Pensionskassen

04. Januar 2016 16:08; Akt: 05.01.2016 13:07 Print

Schweizer vergessen drei Milliarden auf der Bank

Auf Pensionskassenkonten lagern mehr als 2,97 Milliarden Franken, von denen die Besitzer nichts wissen. Oft, weil sie sich nach ihrem Austritt nicht um ihr Vorsorgegeld kümmern.

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Von ein paar Rappen bis zu über einer Million: Viele Leute wissen nicht, dass sie noch Geld auf einem Pensionskassenkonto haben. (Bild: Keystone)

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Auf rund 632'000 Konten liegen ehemalige Pensionskassengelder, von denen die Besitzer nichts wissen. Über 2,97 Milliarden Franken vergessene Freizügigkeitsleistungen verwaltete die Auffangeinrichtung im vergangenen Jahr - so viel wie noch nie.

Meist gingen die Gelder bei einem Stellenwechsel oder Arbeitsunterbruch vergessen, sagt Max Meili, Geschäftsleiter der Stiftung Auffangeinrichtung BVG, auf Anfrage der Nachrichtenagentur sda. «Die Leute kümmern sich nach ihrem Austritt aus der Pensionskasse nicht um ihr Vorsorgegeld und melden sich einfach nicht mehr.»

Der Transfer der angesammelten Gelder von der Pensionskasse des alten Arbeitgebers in jene des neuen oder an eine andere Einrichtung liegt in der Verantwortung des Arbeitnehmers. Handelt er nicht, landet das Geld spätestens zwei Jahre nach dem Austritt bei der Auffangeinrichtung.

Diese nimmt, wenn möglich, Kontakt mit dem Kontoinhaber auf. Hat dieser aber neben der Stelle auch noch die Adresse gewechselt, wird es schwierig. Die Auffangeinrichtung verwaltet das Geld, bis eine entsprechende Anfrage eingeht.

Von ein paar Rappen bis zu über einer Million

Dank einer besseren, systematischen Datenerfassung könnten immer mehr Konteninhaber ausfindig gemacht werden, sagt Meili. Mittlerweile kann bei 34 Prozent der insgesamt rund 960'000 Konten bei der Auffangeinrichtung der Besitzer kontaktiert werden, 65 Prozent des verwalteten Kapitals gelten als «zustellbar». Proportional nimmt der Anteil der vergessenen Gelder jährlich leicht ab.

In absoluten Zahlen aber nimmt sowohl die Höhe des Kapitals als auch die Menge der unzustellbaren Konten zu. 632'302 waren es im vergangenen Jahr, sechs Jahre zuvor erst 426'303. Mittlerweile werden fast 3 Milliarden Franken «unzustellbares Kapital» verwaltet, gut 1,3 Milliarden Franken mehr als noch 2009.

In der Regel sind es eher kleine Pensionskassenguthaben, die vergessen gehen und bei der Auffangeinrichtung landen. Auf einigen Konten lagen im vergangenen Jahr gerade einmal ein paar Rappen, auf 258 verwalteten Konten betrug das Kapital dagegen über eine Viertelmillion Franken. Im Schnitt sind es 4700 Franken.

Kostenlose Anfrage per Formular

Neben dem Stellenwechsel sei ein Umzug ohne entsprechende Adressmeldung an die Vorsorgeeinrichtung ein weiterer wichtiger Grund für die Zunahme der Anzahl vergessener Konten, sagt Meili. Offenbar spielt hier die zunehmende Globalisierung eine Rolle. Immer mehr Schweizer verbringen eine gewisse Zeit im Ausland, sei es für die Arbeit oder für eine Auszeit. Einige vergessen dann, dass sie die angesammelten Pensionskassengelder in der Schweiz von der Kasse des alten Arbeitgebers an eine neue Vorsorgeeinrichtung überführen müssten.

«In verhältnismässig wenigen Fällen verteilt eine Pensionskasse einige Zeit nach dem Austritt einer Person freie Mittel und findet die Person nicht mehr», sagt Meili. Dieses Problem rührt daher, dass die Leute heute häufiger umziehen als früher und so schwieriger auffindbar sind.

Wer vermutet, er habe vergessene Pensionskassengelder, kann mit einem Formular der Zentralstelle 2. Säule eine Anfrage starten. Allein im letzten Jahr sind dort rund 35'000 Anfragen eingegangen - deutlich mehr als noch vor einigen Jahren, wie die Zentralstelle auf Anfrage mitteilt. Gründe für die Zunahme seien Medienberichte zum Thema, aber auch Behörden, die etwa bei Ergänzungsleistung- oder Sozialhilfebezügern genauer nachfragten.

