Ukraine-Krise

04. März 2014 17:21; Akt: 05.03.2014 17:43 Print

So abhängig sind wir vom russischen Gas

von Laura Frommberg - Russlands staatlicher Energiekonzern Gazprom sieht die Gasversorgung in Europa bei einer Zuspitzung der Ukraine-Krise gefährdet. Auch die Schweiz würde ein Lieferstopp treffen.

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Die Krise in der Ukraine schwelt weiter – und zieht immer weitere Kreise. Auch Europa könnte von einer Eskalation betroffen sein, warnt nun der staatliche russische Gaskonzern Gazprom. «Die politischen Anspannungen in Verbindung mit einer schlechten wirtschaftlichen Situation in der Ukraine könnten zu einer Unterbrechung der Gasversorgung in Europa führen», erklärte Gazprom-Finanzchef Andrei Kruglow der russischen Nachrichtenagentur Itar Tass.

Rabatte für die Ukraine selber hat der Gasversorger bereits gestrichen. Doch auch die Lieferungen von Erdgas, die durch das Land führen, seien gefährdet, heisst es von Gazprom. Konkret heisst das: Russland könnte Europa von der Versorgung mit Erdgas ausschliessen. Denn: Die Erdgaspipelines aus Russland müssen auf dem Weg nach Europa durch die Ukraine.

Auch Schweiz betroffen

Auch die Schweiz wäre von dem möglichen Versorgungsstopp betroffen. Immerhin kommt rund ein Viertel des Erdgases, das in die Schweiz geliefert wird, aus Russland. Der grösste Teil jedoch kommt mit insgesamt 65 Prozent aus der Förderung in EU-Ländern und Norwegen. «Grund zur Sorge besteht in der Schweiz daher absolut nicht», versichert Daniel Bächtold, Sprecher des Verbandes der schweizerischen Gasindustrie. «Die grossen Lieferanten der Schweiz verfügen auch über grosse Untertagspeicher, die beim Ausfall eines Lieferanten oder aussergewöhnlich kalten Perioden genutzt werden.» Und diese Speicher, so habe man gerade erst in Erfahrung gebracht, seien übervoll. Der Grund: der warme Winter.

Dennoch: «Ein Preisanstieg ist nicht völlig auszuschliessen, falls sich das Angebot verknappen würde», so Bächtold. Laut Yann Blumer vom Institut für Umweltentscheidungen der ETH Zürich wären die Folgen eines Versorgungsstopps für Konsumenten nicht direkt spürbar. «Mittel- bis längerfristig können die Auswirkungen auf den europäischen Gaspreis jedoch signifikant sein», erklärt er. Allerdings würde man Auswirkungen frühestens nach Monaten oder sogar Jahren spüren. In dieser Zeit hätten die Unternehmen also noch Möglichkeiten, nach Alternativen zu suchen. Schon jetzt tue man alles, um das Risiko klein zu halten, erklärt Bächtold. «Die Schweizer Erdgas-Wirtschaft befasst sich mit verschiedensten Szenarien, um das Ausfallrisiko möglichst auszuschliessen.»

Stromversorgung nicht gefährdet

Ein Vorteil, den die Schweiz gegenüber anderen Ländern hat: «Sie hat einen vergleichsweise geringen Gasanteil am Gesamtenergieportfolio von etwa 12 Prozent», so ETH-Forscher Blumer. Das Gas werde hierzulande nämlich nicht wie in anderen Ländern zur Stromproduktion, sondern primär zum Heizen und in der Industrie verwendet.