Arbeit und Freizeit

08. August 2018 13:44; Akt: 08.08.2018 13:44 Print

Schweizer wechseln Jobs für Work-Life-Balance

von Dominic Benz - Laut einer Umfrage ist Flexibilität am Arbeitsplatz das Mass aller Dinge. Das liegt nicht nur am boomenden Arbeitsmarkt.

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In der Schweiz sucht jeder Fünfte nur deshalb einen neuen Job, weil er die eigene Work-Life-Balance verbessern will. Das ist das Resultat einer Befragung des Personalberaters Page Group bei 650 Stellensuchenden. Viele wollen den Beruf ideal mit dem Privatleben verknüpfen. Für den Personalexperten Matthias Mölleney sind unter anderem die veränderten gesellschaftlichen Rollenmodelle dafür verantwortlich. «Heute wollen zunehmend beide Elternteile arbeiten. Das ist aber fast nur möglich, wenn sowohl Arbeitgeber als auch Arbeitnehmer flexibel sind.» Für den Arbeitspsychologen Felix Frei hat der hohe Stellenwert der Work-Life-Balance damit zu tun, dass die Arbeit oft nicht so erfüllend ist. «Heute hat man oft nicht mehr einen Beruf im Sinne von Berufung, sondern bloss noch einen Job.» Und wie steht es um die Work-Life-Balance in verschiedenen Ländern der Welt? Diese Frage stellte das Expat-Portal Internations Menschen, die ihre Heimat verlassen haben und nun im Ausland berufstätig sind. Die Schweiz hat es nicht in die Top 10 geschafft. Sie ist auf Platz 37 und gehört damit laut Studienautoren zur oberen Hälfte der Länder mit der schlechtesten Work-Life-Balance Platz 10: Malta Platz 9: Oman Platz 8: Niederlande Platz 7: Costa Rica Im Bild: ein Firmengebäude in San José, der Hauptstadt von Costa Rica. Platz 6: Schweden Platz 5: Neuseeland Platz 4: Tschechische Republik Platz 3: Norwegen Platz 2: Bahrain Platz 1: Dänemark Zum Schluss noch die Übersicht. Die Schweiz schaffts leider nur auf Platz 37.

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Die perfekte Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben spielt für Schweizer Arbeitnehmer eine grosse Rolle. So sucht jeder Fünfte nur deshalb einen neuen Job, um die eigene Work-Life-Balance zu verbessern. Das ist das Resultat einer Befragung des Personalberaters Page Group bei 650 Stellensuchenden.

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Zudem würden knapp zwei Drittel der Befragten die jetzige Work-Life-Balance nicht für einen neuen Job aufgeben. Laut dem Unternehmen ist es das erste Mal seit Beginn der Befragung 2014, dass die Mehrheit der Befragten ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Beruf und Freizeit so hoch gewichtet.

«Es geht um Zeitautonomie»

Doch warum wird die Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben immer wichtiger? Personalexperte Matthias Mölleney sieht den Grund nicht darin, dass die Leute weniger arbeiten wollen. «Es geht um Zeitautonomie. Arbeitnehmer wollen selber entscheiden, wann und wie sie arbeiten.» Fixe und starre Arbeitszeiten seien bei Arbeitnehmern nicht mehr gefragt. Daher gelte: Je flexibler die Zeitgestaltung, desto attraktiver die Stelle.

Laut Mölleney ist das Bedürfnis nach der idealen Work-Life-Balance kein neues Phänomen: «Das gibt es schon seit Jahrzehnten.» Doch viele Arbeitgeber hätten es zunehmend schwieriger, Stellen ideal zu besetzen. Bewerber könnten daher immer mehr fordern und den Wunsch nach mehr Flexibilität häufiger einbringen. «In den letzten vier Jahren hat sich der Trend zugespitzt», sagt Mölleney.

Boomender Arbeitsmarkt

Für den Experten sind allerdings auch die veränderten gesellschaftlichen Rollenmodelle dafür verantwortlich. «Heute wollen zunehmend beide Elternteile arbeiten. Das ist aber fast nur möglich, wenn sowohl Arbeitgeber als auch Arbeitnehmer flexibel sind.»

Dass die Ansprüche an eine ideale Work-Life-Balance so dominieren und andere Themen wie Arbeitslosigkeit in den Hintergrund drängen, könnte am boomenden Arbeitsmarkt liegen. Im Juni lag die Arbeitslosenquote mit 2,4 Prozent auf einem Zehnjahrestief. Zudem legten die offenen Stellen seit Anfang Jahr um mehr als ein Drittel zu.

Gefühl von Sicherheit

Die positive Entwicklung widerspiegelt sich auch in der Umfrage von Page Group. Knapp zwei Drittel der befragten Jobsuchenden sind zuversichtlich, eine neue Stelle zu finden oder ihre berufliche Situation in den nächsten 12 Monaten zu verbessern. Das ist der höchste Wert seit Beginn der Umfrage im Jahr 2014. «Vor allem Fachkräfte müssen sich keine Sorgen machen, keine Stelle zu finden», sagt Mölleney. Das gebe ein Gefühl der Sicherheit: Man könne über einen Wechsel nachdenken, ohne gleich alles aufs Spiel zu setzen.

