Marken-Preisvergleich

08. Juli 2011 11:02; Akt: 18.07.2011 15:06 Print

Schweizer bezahlen bis zu 100 Prozent mehr

von Sandro Spaeth - 20 Minuten Online hat in Deutschland 20 Produkte eingekauft und die Preise mit jenen in der Schweiz verglichen. In Weil am Rhein kostet der Warenkorb 47 Franken, in Basel satte 71.

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20 Minuten Online hat in Deutschland eingekauft und die Preise mit der Schweiz verglichen. Bei Marktkauf in Weil am Rhein kostet diese Zahnpasta umgerechnet 85 Rappen. Bei Coop in Basel kostet dieselbe Menge 1.70 - das ist exakt doppelt so viel. Für diese Konfitüre zahlt man in Deutschland umgerechnet 2.71, in der Schweiz sind es 5.30 Franken. Das ist ein Mehrpreis von 96 Prozent. Happig ist der Preisunterschied auch bei Meister Proper: In der Schweiz kostet der Allzweckreiniger 89 Prozent mehr als in Deutschland. Die Halbfettmargerine Lätta (250g) ist in der Schweiz 70 Prozent teuerer. Der Brotaufstrich Philadelphia kostet in Deutschland umgerechnet 1.84 Franken, in der Schweiz schlägt die selbe Menge mit 2.70 zu Buche. Das sind 33 Prozent mehr. Der Preis für ein Nutella Glas mit 400 Gramm Inhalt liegt in Deutschland bei umgerechnet 2.46 Franken, in der Schweiz sind es 3.50 Franken. Dies entspricht einem Mehrpreis von 42 Prozent. In Deutschland viel günstiger sind auch die Schweizer Emmi Produkte: Marktkauf verkauft Caffè Latte Espresso für umgerechnet 1.55 Franken. Bei Coop in der Schweiz kostet das Milchgetränk 2.10 Franken. Wer hats erfunden? Die Schweizer! Aber sie müssen für die Ricola-Zitronenmelisse-Bonbons auch mehr bezahlen. Verkaufspreis bei Coop: 2.90 Franken; Verkaufspreis bei Marktkauf: 1.85 Franken. Von den 20 getesteten Produkten ist in Deutschland einzig Red Bull teurer. Die Dose schlägt mit umgerechnet 1.97 Franken zu Buch, bei Coop sind es nur 1.65 Franken.

Hochpreisinsel Schweiz: Von 20 getesteten Markenprodukte ist ennet der Grenze nur Red-Bull teurer. Ansonsten zahlen Schweizer bis 100 Prozent mehr.

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«Bei uns ist Ihr Franken mehr wert», steht auf der Ausfuhrbescheinigung der deutschen Ladenkette Marktkauf, welche die deutschen Zollbeamten derzeit im Akkord abstempeln. Die Marktkauf-Filiale im Rhein Center in Weil am Rhein ist die erste Adresse für Basler Sparfüchse. Das Shopping-Paradies steht sozusagen auf der Landesgrenze. Zu Tausenden pilgern Schweizer derzeit die wenigen Meter über die Hafenbrücke nach Deutschland; mit dem Auto, dem offiziellen Bus oder zu Fuss.

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Den Schweizer Detailhändlern entgehen durch die Einkaufstouristen allein bei den Lebensmitteln 2,5 Milliarden Franken, wie die Beratungsfirma Furrer & Hotz letzte Woche bekannt gab. Unter die Schnäppchenjäger mischte sich auch der 20-Minuten-Online-Redaktor und kaufte in Deutschland 20 Markenartikel: von Barilla-Teigwaren bis Ricola-Bonbons. Im Marktkauf kostete der Einkauf 41 Euro, was beim aktuellen Kurs rund 51 Franken entspricht. Zieht man noch die deutsche Mehrwertsteuer ab, belastet der Kauf die Brieftasche noch mit 47 Franken.

