Täuschungsversuche

26. Juli 2019 11:16; Akt: 26.07.2019 11:16 Print

So erkennen Sie Websites mit Fake-Tests

von Raphael Knecht - Ob Handy, Staubsauger oder Kinderwagen – wer Produkte-Tests im Internet sucht, muss vorsichtig sein: Die sind nämlich oft unseriös.

Bildstrecke im Grossformat »
Im Internet wimmelt es von unseriösen Test-Websites. Oft würden die Betreiber der Websites gar keine richtigen Tests durchführen, sondern einfach Produkte mit erfundenen Bewertungen auflisten, warnt die Stiftung Warentest. Mit DMKG.org hat die Stiftung Warentest nichts zu tun. Die Stiftung habe die Produkte auf der Site auch gar nicht getestet. Geben Websites an, Tests von renommierten Instituten zu bieten, sollte man diese Mittelmänner ignorieren und zu der Ursprungsquelle wechseln. Viele dieser Websites haben ein unvollständiges oder gar kein Impressum. Die Anfrage von 20 Minuten nach einer Stellungnahme von DMKG.org etwa scheiterte an einer ungültigen E-Mail-Adresse im Impressum der Website. Auf dieser Website ist der Peg-Perego-Kinderhochstuhl der Testsieger mit hoher Sicherheit und gutem Komfort. «Nichts davon stimmt», heisst es bei der Stiftung Warentest. Der Stuhl sei voller Tücken. Die Stiftung fand im Sitzpolster hohe Mengen des vermutlich krebserregenden Flammschutzmittels TDCPP. Beim Test dieser Fritteuse stellte die Stiftung Warentest fest, dass der Deckel gefährlich heiss wird. Und die Pouletschenkel blieben beim Frittieren blass. Auf einem anderen Portal heisst es hingegen, die Fritteuse überzeuge. Weder das Material noch die Kochergebnisse wurden bemängelt. Wimmelt es beim Test von auffälligen Links zu Onlineshops, ist Misstrauen angesagt. Den Website-Betreibern könnte es nur um die Provision gehen. Für diesen «Test» muss man das Produkt nie in der Hand gehabt haben. Die wenigen Infos sind aus unbekannten Gründen auf Englisch und sagen beispielsweise nichts über Komfort oder Klangqualität aus. Wenn auf einer Website immer alle Bewertungen super sind, sollte das den Konsumenten ebenfalls stutzig machen.

Zum Thema
Fehler gesehen?

Praktisch, dass man im Internet Unmengen an Infos zu Produkten findet – schon vor dem Kauf. Die Stiftung Warentest warnt jedoch: Viele Websites seien unseriös.

Umfrage
Wie wichtig sind Ihnen Testberichte?

Oft würden die Betreiber der Websites gar keine richtigen Tests durchführen, sondern einfach Produkte mit erfundenen Bewertungen auflisten (siehe Bildstrecke oben). Teils wird dazu der Name von renommierten Testern missbraucht, wie die Stiftung schreibt.

Konsumententäuschung

So heisst es etwa auf DMKG.org, die Site biete «Testsieger und Testberichte der Stiftung Warentest». Doch sie listet massenweise Produkte, die die Stiftung gar nie getestet hat. «Die Website ist ein Fake-Test-Portal, das mit falschen Tests Kasse macht und Konsumenten täuscht», warnt die Stiftung Warentest.

Wie können Konsumenten solche Portale erkennen und von seriösen Plattformen unterscheiden? Halten Sie nach diesen Anzeichen Ausschau:

Kauf-Links

In der Regel machen diese Plattformen ihr Geld, indem sie auf der Website zu Händlerpartnern verlinken. Wenn unter dem Testbericht also Amazon-Links oder dergleichen stehen, ist Vorsicht geboten. Wenn die Links besonders auffällig gestaltet sind, ist das ein besonderer Hinweis darauf, dass es beim Test vor allem darum gehen könnte, Leute gegen Provision in den Onlineshop zu locken.

Nur positive Bewertungen

Soll die Fake-Site in erster Linie zum Kaufen anregen, lohnt es sich nicht, negative Bewertungen zu zeigen. «Die falschen Tester bewerten häufig alle Produkte positiv», so die Stiftung Warentest. Konsumenten sollten also prüfen, ob es ausser «Testsiegern» auf der Website auch schlechte Produkte gibt.

Verweise auf Andere

Weil manche Anbieter den guten Namen von renommierten Test-Institutionen missbrauchen wollen, ist das ein Warnzeichen. Ist auf einer Website ein solches Institut erwähnt, sollten Kunden direkt dorthin gehen und den Mittelmann ignorieren, rät Tilman Slembeck, Wirtschaftsprofessor an der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften. Auch wenn die Berichte teils kostenpflichtig sind, lohne es sich besonders bei grösseren Anschaffungen, die paar Franken zu investieren: «Dafür habe ich dann einen Originaltest mit einer objektiven Einschätzung.»

