Gastrobetriebe klagen

11. April 2012 11:40; Akt: 11.04.2012 14:44 Print

Schweizer essen lieber zu Hause

Fast zwei Milliarden Franken weniger fürs Auswärtsessen haben Herr und Frau Schweizer im vergangenen Jahr ausgegeben. Auch der Getränkekonsum ging massiv zurück.

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Schweizer Restaurants müssen Umsatzeinbussen hinnehmen. (Bild: Keystone)

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Lieber daheim eine Kerze auf den Tisch stellen als zum Candlelight-Dinner ins Restaurant gehen - das ist günstiger und schmeckt auch, sagen sich offenbar viele Schweizerinnen und Schweizer. Die Wirte machen sich deswegen grosse Sorgen.

Fast 1,9 Milliarden Franken weniger flossen gemäss Branchenverband GastroSuisse letztes Jahr in die Kassen der Schweizer Gastrobetriebe. Das sind zwar immer noch 24,2 Milliarden Franken, aber doch sieben Prozent weniger als im Jahr 2010, wie GastroSuisse-Direktor Bernhard Kuster am Mittwoch in Zürich vor den Medien ausführte.

Vor allem bei den Getränken sparten die Gäste: 13 Prozent weniger zahlten sie für Getränke zum Essen. Jene, die einzig etwas trinken wollten, gaben gar 22,3 Prozent weniger aus. Fürs Essen ausser Haus gaben Schweizerinnen und Schweizer 4,1 Prozent weniger Geld aus.

GastroSuisse beurteilt die Lage als besorgniserregend. Die Konsumentenstimmung liegt laut Kuster deutlich unter dem langjährigen Mittel. Sie sei für die Gastronomie das grosse Problem.

Der Hotellerie bereitet dagegen vor allem der starke Franken Sorgen. Die Situation sei «wirklich dramatisch», vor allem für Regionen - wie den Kanton Graubünden - mit einem grossen Anteil an Gästen aus Europa. In der Vierwaldstättersee-Region könne der Rückgang zumindest teilweise durch Gäste aus Asien wettgemacht werden.

Der Rückgang der Nachfrage hat sich gemäss Kuster auch auf den Personalbestand ausgewirkt. Die Zahl der Vollzeit-Beschäftigten ging um 4210 zurück, jene der Teilzeit-Angestellten um rund 4500.

Politik legt Steine in den Weg

Zwar versuche die Branche «auf Kurs zu bleiben» und investiere, die Politik lege ihr aber immer mehr Steine in Form von immer neuen und strengeren Vorschriften in den Weg, sagte Zentralpräsident Klaus Künzli.

Die «Beseitigung der steuerlichen Diskriminierung des Gastgewerbes» sei eine der Hauptforderungen an die Politik. Es gehe nicht an, dass im Restaurant abgegebene Lebensmittel höher besteuert würden als jene, die beim Detailhändler oder am Take-Away gekauft würden. Das sei ungerecht.

Die GastroSuisse-Volksinitiative, welche die ungleichen Mehrwertsteuersätze abschaffen will, müsse gleichzeitig mit der geplanten Revision des Mehrwertsteuer-Gesetzes behandelt werden, verlangt Künzli. Eine Besteuerung gastgewerblicher Leistungen zum reduzierten Satz (2,5 statt 8 Prozent) sei die «richtige Lösung».

Als «reine Zwängerei» bezeichnete Künzli die Volksinitiative «Schutz vor Passivrauchen» der Lungenliga. Das geltende Bundesgesetz «zum Schutz vor Passivrauchen» sei ein «realistischer politischer Kompromiss». Die mit der neuen Volksinitiative verlangte Verschärfung sei unverhältnismässig und beschränke die unternehmerische Freiheit über Gebühr.

Kritik übte der GastroSuisse-Präsident auch an drei weiteren Gesetzesvorlagen: Das Präventionsgesetz sei überflüssig und öffne weiteren Staatsinterventionen Tür und Tor. Mit der Revision des Lebensmittelgesetzes gebe es Deklarationen, die «den zumutbaren administrativen Aufwand deutlich übersteigen».

Weiter wehre sich GastroSuisse gegen zwei Verschärfungen des neuen Alkoholgesetzes, nämlich das Happy-hour-Verbot für Spirituosen und die Testkäufe durch Jugendliche. Zuversichtlich ist der Branchenverband allerdings, dass aufgrund einer Motion im eidgenössischen Parlament die bürokratischen Hürden zur Errichtung von Strassencafés beschränkt werden.


(Video: Keystone)

(sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Schoggi Freund am 11.04.2012 15:39 Report Diesen Beitrag melden

    Wenn Wunderts?

    Habe letzten Sonntag mit meiner Freundin eine 5dl Cola & und eine warme Schokolade 2dl bestellt in einem Restaurant, als Wir Bezahlten kam der Shock 10.50SFr. Da gehen Wir nie wieder hin, man kann sich die Gäste auch mit überteuerten Getränken Vergraulen, und das in einer normalen Dorfbeiz auf dem Lande. Zuhause kann man Rauchen, Essen und Trinken zu Normalen Preisen, und man weiss was auf den Tisch kommt ist frisch!

