Gebühr für Raschelsäckli

28. Juni 2018 15:37; Akt: 28.06.2018 15:39 Print

Kunden kaufen bei Migros und Coop 15 Mio Säckli

von Dominic Benz - Die Säckli kosten 5 Rappen und sind noch immer beliebt: Coop und Migros nehmen mit ihnen insgesamt rund 700'000 Franken jährlich ein.

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Die Migros macht mit Plastiksäckli viel Gewinn. «Seit Einführung der Kostenpflicht im November 2016 bis Dezember 2017 erzielten wir einen Gewinn von rund 400'000 Franken», sagt eine Sprecherin der Migros zu 20 Minuten. Das sind gut 7 Millionen Säckli pro Jahr. Coop nahm mit den Raschelsäckli seit der Gebühren-Einführung im Februar 2017 bis Ende Jahr rund 350'000 Franken ein. Das sagte kürzlich Coop-Chef Joos Sutter im Gespräch mit 20 Minuten. Auch das sind rund 8 Millionen Säckli im Jahr. Bei vielen Detailhändlern mit Lebensmitteln kosten die kleinen Raschelsäckli 5 Rappen. Damit will man den Plastikverschleiss reduzieren. Die Massnahme nützt: Der Verbrauch ist 2017 gegenüber dem Vorjahr um über vier Fünftel zurückgegangen. Die Säckli-Gebühr ist ein Resultat der «Branchenvereinbarung zur Verringerung des Verbrauchs von Einweg-Plastiksäcken» der Swiss Retail Federation und der Interessengemeinschaft Detailhandel Schweiz. Der Vereinbarung angeschlossen haben sich rund 30 Unternehmen, so etwa Migros ... ... Denner ... ... oder Aldi Suisse. Coop-Chef Joos Sutter hatte sich am Hauptsitz des Detailhändlers in Basel den Fragen des 20-Minuten-Wirtschaftschefs Sandro Spaeth und jenen der Leser gestellt. Ein Leser fragte: «Nehmen wir an, Sie haben riesigen Durst. Der nächste Coop ist 20 Minuten entfernt, eine Migros-Filiale 20 Meter. Wo kaufen Sie Ihr Getränk?» – «Wenn ich richtig Durst habe, gehe ich zu Coop, weil es dort das Bier gibt», antwortet Joos. Coop-CEO Joos Sutter ist Chef von 86'000 Mitarbeitern und Dutzender Formate. Packt auch selbst gerne an: Joos Sutter bei der Eröffnung des neuen Spezialitätenladens Sapori d'Italia im Bahnhof Aarau. Joos Sutter testet die Wasserstofftankstelle der Coop Mineralöl AG in Hunzenschwil. Erfolgreiches Format: Rund 70'000 Franken erwirtschaftet die Rekordfiliale von Coop to Go 2016 im Bahnhof Zürich. Im Bild: Joos Sutter bei der Eröffnung des ersten Coop to Go. Im Sitzungszimmer am Coop-Hauptsitz in Basel: Coop-CEO Joos Sutter (l.) in einem früheren Interview mit 20 Minuten. Joos Sutter und sein Marketingchef Philipp Wyss (r.). Immer auf Achse: Coop-Chef Sutter besuchte im Herbst 2015 «seine» Ananas-Produzenten in Ghana. Joos Sutter bei der Bilanzmedienkonferenz im Coop-Tagungsszentrum in Muttenz.

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Schweizer Detailhändler nehmen mit den Plastiksäckli dank der Gebühr von 5 Rappen viel Geld ein. «In der Zeit von der Einführung der Kostenpflicht im November 2016 bis zum Dezember 2017 erzielten wir einen Gewinn von rund 400'000 Franken», sagt eine Sprecherin der Migros zu 20 Minuten. Das bedeutet: Bei der Migros gingen in einem Jahr rund 7 Millionen Säcke oder rund 21'000 Stück pro Verkaufstag weg.

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Auch bei Coop schenken die Raschelsäckli ein. Seit der Gebühren-Einführung im Februar 2017 bis Ende 2017 sind rund 350'000 Franken zusammengekommen. Das sagte kürzlich Coop-Chef Joos Sutter im Gespräch mit 20 Minuten. Übers Jahr gerechnet sind das knapp 8 Millionen Säckli.

Einnahmen für nachhaltige Projekte

Coop betont, dass man mit den Tüten keinen Gewinn erwirtschafte. Nach Erreichen der Kostendeckung fliesse das Geld ausschliesslich und bis zum letzten Franken in nachhaltige Projekte. Auch die Migros teilt mit, dass der Betrag «vollumfänglich an externe Umweltprojekte» gespendet worden sei. Die Läden Denner, Volg oder Landi wollen keine Zahlen zu den verkauften Säckli nennen.