Keine Details

Wer so tut, als hätte er ein Produkt getestet, das er nie in Händen gehalten hat, kann kaum ins Detail gehen. Oft werden dann einfach Eigenschaften aus dem Katalog aufgelistet. Wie sich die Produkte in der Hand anfühlen oder ob die Nutzung Spass macht, fehlt hingegen – oder die Beschreibung ist vage.

Unklares Vorgehen

Seriöse Tester legen normalerweise offen, mit welchen Methoden sie die Produkte geprüft haben. Bei Fake-Sites fehlt dieser Teil oft: «Weil sie gar nichts testen, können die falschen Testportale ihre Unter­suchungen auch nicht beschreiben», schreibt die Stiftung.

Keine eigenen Bilder

Fotos gehören zu einem Testbericht dazu – der Konsument will schliesslich wissen, wie das Produkt aussieht. Wenn aber alle Bilder vom Händler oder Hersteller kommen, ist der Test womöglich unseriös. Glaubwürdige Fotos sind laut der Stiftung solche, die das Produkt in der Testsituation zeigen.

Fehlendes Impressum

«Bei vielen Fake-Test-Seiten sucht man vergebens nach einem Impressum», so die Stiftung. In der Schweiz und vielen anderen Ländern ist das aber Pflicht. Wenn das Impressum zwar existiert, aber auf Adressen in weit entfernten Ländern wie Peru oder die Vereinigten Arabischen Emirate verweist, soll das ebenfalls stutzig machen.

Kommentarfunktion geschlossen
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Wir bitten um Verständnis.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • TommyM am 26.07.2019 11:45 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Geehrte Konsumentenschützer,

    Sorgt doch bitte dafür, dass solche Portale geschlossen werden und die Hintermänner zur Rechenschaft gezogen werden. Das brächte uns Konsumenten mehr als dass ihr Jahr für Jahr die SBB, Post und Swisscom zur Zahlung eines Franken an alle Schweizer verdonnert....

    einklappen einklappen
  • Jack McMuff am 26.07.2019 11:23 Report Diesen Beitrag melden

    Leserkommentare und Erfahrungsberichte

    Vor allem die negativen Kommentare, bzw. Berichte zeigen oft Mängel auf, welche durch diese Testseiten nicht erwähnt werden. Dennoch, auch diese sind mit Vorsicht zu geniessen.

    einklappen einklappen
  • michi muck am 26.07.2019 11:43 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    betrug mal anders...

    hey, wie wärs mal mit einem bericht über unseriöse kunden, die die online shop betreiber betrügen? von denen könnte ich eine unendlich lange liste erstellen...

    einklappen einklappen

Die neusten Leser-Kommentare

  • Andreas Meier am 27.07.2019 10:41 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Für Kenner

    Die Kopfhörer sind gerade ein etwas blödes Beispiel, den AKG produziert in der Tat qualitatv hochwertiges Material ;-)

  • Paolo am 27.07.2019 07:50 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Vertrauen gibts nur..

    bei meiner seit Jahren genutzen Pornoseite. Nie enttäuscht und nie übers Licht geführt worden seit eh und je. Danke! Du bist das Fundament, dass mein digitales Vertrauen am leben hält!

    • Saulus am 27.07.2019 17:56 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Paolo

      Wie wäre es damit eine Frau zu suchen? Ganz schön jämmerlich.

    • R. E. S. am 11.08.2019 18:48 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Saulus

      Ganz schön jämmerlich eine Frau nur zur Befriedigung seiner pornographischen Gelüste zu suchen

    einklappen einklappen
  • Lukas am 27.07.2019 00:05 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Meisten Seiten mit Marken

    Ihr könnt bei vielen solchen Webseiten auch auf die Domain achten.Meistens werden erst kürzliche freie Domains für solche Fake Seiten verwendet.Die Domain Namen haben dann ziemlich nichts mit dem Angebot zu tun.Beispiel der Shop verkauft Marken Sneakers für 80% günstiger, und die Domain war mal eine Maler Webseite.Auf Wayback, einfach mal googeln, dort kann man feststellen, was mal auf diesem Domain war.

  • PM am 26.07.2019 22:46 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Kundenmeinungen zählen

    Ich will einen Grill kaufen. Ich habe eine Auswahl von 3 getroffen, und gebe ich jeden auf Google ein und schaue mir die Kundenmeinungen an, das ist die beste Lösung. Was erstaunlich ist, dass so Händler wie Amazon seit Jahren nicht mehr preislich attraktiv sind.

    • MB am 26.07.2019 23:48 Report Diesen Beitrag melden

      @PM

      Naja, ich hab schon Bewertungen gelesen von Produkten die ich schon besitze. Zum Teil hatte ich das Gefühl dass ein Teil der Leute die Negativ Kommentare geschrieben haben das Produkt garnicht haben.

    • Danny am 26.07.2019 23:48 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @PM

      Du weisst aber schon, dass solche Kundenrezessionen im grossen Stil gekauft werden? Da kannst Dich leider auch nicht drauf verlassen...

    einklappen einklappen
  • Toni Maccaroni am 26.07.2019 22:45 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Test the Best out of the Rest

    Mein Neuster Geschäftszweig: ich bin Tester der testet ob die getesteten Tests von Tests durch testen der Tester auch richtig getestet wurden!