Fast Fashion

18. Oktober 2018 14:13; Akt: 18.10.2018 14:13 Print

Sind meine Billig-Kleider wirklich ein Problem?

von Vanessa Sadecky - Konsumenten fragen sich, ob man heute noch mit gutem Gewissen billige Klamotten kaufen kann. Das sagen Experten.

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Von Umwelt- und Menschenrechtsorganisationen werden die Produktionsbedingungen der Fast-Fashion-Industrie seit dem Einsturz des Rana-Plaza-Gebäudes in Bangladesh mit über tausend Toten verstärkt angeprangert. Ist es vor diesem Hintergrund überhaupt noch möglich, mit gutem Gewissen günstige Mode einzukaufen? «Günstige Mode ist nie fair im Sinne von existenzsichernden Löhnen für die Arbeitskräfte», sagt Herbert Winistörfer, Experte für Corporate Responsibility an der ZHAW. «In vielen Ländern, in denen Fast Fashion produziert wird, ist die Bekleidungsindustrie trotzdem ein wichtiger Wirtschaftszweig. Sie hat Arbeitsplätze geschaffen.» So seien beispielsweise in Bangladesh über 80 Prozent der Gesamtexporte Textilien. Die Kehrseite der Wirtschaftsentwicklung seien sehr tiefe Löhne und schlechte Arbeitsbedingungen. «Es stellt sich die Frage, wer für Missstände die Verantwortung übernehmen muss: Das Produktionsland? Die Mode-Konzerne? Die Konsumenten?» Der Trend gehe dahin, die Unternehmen stärker in die Pflicht zu nehmen. «Die UNO hat Leitprinzipien für die Verantwortung der Unternehmen formuliert, die Länder sind zurzeit daran, diese umzusetzen. Auch das globale Aktivistennetzwerk Fashion Revolution setzt sich dafür ein, dass Unternehmen in die Pflicht genommen werden. Allerdings setzt der Verein mit 1,5 Millionen Mitgliedern dafür nicht auf Politik, sondern auf die Konsumenten. Sie sollen zum Beispiel mit Instagram-Posts ... ... und E-Mails sanften Druck erzeugen. Der Verein hat zu diesem Zweck Vorlagen auf seine Website geladen. «Es geht uns nicht darum, Firmen anzuprangern. Was wir wollen, ist Transparenz und Aufklärung für alle», sagt die Umweltberaterin Doris Abt vom Schweizer Zweig von Fashion Revolution. Ein weiterer Ansatz des Vereins ist die Vernetzung der Mitglieder untereinander und mit Marken, die faire Kleidung anbieten.

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Hier ein T-Shirt von Zara, da eine Mütze von H&M und dann vielleicht noch ein Pulli von Vero Moda: Kleider, die schnell und günstig in Entwicklungs- und Schwellenländern produziert werden, kaufen wir wie nebenbei. Durch die Dominanz dieser sogenannten Fast Fashion hat sich der Absatz von Kleidung laut Greenpeace global zwischen 2002 und 2015 fast verdoppelt: von einer Billion auf 1,8 Billionen Dollar. Bis 2025 wird mit einem weiteren Anstieg auf 2,1 Billionen Dollar gerechnet.

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Von Umwelt- und Menschenrechtsorganisationen werden die Produktionsbedingungen der Fast-Fashion-Industrie seit dem Einsturz der Billig-Fabrik Rana Plaza mit über tausend Toten verstärkt angeprangert. Ist es vor diesem Hintergrund überhaupt noch möglich, mit gutem Gewissen billig hergestellte Mode einzukaufen?

Tiefe Löhne, schlechte Arbeitsbedingungen

Herbert Winistörfer, Experte für Corporate Responsibility an der ZHAW, betont, dass günstige Mode im Sinne von existenzsichernden Löhnen für die Arbeitskräfte nie fair sei. «In vielen Ländern, in denen Fast Fashion produziert wird, ist die Bekleidungsindustrie trotzdem ein wichtiger Wirtschaftszweig. Sie hat Arbeitsplätze geschaffen», sagt er auf Anfrage. So seien beispielsweise in Bangladesh über 80 Prozent der Gesamtexporte Textilien.

Aber: Die Kehrseite der Wirtschaftsentwicklung seien die sehr tiefen Löhne und schlechten Arbeitsbedingungen. «Es stellt sich die Frage, wer für Missstände die Verantwortung übernehmen muss: das Produktionsland, die Modekonzerne oder die Konsumenten?»

Auf Trends zu verzichten ist die grösste Waffe

Der Textilexperte David Hachfeld vom Verein Public Eye betont, dass es auch bei teurer Mode Missstände gebe. Grundsätzlich verbreitet seien die niedrigen Löhne für die Näherinnen. «Mit den Löhnen kann man keine Familie ernähren und nur unter extrem ärmlichen Bedingungen leben.» Arbeiter würden zudem in der Hoffnung auf mehr Lohn oft viele Überstunden machen. Wer sich gegen die Arbeitsbedingungen wehre, riskiere, gefeuert zu werden. «Die Näherinnen werden dann zum Sand im Getriebe – und den wollen die Unternehmen loswerden», so Hachfeld.

Er empfiehlt den Konsumenten, Kleider grundsätzlich mit gesundem Menschenverstand zu kaufen und nicht jedem Trend hinterherzulaufen. «Labels geben einem das Gefühl, ständig neue Kleider kaufen zu müssen.» Der Konsument solle dieses Spiel aber nicht mitmachen: «Das ist die grösste Waffe, die wir haben», sagt der Experte. Letztlich seien aber die Firmen und die Politik dafür verantwortlich, die Ausbeutung zu stoppen.