Mit der Säckli-Gebühr wollen die Detailhändler gegen den Plastik-Verbrauch kämpfen. Das zeigt zwar Wirkung: 2017 verringerte er sich gegenüber dem Vorjahr um über vier Fünftel. Wurden im Jahr 2016 rund 418 Millionen Säckli abgegeben, gingen 2017 nur noch rund 66 Millionen Stück weg.

«Preiserhöhung hätte geringe Wirkung»

Könnte eine Preiserhöhung den Verbrauch nicht noch weiter eindämmen? Die Interessengemeinschaft Detailhandel Schweiz, der Coop, Denner und Migros angeschlossen sind, winkt ab. «Das hätte nur eine geringe Wirkung», sagt Sprecher Patrick Marty auf Anfrage. Kunden hätten vor allem darauf reagiert, dass die Säckli plötzlich nicht mehr gratis seien. Entscheidend sei daher das Preissignal am Anfang gewesen, das den gewünschten Effekt gebracht habe.

Auf die Säckli ganz verzichten wollen die Händler nicht. «Sie sind ein Kundenbedürfnis», sagt Marty. Dieses sei vor allem bei jenen Konsumenten vorhanden, die spontan einkaufen und keine eigene Tasche mitbringen würden. Der vollständige Wechsel zu Papier-Tüten ist laut Marty ebenfalls keine Option. «Die Ökobilanz der Plastiksäckli aus Recycling-Material ist für den einmaligen Gebrauch eindeutig besser als jene von Papier.» So sei der Gebrauch von Tragetaschen aus Papier nur dann sinnvoll, wenn sie auch mehrfach gebraucht würden.

«Höhere Gebühren sind kaum zu rechtfertigen»

Auch laut Adrienne Suvada vom Institut für Marketing Management der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften würde eine Preiserhöhung nichts nützen. «Kunden, die ein Säckli brauchen, zahlen auch 10 Rappen.» Noch höhere Gebühren seien angesichts eines Plastiksäckli kaum mehr zu rechtfertigen und würden den Vorwurf der Abzocke aufkommen lassen. «Am besten wäre es, Säckli aus gänzlich umweltschonenden Materialien im Angebot zu haben – so wie das in Italien mit den komplett recycelbaren Tüten längst der Fall ist», so Suvada.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Yannic Eicher am 28.06.2018 15:45 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Recyclebares Material

    Haben sie noch nie Etwas von umweltfreundlichen Materialien gehört? Hätte man schon lange umsetzen sollen, anstelle die Preise fur ein Säckli zu erhöhen.

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  • Lemonlassi am 28.06.2018 15:40 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Naja...

    2 Stk pro Einwohner/Jahr. Wahnsinn!!!

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  • p.griffin am 28.06.2018 15:42 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    ganz ehrlich

    es ist wider nur einen Reingewinn die sie einholen, als ob die 5Rp schmerzhaft wären...

Die neusten Leser-Kommentare

  • Bartli am 02.07.2018 00:18 Report Diesen Beitrag melden

    Schlaue Nebeneinnahmen, zugegeben

    Und der Platik bleibt. Nun haben sie ja bald einen Grund das Säcklipreis zu erhöhen.

  • A. Y am 30.06.2018 22:17 Report Diesen Beitrag melden

    Karton

    Aus ungefärbtem karton wäre es umweltfreundlich.

  • Schuldgeldsystem bricht und das Genick am 30.06.2018 12:17 Report Diesen Beitrag melden

    Profit-/Gewinnmaximierung...

    für Zinszahlungen. Und es werden meistens Massnahmen ergriffen, die grundlegend NICHTS zur Lösung beitragen - Primär soll es Profit bringen. Wie hier die Plastiksäckli. Würde man wirklich zum Naturschutz beitragen wollen, hätte man die Säcklis ganz weggelassen oder aber man würde biologisch abbaubare Materialien verwenden. Aber die dumpfgewordenen Menschen wachen so langsam auf und merken, wie sie immer getäuscht werden.

    • Bartli am 02.07.2018 00:21 Report Diesen Beitrag melden

      Bravo, Umweltschutz geht aber anders

      Leider nur wenige und leider sehr langsam und einem Rest ist eh alles egal.

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  • Nico am 30.06.2018 11:13 Report Diesen Beitrag melden

    Aufholvedarf

    Wehalb können es die Italos und die Schweizer nicht. In jedem Supermarkt gibt es nur Mehrwegtaschen oder biologisch abbaubaren Säckli gegen Gebühr ,versteht sich.

  • Clay am 30.06.2018 08:05 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Gewinn > Umwelt

    nun haben die Unternehmen, was sie wollten. Noch mehr Gewinn. Dieses Mal sogar mit einem Artikel, den sie zuvor verschenkt haben. Ich denke, dieser Punkt ist denen wichtiger, als die Sorge an der Umwelt...

    • Bartli am 02.07.2018 00:22 Report Diesen Beitrag melden

      Hab ich auch gedacht

      Sieht sehr danach aus jedenfalls

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