chef Jack Ma) Was Amazon angehe, mache vor allem dessen Fähigkeit, Märkte zu dominieren und Kunden zu binden – etwa mit Amazon Prime –, den Schweizer Händlern Angst. Für Schweizer Firmen gibt es aber noch Hoffnung. So ist die Migros-Tochter Digitec Galaxus laut dem E-Commerce-Bericht ein vorbildlicher Schweizer Onlinehändler. Mit seiner Expansion nach Deutschland und der vereinfachten Logistik könne Digitec Galaxus die Nachteile eines Schweizer Unternehmens kompensieren. Ein ausländischer Anbieter, der für seinen Erfolg in der Schweiz geradezu bewundert wird, ist der deutsche Modehändler Zalando. Er sei heute der bedeutendste Kleider- und Schuhhändler im Land. Amazon, der bei den Schweizer Unternehmen für Angst sorgt, machte kürzlich mit negativen Schlagzeilen auf sich aufmerksam: Laut einem Bericht des ZDF-Magazins «Frontal 21» vernichtet der Onlinehändler Amazon in Deutschland jeden Tag massenhaft neuwertige Produkte. Kühlschränke, Wasch- und Spülmaschinen, Handys, Tablets, Matratzen und Möbel aus deutschen Logistiklagern würden jeden Tag einfach im Müll landen, so die Aussage einer Amazon-Mitarbeiterin gegenüber «Frontal 21». Amazon bestreitet die Vorwürfe nicht, betont aber, dass die Verbesserung von Prozessen hohen Stellenwert für das Unternehmen habe. Amazon zerstört nicht nur Ware aus eigenen Lagern, sondern bietet auch externen Anbietern, die den Logistikservice «Versand durch Amazon» nutzen, die Möglichkeit, unverkaufte oder umgetauschte Ware zu vernichten.

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Der Onlinehandel boomt in der Schweiz, doch die Schweizer Händler geraten zunehmend in Verzug. In den letzten fünf Jahren war das Wachstum der ausländischen Anbieter im Schweizer E-Commerce über dreimal so gross wie das der hiesigen Firmen, wie es im E-Commerce-Report Schweiz 2018 heisst. Ausländische Händler machen damit erstmals mehr als einen Fünftel des Schweizer Onlinehandels aus. Der Bericht wird von der Fachhochschule Nordwestschweiz herausgegeben.

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Diese Entwicklung dürfte weitergehen. Die Autoren des Berichts befragten Manager aus über 30 im Onlinehandel tätigen Schweizer Firmen. 90 Prozent gehen davon aus, dass der Marktanteil der ausländischen Anbieter in den kommenden Jahren weiter steigen wird.

«Das sind keine guten Nachrichten», heisst es in dem Bericht. Schliesslich beschleunige Amazon seine Exportprozesse in die Schweiz und die chinesischen Anbieter JD.com und Alibaba investierten Milliarden in den Aufbau ihrer Logistiknetze für Europa.

Chinas Preise jenseits jeglicher ökonomischer Realität

Den chinesischen Anbietern würden die Schweizer Händler mit Ratlosigkeit gegenüberstehen, «da ihr Preisniveau jenseits jeglicher ökonomischer Realität in der Schweiz liegt», schreiben die Autoren. Zudem würden marktverzerrende Begleitumstände, etwa der Befreiung von Zöllen bei Kleinbeträgen, die Asiaten begünstigen. 2017 kamen 14 Millionen Kleinpakete aus Asien in die Schweiz. Im Vorjahr waren es 9 Millionen.

Was Amazon angehe, mache vor allem dessen Fähigkeit, Märkte zu dominieren und Kunden zu binden – etwa mit Amazon Prime –, den Schweizer Händlern Angst. Niemand wisse, ob, wann und in welcher Form der US-Riese sich in die Schweiz wagen werde.

Hoffnungsträger: Digitec Galaxus

Für Schweizer Firmen gibt es aber noch Hoffnung. So ist die Migros-Tochter Digitec Galaxus laut dem E-Commerce-Bericht ein vorbildlicher Schweizer Onlinehändler: Die Firma unterstütze ihren Wachstumskurs mit einer Expansion nach Deutschland. Noch dieses Jahr soll Galaxus.de für Kunden im Nachbarland zugänglich sein.

Gleichzeitig habe die Firma mit einem neuen Logistikzentrum in Deutschland die Grundlage für eine schnelle und automatisierte Verzollung und Einfuhr in die Schweiz geschaffen. Sowohl mit der Expansion als auch der vereinfachten Logistik könne Digitec Galaxus die Nachteile eines Schweizer Unternehmens kompensieren.

Zalando erntet Bewunderung

Ein ausländischer Anbieter, der für seinen Erfolg in der Schweiz geradezu bewundert wird, ist der deutsche Modehändler Zalando. Viele der Befragten hätten es gar nicht für möglich gehalten, dass das Unternehmen in kurzer Zeit einen grossen Marktanteil erkämpfen würde. Zalando sei heute der bedeutendste Kleider- und Schuhhändler im Land. Der Schweizer Modehandel müsse sich bis auf weiteres damit abfinden, dass er keine Chance habe.

