Bio Suisse, Max Havelaar & Co.

11. Oktober 2013 07:17; Akt: 11.10.2013 14:20 Print

Schweizer irren durch den Label-Dschungel

von Valeska Blank - Keine Orientierung: Die Flut an Labels im Detailhandel verunsichert die Konsumenten. Dennoch lancieren die Detailhändler immer neue Gütesiegel.

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Worin unterscheidet sich das Rüebli mit dem Label Migros Bio vom Rüebli bei Coop, das mit Naturaplan gekennzeichnet ist? Ist beim Rüebli mit Bio-Suisse-Gütesiegel mehr Öko drin? Welche Banane kann ich mit gutem Gewissen essen – jene von Max Havelaar oder doch besser diejenige mit einem anderen Fair-Trade-Label?

Wem bei solchen Fragen der Kopf schwirrt, steht nicht alleine da. Rund ein Drittel der Schweizer fühlen sich von Labels verunsichert. Das hat die Studie «Konsumtrends im Schweizer Detailhandel» der Universität St. Gallen ergeben. Jeder zehnte Befragte gab sogar an, Labels als unverständlich und unglaubwürdig zu empfinden. Ein Viertel steht den Kennzeichnungen gleichgültig gegenüber und findet sie weder glaub- noch unglaubwürdig.

Mehrere Dutzend im Angebot

Dass sich so viele Konsumenten nicht von Max Havelaar & Co. überzeugen lassen, steht im krassen Gegensatz zur Euphorie der Schweizer Detailhändler auf diesem Feld. Coop pflegt im Nachhaltigkeitsbereich zwölf Gütesiegel. Darunter sind bekannte Namen wie Naturaplan, aber auch weniger geläufige wie Pro Specie Rara. Dazu kommen elf allgemeine Marken wie Qualité & Prix, Fine Food oder JaMaDu.

Auch in den Regalen von Migros finden die Konsumenten Dutzende Siegel und Marken. Ergänzt wird der Label-Salat in Schweizer Supermärkten von händlerübergreifenden Kennzeichnungen wie FSC («verantwortungsvoller Holzanbau») oder MSC («nachhaltiger Fischfang»).

Kunden überfordert

Die Anbieter sehen in dieser Flut kein Problem und argumentieren mit Kundenbedürfnissen. «Labels sind für unsere Kunden enorm wichtig und werden sehr geschätzt», sagt Migros-Sprecherin Martina Bosshard. Auch für Coop überwiegt der Nutzen: «Sie bieten Mehrwert und Orientierung», so Sprecherin Nadia Ruch. Das bezweifelt Maximilian Weber, Autor der Konsumentenstudie: «Mittlerweile existieren so viele Labels, dass sich die Frage stellt, ob das eigentliche Ziel der Orientierung überhaupt erreicht wird.»

Obwohl die Konsumenten offenbar überfordert sind von den vielen Gütesiegeln in den Einkaufsregalen, nimmt deren Zahl nicht etwa ab. In den vergangenen Jahren habe der Handel zunehmend Labels eingeführt, sagt Weber. «Die Konsumenten wären sicher froh, wenn die Zahl reduziert würde.»

Tendenz: Noch mehr Labels

Daran denken die Detailhändler jedoch nicht. Natürlich sei man sich bewusst, dass der Konsument mit einer immer grösseren Auswahl an Labels konfrontiert ist, sagt Migros-Sprecherin Bosshard. «Dennoch wird die Zahl in Zukunft tendenziell zunehmen, weil neue Konsumentenbedürfnisse auch die Nachfrage nach Labels erhöhen.»

Diese Haltung scheint Coop zu teilen. Gemäss «Bauernzeitung» plant die Nummer zwei im Schweizer Detailhandel ein neues regionales Label, das «Aus der Region, für die Region» von Migros nachempfunden sein soll. Auf Anfrage von 20 Minuten will Coop die Meldung weder bestätigen noch dementieren und lässt lediglich verlauten: «Es ist korrekt, dass wir dem Kundenbedürfnis nach mehr Nähe und Regionalität noch stärker nachkommen wollen.»

