Betongold statt Aktien

03. Juni 2016 07:12; Akt: 03.06.2016 07:12 Print

Schweizer wollen mit Wohnungen Geld scheffeln

Aktien sind riskant, das Sparkonto wirft nichts mehr ab: Darum kaufen viele Schweizer Wohnungen, um sie dann weiterzuvermieten.

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In neueren Wohnüberbauungen mit Eigentumswohnungen werden mittlerweile rund 20 Prozent der Einheiten an Dritte vermietet. Zwar hat die Wohneigentumsquote in der Schweiz seit 1990 von rund 30 auf rund 40 Prozent zugenommen, dennoch verzeichnet die Schweiz die tiefste Quote in ganz Europa. In Spanien liegt die Wohneigentumsquote bei 78 Prozent; in Rumänien - dem Spitzenreiter in Europa - sind 95 Prozent der Haushalte Wohnungs- oder Hauseigentümer. Einiges deutet darauf hin, dass in der Schweiz die Wohneigentumsquote in den nächsten Jahren auf gegen 50 Prozent steigen wird. Laut einer repräsentativen Umfrage der Marktforscher von GfK im Auftrag des Hypothekenvermittlers Moneypark möchte knapp die Hälfte der 15- bis 29-jährigen Deutschschweizer bis 2026 ein Eigenheim kaufen. Am grössten ist der Wunsch nach Wohneigentum bei jungen Paaren. Laut der GfK-Erhebung wollen 56 Prozent von ihnen bis 2016 Wohneigentum erwerben. Rekordtiefe Zinsen machen den Kauf so attraktiv wie selten zuvor. Die tiefe Schweizer Wohneigentumsquote (laut GfK-Umfrage zurzeit rund 42 Prozent) liegt an der geringen staatlichen Förderung, dem stark regulierten Hypothekenmarkt und an der Bevölkerungsdichte. Je ländlicher eine Region, desto höher der Anteil an Haus- und Wohnungsbesitzern. In den ländlichen Kantonen Wallis und Jura liegt die Wohneigentumsquote bei über 55 Prozent. In Basel-Stadt und Genf liegt die Wohneigentumsquote laut Zahlen des BFS (2013) unter 18 Prozent. Der Erwerb von Wohneigentum dürfte in den nächsten Jahren etwa gleich schwierig bleiben wie jetzt. Derzeit zeichnen sich keine weiteren Regulierungsschritte ab und die Zinsen dürften bis mindestens 2017 tief bleiben.

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Die Schweizer entwickeln sich zu einem Volk der Vermieter. In neueren Wohnüberbauungen mit Eigentumswohnungen wird mittlerweile ein guter Teil der Einheiten an Dritte vermietet. Das berichtet die «Handelszeitung».

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Haupttreiber des Trends ist der Anlagenotstand: Aktien sind für viele Anleger ein zu grosses Risiko. Wegen der tiefen Zinsen werfen auch Obligationen nicht mehr viel ab. Und das Geld auf dem Sparkonto zu lassen, rentiert erst recht nicht mehr: Die Zinsen sind nahe null, und viele Anleger befürchten, dass ihre Konti bald mit Negativzinsen belastet werden.

Das bringt die Schweizer dazu, sich nach neuen Investitionsmöglichkeiten umzusehen. Eine davon ist das sogenannte Betongold. «Es sind meist Privatpersonen, die heute nicht mehr in Aktien investieren, sondern mit einem Wohnungskauf Erträge generieren wollen», sagt die Zürcher Immobilienverwalterin Monika Schaffer. Immobilienexperte Thomas Moser von Walde & Partner Immobilien bestätigt: «Der Trend hat in den letzten eineinhalb Jahren eindeutig zugenommen.»

20 Prozent sind fremdvermietet

Das Phänomen heisst «Buy to let» («Kaufen, um zu vermieten»). Diverse Verwalter von Stockwerkeigentümergemeinschaften aus der ganzen Schweiz berichten, dass gesamtschweizerisch mittlerweile im Schnitt rund 20 Prozent der Eigentumswohnungen nicht selbst bewohnt, sondern fremdvermietet werden. Bei der Grossbank UBS haben sich die «Buy to let»-Kreditanträge seit 2008 praktisch verdoppelt – auf aktuell 17,7 Prozent.

