Swatch vs. UBS

05. Januar 2011 12:15; Akt: 05.01.2011 13:31 Print

Showdown der Schwergewichte

von Sandro Spaeth - Swatch macht die UBS für Millionenverluste verantwortlich. Bald könnten sie sich vor Gericht treffen – und danach beide als Verlierer dastehen.

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Werden sich wohl vor Gericht wieder sehen: Swatch-Chef Nick Hayek und UBS-Boss Oswald Grübel (Bild: Keystone)

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Frühstens Ende Mai kommt es vor dem Zürcher Handelsgericht zum Kampf der Giganten: Swatch Group vs. UBS, Nick Hayek gegen Oswald Grübel. «Die Klage wird voraussichtlich Mitte Februar eingereicht», sagt der Zürcher Wirtschaftsanwalt und Vertreter der Swatch Group Daniel Fischer zu 20 Minuten Online. Mit der neuen Zivilprozessordnung (ab 2011) müsse ab dem Termin beim Friedensrichter keine Einreichefrist für die Klage mehr eingehalten werden. Damit hat sich die Ausgangslage für Swatch verbessert: «Wir haben mehr Zeit uns vorzubereiten», erklärt Fischer.

Beim Streit geht es um verlorenes Geld, das die Swatch Group während der Wirtschaftskrise über die UBS in sogenannte Absolute-Return- und Kapitalschutz-Anlagen investierte, also in Produkte, die in jeder Marktsituation positive Renditen erzielen sollten. Im Fall Swatch konnten die Anlagen ihre Versprechen aber nicht einlösen. Deshalb hat Swatch die UBS bereits Ende April 2009 auf die Summe von 30 Millionen Franken betrieben. Ob der Uhren- und Schmuckhersteller exakt diese Summe vor Gericht einfordern wird, ist unklar.

Hayek vs. Grübel stösst auf Interesse

Die beiden Parteien hatten in den vergangenen drei Monaten vergeblich versucht, sich aussergerichtlich zu einigen. Die UBS blieb offenbar hart. «Cash» zitiert einen Brief, wonach der UBS-Chefjurist Markus Diethelm der Swatch Group unter anderem Folgendes mitteilte: Es verstehe sich von selbst, «dass eine solche Performancevorgabe (Libor plus – also eine Rendite über dem in London festgelegten Referenzzinssatz) nicht risikolos ist.» Die Möglichkeit eines Vergleichs wurde im Brief ausgeschlossen. Bei der Swatch Group sorgte das Schreiben für Kopfschütteln. Swatch-Chef Nick Hayek bezeichnete die Zeilen laut einem Bericht der «SonntagsZeitung» als «besseren Werbeprospekt».

Swatch-Anwalt Fischer ist sich bewusst, dass der Fall «Hayek gegen Grübel» auf besonderes Interesse stossen wird. «Diese Konstellation wird massiv verfolgt», so der Anwalt. Es gehe aber nicht um Personen, sondern darum, dass die UBS die Swatch Group falsch beraten habe. Die Sympathien der Öffentlichkeit stehen wohl auf der Seite von Swatch, doch die Schlacht wird vor Gericht und nicht in den Medien ausgetragen. Trotzdem gibt sich Fischer zuversichtlich: «Wir haben gute Chancen auf Erfolg», erklärt der Anwalt. Ansonsten hätte er den Fall nicht angenommen, sagt er.

Experte zweifelt am Prozess

Dass es tatsächlich zum juristischen Showdown kommt, bezweifelt der Wirtschaftsrechtsprofessor Peter V. Kunz von der Uni Bern. Der Grund: Obwohl die Swatch Klage einreicht, können sich die Partien noch aussergerichtlich einigen. Kunz glaubt an eine medienwirksame Inszenierung des Uhrenherstellers, wie es dieser schon mehrmals gemacht habe. «Oft wird eine Klage nur vorbereitet und eingereicht, um weiter Druck aufzubauen», erklärt Kunz. Der Professor ist überzeugt, dass ein Prozess im Interesse beider Parteien besser vermieden würde, da er der Reputation von beiden schade.

Kommt es im Mai trotzdem zu einem Aufeinandertreffen vor dem Zürcher Handelsgericht, stuft Kunz die Chancen von Swatch als gering ein: «Der Uhrengigant ist kein unwissender Kleinanleger, der die Verantwortung der Bank überlassen kann.» Zudem ist die Beweislast entscheidend: Swatch muss beweisen, dass die UBS Fehler machte, doch das dürfte laut Kunz sehr schwierig werden.