Verteilungsmonitor

04. August 2015 11:10; Akt: 04.08.2015 13:53 Print

Schweizer verdienen im Schnitt 58'802 Franken

von S. Spaeth - Das Durchschnittseinkommen liegt in der Schweiz bei knapp 59'000 Franken pro Jahr. Laut Studie ist die Lohngleichheit gestiegen. Zugenommen haben auch die Vermögensmillionäre.

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Wie viel verdient ein Schweizer im Durchschnitt? Und wie sind die Einkommen in der Schweiz verteilt? Antworten auf diese Fragen liefert der neue Verteilungsmonitor des Prognoseinstituts BAK Basel, das verschiedene Datenquellen zusammenträgt. Demnach verdiente ein Schweizer pro Jahr im Schnitt 58'802 Franken. Dabei geht es aber nicht um einen Brutto-Monatslohn, sondern um das verfügbares Äquivalenzeinkommen*. Dieser Wert umfasst fast alle Einkommenskomponenten – darunter Lohneinnahmen, Zinsen und Sozialhilfe – und berenigt sie rechnerisch um die Haushaltsgrösse.

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Ausgewertet wurden Daten bis ins Jahr 2012. Der Medianlohn – die Hälfte der Bevölkerung liegt über, die andere Hälfte unter diesem Wert – lag 2012 bei 49'981 Franken. Der Durchschnittslohn war somit knapp 18 Prozent höher als das mittlere Einkommen. Zwischen 2007 und 2012 stieg das Durchschnittseinkommen um 6674 Franken, das Medianeinkommen um 6608 Franken.

Unter die Lupe genommen hat BAK Basel in Zusammenarbeit mit den Wirtschaftswissenschaftlern der Universität Basel auch die Einkommensverteilung. Nach einem leichten Anstieg von 2007 auf 2008 sank der sogenannte Gini-Koeffizient zwischen 2009 und 2012 von 0.34 auf 0.30. Das heisst: Die Einkommensschere hat sich zuletzt reduziert. Je niedriger der vom Italiener Corrado Gini konzipierte Koeffizient ist, desto gleichmässiger sind die Einkommen verteilt.

Bescheidene Lohnzuwächse bei Spitzenverdienern

Grund für die steigende Lohngleichheit sind laut BAK Basel die kleineren Einkommenszuwächse bei den Spitzenverdienern. Die Einkommen der obersten 0,1 Prozent sind im Vergleich zu den übrigen Löhnen langsamer gewachsen. Zudem: Am anderen Ende des Einkommensspektrums war eine positive Entwicklung zu verzeichnen, schreiben die Studienautoren. So zeigten wesentliche Indikatoren einen Rückgang der Armut. Im Jahr 2012 galten 7,7 Prozent der Schweizer Bevölkerung als arm gemäss Definition der Schweizerischen Konferenz für Sozialhilfe (SKOS). Im Jahr 2007 betrug die Armutsquote noch 9,3 Prozent. Aber: 2011 galten erst 7,4 Prozent der Bevölkerung als arm.

Nicht verändert hat sich der Anteil der Sozialhilfeempfänger, wie die Studienautoren schreiben. Schaut man sich den Wert aber im Detail an, stieg er um 0,1 Prozentpunkte auf 3,2 Prozent. Dies ist der höchste Wert seit 2007. Interessant ist zudem der Umstand, dass der Anteil Männer unter den Tieflohnbezügern von 5,4 Prozent im Jahr 2000 auf 6,9 Prozent im Jahr 2010 gestiegen ist. Als Tieflohnbezüger gilt, wer weniger als zwei Drittel des Bruttomedianlohns verdient. Bei den Frauen hat sich der Anteil von 20,8 auf 19,1 Prozent verringert.

Weniger Einkommensmillionäre

Laut den Angaben aus dem Verteilungsmonitor gab es 2011 pro einer Million Einwohner 717 Einkommensmillionäre, was 5,6 Prozent weniger sind als im Jahr 2007. Die Vermögensmillionäre haben allerdings zugenommen – und zwar um 13,3 Prozent auf 246'779 Personen. Zudem hat das oberste Fünftel der Einkommensbezüger ihren Anteil am Gesamteinkommen um 0,8 Prozentpunkte auf 52,2 Prozent steigern können.

