Reichtum trotz Staatspleite

02. Juli 2011 13:02; Akt: 03.07.2011 12:14 Print

So gut geht es Griechenlands Milliardären

von Hans Peter Arnold - Während Griechenland an der Staatspleite vorbeischrammt und sich ein rigoroses Spardiktat auferlegt, leben die Reichen weiter in Saus und Braus.

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Das Fünfstern-Hotel Kulm in St. Moritz gehört den Erben des legendären griechischen Reederei-Besitzers Stavros Spyros Niarchos. (Bild: pd)

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94 Milliarden Franken müssen die Griechen in den nächsten fünf Jahren sparen. Das ist Voraussetzung für die neuen Milliardenhilfen, ohne die Griechenland in wenigen Wochen pleite wäre. Das Land ist mit steigender Arbeitslosigkeit konfrontiert und die Staatsangestellten müssen mit Lohnkürzungen von bis zu einem Drittel rechnen. Gleichzeitig leben jedoch die reichen Bürger im Überfluss.

Familie Latsis: 4,4 Milliarden Franken

In den Kreis der Milliardäre gehören die Familien Latsis, Niarchos und Livanos. Auf 5,3 Milliarden Dollar (4,4 Milliarden Franken) schätzt das US-Wirtschaftsmagazin «Forbes» das Vermögen der Familie Latsis. Spiro Latsis (64-jährig) lebt in Genf. Er besitzt Beteiligungen an Banken, See- und Luftfahrt-Unternehmen und in Immobilien. Konkret hat der reichste Grieche investiert in Lamda Development und Hellenic Petroleum, EFG International und EFG Eurobank. Allerdings hat die Beteiligung an EFG International gelitten. Derzeit notiert die EFG-Aktie an der Schweizer Börse 30 Prozent unter dem Stand von Anfang Jahr. Seit dem Rekordhoch Mitte 2007 verlor die Aktie sogar 85 Prozent. Das gesamte Portfolio litt: Das Vermögen der Familie Latsis wurde vor vier Jahren noch auf 12,5 Milliarden Franken geschätzt.

Niarchos-Familie: 2,1 Milliarden Franken

Auf 2,5 Milliarden Dollar (2,1 Milliarden Franken) schätzt «Forbes» das Vermögen der Familie Niarchos. Der 1996 in Zürich verstorbene Stavros Spyros Niarchos besass eine der weltgrössten Reedereien der Welt. Rund 750 Millionen Franken sollen in den nächsten vier Jahren aus der Schatulle der Stavros Niarchos Foundation als Stimmungsaufheller in die havarierte griechische Heimat fliessen, schrieb die «Bilanz». Philippe Niarchos, der älteste Sohn des verstorbenen Reeders, erbte Vaters Kunstsammlungen mit Meisterwerken von Vincent van Gogh und Pablo Picasso. Philippe Niarchos ist Vorstandsmitglied des «Museum of Modern Art» in New York und hat zeitgenössische Werke von Jean-Michel Basquiat («Self-Portrait») und Andy Warhol erworben («Shot Red Marilyn»). Die Niarchos-Erben haben diverse Beteiligungen an Immobilien, Pferdezucht und Luxus-Hotels. So gehört das legendäre Fünfstern-Hotel Kulm in St. Moritz mit unmittelbar angrenzendem Golfplatz der Familie Niarchos.

Livanos-Familie: 1,25 Milliarden Franken

Während das Vermögen der Familie Niarchos trotz hoher Spendiertätigkeit über Jahre hinweg stabil blieb, musste die Livanos-Familie Verluste hinnehmen. Gemäss Bilanz schmolz das Vermögen von rund 1,25 Milliarden Franken im Jahr 2007 auf noch 950 Millionen Franken. Wie die Familien Latsis und Niarchos leben auch die meisten Mitglieder des Livanos-Clans in der Schweiz. In den Medien wurde Peter Livanos (51) als reicher griechischer Steuerflüchtling kritisiert. Livanos hatte die grösste Handelsflotte Griechenlands geerbt. Der Besitzer eines 100 Millionen Franken teuren Chalets in Gstaad ist derzeit gemäss «Bilanz» dabei, gemeinsam mit der Familie Bertarelli ein exklusives Reitzentrum zu errichten.

Von der Bildfläche verschwundene Milliardäre

Interessanterweise sind viele ehemalige Milliardäre Griechenlands von der Bildfläche verschwunden. So figurierte im Jahr 2008 John Coustas (Schiffahrt) noch auf der Forbes-Liste der Milliardäre. Dasselbe galt für die ebenfalls in der Schiffahrt tätigen George Economou (2008: 1,7 Milliarden Dollar), Gabriel Panayotides (1,3 Milliarden Dollar) und den in Athen lebenden Libanesen Said Khoury (1,2 Milliarden). Nicht nur massive finanzielle Verluste dürften für diese Effekte verantwortlich sein. Den Reichtum zu verschleiern und der Einsatz von Anwälten dürften ebenso eine Rolle spielen.

Übrigens: Bescheidener ist in dieser Phalanx mit 150 Millionen Franken das Vermögen der Sängerin Nana Mouskouri (76-jährig). Sie wohnt in Genf und amtiert als Unicef-Botschafterin.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • John am 02.07.2011 13:20 Report Diesen Beitrag melden

    Was soll die Story??

