Scan-App

29. Dezember 2015 13:54; Akt: 29.12.2015 13:54 Print

Schweizer Start-up sagt Fälschern den Kampf an

von K. Wolfensberger - Produktpiraten machen Unternehmen und Konsumenten das Leben schwer. Eine Lausanner Firma hat eine App entwickelt, die Fälschungen erkennt.

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Wer eine elegante Louis-Vuitton-Tasche oder ein paar schöne Jimmy-Choo-Schuhe kauft, geht immer ein gewisses Risiko ein, das Opfer von Fälschern zu werden. Denn von Produktpiraterie bleibt keine Branche verschont. Die Palette der illegalen Kopien reicht von Medikamenten und Ersatzteilen über DVDs bis hin zu Kosmetika.

Um diesem Problem Einhalt zu gebieten, hat das Lausanner Start-up Scantrust eine App entwickelt. Mit dieser können Kunden oder auch Händler einen auf dem Produkt angebrachten QR-Code scannen. Dieser wird dann mit dem in einer Datenbank von Scantrust hinterlegten Original verglichen. Sofort meldet die App, ob die Codes übereinstimmen. Falls nicht, ist klar, dass es sich beim gescannten Produkt um eine Fälschung handelt.

Genaue Kameras

Gründer von Scantrust sind Justin Picard und Nathan Anderson. Schon früh in seiner Berufslaufbahn habe er begonnen, sich mit dem Thema Produktpiraterie zu beschäftigen, sagt Picard zu 20 Minuten. «Die Entwicklung der App wurde allerdings erst möglich, als Mobiltelefone mit sehr genauen Kameras ausgerüstet würden», so der Unternehmer, der an der Uni Neuchâtel in Informatik doktoriert hat.

Er erklärt, dass ein QR-Code grundsätzlich leicht zu kopieren sei. Doch die Fälscher würden die Qualität des Originals meist nicht erreichen. Der Grund: Beim Kopieren würden Informationen verloren gehen, was nicht zu vermeiden sei. In der Kopie seien somit weniger Informationen erhalten als im originalen QR-Code. «Hier setzen wir an und ermöglichen den Kunden oder Händlern, festzustellen, ob sie tatsächlich ein echtes Produkt oder eine Fälschung in den Händen halten», sagt Picard.

Ein System gegen Fälschungen

Geld verdienen möchte Scantrust, indem es sich von Unternehmen für die Nutzung seiner Scan-App bezahlen lässt. Das Lausanner Start-up bietet ihnen die Möglichkeit, in Echtzeit festzustellen, wo und wann eine Fälschung eines ihrer Produkte auftaucht. Auch Wochen später können sie die Scans zurückverfolgen und analysieren. Die Unternehmen erhalten so die Möglichkeit, die Behörden einzuschalten und gegen die Fälscher vorzugehen. Picard sagt, man könne die Dienstleistung seines Start-ups auch als ein globales «Anti-Fälschungs-Management-System» bezeichnen.

Da weltweit ein Grossteil der Plagiate aus China stammt, beschäftigt Scantrust dort 14 Mitarbeiter, wie die «Handelszeitung» kürzlich schrieb. Das sind doppelt so viele wie am Hauptsitz im Innovationspark der École Polytechnique Fédérale de Lausanne (EPFL). «Chinesen sind es gewohnt, Produkte auf ihre Echtheit überprüfen zu müssen», erläutert Picard. Entsprechend gross sei das Potenzial für seine App in dem Land.

Gefährlichkeit der gefälschten Produkte

Doch wieso sollen Kunden sich überhaupt am Kampf gegen Fälschungen beteiligen? Kann es ihnen letztlich nicht egal sein, ob sie ein Original oder eine Fälschung besitzen? «Ganz und gar nicht», so Picard. Bei einer Tasche mache es vielleicht keinen so grossen Unterschied. Anders sehe es hingegen bei Medikamenten aus. Plagiate könnten falsch dosiert oder verunreinigt sein. Manchmal fehlten die deklarierten Wirkstoffe sogar komplett. Auf dem Spiel stehe dann die eigene Gesundheit – im schlimmsten Fall sogar das Leben des Patienten.

Justin Picard in einem Ted-Talk zum Thema Produktpiraterie:

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Dani Nieman am 29.12.2015 14:05 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Kein bisschen Fälschungssicher

    Einen QR-Code kann man problemlos ohne jeglichen Datenverlust kopieren. Aber mal davon abgesehen, wer möchte, z.B., schon einen Burberryschal mit eingewebtem QR-Code?

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  • montouli am 29.12.2015 14:31 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Louis Vuitton & Co. in der Originalboutique

    ...also wenn man die entsprechenden Produkte in den dafür vorgesehenen Läden kauft, geht man nicht das Risiko ein, dass man eine Fälschung kauft. Wer Luxusartikel über mehr oder weniger dubiose online Shops bestellt, braucht nicht wirklich mit einem Original-Artikel rechnen; vor allem wenn die Preise weit unter dem Original liegen....

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  • patrick h. am 29.12.2015 14:12 Report Diesen Beitrag melden

    typisch

    Und die nächsten welche Schweizer Medikamente verteidigen. Seht es ein, es gibt im Netz mehr als genügend seriöse und günstige Quellen für Medikamente. Aber es sind ja immer und überall gesundheitsschädigende Stoffe drin, nicht wahr Swissmedic?

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Richi am 30.12.2015 10:11 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Viel zu aufwendig - lohnt nicht!

    Egal ob QR oder andere Alleinerkennungsmerkmale, dies ändert nichts im Geringsten an der Tatsache, dass die Plagiatindustrie für ganze Staaten und grosse Regionen der östlichen Welt ein unerlässlicher 3-4 stelligen Milliarden $ Wirtschaftszweig ist. Die betroffenen Unternehmen haben sich längst damit arrangiert und werden kaum in eine solch ideologische, aussichtslose Idee investieren.

  • David am 30.12.2015 08:52 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Nichts neues

    Solche Anwendungen mit schwerpunkt fälschungen aufdecken gibts seit 2 jahren mit einer riesigen datenbank

  • Namious am 30.12.2015 07:52 Report Diesen Beitrag melden

    Medis

    Ein "normalo" in der Schweiz kauft sich auch keine Medikamente von China oder irgendeiner Webseite. Alle Leute die ich kenne shoppen solche Sachen in nem Drogerieladen in der CH!

    • Nesa am 30.12.2015 08:29 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Namious

      oder in der Apotheke :-)

    • Martin am 30.12.2015 09:09 Report Diesen Beitrag melden

      @Namious

      Kaufe nur in der Apotheke. Online bestelle ich nie was auch China. Entweder gefälscht oder aber ein falscher account, der einem einfach Geld abknöpfen will. Medikamente sollte man in der Apotheke kaufen. Die meist Damen dort, wissen doch noch das eine oder andere.

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  • Mayer am 29.12.2015 23:26 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Überflüssige Sachen

    Wieso fälschen Fälscher immer die falschen, d.h. die überflüssigen, die nicht lebensnotwendigen Sachen?

    • Martin am 30.12.2015 09:10 Report Diesen Beitrag melden

      @Mayer

      Wieso fälschen sie überhaupt? Sie könnten ja ein ähnliches Produkt auf den Markt bringen und sich einen eigenen Namen verschaffen?

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  • bruno7 am 29.12.2015 21:04 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Kaum

    Kaum Fälschungssicher! Solche coode können Problemlos in sehr hoher Qualität gedruckt werden, insbesondere wenn es sich lohnt das Produkt zu kopieren.! Also Vorsicht vor falscher Sicherheit.