Zahnpasta: Doppelter Preis in Basel

Dieselben Artikel beschaffte sich 20 Minuten Online auch bei Coop in Basel. Die nächste, eher kleine Filiale liegt nur 1,5 Kilometer vom deutschen Rhein-Center entfernt. Bei Coop kosten dieselben Waren 71 Franken, was einem Mehrpreis von 53 Prozent entspricht (siehe Tabelle). Am grössten ist die Preisdifferenz bei der Dentagarde-Zahnpaste von Colgate: Kostet das Produkt in Deutschland umgerechnet 85 Rappen, muss man in der Schweiz 1.70 Franken hinblättern, was exakt dem doppelten Preis entspricht. Einzig Red Bull ist in der Schweiz 68 Rappen günstiger.

Rekordverdächtig ist die Differenz auch bei der Kirschenkonfitüre des französischen Herstellers Bonne Maman. In Deutschland kostet das Glas (370g Inhalt) 2.71 Franken. Hierzulande bezahlen wir fürs identische Produkt 5.30 Franken (+96%). Ebenfalls viel tiefer in die Tasche greifen müssen Schweizer fürs Putzmittel Sauberkeit & Glanz von Meister Propper: Bei Marktkauf kostet der Liter umgerechnet 2.09 Franken, bei Coop 3.95 Franken. Erstaunlich ist zudem, dass selbst Schweizer Produkte wie Emmi Caffè Latte und Ricola-Bonbons in Deutschland günstiger sind als in der Schweiz (siehe Tabelle).

Migros verkleinert

Dass die Detailhändler in Basels Norden unter dem Einkaufstourismus leiden, zeigt sich auch am Beispiel des Stücki-Einkaufscenters. Der über 100 Läden umfassende Shopping-Tempel liegt nur rund einen Kilometer vom deutschen Rhein Center entfernt. Die Mieter sind mit den Kundenfrequenzen unzufrieden, denn statt ins Stücki fahren die Leute gleich nach Deutschland. Die Notbremse gezogen hat u.a. auch Migros. Sie reduziert derzeit ihre Verkaufsfläche im Stücki um die Hälfte auf 2500 Quadratmeter.

Laut der Studie von Furrer & Hotz kaufen 70 Prozent der Schweizerinnen und Schweizer gelegentlich im Ausland ein – und profitieren zudem von der Rückerstattung der Mehrwertsteuer. Man muss nicht einmal danach fragen, schon stecken einem die Angestellten im Marktkauf in Weil am Rhein die grünen Ausfuhrbescheinigungen entgegen – es ist ja eh jeder Schweizer hier. Ganz unten auf dem A4-grossen Ausfuhrpapier steht geschrieben: «Bei Marktkauf eingekauft – viel Geld gespart.» In unserem Fall fast 25 Franken – oder fast 35 Prozent. Die Hochpreisinsel Schweiz lässt grüssen.

Tabelle
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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Erik Schiegg am 22.08.2011 12:01 Report Diesen Beitrag melden

    Seit die CH-Multis

    (Banken, Nestle, Generalimporteure, etc.) international wurden, gibt es keinen Einkaufspatriotismus mehr. Nur, wenn ich viel bessere Qualität für mehr Geld bekomme. Ich würde auch gerne im Käselädeli im Städtli einkaufen, aber das liegt nur für Besserverdienende drin. Immerhin kaufe ich Produkte aus der Region, wenn diese 25-50% reduziert sind (oranger Punkt). Oder soll ich nur CH-Produkte zum vollen Preis kaufen und dafür den halben Monat hungern? Nur wer von finanziellen Sorgen weitgehend befreit ist, kann sich solchen Patriotismus leisten.

