Nach Grübel-Rücktritt

24. September 2011 12:02; Akt: 24.09.2011 16:37 Print

Sergio Ermotti übernimmt das Zepter

UBS-Konzernchef Oswald Grübel tritt per sofort zurück, Interims-Nachfolger wird Sergio P. Ermotti. Der Verwaltungsrat hat vergeblich versucht, Grübel von seinem Vorhaben abzubringen.

storybild

Kaspar Villiger stärkte Oswald Grübel bis zuletzt den Rücken. Der Verwaltungsrat wollte ihn dazu bewegen, nicht sofort zu gehen. (Bild: Keystone)

Zum Thema
Fehler gesehen?

UBS-Konzernchef Oswald Grübel tritt per sofort zurück. Er übernimmt damit die Verantwortung für das Debakel in London, das der UBS einen Handelsverlust von 2,3 Milliarden Dollar beschert hat. Sergio P. Ermotti übernimmt die Funktion des CEO ad interim, wie die UBS am Samstag mitteilte.

Der Tessiner Ermotti stiess erst im April zur UBS und ist verantwortlich für das Bankengeschäft in Europa, im Mittleren Osten und in Afrika. Zuvor war er bei der UniCredit und Merrill Lynch tätig.

Grübel hat sich mit Entscheid schwergetan

In einer internen Mitteilung an die UBS-Mitarbeiter schreibt Oswald Grübel, sein Rücktritt sei ihm nicht leicht gefallen. Er sei jedoch überzeugt, dass es für die UBS am besten ist, mit einer neuen Spitze in die Zukunft zu gehen, heisst es in dem Memo weiter.

Für ihn sei klar, dass er als Konzernchef die volle Verantwortung trage für das, was in der UBS passiert sei, so Grübel. Deshalb müsse und wolle er konsequent sein. Sein Rücktritt ermögliche es, die Aufmerksamkeit von Kunden, Investoren und der Öffentlichkeit hoffentlich schnell wieder auf die Qualitäten und Stärken der Bank zu lenken.

Vom Verlust in Milliardenhöhe durch unautorisierte Geschäfte eines Händlers zeigte sich Grübel «zutiefst schockiert». Er habe die UBS in den Bemühungen, wieder Vertrauen in die Bank aufzubauen, deutlich zurückgeworfen. Grübel forderte die Mitarbeitenden aber auf, nicht an der fundamentalen Stärke der UBS zu zweifeln. Ausserdem dankte er den Mitarbeitenden für ihr Engagement und ihre Unterstützung während seiner Amtszeit.

Verwaltungsrat wollte Grübel bis 2012 halten

UBS-Verwaltungsratspräsident Kaspar Villiger bedauert die Entscheidung Grübels. «Oswald Grübel betrachtet es als seine Pflicht, für den kürzlichen Vorfall im Zusammenhang mit dem unautorisierten Handel die Verantwortung zu übernehmen. Dies ist Ausdruck seiner konsequenten Haltung und Integrität», wird Villiger in der Medienmitteilung zitiert.

Als Grübel dem UBS-Verwaltungsrat in Singapur seinen Rücktritt bekannt gab, wollte das oberste Führungsgremium der Bank ihn dazu bewegen, nicht sofort zu gehen. Dies sagte Verwaltungsratspräsident Kaspar Villiger an einer Telefonkonferenz am Samstag.

Für Grübel wäre ein Rücktritt erst nach der Generalversammlung im nächsten Frühling aber ein zu wenig starkes Zeichen gewesen, erklärte Villiger weiter. Er zeigte sich zudem überzeugt, dass Sergio Ermotti und sein Team die UBS erfolgreich durch die turbulenten Zeiten führen könne.

Kandidat für definitive Nachfolge

Ermotti sei zudem aussichtsreicher Kandidat für die definitive Nachfolge von Oswald Grübel an der Konzernspitze. Der Verwaltungsrat habe den Auswahlprozess für den neuen Konzernchef bereits in die Wege geleitet. In die Suche eingebunden ist laut Villiger auch Axel Weber, der 2013 das Verwaltungsratspräsidium der UBS übernehmen soll.

Oswald Grübel wird keine Abgangsentschädigung erhalten. Grübel verlasse die Bank auf eigenen Wunsch und erhalte während sechs Monaten weiterhin sein Salär, sagte Villiger. Innerhalb der UBS wird Grübel keine Aufgaben mehr haben.

«UBS fundamental gestärkt»

Grübel habe während seiner Amtszeit «einen beeindruckenden Turnaround bewerkstelligt und UBS fundamental gestärkt». Er habe mitgeholfen, die UBS zu einer der «weltweit bestkapitalisierten Banken zu machen».

Die UBS werde den laufenden internen und externen Evaluationsprozess nun fortsetzen, um einen permanenten Nachfolger für Grübel zu finden.

