Schätzung

04. Mai 2018 09:08; Akt: 04.05.2018 09:08 Print

Siroop machte 2017 rund 45 Mio Franken Verlust

Schätzungen zeigen: Das Experiment Siroop kam Swisscom und Coop teuer zu stehen.

Bildstrecke im Grossformat »
Etwas mehr als zwei Jahre nach der Lancierung wird klar: Coop zieht dem Marktplatz Siroop den Stecker. Coop wird die Plattform Siroop per Ende Jahr einstellen und künftig allein auf das Online-Format Microspot setzen. Eine Schätzung der «Handelszeitung» zeigt: Vergangenes Jahr dürfte Siroop einen Verlust von rund 45 Millionen verursacht haben. Ambitioniertes Ziel: Als Coop und Swisscom die Plattform Siroop lancierten, lautete das Ziel: «Wir wollen der beliebteste Onlinemarktplatz sein und das beste Shoppingerlebnis der Schweiz bieten.» Plakatwände, TV-Kampagnen, riesige Transparente: Siroop hat 2017 geschätzte 30 Millionen Franken ins Marketing gesteckt. Und mit dieser Werbung handelte sich Siroop sogar eine Rüge der Lauterkeitskommission ein. Es fehle der natürliche Zusammenhang zwischen dem Mann und dem Bügeleisen. Zudem werde der Mann als willenloses und manipulierbares Objekt dargestellt. Dle Lancierung von Siroop war eine Kampfansage an Amazon ... ... und an die Plattformen Digitec und Galaxus. Die digitalen Warenhäuser sind schon seit 2010 am Start und gehören der Migros. Der Plan von Siroop: Produkte von nationalen Händlern, reinen E-Commerce-Anbietern und lokalen Geschäften auf einem einzigen Marktplatz zu vereinen Bereits im Sommer 2015 hatten Coop und Swisscom das gemeinsame Projekt eines digitalen Marktplatzes erstmals bestätigt. Damals war der Name noch geheim. In Siroop integriert haben die beiden Partner Swisscom und Coop ihre jeweiligen Kernkompetenzen: Coop jene aus Handel, Vermarktung und Logistik, Swisscom jene aus dem Bereich Digitalisierung und E-Commerce. Siroop wollte die Schweizer Alternative sein, denn die bei Amazon bestellten Waren kommen oft aus Deutschland: Im Bild das Distributionszentrum in Bad Hersfeld.

Zum Thema
Fehler gesehen?

Ende Jahr macht Siroop dicht. Nachdem Coop die Anteile von Mitgründer Swisscom übernommen hatte, teilte der Schweizer Händler mit, dass die Online-Plattform nicht schnell genug vorankomme. Mit welchen Verlusten das Unternehmen zu kämpfen hatte, wollte Coop nicht sagen. Eine Schätzung der «Handelszeitung» zeigt: Vergangenes Jahr dürfte Siroop einen Verlust von rund 45 Millionen verursacht haben.

Umfrage
Kaufen Sie lieber online oder im Laden?

Für Marketing soll Siroop 2017 mindestens 30 Millionen Franken ausgegeben haben. Mit Versandkosten, Mieten, Versicherungen und IT-Kosten steigen die Ausgaben auf rund 50 Millionen Franken. Demgegenüber steht ein Ertrag von 6 Millionen Franken, wenn man mit einer Marge von 10 Prozent auf den gesamten Umsatz von geschätzten 60 Millionen Franken rechnet. Die «Handelszeitung» bezeichnet diese angenommene Marge als «optimistisch».

Früh aufgegeben

Laut der Zeitung sind Experten allerdings überrascht, dass Coop bei Siroop so schnell aufgegeben hat. Beispiele wie Amazon und Zalando, die lange Verluste schrieben, würden schliesslich zeigen, dass man im Online-Handel Geduld braucht.

Händler hätten allerdings berichtet, dass über Siroop kaum Bestellungen eingingen. Für Kunden habe die Plattform im Vergleich zu anderen Portalen keinen zusätzlichen Nutzen geboten.

Coop wollte den Bericht und die Schätzungen auf Anfrage von 20 Minuten nicht kommentieren.

(rkn)

Kommentarfunktion geschlossen
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Wir bitten um Verständnis.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Möni am 04.05.2018 09:14 Report Diesen Beitrag melden

    Sauce

    Mit dieser blöden Werbung wundert mich das nicht im Geringsten.

    einklappen einklappen
  • J Schneider am 04.05.2018 09:15 Report Diesen Beitrag melden

    Kein Wunder!

    Siroop war der Konkurrenz von Anfang an weit unterlegen. Preislich unattraktiv. Unübersichtlich. Ungenügende Such / Filter-Möglichkeiten. Wenn du in diesem Markt Fuss fassen willst musst du dich irgendwie von der Konkurrenz abheben (Preis, Suche, Filtermöglichkeiten). Nur Werbung aber nichts dahinter funktioniert halt nicht.

    einklappen einklappen
  • Laura am 04.05.2018 09:16 Report Diesen Beitrag melden

    schlechte Webseite

    kein Wunder, die Seite war von der Usability eine mittlere Katastrophe und extrem unattraktiv. Zusätzlich waren die Produkte meist wesentlich teurer als bei der Konkurrenz.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Stefan Gruber am 05.05.2018 23:41 Report Diesen Beitrag melden

    Bearbeiten von Reklamationen

    Was das Bearbeiten von Reklamationen betrifft, ein fertiger Saftladen!

  • Mäck am 05.05.2018 22:15 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Kein Plan, nur Geld verprasst

    Das können sich nur halbstaatliche und halbmonopolistische Konzerne leisten. Aber kein Wunder, wenn man sich die verantwortlichen VR bei Swisscom und COOP mal genauer studiert, dann ist da Null Erfahrung im Aufbau von Business vorhanden. Kommt dazu, dass auch ein Marktplatz und ein Onlinehandel nicht nur über Marketing funktioniert! Keine Ahnung, weshalb man in VR und Geschäftsleitungen immer wieder so ein Laientheater veranstaltet. Je grösser die Firmen, desto weniger Basiswissen im Management. Und das tragische ist, die Geschichte wiederholt sich immer wieder.

  • Kassandra am 05.05.2018 19:42 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Swisscom - Verantwortliche bleiben - die Kleinen m

    Ein Debakel für das Swisscom Topmanagement! Swisscom reagiert mit Stellenabbau -aber natürlich müssen die kleinen Angestellten gehen und nicht die Vertreter der Konzernleitung mit dem dicken Gehaltsscheck!

  • Realist am 05.05.2018 18:04 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Bei der Werbung...

    Ausnahmsweise stimme ich in besagtem Fall der Lauterkeitskommission voll umfänglich zu. Überhaupt schreckte diese gruusige Werbung völlig ab.

  • Christ am 05.05.2018 15:53 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    45 Mio Verlust

    Wie kann ein Unternehmen mit 200 Angestellte 45 Mio Verlust in einem Jahr machen. Selbst wenn sie kein einziges Artikel verkauft haben und der Durchschnittslohn bei 10.000.- liegt ist das beinahe unmöglich!

    • Svenja am 05.05.2018 17:46 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Christ

      Wenn man für 30 Mio. Marketing rausballert. Geht ganz schnell. Jetzt können sie sich ausrechnen, was das Duopol M&C für Marketing ausgibt. Ein Vielfaches. Sie zahlens als Kunde ja gerne.

    einklappen einklappen