Hochspannung

27. August 2014 08:35; Akt: 27.08.2014 08:35 Print

Schweizer Superkabel hilft bei Stromtransport

von Fabian Lindegger - Ein neues Kabelsystem von ABB soll den Stromtransport auf der Langstrecke effizienter und billiger machen. Der Konzern will damit von der Energiewende profitieren.

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Der Technologiekonzern ABB hat kürzlich das nach eigenen Angaben weltweit leistungsstärkste Hochspannungs-Gleichstromkabelsystem präsentiert. «Die Forschung an diesem Kabel hat sechs Jahre gedauert», sagt ABB-Sprecher Antonio Ligi zu 20 Minuten. Zwei der neuen Kabel reichen aus, um den Strombedarf von Paris zu decken. Bisher war die Spannung solcher Kabel auf 320 Kilovolt (kV) beschränkt. ABB sei es nun gelungen, diese auf 525 kV zu steigern. Damit erhöht sich die übertragbare Leistung um 64 Prozent.

Zudem sei auch die Übertragungsdistanz auf 1500 Kilometer gesteigert worden und die Übertragungsverluste würden weniger als 5 Prozent betragen, wie ABB mitteilt. Mit den bisherigen Kabel konnte der Strom nur rund 1000 Kilometer transportiert werden und die Verluste betragen heute im Schnitt rund 6 Prozent. Dank dem neuen Kabel kann also künftig Strom billiger über weite Distanzen transportiert werden.

Wichtig für erneuerbare Energien

«Wenn in Zukunft mehr Strom aus entfernt gelegenen Offshore-Windparks oder grossen Solaranlagen im Süden zum Verbraucher transportiert wird, dann braucht es eine erhöhte Transportkapazität», beschreibt Christian Franck, Professor am Institut für Elektrische Energieübertragung und Hochspannungstechnik an der ETH Zürich, das Marktpotenzial. ABB hofft denn auch, mit dem neuen Kabel vom Wachstum im Bereich der erneuerbaren Energien profitieren zu können.

Ebenfalls von Bedeutung sei, dass sich das Kabel unterirdisch und unter Wasser einsetzen lässt: «In vielen Ländern sind neue Freileitungen gesellschaftlich nicht akzeptiert und es ist sehr schwierig geworden, dafür eine Bewilligung zu erhalten», sagt Franck. Unterirdische Stromübertragung hingegen sei eher akzeptiert und für Offshore-Windparks gäbe es gar keine Alternative zu einem Unterseekabel, sagt Franck weiter.

Grosses Potenzial in Europa

ABB hofft deshalb, dass dank dem neuen Kabel neue Projekte umgesetzt werden, die sich mit den bisherigen Mitteln nicht wirtschaftlich realisieren lassen. Zum Beispiel weil nur noch ein statt wie bisher zwei Kabel verlegt werden müssten.

In Europa existieren aufgrund der Förderung von alternativen Energien und der vielerorts in die Jahr gekommenen Stromnetze viele Projekte für Gleichstromtrassen. In Deutschland ist etwa eine rund 800 Kilometer lange Hochspannungsleitung geplant, die den Strom aus den Windparks der Nord- und Ostsee in die wirtschaftlichen Zentren im Süden des Landes bringen soll. Gegen das Projekt, das vor allem den Bau von neuen 320-kV-Freileitungen vorsieht, regt sich allerdings grosser Widerstand in der Bevölkerung. Von verschiedener Seite sind deshalb unterirdische Hochspannungsleitungen gefordert worden.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Kritiker am 27.08.2014 12:28 Report Diesen Beitrag melden

    +/-525kV 2.6Gigawatt 1500km Kabel-HGÜ

    Die Hochspannungsleitung ist immer noch billiger, Vergleich fehlt (Grabungsarbeiten!) Auch Freileitungs HGÜ ist besser: +/-1.1Gigavolt 10Gigawatt über 3000km. HGÜ durch D wird kaum mit Kabeln gemacht werden: längstes Seekabel 580km, längstes Bodenkabel 180km (Angaben: ABB). @Kevin: diese Verluste sind weit geringer als die Übertragungsverluste, ich rate mal ~1%. @ Erik Schiegg: es sind die Einsprachen und unser politisches System (Staat!) die die EW's zu solchen Lösungen zwingen. ABB präsentiert nur mögliche Lösungen! Wer heute schreit oder Einsprache macht der muss morgen auch zahlen!

