So geht es weiter

27. Juni 2018 07:44; Akt: 27.06.2018 07:44 Print

Otto's ist an OVS-Standorten interessiert

Alle Mitarbeitenden von OVS haben die Kündigung erhalten. 20 Minuten klärt, wie es mit den OVS-Standorten weitergeht. Und wie mit Kleider-Beständen oder Chefs.

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Unter den Interessenten für die Ladenflächen von OVS ist Otto's. Auch Aldi Suisse ist interessiert. Dasselbe gilt für C&A. Die Firma wird übrigens von Frank Beeck geführt, dem ehemaligen CEO von Charles Vögele. «Alles, was Geld bringt, wird in Abstimmung mit dem Konkursverwalter verkauft», sagt ein Sprecher von Sempione Fashion zu 20 Minuten. Begleitend zum Kündigungsschreiben an alle Mitarbeitenden kamen Erklärungen im Frage-Antwort-Stil. OVS ist in der Schweiz am Ende. Sempione Fashion hat ihren Mitarbeitern am Dienstag mitgeteilt, dass es keine Möglichkeit gebe, das Unternehmen in der jetzigen Form fortzuführen. Alle Mitarbeiter werden bis Ende Juni entlassen. Die Massenentlassung hatte das Unternehmen ihnen bereits per eingeschriebenem Brief angekündigt. Die Totalliquidation ist in vollem Gange: Auch die Schaufensterpuppen stehen zum Verkauf. Einige Kunden haben bereits zugegriffen. Ein Mitarbeiter sagt, ein Kunde hätte eine Puppe für ein Theaterstück gekauft. Die Kartonschachteln sind immerhin gratis – damit will die Firma wohl die Entsorgungsgebühr sparen. Der Verwaltungsrat der Schweizer OVS-Kleidergeschäfte hat beim Bezirksgericht Höfe ein Gesuch um provisorische Nachlassstundung eingereicht. Ein Leser berichtet, dass bei OVS die Retouren von Kleidern nicht mehr möglich sind. Die Marke OVS habe sich nicht wie gewünscht am Schweizer Markt positioniert. Die anhaltend ungenügenden Umsätze hätten daher zu massiven finanziellen Engpässen geführt, so das Unternehmen. Die rund 140 OVS-Geschäfte in der Schweiz entstanden aus den ehemaligen Filialen von Charles Vögele, die im Dezember 2016 an OVS verkauft worden waren. OVS ist an der Mailänder Börse kotiert. Damals schrieb Vögele rote Zahlen im zweistelligen Millionenbereich. Stefano Beraldo, der CEO von OVS, sagte bei der Übernahme aber, er werde das Unternehmen wieder auf Kurs bringen und wolle in der Schweiz zum Marktführer werden. Stattdessen steht der Händler hierzulande jetzt vor dem Aus. OVS dürfte den Schweizer Markt unterschätzt haben. Nur weil die Markenvielfalt kleiner sei als in den umliegenden Ländern, dürfe man nicht auf ein weniger umkämpftes Umfeld schliessen, sagt CS-Analyst Sascha Jucker zu 20 Minuten. Für ein schwächelndes Unternehmen ist es zudem schwer, in einem gesättigten Markt wieder zu wachsen. Und der Schweizer Markt war schon vor der OVS-Übernahme weitgehend gesättigt. Das Unternehmen soll laut Medienberichten im April Vermieter seiner Filialen kontaktiert und teils massive Reduktionen gefordert haben. Es scheint, als hätte OVS den teuren Standort Schweiz unterschätzt. Auch der Wechsel vom Namen Vögele zu OVS war riskant: «Ein Rebranding birgt immer das Risiko in sich, dass mehr Stammkunden der alten Marke zur Konkurrenz abwandern, als dass Neukunden gewonnen werden können», erklärt CS-Experte Jucker. Um OVS war es in der Schweiz in Sachen Werbepräsenz relativ ruhig. Charles Vögele warb früher mit prominenten Markenbotschaftern wie Penélope Cruz ... ... und Til Schweiger. Zwar half das nicht direkt gegen die roten Zahlen, immerhin dürfte heute aber vielen der Name Charles Vögele noch geläufiger sein als OVS. OVS hatte es bereits 2000 in der Schweiz versucht. Das Unternehmen, das damals noch Oviesse hiess, zog sich wenige Jahre später aber wieder aus dem Land zurück. Weniger als zwei Jahre sind seit der Übernahme durch OVS vergangen – die vollständige Umstellung von Vögele auf OVS dauerte bis Ende 2017. Das sei normalerweise nicht genug Zeit, um einen Händler wie Vögele aus den roten Zahlen zu hieven, sagt Jucker dazu.

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• Filialen und Standorte
Das Ende von OVS bringt den Restpostenhändler Otto's ins Spiel. Nicht nur für die liegengebliebene Kleidung. Sondern auch für die Läden selbst. Interesse an einigen der insgesamt über 130 OVS-Standorten haben nämlich nicht nur andere Modeläden, sondern auch Otto's. «Verhandlungen laufen schon seit einigen Wochen», sagt Sprecherin Angela Schnyder zu 20 Minuten. Der Restposten-Händler könnte sein bislang auf 100 Filialen beschränktes Netz so mit meist gut frequentierten Lagen ausbauen.

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Aldi Suisse könnte ebenso an den Standorten interessiert sein. «Wir verfolgen aktuelle Entwicklungen auf dem Markt stets mit grossem Interesse», sagt Sprecher Philippe Vetterli. Aus geschäftspolitischen Gründen werde generell jedoch erst im Detail über geplante Filialstandorte informiert, wenn definitive Entscheide gefallen seien. Aldi Suisse will sein Filialnetz von aktuell 191 auf 200 ausbauen und auch Geschäfte in Stadtzentren eröffnen.

