600'000 Anrufe pro Tag

07. Februar 2019 05:49; Akt: 07.02.2019 06:38 Print

So gehen Sie am besten gegen lästige Werbung vor

von R. Knecht - Telefonterror, Spendensammler und unerwünschte Briefe: Mit diesen Tricks schirmen Sie sich gegen nervige Werbung ab.

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Anrufe von unbekannten Nummern sind oft nervige Werber. So kann man sich gegen lästige Werbung schützen. Swisscom-Kunden können seit Ende November 2016 mit dem Callfilter kostenfrei unerwünschte Werbeanrufe auf ihren Festnetzanschluss blockieren lassen. Kunden von anderen Telecom-Unternehmen kann ein Gerät namens Callblocker helfen: Es kostet rund 60 Franken, wird zwischen Telefonleitung und Telefon angeschlossen und fängt unerwünschte Anrufe ab. Ein Sterneintrag im Telefonverzeichnis verhindere zudem grundsätzlich Werbeanrufe, sagt Sara Stalder, Geschäftsleiterin der Stiftung für Konsumentenschutz zu 20 Minuten: «Wer dagegen verstösst, verhält sich unlauter nach Artikel 3 des Bundesgesetzes gegen den unlauteren Wettbewerb.» Solche Fälle können Konsumenten per Formular auf der Website der Stiftung melden. Auf dem Handy haben Nutzer die Möglichkeit, unerwünschte Anrufe mittels Apps zu blockieren. Die SKS empfiehlt in ihrem Webratgeber etwa die Apps Search.ch und Truecaller, die es sowohl für Android als auch iOS gibt. Für Papierwerbung gibt es eine sogenannte Robinsonliste. Sie enthält Adressen von Personen, die keine adressierte Werbung im Briefkasten wünschen. Der Schweizer Dialogmarketingverband führt die Liste. Konsumenten können sich über ein Onlineformular eintragen lassen. Auch in der Öffentlichkeit ist man oft mit lästigen Werbern konfrontiert, die einem eine Mitgliedschaft in einem Verein andrehen oder eine Spende entlocken wollen. Firmen wie etwa Corris schicken für ihre Auftraggeber professionelle «Dialoger» ins Feld. Was kann man tun? «Klar und bestimmt mitteilen, dass kein Interesse an einem Gespräch vorhanden ist», sagt Stalder von der SKS. Social-Media-Angebote sind auf Werbung angewiesen. Auf manchen Plattformen wie etwa Facebook kann man nervige Werbung ausblenden und Facebook per Klick mitteilen, dass man an dieser Art von Inhalten nicht interessiert ist. Sonst gibt es noch Adblocker für verschiedene Browser und Betriebssysteme. Manche Werbung bringt die Leute nicht auf, weil sie nervig ist: Ende 2017 erntete das Modehaus Jimmy Cho einen riesigen Shitstorm. In einem Spot von Jimmy Choo geht Topmodel Cara Delevingne im roten Minikleid durch die Strassen von New York. Dazu trägt sie Schuhe von Jimmy Choo. Männer starren Cara an, pfeifen und rufen ihr nach. Werbeexperte David Schärer ist daher überzeugt, dass die Werbung von Jimmy Choo heute nicht mehr bei einer Agentur durchkommen würde. «Diese Zeiten sind vorbei», sagt er auf Anfrage. Immer wieder kommt der Sexismus-Vorwurf in der Werbung auf. Die schwedische Werbeaufsichtsbehörde hat diese Anzeige der Firma Bahnhof als «sexistisch» eingestuft. Das in einem Werbekontext verwendete Meme des «abgelenkten Freundes» objektiviere Frauen. Es ist bei weitem nicht der erste Fall. An Werbungen stossen sich viele. Bei der Lauterkeitskommission gehen jährlich etliche Beschwerden ein. Ein häufiger Vorwurf: Sexismus und Geschlechterdiskriminierung. Die folgenden Werbungen sind sexistisch – oder eben auch nicht. In diesem Jahr ging bei der Lauterkeitskommission eine Beschwerde wegen Sexismus ein. In einem Radio-Spot eines Dessous-Herstellers hiess es: «Wetsch dass dini Alt dihei mal wieder äs scharfs Häsli wird?» Die Kommission hiess die Beschwerde gut. «Werbung, die ein Geschlecht diskriminiert, indem sie die Würde von Frau oder Mann verletzt, ist unlauter», so die Begründung. Als geschlechter-diskriminierend fand ein