Mobilität

28. Juli 2017 08:51; Akt: 28.07.2017 12:40 Print

Sind Elektroautos wirklich ökologischer?

von F. Lindegger - Die Grünen fordern, dass die Schweiz Neuzulassungen von Autos mit Verbrennungsmotoren künftig verbieten soll. So sieht die Ökobilanz von Elektroautos aus.

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Bei Elektroautos dreht sich die Diskussion früher oder später um die Frage der Ökobilanz. Heftig wird darüber debattiert, ob die Elektromobilität unter dem Strich nun tatsächlich gut oder nicht gar schlecht für die Umwelt sei. In der Regel geht es dabei um drei strittige Punkte:

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1. Produktion
In einem Auto stecken grosse Mengen an grauer Energie. Das heisst Energie, die für den Bau des Fahrzeugs benötigt wird. Bei Elektroautos inklusive der Batterie ist die Produktion aufwendiger als bei einem Auto mit Verbrennungsmotor. Zum Beispiel weil Hersteller eher auf das leichte Aluminium als auf den schwereren Stahl setzen, der bei herkömmlichen Autos meist eingesetzt wird. Die Produktion von Aluminium belastet die Umwelt dabei mehr als jene von Stahl. «Alle Studien kommen in diesem Punkt zum gleichen Schluss: Ein Elektroauto hat einen höheren Produktionsaufwand als ein Auto mit Verbrennungsmotor», so Marcel Gauch, der an der Empa im Bereich Nachhaltigkeit forscht und sich intensiv mit Batterien und Elektrofahrzeugen befasst hat.

2. Batterie
Zurzeit setzen die Autobauer bei Elektrofahrzeugen vor allem auf Lithium-Ionen-Batterien. Beim Abbau der verwendeten Rohstoffe werden teilweise giftige Stoffe ein- und freigesetzt, was sich negativ auf die Ökobilanz von Batterien auswirkt. Lösungen existieren hingegen beim Recycling von Batterien. «Effektives Batterie-Recycling existiert seit Jahren – auch weil es in der Schweiz und in Europa eine gesetzliche Verpflichtung dazu gibt», erklärt Gauch. Das könne auch wirtschaftlich lukrativ sein, da die Rohstoffe der Batterien wertvoll seien.

3. Verbrauch
Die Verbrennungsmotoren von Autos sind ineffizient. «Der mittlere Wirkungsgrad liegt heute zwischen 20 und 25 Prozent», so Gauch. Bei Elektromotoren betrage der Wirkungsgrad dagegen 90 Prozent und mehr. Ein Elektroauto benötigt deshalb deutlich weniger Energie, um die gleiche Distanz wie ein Auto mit Diesel- oder Benzinmotor zurückzulegen. Gemäss einer Studie des deutschen Fraunhofer-Instituts für Bauphysik hat ein Elektroauto, das vollständig mit Ökostrom betrieben wird, ab 30'000 Kilometern die negative Ökobilanz der Produktion ausgeglichen.

Wie lautet nun das Fazit? Schneiden Elektroautos bezüglich Ökobilanz besser ab als Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor? «Ja, mit einer Ausnahme», sagt Gauch. «Wird ein Elektroauto zu 100 Prozent mit Kohlestrom betrieben, fällt die Ökobilanz schlechter aus als bei herkömmlichen Fahrzeugen.» Doch das sei eine hypothetische Annahme. «Selbst bei einem deutschen Strommix, der verglichen mit jenem in der Schweiz sehr dreckig ist, scheiden Elektroautos besser ab.»

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • AndyV am 28.07.2017 09:03 Report Diesen Beitrag melden

    und der Strom kommt aus der Steckdose

    Wenn in einer Überbauung mit 40 Autos alle am Abend nach Hause kommen und jeder sein Auto mit Schnellladung laden möchte, wie soll das funktionieren? Woher nehmen wir in der CH den ganzen Strom, wir wollen ja keine Atomkraftwerke? Wir brauchen ENDLICH brauchbare und klare Konzepte und nicht Wunschdenken der Politiker!

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  • Lukas am 28.07.2017 09:02 Report Diesen Beitrag melden

    Interessant

    Lustig. In einem Artikel von vor ca. 6 Monaten hiess es noch, dass E-Autos erst ab ca. 100'000km besser seien...

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  • Dani K am 28.07.2017 08:57 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wasserstoff, auch eine Alternative?

    Und wie sieht das bei Wasserstoff Fahrzeugen aus?

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Isodor am 29.07.2017 23:46 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Schwierig

    Benzin ist nicht gut, Diesel ist nicht gut, Elektrowagen ist nicht gut. Hybrid ist nicht gut. ich glaube ich kaufe mir jetzt ein Wagen von den Flintstones. yabadabadoo

  • Rigel am 29.07.2017 23:29 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Thema Elektrosmog

    Interessant ist, dass das ganz heisse Thema Elektrosmog völlig ausgeblendet wird. Der aktuelle Grenzwert beträgt für Elektrofahrzeuge 30V/m und ist extrem schwierig einzuhalten. Dieser Wert ist 6 fach höher, als der Grenzwert von Mobilfunkantennen ! Analog zum Dieselschummel wird beim Elektrosmog mit Sicherheit auch geschummelt werden; Gesundheitliche Schäden durch erhöhten Elektrosmog sind vorprogrammiert!

    • Martin Schlatt am 30.07.2017 00:01 Report Diesen Beitrag melden

      @Rigel

      Der Grenzwer ist abhängig von der Frequenz. Vergleich mit Mobilfunk darum nicht machbar, ist wie Äpfel mit Birnen zu vergleichen. Das Magnetfeld muss auch noch berücksichtigt werden, nicht nur dad elektrische.

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  • Matthias Lang am 29.07.2017 22:10 Report Diesen Beitrag melden

    Energiesparen

    Die Lösung heisst: Energie sparen. Ich spare zb gegenüber meinen beiden Nachbarn jeweils täglich 10 kWh Strom (im Winter bis zu 20kWh täglich), einfach indem wir effiziente Geräte einsetzen. Damit könnte ich mit einem Elektroauto problemlos täglich mehr 50 - 75km (im Winter 100 - 150km) weit fahren. Wenn jeder Energie sparen würde, könnte man Mobilität haben ohne dass der Energieaufwand steigt.

  • werner am 29.07.2017 21:45 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    heizen??

    Wir haben zwar Sommer - aber bitte denkt doch auch mal an die kalten Wintertage. Dann steigt nämlich der Wirkungsgrad eines Verbrennungsmotor enorm an, weil die meisten von uns dann die Heizung einschalten, wobei die Abwärme genutzt wird. Beim E-Auto friert man, oder muss wohl oder übel die Batterieenergie verheizen.... und nur nebenbei - ein herkömlicher Diesel hat einen Wirkingsgrad von 35-45% (ohne heizen :-) )

    • M.L. am 29.07.2017 22:16 Report Diesen Beitrag melden

      Wirkungsgrad

      Der Wirkungsgrad von einem Diesel ist in einem ganz schmalen Kennfeld 35 - 45%. Auf einer durchschnittlichen Autofahrt ist er maximal bei 16%

    • Martin Schlatt am 30.07.2017 00:04 Report Diesen Beitrag melden

      @Werner

      max. Wirkungsgrad von 40, durchschnittlich eher 20 %. wenn es gut kommt.

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  • Kartoschka am 29.07.2017 21:42 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Es ist noch kein Meister vom Himmel gefallen.

    Können Kleinkinder Marathon laufen? Diese ewigen Pessimisten und Schlechtredner verhindern den Fortschritt.