Unternehmen in die Pflicht nehmen

Der Trend geht laut Winistörfer dahin, die Unternehmen stärker in die Pflicht zu nehmen. «Die UNO hat Leitprinzipien für die Verantwortung der Unternehmen formuliert.» Nun seien die Länder zurzeit daran, diese umzusetzen. Auch in der Schweiz gibt es ähnliche Bestrebungen. «Die Konzernverantwortungsinitiative geht in diese Richtung», so Winistörfer.

Ebenso will das globale Aktivistennetzwerk Fashion Revolution die Unternehmen an die kurze Leine nehmen. Allerdings setzt der Verein mit 1,5 Millionen Mitgliedern dabei nicht auf die Politik, sondern auf die Konsumenten. Sie sollen zum Beispiel mit Instagram-Posts und E-Mails sanften Druck auf die Unternehmen erzeugen. Zu diesem Zweck bietet der Verein auf der eigenen Website Text-Vorlagen an, die die Konsumenten in den sozialen Netzwerken teilen können.

Gefühl, nichts mehr kaufen zu können

Die Umweltberaterin Doris Abt vom Schweizer Zweig von Fashion Revolution stellt klar: «Es geht uns nicht darum, Firmen anzuprangern. Was wir wollen, ist Transparenz und Aufklärung für alle.» Ein weiterer Ansatz des Vereins ist die Vernetzung der Mitglieder untereinander und mit Marken, die faire Kleidung anbieten. Das geschieht sowohl über regionale Treffen und Podien als auch über die einmal im Jahr stattfindende Fashion Revolution Week.

Abt will keine Spielverderberin sein. «Mode darf und soll immer noch Spass machen.» Jedoch könne es überfordernd sein, wenn man von den schlimmen Bedingungen hinter Fast Fashion erfahre. Dann könne man schnell das Gefühl bekommen, dass man nichts mehr kaufen dürfe. Mit ihrem Tun will Abt aber das Gegenteil bewirken: «Wir wollen aufzeigen, dass es Alternativen gibt und man nicht allein ist.»

In einem zweiten Artikel zum Thema zeigen wir die Alternativen.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • tatiti77 am 18.10.2018 14:53 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    ...

    ... wer glaubt das teure Kleider zu viel besseren Konditionen hergestellt werden, redet sich was schön....

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  • R.M. am 18.10.2018 14:59 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    ...

    In dem Fall ist es wie bei so manchen Dingen... Kaufe ich sie, unterstütze ich indirekt Kinderarbeit und Ausbeutung. Kaufe ich die Dinge nicht, nehme ich diesen Menschen noch das letzte bisschen dass ihnen zum Leben bleibt. Da kann man sprichwörtlich zwischen Pest und Cholera wählen...

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  • Bangladesh! am 18.10.2018 15:02 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Fashion?

    Ich bin nur überzeugt wenn die Luxusklamotten nicht aus der gleichen Fabrik in Bangladesh stammen! Ob H&M oder Gucci! Eine Luxusetikette ist schnell aufgeneht ... es macht keinen Unterschied ... dafür 1000% Marge. Gucci, Armani, H&M ... alles die gleiche Adresse zu Mindestlöhnen. Darum sind Luxuskleider bei mir nicht Minder bewertet als die günstigeren von H&M.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Cavi33 am 20.10.2018 22:31 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Besser als gar nichts

    Äh, bin ich da im falschen Film. Teure Kleider werden auch von Billiglöhnern produziert, der Aufschlag, sprich Gewinn ist einfach exorbitant. Kaufe zwar fast immer Markenklamotten aber habe deswegen kein besseres Gewissen. Das Problem liegt in der Politik und Gesetzgebung und nicht bei den Arbeitern. Hier sehe ich Verbesserungspotenzial, also macht mal Studie die etwas bringen und nicht dem Publikum wieder ein schlechtes Gewissen einreden.

  • Alicia am 20.10.2018 20:37 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Karma

    Wir verdienen zu viel und andere zuwenig, noch Ander aber mehr wie wir. Jeder der behauptet, dass das Leben Gerecht sei ist ein Träumer. Man kann es Schicksal nennen, Karma oder Vorsehung, keine/r kann beeinflussen wo sie/er geboren wurde. Die Aufgabe im Leben ist nicht die ganze Welt zu retten sondern das Beste aus sich und den eigenen Leben zu machen. Sich selber kasteien um andere glücklicher zu machen scheint mir der falsche Weg.

  • Michèle am 20.10.2018 19:57 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Prügel

    Kürzlich habe ich eine Doku im TV gesehen welche mich zutiefst berührt hat: In China hat eine Frau ihr Baby unter der Nähmaschine gestillt, sie erhielt vom Aufseher dafür Prügel!!

  • Rentnerin am 20.10.2018 19:19 Report Diesen Beitrag melden

    finanziere keine Abzocker

    Das Problem ist, dass auch die Marken-Label in Billigländern zu schlechten Bedingungen hergestellt werden. Ich als Rentnerin der reichen Schweiz kann mir diese aber nicht leisten. Zudem bin ich auch nicht bereit, die CEOs vom Zwischenhandel zu belohnen.

  • Mike am 20.10.2018 17:47 Report Diesen Beitrag melden

    Mike

    Ich schreibs nochmals: Der Film 'The true cost' sagt alles