Kreditkarten-Muffel

01. Juni 2018 07:18; Akt: 01.06.2018 07:18 Print

Schweizer lieben Bargeld und das 1000er-Nötli

Trotz Twint und Plastik-Geld: Die Schweizer zahlen am liebsten in bar. Im Schnitt haben sie 133 Franken im Sack.

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Bargeld ist für Schweizer nach wie vor das beliebteste Zahlungsmittel. Mehr als zwei Drittel aller Zahlungen werden in bar abgewickelt. Nicht nur kleine Einkäufe wie den Kafi auf dem Weg ins Büro oder das Sandwich am Mittag bezahlen die Konsumenten mit Münzen und Noten: Rund ein Drittel der Einkäufe von mehr als 1000 Franken werden in bar beglichen. Das ist das Ergebnis einer Umfrage der Schweizerischen Nationalbank (SNB).

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«Die Schweiz ist momentan noch ein Land des Bargelds», sagt Bettina Gehring, Zahlungsexpertin an der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften (ZHAW), auf Anfrage. Innerhalb der Bevölkerung geniesse es grosses Vertrauen und stehe für Sicherheit. «Die Schweizer wollen etwas in der Hand halten», erklärt Gehring.

20 Minuten fasst die spannendsten Ergebnisse der SNB-Umfrage zusammen:

• 41 Franken Ausgaben
Im Schnitt geben Schweizer ab 15 Jahren 41 Franken für den täglichen Konsum aus. Nicht darin enthalten sind Fixkosten wie Mieten oder Versicherungsprämien. Am häufigsten haben die Transaktionen einen Wert von unter 20 Franken. Lediglich 2 Prozent der Zahlungen sind über 200 Franken.

• 133 Franken im Sack
Die Schweizer laufen im Schnitt mit 133 Franken im Portemonnaie durch die Strassen. Bereinigt um die Kaufkraft, liegt der der Betrag bei rund 87 Franken und kann mit anderen Ländern in Europa verglichen werden. Der Vergleich zeigt: Die Schweizer liegen nicht an der Spitze. Die Deutschen tragen gut 120 Franken mit sich rum. In Österreich sind es 99 Franken und in den Niederlanden rund 43 Franken. Der Schnitt in der Eurozone beträgt 75 Franken. Eine grosse Bargeldaffinität haben Personen ab 55 Jahren und Haushalte mit niedrigem Einkommen. Für Expertin Gehring ist klar, warum: «Beim Bargeld haben viele das Gefühl, die Ausgaben besser unter Kontrolle zu haben.»

• Grosse Noten sind verbreitet
In der Bevölkerung ist das Zahlen mit 10er- und 20er-Noten am beliebtesten. Aber auch die grossen Noten sind verbreitet: Mehr als jeder Dritte hat innerhalb der vergangenen zwei Jahre mindestens eine 1000er-Note besessen, zwei Drittel der Befragten eine 200er-Note. Die beiden Noten benutzen die Konsumenten vorwiegend für seltene und teurere Anschaffungen wie etwa Autos, Elektroartikel oder Möbel. Wie die SNB erklärte, bleibt die 1000er-Note auch weiterhin im Notenangebot. Laut Gehring schätzt es die Bevölkerung, je nach Situation, zwischen verschiedenen Noten auswählen zu können. «Beträge über 500 Franken werden vergleichsweise häufiger in bar bezahlt», so die Expertin. Zudem seien die beiden Noten auch ein Statussymbol.

• Kreditkarten-Muffel
Neben Cash setzen die Schweizer auf Plastikgeld. Im Schnitt haben sie zwar rund zwei verschiedene Karten im Portemonnaie. Dabei sind Debitkarten wie die Maestro/EC-Karte oder die Postcard hierzulande das mit Abstand meistgenutzte bargeldlose Zahlungsmittel: Sie werden bei einem Fünftel aller Zahlungen gezückt. Der Anteil bei der Kreditkarte liegt hingegen bei 5 Prozent. Warum ist Plastikgeld nicht mehr verbreitet? «Kreditkarten verlocken zu Spontankäufen», sagt Gehring. Daher fehle die Kostenkontrolle. Zudem sei vielen Konsumenten unklar, welche Gebühren verrechnet werden. Laut SNB greifen vor allem Personen zwischen 15 und 34 Jahren und Haushalte mit hohem Einkommen zur Kreditkarte.

