ABB auf Einkaufstour

12. Dezember 2011 11:57; Akt: 12.12.2011 12:26 Print

Sinnvoll, aber zu teuer

Mit der Übernahme der Tessiner Firma Newave will ABB im Markt für unterbrechungsfreie Stromversorgung expandieren. Die Anleger sind skeptisch, die Aktie verlor an Wert.

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ABB bietet in seinem Kaufangebot 56 Fr. pro Newave-Aktie. (Bild: Keystone)

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Der Technologiekonzern ABB will die Tessiner Newave übernehmen und ist bereit, dafür 170 Mio. Fr. in bar zu zahlen. Wie die beiden Unternehmen am Montag mitteilten, haben die drei grössten Newave-Aktionäre ihre insgesamt 45 Prozent der Stimmrechte ABB bereits angedient.

Der Spezialist für unterbrechungsfreie Stromversorgung soll die Position von ABB im Leistungsregelungs- und Qualitätsmarkt stärken und sich durch die Übernahme neue Wachstumsmöglichkeiten ausserhalb seiner traditionellen europäischen Märkte erschliessen. Der Newave- Verwaltungsrat empfiehlt den Aktionären, auf das Angebot von ABB einzugehen, heisst es in der Medienmitteilung.

Aufschlag von 36 Prozent

ABB bietet in seinem Kaufangebot 56 Fr. pro Newave-Aktie. Das entspricht einem Aufschlag von 36 Prozent auf den Durchschnittskurs der Aktie in den vergangenen 60 Handelstagen und einem Zuschlag von 22,4 Prozent auf den Kurs vom vergangenen Freitag.

Laut ABB ist aber der Durchschnittskurs für die Bestimmung des Preises aufgrund des geringen Handelsvolumens der Aktie nicht ausschlaggebend.

Gesonderte Kaufvereinbarung

Mit einer gesonderte Kaufvereinbarung erwirbt ABB 45 Prozent der Newave-Anteile direkt von den grössten drei Aktionären, also von den Gründern Vllaznim Xhiha und Filippo Marbach sowie von der Rittal International Stiftung. ABB zahlt diesen drei Aktionären pro Aktie gleich viel wie im öffentlichen Angebot vorgesehen.

Die Übernahme dieser Anteile ist nicht vom Erfolg des öffentlichen Kaufangebots abhängig. Der Angebotsprospekt soll im Laufe dieser Woche veröffentlicht werden. Die Angebotsfrist soll im Januar beginnen und die Transaktion in der ersten Jahreshälfte vollzogen sein.

Wachstumsträchtiger Markt - Hoher Preis

Der weltweite Markt für unterbrechungsfreie Stromversorgung (USV) bietet gemäss Communiqué interessante Wachstumsmöglichkeiten und umfasst 6 bis 7 Mrd. Dollar. Mit Newave will ABB in diesem Markt expandieren.

Nach Unternehmensangaben ist Newave in Mittel- und Hochleistungsbereich der USV tätig, welcher die Hälfte des Marktes ausmacht und mit einem Wachstum von 6 bis 10 Prozent pro Jahr auch dessen attraktivstes Segment ist.

Marktbeobachter bezeichneten den Zukauf als sinnvoll, aber zu teuer. Panagiotis Spiliopoulos von der Bank Vontobel erklärte gegenüber der Finanznachrichtenagentur AWP, ABB habe bereits in der Vergangenheit versucht, das Geschäft mit unterbrechungsfreier Stromversorgung auszubauen.

Das Angebot für die britische Chloride schlug im Juli 2010 jedoch fehl. Insgesamt sei der Newave-Kauf für ABB eine kleine Transaktion, die nur etwa 0,2 Prozent zum Konzernumsatz beitragen werde.

Aktie verliert

Richard Frei von der Zürcher Kantonalbank sagte, die hohe Prämie bewerte Newave stattlich auf das 16,5-Fache dessen jährlich erzielten operativen Ergebnisses.

An der Börse verlor die ABB-Aktie bis kurz vor 11.30 Uhr 1,0 Prozent an Wert. Die Newave-Papiere dagegen legten 21,7 Prozent zu und kamen mit 55,7 Franken nahe an den gebotenen Preis.

Newave erzielte 2010 einen Umsatz von 80,6 Mio. Fr. und 8,1 Mio. Fr. Reingewinn. An der Börse kotiert ist das 1993 gegründete Unternehmen seit 2007. Derzeit arbeiteten rund 210 Personen für die Firma.

(sda)

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