Ausfuhrstempel

16. September 2015 07:36; Akt: 16.09.2015 08:08 Print

Schweizer holen Pakete auch ohne Steuervorteil

von Fabian Lindegger - Der deutsche Zoll verweigert Ausfuhrstempel für Online-Shopper. Für die Firmen, die deutsche Lieferadressen anbieten, geht das Geschäft aber weiter.

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Rechnungen von Waren, die sich Schweizer Käufer von Online-Shops an eine deutsche Adresse haben senden lassen, werden vom deutschen Zoll seit Freitag nicht mehr abgestempelt, wie 20 Minuten berichtete.

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Frank Klein von Lieferadresse Konstanz rechnet aber nicht damit, dass sein Dienst künftig weniger gefragt sein wird: «Die Differenz zwischen deutschen und Schweizer Preisen ist weiterhin zu gewaltig.» Und: Die Rückerstattung der Mehrwertsteuer sei kaum der entscheidende Grund, dass sich Kunden in Online-Shops gekaufte Ware an eine deutsche Adresse liefern lassen. «Es gibt viele Produkte, die gar nicht in die Schweiz geliefert werden», erklärt Klein 20 Minuten die Motivation fürs Benutzen einer deutschen Lieferadresse.

«Praxisänderung ist problematisch»

Michael Aust von der Firma Grenzpaket findet das Verweigern des Ausfuhrstempels für Waren aus dem Online-Handel problematisch: «Der Zollstempel wird nicht nur für die Rückerstattung der Mehrwertsteuer benötigt, sondern auch als Nachweis, dass die Ware ausgeführt wurde», so Aust. Er kann sich deshalb vorstellen, dass die Praxis wieder revidiert wird.

Aust glaubt aber auch nicht, dass die neue Praxis des deutschen Zolls grosse Auswirkungen auf die Verwendung von deutschen Lieferadressen haben wird: «Viele bestellen nur Waren für kleinere Beträge bis 100 Euro und dürften bereits bisher den Aufwand als zu gross empfunden haben, die Mehrwertsteuer für solche Beträge zurückzufordern», sagt Aust zu 20 Minuten.

Lukratives Geschäft mit Lieferadressen

Für Schweizer Kunden eine Lieferadresse im grenznahen Ausland anzubieten, ist inzwischen zu einem einträglichen Geschäft geworden. Eine ganze Reihe von Firmen hat sich darauf spezialisiert. Einige bieten zudem Lieferadressen in den USA an oder versenden gegen eine Gebühr die bestellten Produkte via eine ausländische Lieferadresse in die Schweiz.

Das Marktforschungsunternehmen GfK schätzte den Wert der Waren, die an Abholstationen im benachbarten Ausland abgeholt werden, im Jahr 2013 auf fast 200 Millionen Franken – der ganz grosse Teil dürfte dabei an eine deutsche Lieferadresse gesendet worden sein. Seit der Aufhebung des Euro-Mindestkurses im Januar durch die Schweizerische Nationalbank sind diese Angebote noch einmal attraktiver geworden.

Bis 300 Franken abgabenfrei

Wer Waren aus dem Ausland in die Schweiz einführt, kann dies grundsätzlich bis zu einem Warenwert von 300 Franken zoll- und mehrwertsteuerfrei tun. Wichtige Ausnahmen sind jedoch Fleisch oder Alkohol. Übersteigt der Warenwert 300 Franken, werden die regulären Schweizer Mehrwertsteuersätze fällig. Werden die Waren in die Schweiz eingeführt, können sich die Kunden die Mehrwertsteuern des Landes, wo die Produkte erstanden wurden, zurückerstatten lassen – falls der Händler diese Option anbietet, und falls ein allfälliger Mindesteinkaufsbetrag überschritten wurde.