Die Macher des Verteilungsmonitors gehen bereits vorsorglich auf Kritik ein. Denn: Andere Studien zum Thema Einkommensungleichheit in der Schweiz zeigen ein sich teilweise widersprechendes Bild. Betrachtet man beispielsweise die steuerbaren Einkommen, sind diese im Jahr 2011 ungleicher verteilt als im Jahr 2001. Die Gini-Koeffizienten der verfügbaren Einkommen schwanken zwischen 0,31 und 0,28 und sind im Jahr 2011 niedriger als in den Vorjahren. Ursachen für die unterschiedlichen Verläufe seien die verschiedenen Grundgesamtheiten und Einkommensbegriffe, schreiben die Macher von Verteilungsmonitor.ch.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Stefan am 04.08.2015 11:26 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Hört auf zu jammern

    Ich verdiene 4200.- x 12 (brutto) Wenn ich leute mit 100k jahreslohn jammern höre, bekomme ich brechreiz.

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  • polo am 04.08.2015 11:21 Report Diesen Beitrag melden

    situationssache

    für einen lehrabgänger der zu Hause wohnt sicherlich genug. für eine Familie mit nur einem Einkommen sicherlich zu wenig...

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  • Ty am 04.08.2015 11:15 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    mmh

    Ok das ist schräg.. Da verdiene ich als Lehrabgängerin mehr als der Durchschnitt? Kann ja nicht sein...

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Die neusten Leser-Kommentare

  • M. T. aus BE am 05.08.2015 18:13 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Voll im Hick

    Wenn wir schon über den Durchschnittslohn diskutiren denke ich bin ich voll in der Mitte. Verdiene mit Frauchen zusammen 117'000, zahle 12000 Alimente und wir haben 2 Kinder. Es reicht für alles, auch für Ferien. Rundum zufrieden.

  • waudu am 05.08.2015 17:25 Report Diesen Beitrag melden

    Statistik

    Es steht ja niergends, dass das Durchschnittseinkommen von 58'802 auf eine 100% Stelle hochgerechnet wurde... Vielleicht wurde hier einfach das durchschnittliche Einkommen pro Haushalt durch die durchschnittliche Anzahl Personen pro Haushalt geteilt. Das ergibt dann aber eine andere Aussage...

  • Peter am 05.08.2015 17:11 Report Diesen Beitrag melden

    Hausaufgabe

    Wenn von 350 Kommentatoren, 200 Kommentatoren nur den Titel gelesen haben (Note 1), 130 weitere den Text nicht verstanden haben (Note 2) und nur gerade 20 wissen worum es geht (Note 5)...Was ist a) die Durchschnittsnote b) der Medianwert c) was sagt das aus? Erklären Sie...

    • JonnyBoy am 05.08.2015 20:28 Report Diesen Beitrag melden

      ich versuchs mal...

      a) 1.6 b) 2 c) Der Median-Wert soll verhindern, dass extreme "Ausreisserwerte" (hier im Beispiel 200 haben die Note 1) nicht so ins Gewicht fallen, wie das der Durchschnittswert tut.

    • besserwisser am 05.08.2015 22:50 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @jonny: knapp daneben ist auch vorbei

      Das a) stimmt zwar, so wie auch der anfang von c), aaaber: Median = 1 ( 50 % sind höher, 50% tiefer). Die ausreisser sind eher die "nur" 20 mit der hohen note 5...

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  • KV am 05.08.2015 16:14 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    ich sehe..

    jeden Tag die Löhne anderer Menschen (Verwaltung) und habe langsam das Gefühl, dass die Mehrheit der Schweizer über CHF 6'000.- verdient. Zu oft sehe ich für mich utopische Löhne. Und die lieben Bänker.. das doppelte oder dreifache.. nicht mehr normal.

  • C.S. am 05.08.2015 15:41 Report Diesen Beitrag melden

    Verfälschte Tatsachen.

    Es ist wirklich ein Witz, dass die abzockerischen Millionen-Verdiener in die gleiche Berechnung einbezogen werden. Interessanter wäre eine Durchschnittsberechnung der Millionäre und eine andere der mittleren und kleinen Lohnbezüger. Alles andere verfälscht eine anständige und gleubwürdige Feststellung oder Tatsache!

    • Statistiker am 05.08.2015 16:03 Report Diesen Beitrag melden

      So wird das Volk manipuliert

      Die Abzocker möchten doch nicht in der Statistik ersichtlich sein. Denn ohne sie sinkt der als normal empfundene Statistik-Lohn und die einfachen Leute geben sich eher mit weniger zufrieden.

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