Kreditkarten & Co.

11. November 2010 08:55; Akt: 11.11.2010 09:17 Print

Skandinavier wollen Bargeld abschaffen

von Alex Hämmerli - In Skandinavien machen sich immer mehr Leute für eine bargeldlose Gesellschaft stark. Selbst Kleinstbeträge sollen per Handy oder Kreditkarte bezahlt werden.

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In Schweden ist es heute schon gang und gäbe, dass man selbst für Kleinstbeträge – etwa beim Bäcker, in der Bar oder der S-Bahn – die Kredit- oder Debitkarte zückt. Daher erstaunt es nicht, dass sich mittlerweile immer mehr Leute für eine komplett bargeldlose Gesellschaft stark machen.

Blut in den Adern der Kriminalität

Eine Galionsfigur der Bewegung gegen das Bargeld ist Stockholms Polizeichefin Carin Götblad. Als ersten Schritt will sie die 500- und 1000-Kronen-Noten (umgerechnet ca. 72 beziehungsweise 144 Franken) abschaffen. Diese würden ohnehin nur für Schwarzarbeit und Hehlerdeals verwendet. Ihr Satz «Bargeld ist das Blut in den Adern der Kriminalität» ging um die Welt.

Götblad ist nur die Spitze des Eisbergs. In einer breit angelegten Kampagne fordern in ganz Skandinavien immer mehr Leute die Abkehr vom Cash. An der Front der Bewegung stehen etwa schwedische und norwegische Gewerkschaften der Finanzbranche. Argumentiert wird einerseits mit der Bequemlichkeit, aber auch mit der Sicherheit. Denn wenn weniger Bares im Umlauf sei, könne auch weniger geklaut werden. Ausserdem könne man illegale Geschäfte mit Bargeld viel eher vertuschen als mit einer Banktransaktion.

Seit zwei Jahren arbeitet zudem die Initiative «Kontantfritt Nu», was so viel heisst wie «Bargeldfrei Jetzt» an der Verwirklichung einer Banknoten-freien Gesellschaft. Und auch die schwedische Regierung hat sich kürzlich der Sache angenommen.

Gegenwehr ist selten

Überzeugt werden müssten nur noch die Verbraucher. Immerhin nutzen die Skandinavier öfter ihre Kreditkarten und geben auch mehr mit ihnen aus als irgendwo sonst auf der Welt. Doch von einer Mehrheit kann man bei den Bargeld-Gegnern noch nicht sprechen. Ändern soll sich das nun mit einer breit angelegten schwedischen Werbekampagne mit dem Slogan «Bargeld braucht nur noch deine Oma – oder der Bankräuber».

Ernste Gegenwehr gegen den Bargeld-Bann ist zwar selten. Doch genau die obengenannten Omas und Opas beklagen sich, sie würden sich mit der neuen Technik nicht zurechtfinden. Kritik kommt ausserdem vom schwedischen Verband der Kleinunternehmer.

Datenschutz light

Auch die Proteste von Datenschützern sind bislang spärlich geblieben. Dies, obwohl die Bezahlung ohne Bargeld jede Geldverschiebung kontrollierbar macht und auch das Konsumverhalten offenlegt. Das mag daran liegen, dass in Skandinavien ohnehin Bankguthaben und Zinszahlungen automatisch an die Steuerbehörden gemeldet werden. Das schwedische Öffentlichkeitsprinzip gibt zudem jedem das Recht auf Einblick in die Steuererklärung.

Für die Zeit nach der Abkehr vom Notengeld haben die Schweden übrigens bereits vorgesorgt: Seit dem 1. August steht ein Gesetz, welches den Kreditarten-Instituten verbietet, für die Bezahlung per Plastikgeld Transaktionsgebühren zu verlangen. Die Notenbank empfiehlt den Banken, stattdessen Gebühren fürs Abheben von Bargeld zu belasten – was folgt, wenn diese Geldquelle versiegt, steht in den Sternen.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Jihad am 11.11.2010 11:18 Report Diesen Beitrag melden

    Alles läuft nach Plan :)

    Bis 2020 werden alle führenden Staaten der Welt das Bargeld abschaffen, die Konsequezen kann sich jeder der ein bisschen Hirn besitzt, von alleine ausmalen. Weiter so.

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  • UnknownNobody am 11.11.2010 09:43 Report Diesen Beitrag melden

    Vernunft siegt über Gier

    Wird auch mal Zeit, dass das (Bargeld)Kapital abschafft wird!

  • Roland Egli am 11.11.2010 11:01 Report Diesen Beitrag melden

    Bargeld in Euro Währung abschaffen?

