Gesundheitswesen

13. Oktober 2019 02:07; Akt: 13.10.2019 09:59 Print

1 Milliarde zu viel für Medikamente gezahlt

Wären die Medikamentenpreise so günstig wie im Ausland, könnte eine Familie in der Schweiz ihre Krankenkassenprämie deutlich reduzieren.

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Die Medikamentenpreise in der Schweiz sind im Vergleich deutlich teurer. Krankenkassen übernehmen normalerweise die Kosten für Medikamente, die im Ausland gekauft werden, nicht. Die Politik aber fordert, dass sich das ändert. SP-Nationalrätin Bea Heim lancierte eine Motion. Auch Preisüberwacher Stefan Meierhans schrieb in einem Blogeintrag: «Räumt den Patienten, die helfen wollen, Kosten zu sparen, die Steine aus dem Weg.» Viele medizinische Produkte sind im Ausland günstiger als in der Schweiz. Das könnte laut Meierhans die Krankenkassen entlasten. Würden Krankenkassen die Kosten von Medikamenten aus dem Ausland tragen, könnte das dazu führen, dass die Medikamentenpreise in der Schweiz mittelfristig sinken, schreibt der Preisüberwacher. Internationale Konkurrenz könnte die Gesundheitswirtschaft zu mehr Effizienz und Transparenz anspornen, sagt Krankenkassen-Experte Felix Schneuwly von Comparis. Schweizer hätten mehr Möglichkeiten bei der Medikamentenbeschaffung, ohne dass sie dafür aus der eigenen Tasche zahlen müssen. Der Preisüberwacher hält fest: «Es geht um die haargenau gleichen, sicheren Produkte und es würde auch niemand gezwungen sie im Ausland zu kaufen.» Für die Gesundheitswirtschaft steht hingegen viel Profit auf dem Spiel, so Schneuwly von Comparis. Sie profitiere vom Vertragszwang mit den Kassen sowie von staatlich garantierten Tarifen und Preisen. Laut dem Verband Interpharma verursacht der Parallelimport in der EU der Pharmaindustrie 2 Milliarden Euro Verlust pro Jahr. Das Gesundheitswesen spare hingegen lediglich 400 Millionen Euro. Der Verband warnt zudem vor Fälschern: «Parallelimporte ermöglichen Medikamentenfälschern, in etablierte und sichere Vertriebskanäle einzudringen.» Erfahrungen in anderen Ländern haben laut Interpharma ausserdem gezeigt, dass Parallelimporte von Medikamenten zu Versorgungsengpässen führen können.

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Erstmals zeigt eine Erhebung, wie viel Geld Schweizerinnen und Schweizer sparen könnten, wenn alle jährlich verbrauchten Medikamente so günstig wären wie in vergleichbaren Ländern in der EU. Der Befund des Krankenkassenverbandes Santésuisse ist frappant: Die bereinigte Differenz zwischen EU- und Schweizer Preisen liegt bei 1,1 Milliarden Franken, wie die «SonntagsZeitung» berichtet.

Für eine vierköpfige Familie würde laut Krankenkassenverband eine jährliche Prämienreduktion von rund 380 Franken drin liegen, wenn die Medikamentenpreise gleich günstig wie in den Vergleichsländern wären.

Santésuisse-Präsident Heinz Brand fordert vom Bundesrat Nägel mit Köpfen. Man dürfe nicht länger dulden, dass «viele Medikamente deren Patentschutz abgelaufen sei, bis zu 100 Prozent mehr kosten als im Ausland». Die Pharmalobby sträubt sich schon jetzt gegen die vorgeschlagenen Massnahmen zur Senkung der Medikamentenpreise. Anita Geiger des Pharmaverbandes Interpharma sagt, eine jährliche Preisüberprüfung, wie Brand sie fordert, lehne man ab, «weil der Aufwand für Behörden und Firmen verdreifacht würde und in keinem Verhältnis zu den erzielten Einsparungen» stünden.

(roy)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Zabrina am 13.10.2019 02:46 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Einfache Lösung

    Gesetz erlassen, dass in der CH hergestellte Medis nicht teurer als im Ausland verkauft werden dürfen.

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  • Regula Bär am 13.10.2019 02:32 Report Diesen Beitrag melden

    kein Wunder verdienen die Milliarden

    Ich musste nach einer OP während 10 Tagen blutverdünnende Medikamente nehmen. Soweit ich mich erinnere, kostete diese Packung über Fr. 100.--. Es gibt tausende Patienten, die dies den Rest ihres Lebens nehmen müssen, und die Pharmaindustrie zockt gnadenlos ab, denn die Herstellung kostet wohl weniger als ein Kaugummi und die Forschung ist schon seit Jahrzehnten bezahlt, auch durch unsere Steuergelder!

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  • Marco Mattmann am 13.10.2019 02:49 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Kein Durchsetzten

    Ja sorry liegt ja kaum an den Konsummenten.Wenn unsere Bundesräte und Parlament es verschlafen oder kein zeug dazu haben sich gegen die Chemie Multis zu behaupten....Dann wirds in 10 Jahren noch so sein....

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Die neusten Leser-Kommentare

  • SwissSail am 14.10.2019 19:19 Report Diesen Beitrag melden

    wenns nur die Milliarde wäre ...

    tatsächlich ist es viel mehr. Nur ein Beispiel: Viagra original 4 Tabletten ca. 100.-, ein Generika ca. 80.-. Kamagra, die indische Kopie (also auch ein Generika) kostet in Indien ca. 1Fr. 20 Rp. Das gilt für fast jedes Medikament.

  • Ruedi am 14.10.2019 17:18 Report Diesen Beitrag melden

    Problem ist das tolle KVG!

    Hier gibt es nur eine Lösung: Das KVG ersatzlos abschaffen! Dann haben wir plötzlich die Kosten im Griff, es gibt nur noch eine sogg. Krankenkasse für sehr schwere Krankheiten (Krebs, etc.) den Rest zahlt jeder selber! Die Prämie würde in etwa CHF. 40.- / Monat betragen!

  • Deka am 14.10.2019 17:12 Report Diesen Beitrag melden

    Bringt nichts die Diskussion hier

    Die Wirtschaft & Politik ignorieren solche Forderungen hier und machen weiter mit der Abzocke unter dem Schutzmantel der Politik wo eben durch die selbe Wirtschaft gesteuert wird. Geschützter Kreislauf, bzw. Lobbyismus

  • Verona am 14.10.2019 13:57 Report Diesen Beitrag melden

    Unser liebes Parlament...

    ...will gar keine billigeren Medikamentenpreise, allesamt verdienen sie ja als Lobbyisten selber eine Menge daran.

  • Walt1 am 14.10.2019 13:34 Report Diesen Beitrag melden

    Beispiel USA

    In den USA gabs ein Beispiel. Ein Pharmakonzern hatte ein Monopol auf ein Medikament und hat das so ausgenutzt, dass sie im Laufe von ein paar Jahren, das Medikamen um 500%, oder nochmehr, erhöten. Man macht Geld durch kranke Menschen. Gut das ist ein übertriebenes Beispiel, aber ich hätte ein schlechtes Gewissen. Naja, man muss ja auch die Aktionäre befriedigen. Jeder erkennt, dass da ein Spiel gespielt wird, das aber bald an die grenzen kommt. Da muss mehr Überblick her.