Mann eine Werbung der Verkehrsbetriebe Zürich (VBZ). Die Aussagen wie etwa «Das checkt jede ... sogar min Maa» sei «ein exemplarisches Beispiel für die fortschreitende Herabwürdigung des Mannes». Die Kommission ist aber anderer Meinung. Für den durchschnittlichen Betrachter sei es klar ersichtlich, dass man hier auf ironische und parodistische Art und Weise mit Stereotypen spiele. Das geschehe so überspitzt, dass man das nicht als ernst gemeinte Behauptung verstehen könne. Auch bei älteren Werbungen gab es den Sexismus-Vorwurf. So wie bei der Werbung für ein Bügeleisen. Hier fehle zwischen dem Sujet und der Headline «heisses Gerät» ein natürlicher Zusammenhang, schreibt die Lauterkeitskommission. Zum andern werde der Mann, der mit einer sirupähnlichen Flüssigkeit übergossen werde, als willenloses und manipulierbares Objekt dargestellt. Bei der mit einem Kettenhemd bekleideten Frau handelt es sich laut SKL um einen Grenzfall. Zwar wurde die Beteuerung der Firma für Schutzbekleidung, solche Kettenhemden würden im Sicherheits- und Designbereich gewöhnlich tatsächlich auf nackter Haut getragen, als glaubwürdig erachtet. Der damit gekoppelte Hinweis «attraktive Angebote» wurde dagegen als zumindest zwiespältig beurteilt. Die Beschwerde zugelassen hatte die SKL im Fall einer Schaufenstergestaltung für Uhren. Das Sujet der mit gespreizten Beinen auf einer Bombe reitenden Frau erlaube einen unverstell­ten Blick auf den Schritt, so die Kommission. Dies diskriminiere das Geschlecht, indem die Würde von Frau oder Mann verletzt werde. Zudem bestehe zwischen der Person und dem beworbenen Produkt kein natürlicher Zusammenhang und sie werde in rein dekorativer Funktion als Blickfang dargestellt. Als lauter beurteilt wurde dagegen die Werbung für einen BH, bei der ein Mann das Oberteil trägt. Die Person, die die Beschwerde eingereicht hatte, sah darin eine Verletzung der Würde des männlichen Geschlechts, da das männliche Model in rein dekorativer Funktion als Blickfang dargestellt werde. Die SKL entschied anders: «Da beide Geschlechter inszeniert werden und das männliche Model sogar erst am Ende des Spots in den Mittelpunkt tritt, kann verneint werden, dass der Mann vorwiegend als dekorativer Blickfang dient.» Das Décolleté dient ausschliesslich als Blickfang. Zwischen dem gezeigten Ausschnitt und dem beworbenen Fitnesscenter besteht gemäss der Lauterkeitskommission kein natürlicher Zusammenhang Die Lauterkeitskommission begründet dies mit dem fehlenden Zusammenhang zwischen der eigentlich beworbenen Spielkonsole und dem in der Werbung gezeigten Frauenkörper. Der Frauenkörper werde als reines Objekt der Begierde dargestellt und zum Konsumgut degradiert. Das Wortspiel «Dur ou mou» ziele klar auf die Biskuits, so die Kommission. Der Mann sei für den Durchschnittskonsumenten nicht stereotyp dargestellt oder zum Sexsymbol reduziert. Es sei für Landwirte nicht unüblich, mit nacktem Oberkörper zu arbeiten. Das gezeigte Model erwecke nicht den Eindruck, nicht volljährig zu sein. Zudem sei es stehend gezeigt, «ohne direkte Bezugnahme auf den Geschlechtsakt». Unterwerfung vermag die Lauterkeitskommission nicht zu erkennen. Zudem bestehe zwischen der Werbung und der angepriesenen Dienstleistung ein klarer und offensichtlicher Zusammenhang. Die Frau ist nicht nur vollständig bekleidet, sondern wirkt auch «stark und selbstsicher». Halb liegend, halb sitzend, bilde sie mit dem beworbenen Sofa einen «natürlichen Zusammenhang», befand die Lauterkeitskommission. Die «Verführung» beziehe sich auf den Sonderpreis fürs Produkt. Die Geschichte in dem TV-Spot wird gemäss Lauterkeitskommission erkennbar übertrieben erzählt: Die Frau sei dank des beworbenen Deos stressresistenter als der Mann und schwitze weniger.

