Studie

28. März 2011 10:47; Akt: 28.03.2011 17:09 Print

Silver-Surfer erobern Internet-Shopping

von Gérard Moinat - Der Online-Handel in der Schweiz boomt — vor allem dank den Silver-Surfern, den über 55-jährigen Online-Konsumenten. Der Dorfladen ist trotzdem nicht in Gefahr.

Anteil Kunden mit präferiertem Kaufkanal Online in Prozent. Quelle: Internetnutzung Schweiz 2011, Universität St. Gallen.

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Silver-Surfer repräsentieren die umsatzstärkste Kundengruppe im Schweizer Onlinehandel. Das ist das Ergebnis der Studie zur Internetnutzung der Universität St. Gallen (HSG). Die Studienautoren befragten über 1000 Schweizer Internetnutzer in 13 Städten.

Seit der letzten Studien-Veröffentlichung im Jahr 2008 haben die über 55-jährigen Internetnutzer für die stärksten Wachstumsimpulse gesorgt, stellen die Studienautoren fest: Senioren kaufen heute online betragsmässig mehr als auch häufiger ein. Seit 2008 veränderte sich der jährliche Einkaufsbetrag dieser Gruppe um den Faktor 2,1 auf 1862 Franken. 2008 waren es noch 867 Franken. Zum Vergleich: Unter 25-Jährige gaben im Internet im Jahr 2010 lediglich 629 Franken für Shopping aus. Die Gruppe der über 55-Jährigen die 35 bis 55-Jährigen als ausgabenstärkste Gruppe abgelöst.

Ein Hauptgrund für die raschen Fortschritte der Senioren: «Die Online-Affinität der älteren Generation hat in den letzten fünf Jahren schlagartig zugenommen», erläutert Oliver Emrich, Mitautor der Studie. Das liegt natürlich vor allem daran, dass die 35 bis 55-Jährigen, die das Internet bereits kennen, allmählich in die nächste Altersgruppe hineinwachsen. Wenn Ältere die Kaufhürden und die Angst einmal überwunden hätten, dann bewegten sie sich im Internet schnell immer versierter.

Reisen, Mineralwasser und grosse Schrift

Gemäss einer Hochrechnung der HSG macht die Gruppe der über 55-Jährigen rund 11 Prozent der Online-Kunden in der Schweiz aus. Dabei kaufen die Senioren im Internet nicht andere Dinge als Jüngere, sondern vor allem mehr aufs Mal, sagt Tim Böttger, Mitautor der Studie. Besonders interessiert seien Senioren am Thema Reisen. Aber auch Themen wie Online-Lebensmittel würden gerade bei Älteren immer relevanter. Gute Produkte sind das, was ältere Menschen vorwiegend suchten — weniger jedoch günstige Preise, so Thomas Rudolph, Professor für Handelsmanagement an der Uni St. Gallen.

Die Vorteile des Onlinehandels, gerade für in die Jahre gekommene Personen, lägen auf der Hand, erklärt Rudolph weiter: Das Internet ist bequem. «Speziell die Lieferung nach Hause ist gerade für diese Gruppe attraktiv.» Senioren sind nicht mehr so mobil wie andere Konsumenten und haben Mühe mit dem Transport von Waren — gerade von schweren Produkten wie Getränke etc. Da können Onlineshops punkten.

Auch sonst ist es für Silver-Surfer angenehmer, von zu Hause aus einzukaufen. Das fängt bei ganz praktischen Sachen an, wie beispielsweise Schriftgrössen bei Internet-Browsern: «Die können sie bei sich zu Hause einstellen wie sie wollen», erklärt Emrich. Im stationären Handel hingegen kommen solche Trends erst; beispielsweise in Form von Lupen an den Einkaufswägen.

Dorfladen nicht in Gefahr

Auch wenn die Senioren hierzulande immer mehr übers Internet einkaufen: Das Aussterben des Dorfladens ist gemäss den Autoren der Studie nicht zu erwarten. Denn die persönliche Beratung werde gleichzeitig wichtiger, sagt Böttger.

Im Vergleich zur Umfrage 2009 wählten mit zwei Dritteln noch mehr Personen die Aussage «Ich zögere beim Online-Einkauf ab und zu, weil ich persönliche Beratung bevorzuge» als gewichtigstes Argument gegen den Online-Einkauf. 2009 waren es noch 60,5 Prozent gewesen. Gerade bei der persönlichen Beratung also dürfte ein Dorfladen besonders gut abschneiden, so Emrich.

Aber auch sonst hat der Online-Handel noch seine Probleme: Seit 2004 hätten die Hürden auch im Online-Shopping wieder zugenommen. Beispielsweise werde der Einkauf aus Sicht der Kunden immer komplizierter, so Emrich. Gerade die Fülle der Informationen, die bei einem Einkauf ausgewählt werden müssten, würden viele verwirren. Darunter fallen beispielsweise die allgemeinen Geschäftsbedingungen. Auch verbunden mit den zunehmenden technischen Applikationen finden sich immer mehr Leute eher schlecht zurecht.

Zudem sagten heute viele Leute, so Böttger, dass das Angebot nicht den Bedürfnissen entspreche — was ja eine eigentliche Stärke des Internets sein sollte.