    Falls Skandinavien eigene Währungen als Bargeld abschaffen würde, würde sich die Kriminalität halt anderer Währungen bedienen, wie z.B. der Euro, der ja als Bargeld nicht abgeschafft werden kann. Das heisst also in gewissen skandinavischen Ländern würde sich diesbezüglich sogar gar nichts ändern!! Können diese Politiker ihre Ideen bitte einmal zu Ende denken?

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Peter Bachmann am 17.11.2010 17:47 Report Diesen Beitrag melden

    Bargeld los in Hongkong

    Es muss ja nicht total Bargeldlos sein.. Wer sich schon mal längere Zeit in Hongkong aufgehalten hat ist in der Regel begeistert von der Cash Karte die dort im Umlauf ist. Man lädt sie auf ähnlich wie jene die bei uns im Umlauf ist. Nachher aber ist alles anders! Man bezahlt in den ÖV's in allen Läden, in der Regel natürlich nur kleinere Beträge, man kann sie auch in den Läden aufladen indem man zb. mit 100.- Note bezahlt und sich dann das Retour Geld auf die Karte lädt... usw. Die Karte hat man im Portemonaie damit berührt man das Terminal und schon :-)) ist bezahlt!

  • svensk am 14.11.2010 00:05 Report Diesen Beitrag melden

    wir leben doch nicht im Mittelalter

    so wie es scheint haben einige hier grosse Angst vor der Zukunft. Totale Überwachung... blablabla. Theoretisch kann jemand mit der entsprechenden Berechtigung bei der Swisscom auch schauen wann man mit wem telefoniert, der Bankberater sieht auch wann wieviel aus Konto kommt bzw. wieder verschwindet, trotzdem hat man ein Telefon/Handy und ein Bankkonto... Wie bereits in einem anderen Beitrag erwähnt sind die lautetestens Schreihälse vermutlich diejenigen welche täglich die Cumulus und Supercard nutzen und das Facebookprofil für alle zugänglich ist.

  • Rohrer Martin am 13.11.2010 09:33 Report Diesen Beitrag melden

    Wie bezahlen wir?

    Es ist eine mögliche Zukunft die vielleicht wieder durch etwas neues abgelöst wird. Die Schweiz ist schon lange ein Staat wo wir alle überwacht werden. Legal oder ilegal aber es wird gemacht auch von den Behörden. Und von Politiker die sich provielieren wollen. Das ist wieder Typisch schweizerisch die Kommentare- Bünzlig und Stammtischmässig

  • Orwell am 13.11.2010 08:57 Report Diesen Beitrag melden

    Die totale Überwachund

    Wollt ihr die totale Überwachung. Jaaaaaaaaaaaaaaa... grölt die Masse. Schon gehabt oder ???

    • Schweden am 14.11.2010 13:37 Report Diesen Beitrag melden

      überwachung?

      Wer will überhaupt überwachen? Wer kümmert sich wo ich mein Essen einkaufen? Wer intressiert sich von solche Daten? Ich versteh es überhaupt nicht. Es scheint mir als die Kommentarer ganz paranoide sind. Sei ruhig, die Welt findet ihr nicht so interessant, dass die ihr überwachen wird. Und besonders- Kommentare aufs Internet- ist spürbar- und sagt etwas über was man tatsächlich denkt, Einkäufe wird nich leicht spürbar- und sagt sehr seltsam etwas über die Persönlichkeit oder etwas dass man noch Privat halten möchte.

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  • m@rtin am 12.11.2010 12:37 Report Diesen Beitrag melden

    Seid ihr eigentlich alle Paranoid Teil2

    ...dann hätte man gesehen dass dieser Typ einen Hammer gekauft hat um seine Frau zu erschlagen. Gleiches passiert mit dem Seeraser von Biel. Die gleiche Zeitungen die über unnötige Überwachunskameras berichten weil man sich beobachtet fühlt (Dabei schaut ja niemand die Bilder an, nur bei einer eventuellen Straftat!!!), sagten dass es Leider keine Überwachungskamera an der Stelle gab bei der er angeblich anlegte... Schaltet bitte alle mal zwei Gänge zurück und nimmt euch nicht so wichtig!

    • Max Welle am 12.11.2010 14:12 Report Diesen Beitrag melden

      Danke

      Und die, die immernoch an der Überwachung des Kaufverhaltens festhalten, könnten aus taktischen Überlegungen täglich ihr Kaufverhalten ändern, um die Überwacher zu täuschen, verwirren und auf eine falsche Fährte zu führen...

    • Zumi am 12.11.2010 15:25 Report Diesen Beitrag melden

      Endlich...

      ...sagts mal jemand klar und deutlich. Einfach lächerlich wie manche Leute immer meinen der Staat, die Gesellschaft etc sei gegen sie und habe nur das einzige Ziel dem Individuum zu schaden.

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