Recht auf Homeoffice

21. Januar 2018 22:29; Akt: 21.01.2018 22:29 Print

Sensible müssen nicht im Grossraumbüro arbeiten

Gemäss Studien sind Mitarbeiter in Grossraumbüros rund doppelt so oft krank wie jene in Kleinbüros. Eine Bundesbeamtin wehrte sich nun rechtlich gegen den Umzug in ein neues Gebäude.

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Wer in einem Grossraumbüro arbeitet, weiss, dass es um die Privatsphäre eher schlecht bestellt ist. Dazu kommt ein permanenter Lärmpegel, der einem zu schaffen machen kann. Doch nicht nur dies, es kann auch krank machen. Laut Forschern der Universität Stockholm ist das Risiko in einem Grossraumbüro krank zu werden fast doppelt so gross wie in einem Einzelbüro.

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Genau deswegen wehrte sich eine Sachbearbeiterin im Bundesamt für Informatik (BIT) rechtlich gegen den Umzug in ein Grossraumbüro – und bekam vor dem Bundesverwaltungsgericht recht, wie die «Sonntagszeitung» schreibt. Das Gericht befand, dass Mitarbeitern, die zu sensibel sind für die Arbeit im Grossraumbüro, Homeoffice gewährt werden muss – selbst dann, wenn das nach dem Ermessen der Vorgesetzten nicht die beste Lösung ist.

Missbräuchlich gekündigt

Der 51-jährigen Bundesbeamtin machte es zu schaffen, mit zehn Arbeitskollegen einen Raum zu teilen. Deshalb ging sie zu ihrer Ärztin. Diese kam zum Schluss, dass die Frau eine «hohe Sensibilität» aufweise und schrieb sie krank. Sie brauche verbesserte Arbeitsbedingungen, konkret ein Kleinbüro oder die Möglichkeit, von zu Hause arbeiten zu können.

Beides Alternativen, die für das BIT nicht in Frage kamen. Da sich die Verantwortlichen nicht mit der Frau einigen konnten, wurde ihr gekündigt. Zu Unrecht, wie die Richter nun befanden. Der Frau steht demnach eine Entschädigung in der Höhe von einem halben Jahreslohn zu.

Homeoffice-Lösung erstreiten

Laut Thomas Geiser, Professor für Arbeitsrecht an der Universität St. Gallen, handelt es sich bei dem Gerichtsentscheid um einen Präzedenzfall. Theoretisch könnten sich sogar Angestellte privater Firmen auf das Urteil berufen – und eine Homeoffice-Lösung vor Gericht erstreiten.

Allerdings reiche ein blosses Unbehagen im Grossraumbüro nicht aus, um ein solches durchzusetzen. Die gesundheitliche Gefährdung müsse durch ein Arztzeugnis belegt werden, sagt er der «Sonntagszeitung». Es sei zwar nicht zu erwarten, dass nun massenhaft Bundesangestellte ein Recht auf Homeoffice durchsetzen können, «aber vermutlich doch einige», so Geiser.

(bee)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Frau27 am 21.01.2018 22:42 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Schlecht

    Grossraumbüros sind wie Massentierhaltung. Man kommt, wird zur Arbeit an einen Platz gekettet, muss Leistung erbringen und am wenn man am Ende ist, darf man gehen. Überhaupt nicht mehr zeitgemäss und Personalfreundlich.

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  • Signora am 21.01.2018 22:46 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Tut weh..

    Ich halte es auch kaum aus... der Lärm ist das schlimmste, der Mangel an Privatsphäre das nächste. Jeder guckt einem zu, wenn man aufs Klo muss, Jeden Tag einen neuen Arbeitsplatz, man kann nie konzentiert arbeiten - immer steht jemand am Pult. Ein modernes Gefängnis...

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  • Si-Ing am 21.01.2018 22:46 Report Diesen Beitrag melden

    Studien zum Thema

    Die Studie von der Uni Stockholm ist schon seit einigen Jahren publiziert und die Thematik bei den Fachleuten hinlänglich bekannt. Die Studie auch nachgewiesen, dass Share desk, also das teilen des Arbeitsplatzes, ohne über einen festen eigenen Arbeitsplatz zu verfügen, ebenso schädlich für die Gesundheit sowie die Motivation der Mitarbeiter sind. Zu dem Thema gibt es übrigens auch eine ähnliche Studie der ETH, die die gleichen Resultate erbracht hat. Es ist definitiv sehr mühsam, in einem Grossraumbüro zu arbeiten. Ideal sind Gruppenbüros von 4 -6 Leuten.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • mike's am 25.01.2018 21:15 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Involvieren der Mitarbeitenden bei neuen Raumkonze

    Es gibt in den letzten Jahren einige Beispiele, die bei Veränderungen (räumliche Dimension) auch den Arbeitsplatz von Mitarbeitenden betreffen. Interessanterweise sind es auffallend viele Organisationen oder Verwaltungen, die ihren Standort ändern. Die Folge sind erhöhte Fluktuationen und Absenzen oder dann solche Fälle wie im Artikel. Die Gründe dafür sind nicht in erster Linie Grossraumbüros sondern die Tatsache, in der Veränderung die Betroffenen nicht zu Beteiligten zu machen. Arbeitsformen werden sich durch die Digialisierung auch weiter flexibilisieren - eine Chance individuelle Wünsche zu integrieren.

  • Nun Dedie am 24.01.2018 11:06 Report Diesen Beitrag melden

    Erschreckend

    wie sämtliche Errungenschaften der letzten Jahrzehnte zum Wohl der Arbeiterschaft nun im Hinblick auf Industrie 4.0 wieder gekippt werden sollen!

  • Ophelia am 24.01.2018 05:10 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Super

    Das finde ich super! Endlich jemand der sich gegen das Wirtschaftssystem in Grossraumbüros wehrt und für ihre Bedürfnisse einsteht und sogar mit Risiko auf eine Kündigung

  • rolf lehner am 23.01.2018 19:53 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Der richtige Platz für Phlegmas.

    Was für Memmen seit ihr denn? Zuerst lernt man einen Bürojob, weil man keine schmutzigen Hände bekommt und nicht schwitzen muss, danach bleibt man stehen. Natürlich arbeiten solche in einem Grossraumbüro. Der Chef, welcher sich weiterbildet, hat bestimmt ein eigenes Büro. So ist es halt und der grossen Masse, also den Faulen geschieht es ganz recht so. Bis zur Pension sollt ihr merken, dass halt nichts aus euch geworden ist oder zumindest zu wenig.

    • Drizzt am 23.01.2018 20:19 Report Diesen Beitrag melden

      Aber echt

      Ouw, posaun das mal in dein Grossraumbüro du Egomane.

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  • sigi leu am 23.01.2018 15:09 Report Diesen Beitrag melden

    der neue Trend

    In einer Werkstatt schaffen auch mehrere Menschen miteinander. einer Verkäuferin wird auch bei der Arbeit zugesehen usw... ich verstehe das Problem nicht

    • Dora Düsel am 23.01.2018 18:35 Report Diesen Beitrag melden

      Genau!

      Stimmt, daran denkt kein "Bürolist", dass es noch Menschen mit schwierigeren Arbeitsverhältnissen hat!

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