Kosten, Reichweite, Sicherheit

30. Dezember 2019 11:51; Akt: 30.12.2019 11:51 Print

Fünf Irrtümer rund um das Elektroauto

von Raphael Knecht - E-Autos sind zu teuer oder fangen schnell Feuer – diese Mythen zur Elektromobilität halten sich hartnäckig.

Nicht nur die grossen Hersteller, sondern auch die türkische Regierung will ihr eigenes E-Auto bauen. (Video: RKN)
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Der Anteil an elektrischen Neuwagen steigt ungebremst – die Akzeptanz des alternativen Antriebs war nie höher. Fast alle Autobauer arbeiten an elektrischen Modellen – selbst die türkische Regierung enthüllte kürzlich ihren eigenen Prototyp (siehe Video oben).

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Trotzdem sind manche Konsumenten gegenüber dem E-Auto weiterhin skeptisch, wie der TCS schreibt – wegen diesen Irrtümern:

Irrtum 1
E-Autos sind zu teuer

Es stimmt zwar, dass E-Autos derzeit teurer als vergleichbare Modelle mit Verbrennungsmotor sind, sagt Andrea Vezzini, Professor an der Berner Fachhochschule, zu 20 Minuten: «Wer allerdings auch noch Betriebs- und Unterhaltskosten sowie die anhaltend hohen Wiederverkaufswerte berücksichtigt, weiss, dass er schon heute mit dem E-Auto kostengünstiger unterwegs ist.» Zudem würden die Preise der E-Autos stetig sinken, während die Verbrenner im Schnitt teurer würden. Der reine Kaufpreis von Elektrofahrzeugen dürfte voraussichtlich 2023 tiefer sein als der von Autos mit Verbrennungsmotoren.

Irrtum 2
Grosse Brandgefahr

Viele Konsumenten entscheiden sich laut TCS wegen Sicherheitsbedenken gegen den Kauf von Elektroautos. Sachliche Gründe gibt es dafür bisher nicht, sagt Vezzini: «Es wurde mehrfach nachgerechnet, dass prozentual mehr Autos mit Verbrennungsmotoren auf unseren Strassen brennen als E-Autos.» Aber die Wissenschaft nehme die Bedenken ernst: So arbeiten Forschung und Industrie zusammen daran, die Lithium-Ionen-Akkus zu verbessern und etwa Systeme zu entwickeln, die bei einer vorzeitigen Verschlechterung der Batteriezellen warnen.

Irrtum 3
Reichweite zu klein

Für den Grossteil der Bevölkerung sollten die aktuellen Reichweiten der E-Fahrzeuge für die Alltagsnutzung vollkommen ausreichend sein, ist Thomas Sauter-Servaes, Dozent für Verkehrssysteme an der ZHAW, überzeugt. Denn die durchschnittliche Tagesdistanz liege in der Schweiz bei unter 40 Kilometern. Beim Autokauf haben Konsumenten laut Sauter-Servaes das Leitbild eines Universalfahrzeugs im Kopf – sie suchen eine «Rennreiselimousine», die für jeden Zweck einsetzbar ist: «Das führt dazu, dass wir 1,5 Tonnen schwere Autos mit über 150 PS kaufen, um damit überwiegend allein im Stadtverkehr unterwegs zu sein und um viel Stadtfläche für das Parkieren zu verbrauchen.»

Irrtum 4
Zu wenige Ladestationen

Viele Konsumenten setzen Laden mit Tanken gleich – laut TCS ist das öffentliche Ladenetz jedoch als Ergänzung zu den Lademöglichkeiten zu Hause oder am Arbeitsplatz zu betrachten. Nur zehn Prozent der Ladevorgänge dürften unterwegs erfolgen, sagt Vezzini. «Der Ausbau der öffentlichen und privaten Ladestationen ist in vollem Gang.» Der Bund habe einen wichtigen Schritt getan, indem er in einem öffentlichen Vergabeverfahren für 100 Rastplätze die Ausrüstung mit Schnelllade-Stationen unterstützt. Dazu kommen die rein privat finanzierten Super-Schnelllade-Stationen in den wichtigsten Raststätten der Schweiz.