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Krankenversicherer sollen künftig keine lästigen Werbeanrufe mehr machen dürfen. Dies geht aus einer Motion, die der Ständerat verabschiedet hat, hervor. Laut der Stiftung für Konsumentenschutz (SKS) erhalten Schweizer im Monat rund 18 Millionen unerwünschte Telefonate aus allen möglichen Quellen.
Täglich werden in der Schweiz also 600'000 Menschen mit nervigen Anrufen belästigt, wie der «Tages-Anzeiger» berichtet.

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Bekommen Sie oft unerwünschte Anrufe?
73 %
3 %
24 %
Insgesamt 712 Teilnehmer

Ob per Telefon, am Bahnhof oder im Internet, was kann man gegen unerwünschte Werbung unternehmen? Mit diesen Tipps ersparen Sie sich einiges an Ärger:

Telefonterror im Festnetz

Swisscom-Kunden können seit Ende November 2016 mit dem Callfilter kostenfrei unerwünschte Werbeanrufe auf ihren Festnetzanschluss blockieren lassen. Kunden von anderen Telecom-Unternehmen kann ein Gerät namens Callblocker helfen: Es kostet rund 60 Franken, wird zwischen Telefonleitung und Telefon angeschlossen und fängt unerwünschte Anrufe ab. Ein Sterneintrag im Telefonverzeichnis verhindere zudem grundsätzlich Werbeanrufe, sagt Sara Stalder, Geschäftsleiterin der SKS zu 20 Minuten: «Wer dagegen verstösst, verhält sich unlauter nach Artikel 3 des Bundesgesetzes gegen den unlauteren Wettbewerb.» Solche Fälle können Konsumenten per Formular auf der Website der Stiftung melden.

Nervige Handy-Anrufe

Auf dem Handy haben Nutzer die Möglichkeit, unerwünschte Anrufe mittels Apps zu blockieren. Die SKS empfiehlt in ihrem Webratgeber etwa die Apps Search.ch und Truecaller, die es sowohl für Android als auch für iOS gibt. Die Stiftung rät allerdings davon ab, die Apps zu kombinieren – man soll sich für eine entscheiden. Konsumenten können natürlich auch einzelne Nummern individuell sperren.

Unerwünschte Briefpost

Wer einen adressierten Werbebrief erhält, kann ihn mit einem Refusé-Kleber mit Datenlöschungsauftrag versehen, wie ihn die SKS anbietet. Dann wirft man den Brief unfrankiert in einen Postkasten. Für Papierwerbung gibt es eine sogenannte Robinsonliste. Sie enthält Adressen von Personen, die keine adressierte Werbung im Briefkasten wünschen. Der Schweizer Dialogmarketingverband führt die Liste. Konsumenten können sich über ein Onlineformular eintragen lassen. Die SKS empfiehlt zudem, mit den persönlichen Informationen sparsam umzugehen. Wenn man seine Adresse jemandem mitteilt, soll man den Zusatz «Adresse nur für diesen Zweck verwenden» angeben.

Spendensammler am Bahnhof

Auch in der Öffentlichkeit ist man oft mit lästigen Werbern konfrontiert, die einem eine Mitgliedschaft in einem Verein andrehen oder eine Spende entlocken wollen. Firmen wie etwa Corris schicken für ihre Auftraggeber professionelle «Dialoger» ins Feld. Was kann man tun? «Klar und bestimmt mitteilen, dass kein Interesse an einem Gespräch vorhanden ist», sagt Stalder von der SKS. Zudem soll man auf keinen Fall unter Druck etwas unterschreiben. Ist man einmal im Gespräch, soll man sich für eine Entscheidung Zeit lassen. Lässt man sich trotzdem etwas aufschwätzen, hat man in der Regel ein Widerrufsrecht (siehe Box).