Auch die Mode-Konkurrenz zieht es in die OVS-Filialen: «In den kommenden Wochen werden wir die Mietverträge für weitere fünf Filialen unterschreiben,» sagt Chicorée-Inhaber Jörg Weber zu 20 Minuten. Auch das Ladenmaterial übernimmt Chicorée. Die Verhandlungen laufen direkt mit den jeweiligen Vermietern, nicht über OVS. Die Schweizer Kleiderkette hat schon zwei Standorte mit 15 Mitarbeitenden und Lehrlingen übernommen. Auch C&A hat schon Standorte sowie einen Teil der OVS-Mitarbeitenden übernommen. Der für die Schweiz zuständige C&A-Topmanager ist Frank Beeck, er führte bis 2012 die OVS-Vorgängerin Charles Vögele.

• Mitarbeiter
Die 1200 OVS-Mitarbeitenden haben am Dienstag die Kündigung erhalten und sind auf Jobsuche. Unter anderem bei Chicorée. Seit einigen Wochen treffen vermehrt Bewerbungen ein, und bei der regionalen Leitung finden häufiger Vorstellungsgespräche statt, um durch natürliche Fluktuation frei gewordene Stellen bei der Modekette neu zu besetzen.

• Chefs
Die Chefs des OVS-Betreibers in der Schweiz, Sempione Fashion AG, sind noch an Bord. Das Kündigungsschreiben an alle Mitarbeitenden wurde von Geschäftsführer und Finanzchef Jürg Bieri sowie Personalchef Martin Zois unterschrieben. Auch in den sozialen Berufsnetzwerken geben sie immer noch die alte Funktion an.

• Kleider-Restbestände
Vor kurzem wurden Otto's die Restbestände der Textilien angeboten. «Diese Offerte werden wir selbstverständlich ernsthaft prüfen», sagt Otto's-Sprecherin Angela Schnyder. Was beim OVS-Ausverkauf liegen bleibt, wird als Restposten an Händler wie Otto's verramscht, also unter Wert verkauft.

• Ladeninventar
«Alles, was Geld bringt, wird in Abstimmung mit dem Konkursverwalter verkauft», sagt ein Sprecher von Sempione Fashion zu 20 Minuten. Ausser Kleider bietet OVS deshalb auch Schaufensterpuppen (30 Franken), Regale (20 Franken) oder Tische (20 Franken) an. «Die sind gefragt und gehen weg», sagt ein OVS-Mitarbeiter zu 20 Minuten. Eine Puppe habe etwa jemand für ein Theaterstück gekauft.

• Nachlassstundung
Bis Ende September befindet sich Sempione Fashion noch in provisorischer Nachlassstundung. Laut Insolvenz-Experte Fritz Rothenbühler, Rechtsanwalt bei Wenger Plattner, wird in dieser Schonfrist geprüft, ob das Unternehmen saniert werden kann oder ob mit den Gläubigern ein Nachlassvertrag abgeschlossen werden kann. Wenn keines von beidem möglich ist – etwa weil die Löhne nicht sichergestellt sind – dann droht der Konkurs. Sind die Aussichten auf Sanierung oder auf Abschluss eines Nachlassvertrags aber intakt, so kann das Gericht eine definitive Nachlassstundung gewähren und so die Schonfrist für das Unternehmen verlängern. Wie es im konkreten Fall weitergeht, ist unklar, denn Sempione Fashion hat seinen Mitarbeitern am Dienstag mitgeteilt, dass es keine Möglichkeit gebe, das Unternehmen in der jetzigen Form fortzuführen.

(ish/rkn)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Mensch am 27.06.2018 08:10 Report Diesen Beitrag melden

    Super

    mehr Otto's mehr Schnäppchen. Ich finde Otto's hette eine super Idee mit seinem Laden gehe gerne dort einkaufen.

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  • Uschi am 27.06.2018 08:01 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ottos

    Dass sind gute Neuigkeiten, hoffe dass alle Mitarbeiter noch einen Job bekommen.

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  • cnarly am 27.06.2018 08:04 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    leider haben

    wir innallen bereichen ein masives Überangebot, das knn nie gut gehen

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Ex.Kunde am 28.06.2018 19:17 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Fehlanzeige

    Otto beschäft auch viele "Fachkräfte", ü45 und Einheimische Fehlanzeige!

    • Ueli am 28.06.2018 19:23 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Ex.Kunde, aha?

      Sind die Einheimischen keine Fachkräfte? Ja, dann ....

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  • Lia Lia am 28.06.2018 17:46 Report Diesen Beitrag melden

    OVS

    Glaubt ja nicht C&A sei ein besserer Arbeitgeber!Betet das Personal bis auf Die Knochen aus!!

  • Fred G. am 28.06.2018 14:00 Report Diesen Beitrag melden

    Schnidelwutz

    Wenn Otto, dann Waalkes!

    • Anita G. am 28.06.2018 20:44 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Fred G.

      Wie Recht sie haben.

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  • Bruno Ochsner am 28.06.2018 13:57 Report Diesen Beitrag melden

    Hoffnung

    Hoffe das so viele wie möglich von den Mitarbeitern so schnell wie möglich wieder eine Stelle finden.

  • Flunder am 28.06.2018 12:21 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Müller

    Finde ja die Müller Drogerieläden könnte man in der Schweiz auch ein wenig vermehren, haben ein tolles Sortiment und viele Artikel, fie man bei uns ja leider nicht bekommt.