Grund für die Dominanz Zalandos ist laut dem Bericht, dass das Unternehmen voll auf Service setze, etwa mit Gratislieferungen und -rücksendungen. Das Unternehmen erntet allerdings auch Kritik. Die Gewerkschaft Unia bemängelte Anfang Juni, dass der Händler, der in der Schweiz über sogenannte Subunternehmen tätig ist, sozial unverantwortlich sei. Zalando billige, dass die Subunternehmen Lohndumping betrieben und etwa Arbeit auf Abruf, befristete Verträge und gesundheitliche Beeinträchtigungen weitverbreitet seien.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Manuel am 12.06.2018 14:12 Report Diesen Beitrag melden

    Kein Problem

    Beantragt doch einfach eine Netzsperre beim Bund gegen ausländische Onlineshops. Der Bundesrat und das Volk werden euch dabei unterstützen.

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  • Stine am 12.06.2018 14:22 Report Diesen Beitrag melden

    Enormer Preisunterschied CH vs Ausland

    Ja, ja, Fuchs Schmitt-Winterjacke bei CH Peter Hahn Fr. 669.--, gleiche Jacke bei gleicher Firma, jedoch in Oesterreich Euro 269.--, gibts dazu Fragen?

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  • ich und du am 12.06.2018 14:12 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    CH muss noch viel lernen

    Solange die CH Shops immer noch Versandkosten verlangen, haben die keine Chance. Dazu sind die Lieferzeiten viel zu lang. Es kann ja nicht sein das etwas im Ausland bestellt eher da ist als das gleiche nur in der Schweiz bestellt.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Dicker Metzger am 13.06.2018 20:13 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Schweizer Importeure wollen ja keine Gewinne ...

    Naja, wenn ich Laufschuhe von bestimmten Marken möchte, muss ich leider zu Ausländische Onlinehändler ausweichen. Denn die Schweizer Importeure wollen scheinbar nicht wirklich was verkaufen. Dazu der Preisaufschlag von knapp 50% und mehr ...

  • PROLLTRASH am 13.06.2018 18:33 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    glückes schmied...

    wenn ich im ausland bei diversen onlinehändlern bestelle, dann kann ich waren ohne probleme zurückgeben wenn etwas nicht so ist wie es sollte. oft wird der rückversand sogar bezahlt. in der schweiz wirds halt schon beim zurückgeben schwierig. bei einem problem wird man oft auf eine hotline geschoben. und dann ist kein verantwortlicher da...

  • Familienvater am 13.06.2018 17:48 Report Diesen Beitrag melden

    Preise hinken extrem hinterher

    Also wenn ich für sehr vieles. Mindestens 50 Prozent draufzahle, muss ich nicht lange überlegen. Kann doch echt nicht sein, dass wir für alles trotz nidriegerer Mwst. so viel mehr bezahlen müssen. Das einzige was ich niemals anderswo kaufen würde sind Frischprodukte wie Fleisch, Eier, Gemüse, Früchte usw. Aber sonst ist alles nicht teurer sondern "völlig überteuert".

  • ein (guter) bastler am 13.06.2018 16:08 Report Diesen Beitrag melden

    ich bestelle dort, wo ich es finde

    und wenn der Preis noch "anständig" ist. Daher bestell ich doch oft in der Schweiz .... aber eben, CH shops haben bei weiten nicht alles. Da ist man selbst als ehrlicher patriotischer Schweizer gezwungen, im Ausland zu suchen, wo man meistens findet.

  • Max am 13.06.2018 14:44 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Post wieder übeltäter

    Man sollte bei der Post aufräumen! Pakete von China in die Schweiz kosten nur ein Bruchteil was ein innerschweizer Paket kostet. Zudem kommen Briefe aus China an die wie Pakete aussehen. Ein Päckchen von China in die Schweiz kostet so schon mal nur 3 CHF umgekehrt 100.- CHF. Deshslb ist das so teuer in der Schweiz. Ist warscheinlich wie beim Postsuto gebucht.

    • Heinz Maier am 13.06.2018 16:35 Report Diesen Beitrag melden

      @Max

      die feststellung ist korrekt, doch darf man dies nicht so pauschal vergleichen. ansonsten müsste man ihren lohn auch mit jenem in bangladesch vergleichen dürfen. wäre genauso unsinnig.

    • Steht auf dem Schlauch am 13.06.2018 19:08 Report Diesen Beitrag melden

      @Heinz Maier

      Das heisst, das Paket aus China wird von einem Chinesen bis vor die Tür geliefert?

    • Pjotr am 13.06.2018 23:20 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Steht auf dem Schlauch

      nein, aber die Schweizer Post verliert an jedem China Päckchen Geld.

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