E-Mail-Flut

13. Juli 2018 12:54; Akt: 13.07.2018 12:54 Print

So machen Sie aus Ihren Ferien Ferien

von V. Sadecky - Ein Grossteil der Arbeitnehmer schaltet in den Ferien nicht richtig ab. Mit diesen Tipps geht es besser.

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Eine Linkedin-Studie zeigt, dass ein Grossteil der Arbeitnehmer in den Ferien von der Arbeit abgelenkt werden: 70 Prozent der Befragten gaben an, dass sie sich in den Ferien nicht von ihrer Arbeit losreissen können. Arbeitspsychologe Silvan Winkler von der Beratungsfirma Avenir Consulting rät: «Vor der Abreise sollte man unbedingt mit seinem Chef oder Team alle Erwartungen klären. Man muss bestimmen, wer für was die Verantwortung trägt – und wie und ob man in den Ferien für bestimmte Anliegen kontaktiert werden möchte. Gegebenenfalls müssen bestimmte Arbeiten übergeben und Kollegen in Aufgaben eingeführt werden.» Viele Firmen ermöglichen es ihren Mitarbeitern auch, teilweise im Homeoffice zu arbeiten. FDP-Nationalrat Thierry Burkart hat darum eine parlamentarische Initiative eingereicht mit dem Titel «Mehr Gestaltungsfreiheit bei Arbeit im Homeoffice». Laut Burkart trägt das heutige Arbeitsgesetz den Bedürfnissen von Angestellten im Homeoffice zu wenig Rechnung. Es sei auf die Arbeit in einem Industriebetrieb ausgerichtet. Burkart will mit der Gesetzesänderung, dass Mitarbeiter im Homeoffice ihren Arbeitszeitrahmen von 14 auf 17 Stunden ausweiten. Laut geltendem Recht müssen Firmen ihren Angestellten zwischen zwei Arbeitstagen eine Ruhezeit von elf Stunden gewähren. «Ein Arbeitnehmender, der um 22 Uhr noch ein kurzes E-Mail schreibt, darf am nächsten Tag seine Arbeit frühestens um 9 Uhr aufnehmen. Das ist realitätsfremd», schreibt Burkart in seinem Vorstoss. Über ein Viertel der Schweizer arbeitet laut einer Studie des Beratungsunternehmens Deloitte schon jetzt mindestens einen halben Tag pro Woche von zu Hause aus. Die Gewerkschaft Unia positioniert sich klar gegen die Anpassung des Arbeitsgesetzes: «Die Arbeitszeit wird dadurch noch mehr zerstückelt», sagt Sprecherin Leena Schmitter zu 20 Minuten. Damit wird die Verfügbarkeit der Angestellten noch grösser. «Der SGB wird solche Wildwest-Verhältnisse für Homeoffice-Arbeitnehmende bekämpfen. Statt Abbau braucht es einen besseren Schutz dieser Arbeitnehmenden», heisst es bei der Gewerkschaft. (Im Bild: SGB-Präsident Paul Rechsteiner) Was sagen die Arbeitgeber zum Vorstoss von FDP-Mann Thierry Burkart? «Für einige Branchen ist das durchaus legitim», sagte Fredy Greuter vom Arbeitgeberverband. (Im Bild: Valentin Vogt, Präsident des Schweizerischen Arbeitgeberverbandes) Das neue Gesetz würde den Arbeitnehmerschutz extrem aufweichen, sagte Corrado Pardini, SP-Nationalrat und Unia-Gewerkschafter bereits 2016. «So kommt es so weit, dass die Angestellten bald auch am Sonntag arbeiten müssen.» Beraterin und Coach Andrea Ruh Woodtli sagt: «Wichtig ist, sich Grenzen zu setzen. Es besteht die Gefahr, dass man sich mehr auflädt oder aufladen lässt, nur weil man mehr Zeit zum Arbeiten zur Verfügung hat.»

