Neuer Boss

17. Januar 2013 12:07; Akt: 17.01.2013 16:20 Print

Sesselrücken an der Sunrise-Spitze

Machtwechsel beim Telekom-Anbieter Sunrise: Der Deutsche Oliver Steil wird per sofort durch den Slowenen Libor Voncina ersetzt. Dieser war bereits seit September an Verwaltungsratssitzungen dabei.

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Der alte und der neue Chef: Oliver Steil (links) wird durch Libor Voncina ersetzt. (Bild: Keystone)

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Der Telekom-Anbieter Sunrise bekommt mit Libor Voncina per sofort einen neuen Chef. Er ersetzt für Aussenstehende überraschend Oliver Steil, der das Unternehmen seit 2010 leitet. Zu den Gründen macht die Telekomanbieterin keine Angaben.

«Der Vertrag ist ausgelaufen und man hat ihn im gegenseitigem Einvernehmen nicht verlängert», sagte Sunrise-Sprecher Michael Burkhardt am Donnerstag auf Anfrage der Nachrichtenagentur SDA. Wann der Vertrag ausgelaufen sei, könne er nicht sagen.

Auch zu den Gründen, warum Steils Vertrag nicht verlängert worden sei, gebe Sunrise keine Auskunft. «Wir haben entschieden, die nächste Phase mit einem neuen Chef zu machen», sagte Burkhardt.

In turbulenten Zeiten gekommen

Steil war im Juni 2010 noch unter der damaligen Sunrise-Besitzerin TDC in turbulenten Zeiten zum zweitgrössten Telekomunternehmen der Schweiz gekommen, wo er Christoph Brand ablöste. Brand nahm als Folge der geplanten Fusion von Sunrise mit Orange den Hut. Der Zusammenschluss wurde indes durch die Wettbewerbskommission (Weko) verboten.

Wenige Monate später brachte der dänische Telekomkonzern TDC seine Schweizer Tochter doch noch unter die Haube, indem er Sunrise im September 2010 an den Finanzinvestor CVC Capital Partners verkaufte. Steil fiel die Aufgabe zu, das Geschäft der durch die Hochzeitsvorbereitungen mit Orange gelähmten Sunrise wieder in Schwung zu bringen.

Damals wurde ein Mehrjahres-Plan aufgesetzt, der Sunrise für einen Börsengang oder einen Weiterverkauf attraktiv machen sollte. In den zweieinhalb Jahren unter Steil habe sich das Unternehmensergebnis um über 15 Prozent verbessert, schreibt Verwaltungsratspräsident Dominik Koechlin in einem Communiqué. Die Zahl der wichtigen Handyabokunden wuchs um 300'000 auf 1,17 Millionen per Ende September 2012.

Rückschläge im 2012

Allerdings hat sich in der letzten Zeit das Wachstum abgeschwächt. In den ersten neun Monaten 2012 legte Sunrise beim Umsatz nur dank einem Firmenkauf um 5,9 Prozent auf 1,54 Mrd. Fr. zu. Ohne die Übernahme wäre der Telekomanbieter lediglich um 1,8 Prozent gewachsen. Der Betriebsgewinn vor Abschreibungen und Amortisationen (EBITDA) kletterte um 5,1 Prozent auf 489,3 Mio. Franken.

Sunrise musste unter Steil mehrere Rückschläge hinnehmen. Die Versteigerung der Mobilfunklizenzen wurde viel teurer als geplant, die insgesamt mit 504 Mio. Fr. zu Buche schlagen. Zudem überraschte Branchenprimus Swisscom Mitte Juni seine Konkurrenz mit einer Offensive bei der Handytarifstruktur, welche die Preise unter Druck setzte. Sunrise musste innert Kürze nachziehen und ihre Tarife ebenfalls senken.

Daraufhin waren die gesteckten Ziele für dieses Jahr offenbar nicht mehr erreichbar, wie Kenner der Materie erzählen: Steil habe zu viel gewollt. In den zweieinhalb Jahren unter seiner Leitung gab es auch viele Wechsel in der Geschäftsleitung.

Kein Kommentar

Steil selber wollte auf Anfrage der SDA keinen Kommentar abgeben. «Nach dem erfolgreichen Wachstumskurs der vergangenen Jahre ist nun der optimale Zeitpunkt für eine Übergabe gekommen», wird Steil im Communiqué zitiert.

Ob der Abschied durch eine Abgangsentschädigung vergoldet wurde, wollte Sprecher Burkhardt nicht sagen. Auch die Frage, ob Steil mit seiner Beteiligung an Sunrise Kasse gemacht habe, blieb unbeantwortet.

Der Neue zeigt sich mitarbeiternah

Das Ruder von Sunrise übernimmt jetzt der Slowene Libor Voncina. Der 49-Jährige ist ein erfahrener Manager aus der Telekombranche. Während fünf Jahren hat er den Mobilfunkanbieter KPN Group Belgium geführt. Zuvor war Voncina Chef von Telekom Slovenija.

Auch mit Sunrise ist der Slowene bereits etwas vertraut. In einem Brief an die Mitarbeiter schreibt der Elektoringenier, dass er bereits seit September 2012 an den Verwaltungsratssitzungen
von Sunrise teilnehmen konnte. Zudem gibt sich Voncina mitarbeiternah und schreibt an seine Belegschaft: «Beim Aufstellen und Abgleichen unserer Ziele für das laufende Jahr will ich zuerst Eure Meinung und
Vorschläge anhören, wie wir unser Geschäft verbessern können.»

(sas/sda)