Für den Arbeitspsychologen Felix Frei hat der hohe Stellenwert der Work-Life-Balance damit zu tun, dass die Arbeit oft nicht so erfüllend ist. «Heute hat man oft nicht mehr einen Beruf im Sinne von Berufung, sondern bloss noch einen Job», sagt Frei zu 20 Minuten. Dieser sei häufig austauschbar und wenig identitätsstiftend. Andere Kriterien wie Lohn oder eben die Flexibilität am Arbeitsplatz erhielten dann mehr Gewicht. «Jemand, der in seiner Arbeit aufgeht, denkt weniger über die Work-Life-Balance nach», so Frei.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Irnimirny am 08.08.2018 13:53 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Yup

    Ja mach ich auch so, aber mein Chef der ein workaholic ist, und sieht wie ich mein leben geniesse gönnt es mir gar nicht und da kommen immer dumme Sprüche... aber ich ignorier es und lächle nur und er rastet innerlich noch mehr aus

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  • Herbert Rosenkranz am 08.08.2018 13:58 Report Diesen Beitrag melden

    "Flexibilität"

    Was für ein Unwort. Es bedeutet einfach man sich rumschubsen lassen soll, die Klappe halten und "spuren" muss. Vielleicht sind wir in einer Zeit angekommen wo Arbeitgeber eben nicht mehr das Unmögliche verlangen können. Der Mensch ist frei! Liebe Arbeitgeber merkt euch das. Vom Ausnutzen und anschreien wird dereinst jeder zum Saboteur und das zumeist unbewusst. Wertschätzung ist halt das Gegenteil von Druck machen. Die Leute wollen keinen Müll konsumieren, sie wollen frei leben. Ich weiss, ich träume.

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  • Roman am 08.08.2018 14:12 Report Diesen Beitrag melden

    5er unds Weggli

    Ich wollte für die Balance mein Arbeitspensum um 20% reduzieren. Mein Arbeitgeber wäre damit einverstanden gewesen, jedoch kann ich mehr "Balance" keine Rechnungen bezahlen.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Dan y el am 09.08.2018 08:50 Report Diesen Beitrag melden

    Neue Zeitwerte und Wende

    Boersen wechseln die Kursrichtungen, Bäume wachsen nicht bis in den Himmel......alles hat ein Auf und ein Ab. Die unendlich erscheinende Straffung an den Arbeitsmaerkten und die zahllosen Umstruckturierungen zur Verbesserung der Producktivitaet (Gewinnobtimierung) durch die Humanressourcen geräet nun in eine Wechselbewegung. Die Wechselwirkung gewinnt an Wachstum. "Es wurde übertrieben"

  • milkiway am 09.08.2018 07:05 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    das stimmt

    das stimmt ich überlege es mir auch . Fange 10 Uhr an und bin 19 Uhr fertig . früh kann ich nichts machen und abends auch nicht . Und würde gerne auch zur Abwechslung mehr Sport machen .( dazu bin auf Zug angewiesen )

  • Peter Panther am 08.08.2018 23:17 Report Diesen Beitrag melden

    Ein serviles Volk

    Ein braves Volk der Mieter, welches fürstliche Mieten zahlt, ein unterwürfiges Volk der Arbeitnehmer, welches nie streikt, ein Volk von Prämienzahlern, welches für die Gesundheit die Kassen ergiebig füttert, ein Volk, welches den Grossunternehmern und Managern servil dient, damit sich diese ihre Träume erfüllen können. Das sind die Schweizer.

    • dudum am 09.08.2018 09:19 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Peter Panther

      Sie haben soeben ein ganzes Volk kurz und knapp äusserst treffend beschrieben. Aber bitte nicht zu laut sagen sonst kommt es wieder von oben ;)

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  • Budbummbumm am 08.08.2018 21:58 Report Diesen Beitrag melden

    6 Wochen Ferien Initiative

    Man erinnere sich an die 6 Wochen Ferien Initiative, die vom Volk versenkt wurde. Irgendwelche schizofren das Volk: versenkt die Ferieninitiative aber will mehr Freizeit, beklagt sich drüber dass alles teurer wird aber versenkt die nobillag Initiative. So geht es immer weiter, ich stimm schon garnicht mehr ab , reine Zeitverschwendung. Aber amüsant das zu vervolgen.

    • Farce am 09.08.2018 00:07 Report Diesen Beitrag melden

      @Budbummbumm

      Nun, da bin ich mir nicht so ganz sicher, was bei jener Abstimmung genau abgelaufen ist. Wer bestimmt denn im Endeffekt, ob etwas gewählt wurde oder nicht? Genau - die Stimmenzähler. Alles Lug und Trug in der Politik. Jene die bestimmen können sind nicht gewählt und jene die gewählt sind, haben nichts zu bestimmen. Horst Seehofer.

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  • kritiker am 08.08.2018 20:32 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Rather freedom than security

    Googlet mal nach den 5 meistgenannten Dingen, die Leute am Sterbebett gesagt haben. Ich bin jetzt 27 und gebe Gas, so dass ich mir ein solides Einkommen sichern kann. Spätestens ab 30ig (nachdem ich 6-9 Monate um die Welt gereist bin) möchte ich 70-80% arbeiten. Auf den Lohnausfall pfeiffe ich.. Das ist mein Traum und mein Plan. Mal schauen, wie kommt. Ich bin zuversichtlich.