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In der Hängematte schnell mal E-Mails checken oder am Strand den Anruf eines Kunden annehmen: Ein Grossteil der Arbeitnehmer lässt sich in den Ferien von der Arbeit stören. Das zeigt eine Studie des Karriere-Netzwerks Linkedin. 70 Prozent der Befragten gaben an, dass sie sich in den Ferien nicht von ihrem Job losreissen können. Sie checken beispielsweise ständig ihre Büro-E-Mails. Als Hauptgrund nennen die Befragten die Angst, die verpasste Arbeit nicht mehr aufholen zu können.

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Wer seine Ferien so nicht richtig geniesst oder aus Angst gar keine Ferien nimmt, riskiert auszubrennen. Das belegen zahlreiche Studien. In der Linkedin-Studie gaben 58 Prozent der Befragten in den USA an, sich überwältigt zu fühlen, wenn sie keine Ferien nehmen könnten. 21 Prozent fühlten sich unorganisiert und nur 3 Prozent gaben an, sich bei der Arbeit kreativ zu fühlen, wenn die entsprechende Erholungszeit fehlt.

In der Schweiz dürfte die Lage ähnlich sein. Arbeitspsychologe Silvan Winkler von der Unternehmungsberatung Avenir Consulting gibt Tipps, wie man sich in den Ferien vor Arbeitsüberlastung schützt.

Vorbereitung ist alles
«Vor der Abreise sollte man unbedingt mit seinem Chef alle Erwartungen klären. Man muss bestimmen, wer für was die Verantwortung trägt – und wie und ob man in den Ferien für bestimmte Anliegen kontaktiert werden möchte», sagt Winkler. Gegebenenfalls müssten bestimmte Arbeiten übergeben und Kollegen in Aufgaben eingeführt werden. Und: Man müsse wissen, dass sich Kontakte daran gewöhnen, wenn man in den Ferien bisher immer erreichbar gewesen sei.

Zeitfenster einrichten
«Ferien sind wichtig, um wieder zu Kräften zu kommen. Wenn man dabei ständig von E-Mails oder Anrufen unterbrochen wird, kann man sich nicht richtig erholen», sagt Winkler. Darum helfe es, die Zeit für Unterbrechungen genau zu planen. «Man könnte zum Beispiel nur einmal pro Tag zu einer fixen Zeit seine E-Mails checken oder wichtige Telefontermine per Kurznachricht vereinbaren», sagt der Arbeitspsychologe.

Mails nicht löschen
«Es mag verlockend klingen, ist aber absolut unprofessionell: E-Mails während der Abwesenheit einfach zu löschen, auch wenn man das in der Abwesenheitsnotiz erwähnt», sagt der Experte. Dieser Tipp gelte auch für Arbeitnehmende ohne Kundenkontakt. «Man macht sich bei seinen Arbeitskollegen mit der Löschung unbeliebt, weil diese dann später noch einmal ein Mail schreiben müssen und sich vielleicht nicht ernst genommen fühlen.»

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Der Koch am 13.07.2018 13:05 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ferienzeit

    Ferien=Erholung Keine Mails, keine Telefonate, keine Erreichbarkeit. Basta Nur Ich und mein Cocktail am Strand. Und zum Glück nix am hut mit social Media :D So bleibt mehr Zeit zum sünnele

  • G.V. am 13.07.2018 13:09 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Beängstigende Entwicklung

    Inzwischen sind wir ja schon so weit, dass es verpönt wird, wenn man sich "Zeit für sich selber" nimmt. Man muss sich dafür gerechtfertigten, einen freien Tag nicht mit Terminen oder Vorhaben vollzustopfen und einfach das zu tun was man will. Und das ist eine unmenschliche und gefährliche Entwicklung! Stress muss mit Erholung ausgeglichen werden, so will es Mutter Natur! Ferien sind Ferien, Pasta! Alles andere ist ein Angriff auf unsere Gesundheit und unsere Freiheit! Mein Ratschlag: Tut was ihr wollt und lasst euch dabei von niemandem ein schlechtes Gewissen einreden!

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  • Jimmy am 13.07.2018 13:03 Report Diesen Beitrag melden

    Offline

    Das Beste und Erholsamste ist einfach mal offline zu sein..