Irrtum 5
Schlechte Umweltbilanz

«Hier ist ein ganz klar ernst zu nehmendes Problem viel zu stark aufgebauscht worden», sagt Vezzini: Beim Bau der Batterien werde der CO2-Fussabdruck stetig reduziert, langfristig um bis zu 80 Prozent. Allerdings komme der Vorteil der E-Mobilität nur dann voll zum Tragen, wenn gleichzeitig auch die CO2-Belastung der elektrischen Energieversorgung konsequent reduziert wird.
Zudem besteht die Gefahr, dass der kostengünstige Betrieb von E-Autos zu noch mehr Verkehr führt, sagt Sauter-Servaes. Nur wenn das verhindert wird, etwa mit attraktiven Mobilitätsdiensten, könne der Verkehrsbereich seinen Beitrag gegen die Klimakrise liefern.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Pablo Forester am 30.12.2019 12:57 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Eine Frage

    Woher kommt der Strom wenn immer mehr mit elektrischer Mobilität unterwegs sind? Die Stromverteilnetze sind für eine solche Belastung nicht ausgelegt!

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  • ArturoDG am 30.12.2019 12:48 Report Diesen Beitrag melden

    Wo ist der Vermerk "Anzeige"?

    Dies ist offensichtlich ein PR-Artikel..

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  • Schorrsch84 am 30.12.2019 12:12 Report Diesen Beitrag melden

    Irrtum vom Irrtum!

    Ach ja... der Wiederverkaufswert wird höher... wenn die Preise in Zukunft tiefer werden sollten für neue... Wohl ein Professor im Verkauf!

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Cherokee am 11.01.2020 09:00 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Was denn nun?

    Also einerseits sollen wir alle Strom sparen. Aber andererseits sollen wir alle Stromautos fahren?

  • Stromer am 07.01.2020 00:22 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Was für ein Professor?

    Dieser Professor bekäme bei der empa keinen Job. Bei der empa sieht man es nicht gerne wenn die Angestellten von fremdfirmen direkt bezahlt oder Geschenke annehmen und dann Prüfungsberichte und Expertisen erstellen sollen. Dieser Professor davinci ist das beste Beispiel dafür.

  • Mark Müller am 05.01.2020 15:24 Report Diesen Beitrag melden

    Chaos bei 10 % Umgestiegenen

    Ich bin nicht gegen E Autos habe selber einen Hybriden mit Chademo Anschluss. Das Problem das ich sehe nicht selten keine 2 Autos geladen werden können wegen zuwenig Strom (X mal erlebt) Falschbedienung, def Kabelstränge besetzter Parkplatz. Und es sind nicht mal 1 % mit E Autos unterwegs (0,42%). Ich fahre dann halt mit dem Benziner weiter.

  • Ingi am 05.01.2020 11:21 Report Diesen Beitrag melden

    Es geht nur im Kontrolle.

    Das einzige worum es bei E-Mobilität geht ist staatliche Kontrolle. Nicht technischer Nutzen oder so. (Energie ist Kraft mal weg, das Antriebssystem hat keinen Einfluss darauf). Wer ist Eigentümer von Stromnetzen? Und ist regulativ schwer involviert? Der Staat. Der Staat (USA) kämpfte gegen Rockwell und Standard Oil... Gegen die Konzerne von damals und deren Technologie... Staat Raus, freier Markt für Technologie. KEINE Crooked Leuthard und Subventionen Firmen. Dann setzen sich auch die sinnvollen Technologien durch.

  • Stadtbummler am 04.01.2020 13:31 Report Diesen Beitrag melden

    Energie vernünftig einsetzen

    Gratistrams und - busse können den individuellen Autoverkehr und damit den CO2-Ausstoss in den Stadtzentren vermindern. Zahlreiche Städte haben ihre Altstädte vom Privatauto befreit. Die neuen Fussgängerzonen beleben den innerstädtischen Detailhandel, so dass dort der öffentliche und umweltfreundliche Gratistransport aus der Stadtkasse finanziert werden kann. Denn schliesslich braucht es dort auch weniger Tiefgaragen etc.