Tatsächlich wird die Differenz zwischen der Rendite einer Bundesobligation und einer vermieteten Eigentumswohnung im Zeitalter negativer Zinsen immer grösser. Die Ökonomen der UBS haben ein Beispiel berechnet: Wer im Jahr 2002 eine durchschnittliche Schweizer Eigentumswohnung gekauft und sie während der ganzen Zeit weitervermietet hat, erwirtschaftete mehr als 6 Prozent die Jahresrendite – unter der Annahme, dass die Wohnung inzwischen verkauft wurde.

Hohe Risiken

Dennoch birgt ein Wohnungskauf als Investition auch Risiken. «Man muss sich im Klaren sein, dass die Preise heute hoch sind. Das Risiko, dass sie in den nächsten Jahren fallen könnten, ist grösser geworden», sagt Ansgar Gmür, Direktor des Hauseigentümerverbands, zur «Handelszeitung». Wichtig sei vor allem ein langer Zeithorizont. Ausserdem müsse sich ein Käufer überlegen, ob er die Wohnung als reine Kapitalanlage sehe oder sie dereinst als Altersresidenz oder für die eigenen Kinder nutzen wolle. «Ohne klare Zielsetzung rechnet es sich meist nicht.»

Nicht zu unterschätzen ist ausserdem der Aufwand, der die Rolle als «Feierabendvermieter» mit sich bringt: Mietvertrag, Nebenkostenabrechnung, Reparaturen – all das muss der Vermieter selbst regeln. Ausserdem fallen bei einem Leerstand die Erträge weg.

(vb)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Urs am 03.06.2016 07:35 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Familienvater...

    Als junger Vater der alleine für eine kleine Familie aufkommt frage ich mich wie ich je an ein Eigenheim kommen soll. Trotz gutem Lohn reicht es grad so - und das wird nicht besser, wenn jedes Jahr alles teurer wird, aber nicht mehr Geld verdient wird.

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  • catish am 03.06.2016 07:26 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Weiter so, und ...

    Die Blase wird immer grösser

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  • Cherokee am 03.06.2016 07:36 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wohneigentum in der Schweiz tief

    Man stelle sich vor, eine Eigentumswohnung für 460'000.- (Bild 5). Dafür kauft man sich schon ein ganzes Haus in ländlicheren Gegenden. 20%Eigenkapital und der weltweit einzigartige in der Schweiz zu entrichtende "Eigenmietwert" fördern das Wohneigentum in der Schweiz auch nicht gerade.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Asd am 04.06.2016 19:33 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Gier

    Eines Tages wird des CH Gier zum Verhängnis werden, und das Ausland wird sich darüber freuen das wir es selbst verursacht haben. Mehr Bescheidenheit würde vielen CH sehr gut Tun ! Göttliche Weisheiten sollten nicht abgeschoben werden.

  • Padd-Bern am 04.06.2016 13:30 Report Diesen Beitrag melden

    Investiere in Immobilien mit Eigenkapita

    Vor über 20 Jahren habe ich ein altes Mehrfamilienhaus gekauft. Der Zins, 2. Hypothek 9,5% ! Erst mal Schulden abzahlen bei den Zinsen ! Vor ca. 5 -6 Jahren wurde alles renoviert, ohne den Innenhausbau. Kleiner Mietaufschlag wurde von 50% der Mieter nicht gut aufgenommen. Jetzt werden bei jedem Mieterwechsel die Wohnungen Neu gemacht. Bei einer 3 Zi. Wh.- kostet eine Renovation ca. Fr. 85.000.- CH- Küchen und alles nur CH-Firmen ! Die Neuen 3 Zi-Wh. kosten im Durchschnitt Fr. 300.- mehr. Unser 1. + 2. Pens.-Geld + Einkommen wird verbraucht. Steigen die Zinse keine Erhöhung lieber gute Mieter

  • Michelle am 04.06.2016 10:40 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Warum nicht!

    Warum sollen private Anleger nicht dasselbe machen wie unsere Pensionskassen! Bankzinsen,und vielleicht bald Negativzinsen, sind wirklich nicht attraktiv!

  • Silvano am 04.06.2016 08:59 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    muss schief gehen

    Ich kenne ausser der Pflege&Gesundheit nicht eine einzige Branche die noch wächst. Die Arbeitslosenquote wird schon bald durch die Decke gehen. Und wer vermag dann noch die teuren Wohnungen? Das MUSS schief gehen

  • Manuel Huberli am 04.06.2016 08:18 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Totaler Rentenklau:

    " ... und viele Anleger befürchten, dass ihre Konti bald mit Negativzinsen belastet werden." Das ist bei den Pensionskassen bereits Realität!