Die neusten Leser-Kommentare

  • Manu-L am 14.07.2018 22:56 Report Diesen Beitrag melden

    Ferien sind Ferien

    Ich bin in den Ferien nicht erreichbar. Wieso? Ehe ich beim jetzigen Arbeitgeber angefangen habe, ist es auch ohne mich gegangen. Dann wird es ja wohl auch jetzt gehen. Obwohl sie letztens während meiner Krankheits-Abwesenheit einen Anflug von Panik hatten... Das schöne ist ja: man stellt das Telefon einfach ab. Man muss ja nicht einmal mit in den Urlaub nehmen...

  • Cc am 14.07.2018 20:02 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ferien ohne Geschäfts E-Mail

    Ich habe ganz einfach den Mail Account vom Geschäft deaktiviert. Für Notsituationen stehe ich gerne zur Verfügung, man weiss ja nie ob irgendwo was anbrennt. Aber dann gibts einfach ein Telefonat. Es ist sicher nicht erholsam, im Urlaub täglich 20 Mails zu bekommen.zumal ärgert man sich auch oft über viele überflüssige Nachrichten. Dann gibts auch noch die automatische Mailbeantwortung, welche dem Absender mitteilt, ab wann man wieder verfügbar ist. Wir meinen eben oft, dass man für das Geschäft unersetzlich ist. Allen die Ferien haben erholt Euch gut und alle anderen auch

  • Ane am 14.07.2018 18:18 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    kein Handy

    Im letzten Urlaub haben mein Mann und ich das Handy zwei Wochen im Tresor eingeschlossen. Um zu zeigen ,dass es uns gut geht, haben wir wie früher Postkarten verschickt. So erholsame Ferien hatten wir noch nie.

  • Feline X am 14.07.2018 16:45 Report Diesen Beitrag melden

    Normal

    Ich kontrolliere wenn möglich meine Mails kurz täglich und bin für Kollegen teilweise erreichbar. Wüsste nicht was dagegen spricht. Man ist ja auch froh, wenn sich der Kollege kurz mal Zeit nimmt in den Ferien.

  • Dave74 am 14.07.2018 09:49 Report Diesen Beitrag melden

    Keine Mail-Nachbearbeitung

    Und der Onkel Arbeitspsychologe suggeriert trotzdem, dass man nicht komplett abschalten soll. Für mich ist es ein klares Zeichen für längere Nichtanwesenheit, wenn man darauf hinweist, dass die E-Mails nach Rückkehr nicht(!) nachbearbeitet werden. Und mit dieser Meinung stehe ich nicht alleine da. Das hat nichts mit nicht ernst nehmen zu tun sondern mit dem Umstand, dass man in den Ferien nicht noch daran denken soll, wieviel Arbeit sich in Form von E-Mails angestaut hat. Der Absender kann, wenn wichtig, den Mailversand datieren und sollte es in seinen Ferien gleich tun, wenns abgesegnet ist.

    • Kay Spamer am 14.07.2018 10:25 Report Diesen Beitrag melden

      @Dave 74

      Ich versende doch meine E-Mails nicht doppelt, nur weil einige Leute zu faul dazu sind, ihre Post nach ihren Ferien nachzubearbeiten.

    • Dave74 am 14.07.2018 10:44 Report Diesen Beitrag melden

      @Kay Spamer

      Sie meinen, weil Sie zu faul sind zu lernen, wie man einen Versand datiert? Aber dann genau am Tag der Rückkehr um 8.15Uhr nachhaken, ob das Mail nun bearbeitet wurde, das geht dann. Genau diese Respektlosigkeiten stressen im digitalen Zeitalter.

    • Kay Spamer am 14.07.2018 10:58 Report Diesen Beitrag melden

      @Dave74

      Nur keine Angst, ich hake erst etwa drei bis vier Wochen nach Ihrer Ferienrückkehr nach. Denn ich bin selber auch ein Entschleuniger:-)

    • Dave74 am 14.07.2018 11:06 Report Diesen Beitrag melden

      @Kay Spamer

      Sehr gut, denn Entschleunigung brauchts dringend in unserer Robotergesellschaft.

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