Sendungen aus dem Ausland sind hingegen grundsätzlich zoll- und mehrwertsteuerpflichtig. Davon ausgenommen sind – ausser bei Tabak und Alkohol – Geschenksendungen, die bis zu einem Warenwert von 100 Franken abgabefrei sind.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Joe am 16.09.2015 07:49 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Solange...

    Firmen wie Amazon künstliche Lieferrestriktionen haben und gewisse Artikel nicht in die CH Liefern hat es immer noch seine Berechtigung, vom tieferen Preis ganz abgesehen.

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  • Simi am 16.09.2015 07:49 Report Diesen Beitrag melden

    Deutsche Postadresse

    Ich habe seit einigen Monaten die Deutsche Postadresse und bin begeistert wie gut ich da Geld einsparen kann. Danke Deutschland. Topp Service, Topp Preisleistungsangebot. Kann ich nur empfehlen.

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  • Silverback am 16.09.2015 07:56 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Hochpreisinsel Schweiz

    Steuervorteil hin oder her... Viele Schweizer gehen nach Deutschland einkaufen oder holen dort ihre Pakete, weil eben die Preisunterschiede oftmals einfach nicht nachvollziehbar gross sind.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Andy K. am 17.09.2015 13:47 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Mittelstand geht vor die Hunde

    Die CH hätte es in der Hand gehabt im 2014 mit dem Kartellgesetz, es wurde bachab geschickt! Kurze Zeit später die Auflösung des Mindestkurs, der Hamner für alle Konsumenten, KMU und Gastro. Noch mehr Lobby im Bundeshaus und der Mittelstand geht kaputt! Die Bonzen haben noch nicht alle begriffen, dass es Sie auch erwisch wenn der Mittelstand vor die Hunde geht!

  • Richard Lea am 17.09.2015 08:36 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Schweizer Gehälter

    Das Problem ist nicht Kosten für Waren, aber die Lebenshaltungskosten. Hersteller muss Lokal Schweizer bezahlt werden. Setzt dies die Kosten bis

  • Bonifazius am 17.09.2015 07:58 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wahlfreiheit

    Sehe als Schweizer Kleinunternehmer die Lohngespräche inklusive dreizehnten Monatslohn etwa so:Ich kann Ihnen gesamthaft entweder 3000 Euro geben ( Sie kaufen ja alles viel günstiger in Deutschland) Oder 2500 Schweizer Franken und 2500 Franken in freiwählbaren Gutscheinen aus Schweizer Fachgeschäften,persönlicher Einkaufsaudsweis inklusive.

    • Bruce am 17.09.2015 12:51 Report Diesen Beitrag melden

      hat was

      kein schlechter Ansatz! Nur halt schwierig durchzusetzen.

    • Ostereierpapier am 17.09.2015 15:59 Report Diesen Beitrag melden

      @Bonifazius

      Sie haben einfach nicht begriffen, dass wir im 21. Jahrhundert (mit Internet, Mobilität, usw.) leben. Ihre Argumente sind etwa gleich unbegründet und doof wie diejenigen von Gewerbetreibenden in den 60er Jahren. Auch damals konnten Drohungen und Erpressungen von Gewerblern den Aufstieg der Migros und von Coop nicht verhindern. Und wer bei Ihnen arbeitet ... scheint auch etwas seltsam zu sein. Nichts wie weg ;-)

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  • Heinz Däniker am 17.09.2015 07:56 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Abgabenfreigrenze

    Bei Sendungen aus dem Ausland gibt es allerdings eine Abgabenfreigrenze: Sofern der MwSt-Betrag unter CHF 5 liegt müssen in der Schweiz keine Gebühren entrichtet werden.

  • Das Gewissen am 17.09.2015 07:48 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Lieber Zensus

    Es wäre sinnvoll, wenn auch kritische Texte eine Chance hätten. Danke

    • Das Gewissen am 17.09.2015 07:55 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      ähm

      Das bezieht sich auf einen vorherigen Post, den ich gerne veröffentlicht sähe :)

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