Teambildende Massnahmen

12. September 2018 12:27; Akt: 12.09.2018 12:27 Print

«Firmenausflüge sind reine Geldverschwendung»

Teambildende Massnahmen gehören zu einem modernen Unternehmen dazu. Ein CEO einer Beratungsfirma hält den Nutzen für beschränkt.

Bildstrecke im Grossformat »

Zum Thema
Fehler gesehen?

Gemeinsame Bowling-Nächte, Seilziehen, aufwändige Schnitzeljagden: Die Möglichkeiten für Teamausflüge respektive teambildende Massnahmen sind zahlreich. Angestellte sollen miteinander Zeit ausserhalb des Arbeitsplatzes verbringen; der Teamgeist soll dadurch gestärkt werden.

Umfrage
Was halten Sie von Team-Ausflügen?

«Reine Geldverschwendung», schreibt Carles Valdes-Dapena, Buchautor und CEO der Beratungsfirma Corporate Collaboration Resources in der «Harvard Business Review», basierend auf seiner 25-jährigen Erfahrung im Bereich Teameffizienz.

Solche Events könnten zwar vorübergehend dazu führen, dass sich die Angestellten verbundener fühlten. Diese Momentaufnahmen und Gefühle würden jedoch nicht dem alltäglichen Druck eines Unternehmens standhalten, das letztendlich auf Resultate ausgerichtet sei.

Tausende Dollar für ein Orchester

Als Beispiel nennt Valdes-Dapena die Geschichte eines Marketing-Angestellten. Dieser sei mit 20 Kollegen nach London geflogen. Dort habe man in ein teures Hotel eingecheckt und mit einer Gruppe von Maori den Haka, einen traditionellen, neuseeländischen Tanz, trainiert. «Die Übung hätte Beziehungen bilden, Teamgeist fördern und Zusammenarbeit verbessern sollen. Stattdessen wurde Verlegenheit und Zynismus gefördert», wie der Autor weiter schreibt. Die Firma sei Monate später verkauft worden.

Auch die eigene Firma habe die vermeintlich teambildenden Massnahmen nicht ausgelassen. «Einmal gaben wir Tausende von Dollar für ein Orchester aus, um dabei eine Stunde mit Geschäftsleuten zu verbringen und deren Zusammenarbeit zu verbessern. Es war eine nette Erfahrung, hat aber die Art und Weise, wie die Führungspersonen miteinander arbeiteten, nicht verändert.»

Zusammen vs. Alleingang

Die Forschung der Beratungsfirma stütze sich auf Daten von 125 Teams. Sie beinhalte unter anderem Fragebögen und persönliche Interviews. Demzufolge lautet der zusammengefasst Tenor der Befragten: «Ich schätze meine Angestellten sehr. Ich weiss auch, dass wir mehr zusammenarbeiten sollten. Nur, wir tun es einfach nicht.» Andere wiederum waren in Bezug auf die Zusammenarbeit der Meinung, sie wollten in Ruhe gelassen werden und wüssten nicht, wofür sie ihre Teamkollegen in die eigene Arbeit miteinbinden sollten.

Schliesslich wurde eine Liste von Projekten erarbeitet. Dabei wurden sie aufgeteilt in solche, die besser von Einzelpersonen bearbeitet werden, und solche, die durch Zusammenarbeit wirklich verbessert werden können.

CEO Valdes-Dapena schliesst mit dem Fazit, dass starke Beziehungen und Vertrauen zwar wichtig sind, sie aber nicht die Ausgangslage, sondern das Ergebnis von gemeinsam an einem Ziel arbeitenden Arbeitnehmern darstellen.

(kat)