  • Kevin am 27.08.2014 10:46 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Verluste

    Und wie siehts mit den verlusten durch gleich- und anschliessendem wechselrichten aus?

  • South99 am 27.08.2014 14:36 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Nur gut so

    Hochspannung Freileitungen sind kaum noch realisierbar in Europa weil keiner mehr vor seinem Fenster dieses sehen möchte und die Einsprachen kaum zu überbrücken sind. Das nun dies der ABB gelungen ist die Spannung auf diesen Wert zu bringen und den Übertragungsverlust noch zu reduzieren ist toll und Erfolgsversprechend.

Die neusten Leser-Kommentare

  • South99 am 27.08.2014 14:36 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Nur gut so

    Hochspannung Freileitungen sind kaum noch realisierbar in Europa weil keiner mehr vor seinem Fenster dieses sehen möchte und die Einsprachen kaum zu überbrücken sind. Das nun dies der ABB gelungen ist die Spannung auf diesen Wert zu bringen und den Übertragungsverlust noch zu reduzieren ist toll und Erfolgsversprechend.

  • Kritiker am 27.08.2014 12:28 Report Diesen Beitrag melden

    +/-525kV 2.6Gigawatt 1500km Kabel-HGÜ

    Die Hochspannungsleitung ist immer noch billiger, Vergleich fehlt (Grabungsarbeiten!) Auch Freileitungs HGÜ ist besser: +/-1.1Gigavolt 10Gigawatt über 3000km. HGÜ durch D wird kaum mit Kabeln gemacht werden: längstes Seekabel 580km, längstes Bodenkabel 180km (Angaben: ABB). @Kevin: diese Verluste sind weit geringer als die Übertragungsverluste, ich rate mal ~1%. @ Erik Schiegg: es sind die Einsprachen und unser politisches System (Staat!) die die EW's zu solchen Lösungen zwingen. ABB präsentiert nur mögliche Lösungen! Wer heute schreit oder Einsprache macht der muss morgen auch zahlen!

  • Walter am 27.08.2014 12:26 Report Diesen Beitrag melden

    SBB-ABO KÖNNEN NUN GESENKT WERDEN

    so einfach ist die Sache

  • Kevin am 27.08.2014 10:46 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Verluste

    Und wie siehts mit den verlusten durch gleich- und anschliessendem wechselrichten aus?

  • Erik Schiegg am 27.08.2014 10:34 Report Diesen Beitrag melden

    "von der Energiewende profitieren"

    Genau da liegt das Problem: Alle wollen mit der Lösung eines überlebenswichtigen Problems fett profitieren. Solche Aufgaben gehören in staatliche Hand, die nicht profitorientiert ist, sondern sich nur um die kostengünstigste Problemlösung kümmert.

    • Frank am 27.08.2014 11:14 Report Diesen Beitrag melden

      Forschung in staatlicher Hand

      Die Vergangenheit hat immer wieder gezeigt, dass Forschung, welche von gewinnorientierten Unternehmen betrieben wird effizienter sind. Nahrungsmittel sind auch überlebenswichtig, dennoch werden sie von gewinnorientierten Unternehmen produziert. Ich sehe auch nicht so sehr, was das Problem an der Gewinnorientierung sein soll. Gerade bei sehr grossen Firmen wie der ABB sind sowieso häufig Pensionskassen mit im Spiel, und somit profitieren wir alle dann wieder davon - fast wie bei Deiner Staatslösung, einfach mit Effizienz.

    • Erik Schiegg am 27.08.2014 12:51 Report Diesen Beitrag melden

      Ich erinnere an die Einführung von

      SWISSGRID: Als die Sache dann für den Konsummenten wesentlich teurer wurde, haben FDP-Politiker zynisch bemerkt:"Niemand habe gesagt, dass es mit der Liberalisierung billiger werde!" Und was die Forschung angeht, so übernimmt der Staat mit der Universitären Ausbildung die Hauptkosten, während nicht der Staat, sondern das meistbietende, auch ausländische Unternehmen den vom Staat ausgebildeten Akademiker bekommt. Kein Unternehmen könnte mit einem negativen return-of-investment arbeiten und das muss sich beim Staat ändern. Es ist Zeit, dass der Gewinn der Forschung auch an den Staat geht.

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