Sinn oder Unsinn – was halten Sie vom Label-Dschungel im Detailhandel? Schreiben Sie uns Ihre Meinung.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • öko freund am 11.10.2013 08:29 Report Diesen Beitrag melden

    Umwelt.....

    man sollte auch mal aufhören zu jeder Jahreszeit jede Frucht oder jedes Gemüse haben zu wollen und zb. aus dem ende der welt einfliegen zu lassen.....

    einklappen einklappen
  • Anja ... am 11.10.2013 11:39 Report Diesen Beitrag melden

    Blickt keiner mehr durch...

    ... und liebe 20min, warum habt ihr nicht besser recherchiert und eure Leser gleich mit einer "Labelübersicht" aufgeklärt??

  • Sommer Renato am 11.10.2013 08:07 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Label - Labyrinth

    Um zu dokumentiert, dass es den Plantagen-Arbeiter besser geht braucht es "1" Label und nicht hunderte.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Marco Kälin am 11.10.2013 12:00 Report Diesen Beitrag melden

    Das grosse Geld mit dem Label-Geschäft

    Diese ganze Label - Aktionen dienen letztendlich nur einem einzigen Zweck! Geld zu verdienen mit der Unwissenheit der Kunden. Nein, es sind nicht die Lebensmittelanbieter die Geld damit machen, die müssen wohl oder übel das Spiel mitspielen. Das grosse Geld machen die Organisationen die solche Labels raus bringen und uns als Verbraucher für Blöd verkaufen. Und weil das Geschäft so gut läuft und weil so viele Verbrauchen den Label-Blödsinn glauben, gibt es immer mehr davon bis man nicht mehr unterscheiden kann.

  • Anja ... am 11.10.2013 11:39 Report Diesen Beitrag melden

    Blickt keiner mehr durch...

    ... und liebe 20min, warum habt ihr nicht besser recherchiert und eure Leser gleich mit einer "Labelübersicht" aufgeklärt??

  • Mik13 am 11.10.2013 10:52 Report Diesen Beitrag melden

    Eigene Nase

    Ja wir sollten uns halt selbst an die eigene Nase fassen, den wir verursachen als Konsumenten ja selbst diese Situation. Wir haben ja schon Probleme eine Salatgurke die etwas gebogen oder krumm daher kommt zu kaufen, weil man glaubt es sei minderwertige Qualität. Dabei wäre sie schon zu erkennen als echte Bio Gurke. Wie bei den Äpfeln die einen Fleck der Natur an der Schale haben und nicht poliert und rot in der Ablage liegen. Bei uns selbst müssen wir was ändern. Dann wird die Orientierung auch einfacher.

  • Walti am 11.10.2013 10:37 Report Diesen Beitrag melden

    Die Label haben doch mit BIO

    gar nichts mehr zu tun! Es geht nur darum, den Kunden zum Kauf zu animieren! Also nur Abzocke!

  • Bodo Bär am 11.10.2013 08:51 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Selbstbeweihräucherung

    Mir kommen viele Labels als Selbstbeweihräucherung vor. Wer stellt das Label aus, wer finanziert und wie unabhängig wird das geprüft? Mein Vertrauen ist weg. Ich kann mir ja selbst ein Label ausstellen, für irgendwas. Wessen Brot ich ess, dessen Lied ich sing. Daher glaube ich dass über 80% der Labels nicht unabhängig sind. Viel besser die Grossverteiler setzten sich selber umfassende Richtlinien. Dann gibts ein Label Migros, Coop, Volg, etc.. Das kann ich mir als Kunde wiederum merken und dort einkaufen wo ich meine Standards am ehesten erfüllt sehe.