So was von scharf

18. April 2014 18:22; Akt: 18.04.2014 19:24 Print

Schweizer Start-up will Brillenmarkt aufmischen

von Claudia Landolt - Jeder zweite Erwachsene in der Schweiz trägt eine Brille – ein lukrativer Markt. Ein neues Online-Unternehmen sagt den Grossen der Branche den Kampf an.

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Die Brillen des jungen Zürcher Labels VIU sind online bestellbar und inklusive Korrekturgläser für weniger als 200 Franken zu haben. (Bild: Sandra Kennel)

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Viu heisst das Unternehmen, und ja: Nomen est omen. Dahinter stehen fünf Kumpels, die alle aus der Optikerbranche stammen. Viu – der phonetische Name für das englische «View» bedeutet Sicht, aber auch Aussicht. Und beste Aussichten bietet das Label in der Tat.

Eine Designbrille inklusive Korrekturgläsern gibt es beim jungen Zürcher Label für 195 Franken. Ein erstaunlicher Preis, wenn man davon ausgeht, dass Herr und Frau Schweizer für eine neue Korrekturbrille durchschnittlich rund 600 Franken zahlen. Dieser hohe Preis ist womöglich der Grund, weshalb sich der Schweizer Brillenträger nur alle drei Jahre eine neue Brille kauft. Rein theoretisch könnten also noch viel mehr Brillen verkauft werden. Doch auch so bleibt der Schweizer Brillenmarkt mit jährlich über 1,4 Millionen verkauften Korrekturbrillen ein lukrativer Markt.

Brille soll ein Accessoire werden

Dass Brillen nicht teuer sein müssen, predigt uns Fielmann, einer der grössten Optiker Europas, seit Jahren. Natürlich hat man mit einer Korrekturbrille für 50 bis 100 Franken eine Sehhilfe, die einem den dringend benötigten Durchblick verschafft. Wer die Brille aber als modisches Accessoire oder Statement betrachtete, musste dafür bisher tiefer in die Tasche greifen.

Fabrice Aeberhard und Christian Kägi, zwei Mitglieder des fünfköpfigen Gründerteams von Viu, hatten mit «Sire» bereits ein Label geschaffen, das Hornbrillen im Luxussegment verkauft. Die drei anderen Buddies, Kilian Wagner, Peter Käser und Dominik Müller, sahen jedoch im preisgünstigeren Segment eine Marktlücke. Als Unternehmensberater hatten sie den Markt analysiert und dabei festgestellt, dass sich «seit vierzig Jahren eigentlich gar nichts mehr bewegt hat», wie Kilian Wagner erklärt. «Die hohen Preise für Brillen sind aber nicht nur produktionsbedingt, sondern haben ihre Gründe in der Distribution und der Machtkonzentration in der Produktion», sagt Wagner.

Da 70 Prozent aller Optikerbetriebe drei oder weniger Mitarbeiter hätten, müssten die Kosten für Miete, Mitarbeiterlöhne und Brilleneinkauf an den Kunden weitergegeben werden. Und weil die Marktführer für Brillengestelle, Luxottica und Safilo, ein Quasimonopol auf mehr als 50 grosse Brillenmarken weltweit (u.a. Ray Ban, Prada, Versace, Persol) haben, werden die Einkaufspreise für Optiker künstlich hoch gehalten.

Fielmann begrüsst den Wettbewerb

Viu will etwas anderes: Die Demokratisierung der Brille als modisches Accessoire zum Beispiel. «Wir möchten, dass man mit der Brille spielen kann, sich mehrere Modelle leisten kann», sagt Wagner. Insofern stelle ihr Konzept eine «Erweiterung des Marktes» dar.

Konkurrent Fielmann begrüsst die Konkurrenz der jungen Macher sogar. «Wettbewerb bedeutet ja für den Kunden schlicht mehr Auswahl», sagt Schweiz-Manager Thomas Löhr. «Je mehr er vergleichen kann, desto besser.» Das Viu-Konzept höre sich «interessant» an, so Löhrs weiter.

Tatsächlich handelt es sich um eine kleine Revolution: Da direkt an den Kunden verkauft und der Zwischenhandel ausgeschaltet wird, gibt es eine Viu-Brille bereits für unter 200 Franken. Und dabei handelt es sich nicht um Billigware: Die formschönen Brillen mit den klingenden Namen «Diva», «Witty» oder «The Dedicated» werden von Hand in einem Traditionsbetrieb in den Dolomiten hergestellt. Auch die Gläser seien hochwertig, versprechen die Macher. Die Brillen sind nicht nur im Webshop erhältlich, sondern können auch vier Tage zur Anprobe nach Hause bestellt werden. Ab 19. April gibts neu einen Viu-Flagship-Store an der Grüngasse 4 in Zürich. Im Herbst bietet Viu dann auch im Onlineshop ein «Virtual Try-on» an – also die Möglichkeit, die Brille seiner Wahl fotorealistisch anzupassen.


Das Gründungsteam des Brillen-Labels Viu aus Zürich: Dominik Müller, Kilian Wagner, Peter Käser, Christian Kägi und Fabrice Aeberhard.