Irritierende Facebook-Werbung

Social-Media-Angebote sind auf Werbung angewiesen. Aber manchmal erhält man Anzeigen, die einen einfach nur irritieren. Auf manchen Plattformen wie etwa Facebook kann man solche Werbung ausblenden und Facebook per Klick mitteilen, dass man an dieser Art von Inhalten nicht interessiert ist. Dann bleibt nur zu hoffen, dass die Algorithmen den Vorfall künftig bei der Auswahl von Werbung berücksichtigen. Sonst gibt es noch Adblocker für verschiedene Browser und Betriebssysteme. In der Regel lässt sich einstellen, auf welchen Seiten welche Art von Werbung angezeigt werden darf beziehungsweise geblockt werden soll.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Anna Mia am 07.02.2019 06:04 Report Diesen Beitrag melden

    Humor

    Und das waren die seriösen Tipps... Ich selber mache mir immer einen Riesenspass daraus. Bei Anrufen bin ich entweder pleite und heule Ihnen die Ohren voll oder fange an ihnen was verkaufen zu wollen. Wenn gar nichts hilft habe ich auch schon Witze erzählt. Werde ich persönlich angesprochen, mache ich einen auf Mami-Psychologieberatung bis die armen Jungs und Mädels freiwillig die Flucht ergreifen. Am liebsten sind mir religiöse Bibelverkäufer - die versuche ich dann ganz vehement vom Atheismus zu überzeugen. Das hassen die echt! Ok, braucht etwas Zeit - aber ist wirklich lustig.

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  • vjl am 07.02.2019 06:19 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    werbung

    es sollte überall werbungen verboten sein.

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  • Alex am 07.02.2019 06:18 Report Diesen Beitrag melden

    Scheinsicherheit

    Die Leute haben es noch immer nicht kapiert: Daten von Facebook und Co. werden verschlüsselt übermittelt, Speicherung und Auswertung gehören nicht dazu. Das gilt auch für Passwörter von US- und zahlreichen anderen Unternehmen.

Die neusten Leser-Kommentare

  • 20min Leser.ch am 08.02.2019 10:10 Report Diesen Beitrag melden

    klagen auf hohem niveau

    Ich bin mal fair. Als unser Vermieter die Briefkästen ausgewechselt hat, waren plötzlich keine Kleberli mehr dran und sofort hatte es Unmengen an Werbung drin, von allen möglichen Geschäften. Schnell haben alle wieder dicke Warnungen drauf gemacht und schon kommen nur noch vereinzelte "Gold Ankauf, Tierschutz, Steuerhilfe" Werbung. Ergo: 95% sind fair und respektieren den Aufkleber.

  • Rantan Plan am 08.02.2019 06:48 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Hörer beiseite legen

    es ist eigentlich ganz einfach bei diesen Anrufen. Die Tel-Nr wird durch ein Zufallsprinzip vom System des CallC gewählt. Telefon entgegennehmen und Hörer / Handy beiseite legen. Nach so ca 2 Minuten auflegen. Das System erkennt die Nr. als erfolgreich kontaktiert... und zak.. erhält Ihr keinen Anruf mehr von dieser Firma.

    • leser am 08.02.2019 09:53 Report Diesen Beitrag melden

      super Idee

      Kluge Logik, denn das System erkennt, dass es eine vergebene Nummer ist, auf die man zukünftig so lange auch zu unmöglichsten Tages- & WE-Zeiten anrufen kann, bis ein Mitarbeiter ins System eintippt "Beratung ausgeführt, Produkt verkauft".

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  • mein kommentar am 08.02.2019 04:26 Report Diesen Beitrag melden

    sucht mal im internet ...

    ... nach 'callcenter fun' - einfach nur köstlich!

    • leser0916 am 08.02.2019 09:58 Report Diesen Beitrag melden

      nix neues

      uralt und ausgelutscht. und wenn es kein Freizeit-Call Center ist, sondern auf Kaltakquise spezialisierte Mitarbeiter am anderen Ende der Leitung sind, dann sind sie nicht ahnungslos, sondern auf genau dieses Spass-Skript ausgebildet. By the way, während wir solche Anrufe vielleicht 1-2x im Monat bekommen, führen diese Leute solche Anrufe 8h am Tag aus.

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  • Alesi am 07.02.2019 20:33 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Verkäufer

    Ich hab schon dem Call Typ etwas verkauft auch gut so. Viva la vita

  • Emanuel am 07.02.2019 19:46 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Adresse abgemeldet

    Ich habe meine alte Adresse im Telefonbucheintrag, abgemeldet und meine neue nie angemeldet. Und siehe da seit Jahren ruhe mit Werbeanrufe und mein Briefkasten bleibt verschont von dieser blöden Werbung.