(sda)

Kommentarfunktion geschlossen
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Wir bitten um Verständnis.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Beat Berner am 24.09.2011 13:21 Report Diesen Beitrag melden

    Das kostet wieder viele Millionen!

    So schnell kann es gehen. Seine lauthalse Schelte für Nationalbank und Politik sind noch nicht verhallt... Und schon hats ihn selbst am Schlawittchen, das Grossmaul. Wir werden noch überrascht sein, wieviele Millionen Abfindung ihm hinterher geworfen werden und wieviele Millionen er bis an sein Lebensende noch geschenkt erhält für sein Wahnsinns-Werk bei der UBS. Und unser Alt-Villiger? Er bedauert! Natürlich, denn Grübel hatte einen so schön breiten Rücken, hinter dem es sich so gut verstecken liess.

  • Dani am 24.09.2011 13:33 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Medien Druck

    Nun haben leider gewisse Medien und Politiker das erklärte Ziel erreicht. Grübel hat die Verantwortung übernommen die hunderte von PolitikerInnen wie zBsp Meier Schatz aussitzen. Ich ziehe meinen Hut vor Grübel. Schade seine Erfahrung wird uns nich fehlen.

  • Michael am 24.09.2011 16:15 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Tessiner CEO

    Ein guten Tessiner und vorallem ein Schweizer ! Gut gemacht ubs

Die neusten Leser-Kommentare

  • wfs.f am 28.09.2011 08:07 Report Diesen Beitrag melden

    Nullcheckers!

    Am lustigste zun bemerken ist, dass dieselben Leute,die wirklich keinen Blassen vom Bankgeschäft haben, die sind die am meisten über die Banken motzen. Dass Grübel gehen "musste" war ein Witz...wenn schon dann Kengeter,er ist für diese Sparte verantwortlich und nicht Grübel!

  • JR JR am 27.09.2011 14:33 Report Diesen Beitrag melden

    Boah

    Klar sind die CEO etwas überbezahlt und auch die Boni sind mitunter etwas unreal. Aber Schuld haben sie noch lange keine. Dann beschuldigt lieber die USA die mehrere Billionen in sinnlose Kriege verballert (geliehenes Geld wohlgemerkt) und wo jeder ein Haus, 2 Autos und 5 Kreditkarten haben muss (auf Pump) ... Oder Griechenland das Rente an Tote zahlt oder 14 Gehälter an seine Angestellten. Das alles zusammen ist für den Zusammenbruch. Nicht die Banker. Die müssen nur herhalten für die Zielscheibe.

  • Ludmilla Zwarovsky am 25.09.2011 09:59 Report Diesen Beitrag melden

    Scheinverantwortung

    Was heisst denn eigentlich Verantwortung wahrnehmen? Wenn mich ein Debakel keinen Pfifferling kostet und ich noch monatelang ohne zu Arbeiten viel Geld bekomme dann ist das eine Scheinverantwortung. Verantwortung tragen Klein- und Kleinstunternehmen, die mit dem gesamten Privatvermögen von sich und seiner ganzen Familie auf Gedeih und Verderben im Risiko stehen. Im Vergleich zu Grübel übernimmt eine selbstständige Putzfrau mehr verantwortung, zu 1/1'000'000 des Lohns von Grübel. Das sind die Heldinnen und Helden der Wirtschaft, nicht die kriminellen Grossverdiener.

    • Luca Bornhauser am 27.09.2011 15:52 Report Diesen Beitrag melden

      Verrechnet?

      Rechne: 3 Mio durch ca. 42000.- gleich 71.... Grübel hat einen guten Job gemacht und die Konsequenzen gezogen. Untragbar wäre gewesen, wenn er geblieben wäre.

    • Nadine am 03.10.2011 00:25 Report Diesen Beitrag melden

      Grübel's Verantwortung sähe anders aus

      Sehe's auch wie Ludmilla. Wenn Grübel wirklich für dieses Loch die Verantwortung tragen will, muss er sofort ohne weitere (6) Monatslöhne gehen und mit seinem Vermögen einen Beitrag leisten!

    einklappen einklappen
  • Roberto am 25.09.2011 08:26 Report Diesen Beitrag melden

    Tschuess Hr. Gruebel, Auguri Sig.Emotti

    Good Job an das Verwaltungsrat. Mit Sergio haben Sie eine sehr gute Wahl getroffen. Gut fuer Kunden, Mitarbeiter und fuer die Aktionaeren.

  • T.G. am 24.09.2011 19:02 Report Diesen Beitrag melden

    Von Grübel lernen

    Von Herrn Grübel könnten einige Schweizer Politiker, auch solche die immer auf ihm herumgehackt haben, noch viel lernen. Zum Beispiel wann es Zeit ist, den Hut zu nehmen...

    • mart am 25.09.2011 04:11 Report Diesen Beitrag melden

      Ingenieur

      Das gilt ganz besonders auch für Herrn Villiger.

    einklappen einklappen