Lieferboom

04. Februar 2020 10:40; Akt: 06.02.2020 15:27 Print

Jeder zweite Schweizer bestellt Essen nach Hause

von F. Pöschl/D.Benz - Liefern statt selber kochen – für den Essenslieferdienst gibt es viele Gründe. Das Geschäft floriert, wie die Zahlen von Eat.ch zeigen.

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Essenslieferungen erfreuen sich wachsender Beliebtheit. Das zeigen die Zahlen des Schweizer Food-Delivery-Marktführers Eat.ch, der auf ein brummendes Geschäft zu Jahresbeginn verweist. Im Januar lieferte das Unternehmen, das erstmals Zahlen publiziert, über eine halbe Million Essensbestellungen aus. Im Jahr 2017 lag der monatliche Durchschnitt noch bei der Hälfte, wie Eat.ch in einer Mitteilung schreibt.

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Wie sieht der Markt für Essenslieferdienste aus?

«Der Markt wächst sehr dynamisch», sagt Eat.ch-CEO Dominic Millioud zu 20 Minuten. Der Gesamtumsatz mit Online-Essensbestellungen in der Schweiz soll laut Prognose von Eat.ch in diesem Jahr auf 1,4 Milliarden Franken wachsen – plus 15 Prozent gemessen am Umsatz vor zwei Jahren. Zum Vergleich: Schweizer gaben 2017 insgesamt über 31 Milliarden Franken für Nahrungsmittel und alkoholfreie Getränke aus, wie das Statistikportal Statista schreibt.


20 Minuten hat Passanten gefragt, warum sie Essen bestellen. (Video: 20M)

Wer bestellt Essen beim Lieferdienst?

Mehr als jeder zweite Schweizer hat sich sein Mittag- oder Abendessen schon mal liefern lassen, wie Eat.ch schreibt. Das Durchschnittsalter betrage 41 Jahre. Doch Millennials bestellen dreimal häufiger als ihre Eltern. «Bei dieser Zielgruppe gehört Essen zu bestellen zum Lifestyle», sagt Dominic Millioud. Dafür würden ältere, besser verdienende Kunden teurere Gerichte wie Sushi bestellen und so mehr ausgeben als die Jungen. So steuerten beide Gruppen etwa gleich viel zum Umsatz des Unternehmens bei. Der Lieferdienst registriere ausserdem immer mehr Single-Haushalte unter seinen Kunden. «Für sich allein kochen finden viele nicht so interessant. Das ist eher ein sozialer Event», sagt Millioud. Auch der Zeitgewinn sei ein wichtiger Punkt. Viele wollten ihr Essen nicht mehr lange vorbereiten und bestellten deshalb lieber Fertiggerichte online.

Wie bestellen die Nutzer?

«Treiber sind die Onlinebestellungen. Sie machen ein Drittel aller Bestellungen aus. Die anderen Bestellungen werden über das Telefon getätigt», sagt Millioud. Im Schnitt dauere die Lieferzeit 30 bis 45 Minuten. Bei längeren Wartezeiten hätten Kunden Mühe. Erfolgsentscheidend sei das personalisierte und einfache Kauferlebnis. So biete Eat.ch etwa die Möglichkeit, mit vier Klicks die letzte Bestellung zu wiederholen. Ausserdem gebe der Dienst Empfehlungen basierend auf Algorithmen und auf dem persönlichen Verhalten.

Was wird bestellt?

Es muss nicht immer Pizza sein. Eat.ch zählt fast 50 Küchenkategorien. Pizza ist aber seit Gründung der Plattform das beliebteste Gericht der Eat.ch-Community. Auch beliebt sind Pommes frites, Tiramisù und die Döner-Box. Stark wachsend sei das Segment Healthy Food, der klassische Salat taucht aber nicht in den Top 10 der meistbestellten Gerichte auf. Das Bestellverhalten unterscheidet sich auch in den Sprachregionen. Romands bestellen häufiger afrikanische und arabische Gerichte als Deutschschweizer, und der Sushi-Anteil ist in der Westschweiz siebenmal höher.

Wer sind die Anbieter?

Die Anzahl Lieferdienste nimmt zu, regionale wie schweizweit und international tätige. Mosi’s liefert etwa seit 22 Jahren Essen in mehreren Schweizer Städten aus. Mit dem Markteintritt von Eat.ch im Jahr 2007, das zum britischen Unternehmen Just Eat gehört, gefolgt vom niederländischen Anbieter Takeaway.com vor etwa drei Jahren und dem US-Anbieter Uber Eats im vergangenen Jahr, nimmt vor allem die Internationalisierung der Food-Lieferdienste in der Schweiz zu.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Dänu am 04.02.2020 10:52 Report Diesen Beitrag melden

    vs Klimadebatte

    und gleichzeitig jammern sie wegen dem Klima...

    einklappen einklappen
  • Nöggi am 04.02.2020 10:51 Report Diesen Beitrag melden

    Dekadenz

    Es kann halt niemand mehr kochen.

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  • Anna Lisa am 04.02.2020 10:50 Report Diesen Beitrag melden

    Welche Schweizer??

    Nicht alle sind Schweizer die in der Schweiz leben...

    einklappen einklappen

Die neusten Leser-Kommentare

  • Pablo am 05.02.2020 13:31 Report Diesen Beitrag melden

    Palmfett

    Wer am Freitag an Demos geht oder sonst ein Bewusstsein für CO2 und Umwelt zu haben denkt sollte mal schauen ob seine eigenkauften Produkte Palmfett oder ähnliches enthalten. Denn diese Felder wurden durch Rodung von Urwalt erwirtschaftet. Ach und die Migros braucht haufenweise Palmfett in Produkten wo es früher auch ohne ging.

  • Alexa am 05.02.2020 12:33 Report Diesen Beitrag melden

    Ich habe mich schon oft gefragt

    wieviel eine Firma wie eat.ch dem Tamedia-Verlag für eine derartige Werbereportage bezahlen muss. Gibt es dazu Zahlen? Ich könnte mir vorstellen, dass dies viele Leser interessiert .....

  • Eingeborener am 05.02.2020 12:26 Report Diesen Beitrag melden

    Jeder 2. Schweizer

    Heisst also jeder 2. Mensch.

  • Fräulein Glücklich am 05.02.2020 12:01 Report Diesen Beitrag melden

    Lasst doch jeden Essen wie, was und wo er will!!!!

    Mein Güte! Lasst doch jeden leben wie er will!! Es geht doch niemanden irgendetwas an, wie, was und wo ich esse!!! Ich kann sogar sehr gut kochen, trotzdem bestellen wir auch ab und zu was. Nicht weil wir nicht kochen können! Sondern weil wir spät von der Arbeit nach Hause kommen, wir zu müde sind und uns einfach was gönnen mögen. Im Nörgeln , sich Einmischen und Kritisieren sind wir echt Weltmeister!!! Aber wehe es geht um Zivilcourage. Da schauen alle ganz schnell weg und niemand mischt sich ein....

  • Leben für Dumme 2.0 am 05.02.2020 11:24 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Das 1x1 des Lebens

    Tja, das ist so eine Sache mit den Zahlen. Wie bei Social Media Plattformen, da hats auch mehr Nutzer als Menschen auf der Erde. Aber eben, viele glauben auch einfach alles ohne zu hinterfragen und sind sorry halt zu dämlich um 1+1 zusammenzuzählen. In dem Sinne, allen gutes Rechnen!