Dreiste Anfragen

17. Juli 2019 05:02; Akt: 19.07.2019 11:46 Print

Wirte wehren sich gegen Insta-Schmarotzer

von R. Knecht / M. Weingartner - Influencer verlangen von Restaurants gratis Essen für Posts auf Instagram und Co. Viele dieser Anfragen sind dreist – die meisten werden abgelehnt.

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«Einen Gratistisch für mich und meine Verwandten» oder «Zwei Drinks pro Instagram-Post» verlangen manche Influencer von Wirten – dafür würden sie dann auf den sozialen Medien von deren Restaurant oder Bar schwärmen.

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Gastronomen weltweit haben nun begonnen, die teils unverschämten Anfragen der Insta-Sternchen an den australischen Restaurantkritiker John Lethlean weiterzuleiten. Der veröffentlicht sie auf Instagram, versehen mit sarkastischen Kommentaren (siehe Bildstrecke oben).

«Dreiste E-Mails»

Auch Schweizer Restaurants bleiben von den hungrigen Influencern nicht verschont: «Solche Anfragen bekomme ich jede Woche», sagt etwa Jens Jeppesen, stellvertretender Geschäftsleiter des Restaurants Gustav in Zürich. Die Angebote kämen in der Regel von ausserhalb der Schweiz, man müsse so meist eine Absage erteilen: «Ein Influencer aus dem Ausland bringt uns nicht wirklich mehr Gäste», so Jeppesen.

Waren Sie schon einmal in einer Bar oder in einem Restaurant, weil ein cooler Influencer dafür geworben hat? Oder nach welchen Kriterien wählen Sie neue Lokale aus?

Auch das Loft Five in Zürich wird mit Anfragen «fast schon überhäuft», sagt Geschäftsführerin Florine Wagner. Der Ton dabei ist teils geradezu frech: «Das sind oft sehr dreiste E-Mails – viele Influencer erwarten mit Selbstverständlichkeit ein Gratisessen», sagt Christian Grammer, Geschäftsführer und Teilhaber des Restaurants Josef beim Limmatplatz. Manche Influencer würden ihre Wichtigkeit überschätzen, ist Grammer überzeugt. Sein Restaurant spendiere einem Influencer so höchstens mal einen Cocktail.

Gratisessen ergattern

Viele Schweizer Gastronomen sind der Zusammenarbeit mit Influencern aber nicht komplett abgeneigt. Das Restaurant Gustav hat etwa eine Partnerschaft mit dem Champagner-Experten und Instagrammer Dan Roznov. Auch beim Zürcher Restaurant Dolder Grand heisst es, man arbeite aktiv mit lokalen und internationalen Influencern und Bloggern zusammen.

Bei der Auswahl lassen die Gastronomen aber Vorsicht walten. Die ist geboten, weil manche Influencer möglicherweise einfach hoffen, ohne grossen Aufwand ein Gratisessen zu ergattern, wie viele Betreiber glauben. Bei Anfragen aus dem Ausland hole man sich bei Partnern wie Schweiz Tourismus eine Zweitmeinung ein, heisst es etwa beim Berner Bellevue Palace.

Bringen Instagram-Posts mehr Gäste?

Die meisten Gastronomen bezweifeln zudem, ob die Restaurants dank der Instagram-Posts mehr Gäste gewinnen können. «Ich habe noch nie jemanden gehört, der gesagt hat, er sei da, weil er uns auf Instagram gesehen habe», sagt etwa Jeppesen vom Restaurant Gustav.

Die mediale Präsenz sei aber heutzutage schon wichtig, räumt Wagner vom Loft Five ein. Doch laut Adrienne Suvada, Marketing-Dozentin an der ZHAW, ist Instagram mittlerweile überfüllt mit Werbung: «Herauszustechen wird schwieriger.» Die Empfehlung eines Bekannten wirke authentischer als ein gestellter Paid-Post eines Influencers.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Mila Kunterbunt am 17.07.2019 05:17 Report Diesen Beitrag melden

    keine superstars

    diese selbsternannten influencer glauben wohl ihnen gehört die welt und sie seien mit ein paar followern superstars. aber selbst dann wäre es unverschämt soviel zu fordern.

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  • tttt am 17.07.2019 05:23 Report Diesen Beitrag melden

    Influenza

    Es wird Zeit, dass man gegen diese "Krankheit" mal etwas unternimmt. Diese Influenzas sollten sich um Ruben richtigen Job bemühen.

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  • Theresa Orlowski am 17.07.2019 05:24 Report Diesen Beitrag melden

    Lieber Speisen essen als fotografieren

    Wirte die auf Werbung von Influencer angewiesen sind und sich "erpressen" lassen,haben schon lange verloren!

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Die neusten Leser-Kommentare

  • IG KIng am 18.07.2019 13:00 Report Diesen Beitrag melden

    Wo liegt das Problem?

    Wo genau liegt das Problem? Die Technik macht Fortschritte und die Gesellschafft verändert sich. Schlaue Gastronomen nutzen diese Chance als Gelegenheit für ihr Marketing. Und solche die ein Problem mit dem "Trend" haben, die werden so oder so benachteiligt sein in Zukunft. Die Technologie kann man nicht stoppen.

  • Geri am 18.07.2019 11:23 Report Diesen Beitrag melden

    ist das eine Krankheit ?

    Da ist jeder selberschuld der diese Krankheit noch füttert und damit zur Vermehrung dieses Virus beiträgt

    • dief am 18.07.2019 16:15 Report Diesen Beitrag melden

      @Geri

      Ja, mit Influenza ist der Lat. Name für die "echte" Grippe. gibt´s aber jedes Jahr Impfstoff dafür. Ironie wirkt aber auch da nicht zu 100 %.

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  • eine Rentnerin am 18.07.2019 08:45 Report Diesen Beitrag melden

    Nicht besser als Begpacker

    Solche Werbung bewirkt bei mir das pure Gegenteil. 99 % der Influenzer/-innen wirken auf mich nicht authentisch. Könnten sie ihre Grossmutter instagram-wirksam dem Teufel verkaufen, sie würden es ohne Hemmungen tun. Es ist zu hoffen, dass diese Insta-Seuche bald vorbei ist.

  • Herr Vögele am 18.07.2019 00:23 Report Diesen Beitrag melden

    Easy Way

    Als Wirt würde ich fragen wie die Person heisst und dann kurz verschwinden, schnell den Instagram Account Checken und wenn er meinem Restaurant wirklich etwas bringt, dann darf er zum 1/2 Preis essen. Ist er ein Möchtegern, sagen er bekommt alles Gratis und am Schluss eine fette Rechnung geben. Sollte er sann frech werden dann einfach die Polizei rufen und wegen Zechenprellerei anzeigen.

  • Tonci am 17.07.2019 23:45 Report Diesen Beitrag melden

    Wie bitte?

    Wie kann man überhaupt auf eine Bewertung von Influencern vertrauen? Ist ja klar dass sie alles Positiv bewerten was sie gesponsert bekommen. Nur sehr wenige die schon reichlich viel damit verdienen bewerten "richtig" weil sie es nicht nötig haben von wirklich jedem Geld zu kassieren aber auch da kann man sich nicht wirklich darauf verlassen.