  • Roland Gloor am 08.07.2011 11:50 Report Diesen Beitrag melden

    Hochpreisinsel Schweiz

    Es ist Menschlich dass man dort einkauft wo es am Günstigsten ist. Es ist Menschlich dass man dort Arbeiten will wo es die höchsten Löhne gibt Es ist auch menschlich dass man schreit wenn der Arbeitsplatz weg ist. Denn jeder Schweizer der dauern im Ausland einkauft schneidet sich ins eigene Fleisch.

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  • M. Weible am 08.07.2011 12:47 Report Diesen Beitrag melden

    Grosskonzerne machen es vor...

    Und da ärgert sich ein gewisser Hr. Loosli von Coop dass Schweizer als wie mehr im Ausland einkaufen. Die Grossen Unternehmen machen es doch genau gleich vor, sie kaufen auch ein wo es am günstigsten ist und nützen jede günstige Gelegenheit. Wenn die Grossverteiler und Importeure den Währungsvorteil an die Schweizer Konsumenten weitergeben würden, müssten sich Coop/Migros etc. wohl weniger zu sorgen.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Sandra am 26.08.2011 16:24 Report Diesen Beitrag melden

    Konusmenten werden abgezockt

    ach ja wie meine Gesichtspflege von Garnier. Preis DE 6.45 Euro, Preis CH 18.90/21.90 je nachdem wo ich einkaufe.... erklär mir mal einer was einen mehr als doppelten Preis rechtfertigt? Abzocke nenn ich das :(

  • Hansotto Gsell am 26.08.2011 15:29 Report Diesen Beitrag melden

    Wolskine Jacke

    Eine Wolskine Regenjacke kostete im Ausverkauf in Basel Fr.300, dann im Normalverkauf glweiches Prosukt in Lörrach 170 Euro, noch ohne den Grenzabzug

  • Peter am 25.08.2011 13:35 Report Diesen Beitrag melden

    Preiszuschlage über 300%

    Bei grösseren Haushaltgeräten zahlt der Schweizer häufig über 300% mehr (habe dazu schriftliche Belege aus Käufen). Die 100% sind deshalb diesbezüglich eine starke Untertreibung des Problems. Den Preis für Schweizer zu verdreifachen oder zu vervierfachen ist eine unglaubliche Frechheit.

    • Crissi1 am 26.08.2011 17:48 Report Diesen Beitrag melden

      Genau!!

      Genau!! Und jetzt soll mir mal jemand sagen, dass ihm sein Portemonnaie nicht näher ist als die Solidarität zur CH! Also ICH kaufe da, wo es günstiger ist und zwar OHNE schlechtes Gewissen!!!! Basta!

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  • Christian R am 25.08.2011 13:02 Report Diesen Beitrag melden

    sauerei!!

    Das bestimmte Produkte bei uns mehr kosten als im Ausland,ok! aber bestimmt nicht unsere eigenen!(Emmi,Medikamente.....)

  • Otto von Arx am 24.08.2011 16:02 Report Diesen Beitrag melden

    Runter mit den Löhnen!

    Wie wäre das? Man sänke die Löhne in der Schweiz um rund 35 % und könnte dadurch in den Einkaufszentren endlich die Verkaufspreise reduzieren!

    • G.H. am 26.08.2011 11:55 Report Diesen Beitrag melden

      Zynismus stoppen bitte !

      Sie gehören wohl zu dieser Clique von Importeuren und Gewerbetreibenden, welche NICHTS von den gesunkenen Importpreisen an Konsumenten weitergeben wollen und welche die Zeichen der Zeit nicht erkannt haben. Im Zeitalter von Internet und Globalisierung muss das Gewerbe erkennen, dass Konsumenten wählen können und nicht länger bereit sind, jeden (Wucher-)Preis zu bezahlen, nur damit sich einige wenige teure Autos etc. leisten können. Diese Angstmacherei verfängt nicht mehr. Die Margen (vor allem Gewinne) von Geschäften müssen und werden sinken !

    • Marc M am 26.08.2011 12:56 Report Diesen Beitrag melden

      genau

      der einzige weg!! Ja

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