  • Bernhard Kuster am 11.04.2012 12:30 Report Diesen Beitrag melden

    Das Geld nicht wert

    Die Preise in der Schweizer Gastronomie sind eine Frechheit, da wird abgezockt dass sich die Balken biegen. Sogar für Leitungswasser muss bezahlt werden. Und dann noch billiges Schmuggelfleisch in Zürich den Gästen zum vollen Preis unterjubeln. Ich habe auch beobachtet, dass die Umsätze gar nicht erst getippt werden. Das ist Steuerbetrug.

  • Kurt Flury am 11.04.2012 14:00 Report Diesen Beitrag melden

    Das Rauchverbot zeigt Wirkung

    Wieso sollte ich als Raucher ins Restaurant gehen, wenn rauchen überall verboten ist.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Erika am 11.04.2012 20:54 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Auswärts Essen

    Ich kann mir vorstellen, dass das Rauchverbot die Hauptursache ist und dann darf man ja auch praktisch nichts mehr trinken. Zu einem guten Essen gehören auch 1-2 Gläser Wein. Das wäre dann schon zuviel. Es macht keinen Spass mehr auswärts zu essen. Mein Mann würde gerne nach dem Essen eine gute Zigarre rauchen, man würde noch Kaffe und einen Kirsch oder so nehmen. Es wäre gemütlich und schön. Nun essen wir schnell und gehen dann nach Hause wo es gemütlich ist.

  • Hanspeter Meier am 11.04.2012 18:26 Report Diesen Beitrag melden

    Günstig auswärts essen, nicht in CH

    Ja, bin ich froh, nicht mehr in der Schweiz leben zu müssen. Da wo wir wohnen gehen wir meistens auswärts essen und zahlen im Schnitt für 2 Personen inkl. Getränke und Kaffee zwischen 15 und 20 Franken. Steak, Gemüsse, Pommes oder auch Fisch. Eine Pizza kostet Fr.4.50, ein Teller Spaghetti Bolonesse z.B. Fr. 3.--, ein grosses Bier 6 dl Flasche Fr. 2.- eine Cola Fr. 1.- u.s.w.

    • George am 11.04.2012 22:08 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Frage

      Darf ich fragen wo Sie wohnen?

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  • Peter Ringger am 11.04.2012 17:05 Report Diesen Beitrag melden

    Neue Ideen bitte

    Das ist Gejammere auf hohem Niveau. Zwar ist der Umsatz von 2010 auf 2011 um 7% gesunken, davor ist er aber von 2009 auf 2010 um 14% gestiegen! Von 2006 bis 2011 beträgt die Zunahme sogar 44%. Ich würde den Wirten empfehlen, eine Bedienungspauschale zu verrechnen und dafür die Getränke zum Einstandspreis zu verkaufen. Wenn ich im Sommer auf einer Velotour Durst habe und zwei grosse Eistee trinken will, dann kostet mich das meistens über zehn Franken.

  • Sonne Kulmerau am 11.04.2012 16:53 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Werft nicht alle in den gleichen Topf!

    Es ist ganz klar,dass es auch bei unserem Berufstand "schwarze Schafe" gibt. Doch bitte, bitte schaut doch das ganze an und nicht nur den Endpreis! Bei einem Gericht gehen bis 50% für Löhne und Sozialleistungen weg, 30% sind Warenkosten und mit den restlichen 20% muss Energie (Wasser, Strom, Heizung), Werbung, Versicherung, Reinigungsmittel, Zeitungsabo, Deko, und, und, und bezahlt werden. Ja selbst das Klopapier wird uns nicht gesponsort! Zum Thema Personal: Leider gibt es immer weniger "Schweizer" die bereit sind in Schichtbetrieb oder etwa an Wochenenden zu arbeiten. Da ist man dann halt mal gezwungen auf "Ausländer" auszuweichen, doch lieber eine freundliche Österreicherin als eine hässige Schweizerin! Und was Ausländer angeht, welcher Schweizer kommt in die Küche als Hilsfkraft? Der Mindestlohn ist höher als bei einer Coiffeuse mit abgeschlossener Lehre! Also liebe Leute,das war einmal dass der Wirt sich eine goldene Nase verdiente! Also schmeisst nicht alle Gastronomen in den gleichen Topf! Es gibt auch noch Gaststäten bei denen Preis und Leistung stimmt und jeder von euch hat mal einen schlechten Tag, so auch wir!

  • monika steimer am 11.04.2012 16:15 Report Diesen Beitrag melden

    daheim ist es schön, auswärts aufwändig

    wir essen nur daheim,da weiss ich a) das alles sauber zubereitet worden ist, b) das die hände nach dem wc gewaschen sind,c) alle zutaten frisch sind d) das wir nicht mehr autofahren müssen und deshalb ein glas roten geniessen können. und e) es viiiiiiiiiiiiiel billiger ist!