Hohe Erfolgsquote nach Pensionierung

Doch selbst wer von sich aus nicht aktiv wird, hat mit Erreichen des ordentlichen Pensionierungsalters gute Chancen, entdeckt zu werden. Bei weiterhin bestehenden Guthaben vergleicht die Zentralstelle dann die Kontodaten mit den Daten der AHV-Ausgleichskassen. Selbst Angaben aus dem nahen Ausland werden teilweise einbezogen.

«Der grösste Teil wird nach erfolgter Pensionierung ausfindig gemacht, da die Leute in der Regel Renten beziehen und spätestens dann selber ein Interesse haben, dass ihre Adresse wirklich immer à jour ist», sagt Meili. Erst wenn eine Person bis zu ihrem 100. Geburtstag nicht gefunden werden kann, verfällt ihr Anspruch.

Dann fliessen die Gelder in einen allgemeinen Topf des Sicherheitsfonds der Zentralstelle, der am Ende allen Versicherten zugute kommt. Im Schnitt schickt die Auffangeinrichtung total rund 4,5 Millionen Franken jährlich an den Sicherheitsfonds. «Das zeigt, dass eben doch sehr viele Personen vorher gefunden werden.»

http://www.zentralstelle.ch/xml_2/internet/de/application/f32.cfm

(kko/sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • TheRooster am 04.01.2016 16:35 Report Diesen Beitrag melden

    Lernen und Lehren

    Solche Dinge könnte man ja zum Beispiel in der Berufsschule den Schülern Lehren. Oder wie man eine Steuererklärung richtig ausfüllt.

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  • Tomi am 04.01.2016 16:28 Report Diesen Beitrag melden

    Aufgabe der neuen Pensionskasse!

    Bin der Meinung, dass es zu den Aufgaben der Pensionkassen gehört, das Geld von der vorherigen Vorsorgekasse einzuvordern und unser Geld korrekt zu verwalten.

  • Unwissender Büromensch am 04.01.2016 16:23 Report Diesen Beitrag melden

    kann mir das jemand erklären?

    Mit 25 bezahlt man das erste Mal in die zweite Säule..ab dann bin ich selber dafür verantwortlich, dass ich das Geld zur Pensionskasse des neuen Arbeitgebers "mitnehme"? Dachte immer, dass funktionert von alleine...

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Andreas Trachsel am 03.02.2016 22:11 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Sauerei

    Die Auffangeinrichtung sollte zwingend die Begünstigten finden müssen. Sollte mit den heutigen technischen Mitteln kein Problem darstellen. Die Frage ist also nur: Will die Auffangeinrichtung das???

  • bjcon am 05.01.2016 12:43 Report Diesen Beitrag melden

    Pensionierung - Wünsche erfüllen

    es gibt verschiedene Websites, die über AHV Rente und Altersrenten informieren, u.a. diese https://

  • Tobias Baumann am 05.01.2016 12:00 Report Diesen Beitrag melden

    Pensionkassen

    Das ist mir sehr bekant, viele Pensionskassen in 90- Jahren haben Konkurs erlebt, darum ist so was auch passiert, eine von denen ist nächste welche ich Ihnen erklären würde ich wollte von 2 Jahren mein Geld zuruck weil ich nicht mehr in der Schweiz lebe, Antwort war ja wiesen sie welche Pensionskasse sie waren, sage ich ja klar ich geben ihnen grad mein Pol. Nr. und ich bin sicher das ich auf dem richtigen platz bin z. B Rentenanstalt Zürich, nein sagen sie sie sing nicht bei uns Versichert...Was kann mann weiter sagen, ich Scheme mich, weil ich vor mir genau Rentenanstalt Zürich Zetel habe.

  • Peter am 05.01.2016 08:29 Report Diesen Beitrag melden

    Vergessen?

    Was heisst vergessen? Der Kanton Zürich hat mir bei meinem Stellenwechsel 1988 über 60'000.- geklaut, da das Gesetz keine Weitergabe des Arbeitgeberanteils vorsah. Diese Geld wird wohl auch noch irgend wo liegen, es gibt jedoch keine Möglichkeit daran zu kommen.

  • SusanneH am 05.01.2016 08:03 Report Diesen Beitrag melden

    Mehr Zins

    Vielleicht lassen sie es liegen, weil es dort einiges mehr Zins dafür gibt als auf der Bank!

    • NEUR am 05.01.2016 08:25 Report Diesen Beitrag melden

      Falsch

      Sie dürfen die Verzinsung nicht mit der eines normalen Bankkontos vergleichen, da es sich dabei um Vorsorgegelder handelt, die nur unter gewissen Voraussetzungen auf ein normales Bankkonto ausbezahlt werden können. Bei einer Pensionskasse gilt der BVG-Mindestzinssatz, welcher im Normalfall einiges höher ist als dieser, der ihnen auf einem Freizügigkeitskonto bzw. -police gewährt wird.

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