• Unbeliebte Bezahl-Apps
Um Bezahl-Apps wie Twint oder kontaktlose Kartenzahlungen machen die Schweiz immer noch einen grossen Bogen. Die Nutzungszahlen bewegen sich laut SNB auf sehr tiefem Niveau.
«Bisher konnten sich diese Zahlungsmittel noch nicht durchsetzen», sagt Gehring. Noch würden ihnen die Konsumenten zu wenig vertrauen. Die Frage nach der Sicherheit sei weit verbreitet. Dennoch: «Das kontaktlose Zahlen mit Debitkarten hat deutlich zugenommen», so die Expertin. Das sei auch bei In-App-Zahlungen der Fall: Immer mehr Schweizer kaufen laut Gehring etwa ihr Zugticket in der SBB-App.

(dob)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Carl am 01.06.2018 07:26 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    weiter gedacht

    Vielleicht will einfach nicht jeder Big Brother immer zeigen, was man wo kauft.

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  • Simi am 01.06.2018 07:35 Report Diesen Beitrag melden

    Privatsphäre

    Es geht nicht nur darum, einen besseren Überblick über kleinere Ausgaben zu haben, sondern auch darum, dass die Banken nicht über das Wie und Wo jedes einzelnen ausgegebenen Frankens Bescheid wissen müssen.

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  • Remo am 01.06.2018 07:24 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Im Tresor

    Solche Nötli habe ich zuhause im Wandtresor Da sind sie sicherer als auf der Bank.

    einklappen einklappen

Die neusten Leser-Kommentare

  • Dani Meier am 04.07.2018 12:39 Report Diesen Beitrag melden

    Alles kontrollieren!

    Man will uns das Bargeld wegnhemen. Wie in der EU. Darum will man die 1000.- Nötli weghaben!

  • Peter Miller am 02.06.2018 23:27 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Gibt es sowas noch?

    Ich liebe auch Geld. Nur hab ich zu wenig, um solche grosse Noten geniessen zu können. Kaum könnte ich einen haben bzw. Sogar 4 Stück, sind die auch schon wieder online verzockt. Mit diesen komischen rosa und roten Abschnitte, welche einen gewissen Betrag aufgedruckt ist, welche ich anscheinend dieser Firma schuldig bin. Und der grösste Abzocker nennt sich Steueramt.

  • Peti am 02.06.2018 18:52 Report Diesen Beitrag melden

    Bing Brother is watching you!

    Es läuft, wie so etwas immer läuft: erst wird medial vorgefühlt, einseitig vermeintliche Vorteile in den Vordergrund gerückt, aber noch werden ernsthafte Absichten dementiert. Dann zieht die Propaganda plötzlich an und in einem ersten Schritt werden gesetzliche Grundlagen geschaffen, die den Einstieg in einen Zug bedeuten, der fortan nicht mehr aufzuhalten ist. An der Endstation sieht sich der Bürger in einer orwellschen Totalüberwachung, in der Staat und Konzerne wissen, wann er zuletzt eine öffentliche Toilette benutzt hat und ihm die Kontrolle über die eigenen Finanzen entzogen wird.

  • Peti am 02.06.2018 18:36 Report Diesen Beitrag melden

    Nur Bares ist Wahres!

    Und als Notvorsorge Gold und Silber. Ich schütze gerne meine Daten selbst, denn "Big Brother is watching you allover".

  • Tamara am 02.06.2018 18:05 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    1000er

    Ich würde auch das 1000er Nötli lieben, ich habe aber noch nie welche gehabt.