    Haben etwa diese Milliardäre die Krise verschuldet? Nein es war der Staat der überflüssige Beamte anstellte und das Geld zum Fenster raus warf. Unternehmer schaffen Arbeitsplätze und volkswirtschaftliche Werte. Ineffizienz kann sich ein Privater nicht leisten. Wenn ich in Griechenland leben würde und sehen würde wie der Staat mit meinem Steuergeld umgeht würde ich wohl auch fliehen wenn ich könnte.

  • Kein Milliardär am 04.07.2011 14:42 Report Diesen Beitrag melden

    Und jetzt?

    Sollen etwa die Milliardäre die Staatsschulden bezahlen? Zum Glück gibt es eine Trennung von Privatvermögen und Staatsvermögen. So weit kommts noch, dass man sein Geld dem Staat spenden muss weil die sozialistische Regierung nicht wirtschaften kann.

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  • Besserwisser am 02.07.2011 21:06 Report Diesen Beitrag melden

    Die Reichen kommen und gehen

    Jeder Staat denkt es wäre gut die Reichen zu unterstützen und diese pauschal zu besteuern oder sonst wie zu fördern. Nur blöd, dass die Superreichen auch aussuchen können wo sie leben und keine Probleme mit Visa haben. Jedes Land "verschenkt" ein Visum wenn man nur genügend Kleingeld hat. Wenn es einem Land dann schlechter geht, dann ziehen sie dann einfach ins nächstbeste Land um. So einfach haben die es. Und die Politiker werden doch nicht schlauer draus.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Levit Petrowski am 06.07.2011 14:39 Report Diesen Beitrag melden

    Reich macht Arm!

    Ach das ist doch nichts Neues. Wenn nur die Bürger unseres Landes endlich begreifen würden wie der Hase läuft. Leider kann man sich da keine Hoffnung machen, deshalb wir alles nur noch schlimmer bis zum Bersten.

  • Sven E. am 04.07.2011 16:22 Report Diesen Beitrag melden

    Und was soll dieser Artikel?

    Sollen jetzt etwa geschäftstüchtige Unternehmer dafür bezahlen, dass unfähige Politiker Misswirtschaft betrieben haben?

  • Kein Milliardär am 04.07.2011 14:42 Report Diesen Beitrag melden

    Und jetzt?

    Sollen etwa die Milliardäre die Staatsschulden bezahlen? Zum Glück gibt es eine Trennung von Privatvermögen und Staatsvermögen. So weit kommts noch, dass man sein Geld dem Staat spenden muss weil die sozialistische Regierung nicht wirtschaften kann.

    • Kein Grieche am 04.07.2011 16:44 Report Diesen Beitrag melden

      Andere Regierung

      Leider sind die immensen Schulden von den vorherigen Regirungen, meistens rechte Regierungen, wie die direkte Vorgängerin, angehäuft worden. Die Sozialisten machten nach der letzten Wahl einen Kassensturz, und fanden die "Leichen" im Keller!

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  • Frederic Laeng am 04.07.2011 10:41 Report Diesen Beitrag melden

    Griechenland/Milliardäre/Gerechtigkeit

    Wenn's doch nur ein bisschen mehr Gerechtigkeit auf dieser Welt gäbe...hätte die Welt auch weniger Probleme!!

    • hans muster am 04.07.2011 14:56 Report Diesen Beitrag melden

      naja

      schau es kann nicht allen gleich gut gehen und nicht alle können gleich viel haben. ist in der natur auch nicht anders!

    • Thomas am 04.07.2011 15:55 Report Diesen Beitrag melden

      Gerechtigkeit

      Ich bin auch für Gerechtigkeit. Gerechtigkeit heisst aber nicht dass reiche Leute Geld zu Gunsten armer Leute abgeben müssen. Das wäre ebenfalls ungerecht. Wie hans muster richtig sagt, es kann nicht allen gleich gut gehen. Und auch wenn es schwarze Schafe gibt, so haben sich die meisten wohlhabenden Menschen ihr Geld ehrlich verdient.

    • kurtimhof am 04.07.2011 15:59 Report Diesen Beitrag melden

      ääää

      wenn der staat die reichen beklauen würde.. was wäre daran wohl gerecht? komische gerechtigkeits wahrnehmung...

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  • Peter am 04.07.2011 08:07 Report Diesen Beitrag melden

    Was ist den nun so verwerfliche daran?

    Na und? Hat der Verfasser dieses Artikels nicht ganz verstanden, warum es in Griechenland geht? Der Staat ist bankrott, nicht das Volk. Klar muss das normale Volk die Suppe nun auslöffeln, aber mit den Reichen hat das ja überhaupt nichts zu tun. Diese obengenannten Familien sind seit Generationen reich und haben ihren Reichtum durch Arbeit erwirtschaftet. Warum also Herr Arnold, sollten diese Familien nicht weiterhin in Saus und Braus leben? Oder erwarten Sie, dass bei diesen Reichen plötzlich das Pestalozzi-Gen ausbricht?

    • Anton Schweiger am 04.07.2011 11:04 Report Diesen Beitrag melden

      Trickle down funktioniert nicht

      Ihr Beitrag ist wohl ein bisschen provokativ, wer hat wohl diesen Wohlstand geschaffen wer? Diese Leute versuchen möglichst keine Steuern zu bezahlen bzw. erhalten noch Steuererleichterungen, Wirtschaftförderungsprogramme.Der Trickle down effect funktioniert leider nicht.

    • P Ge am 04.07.2011 12:36 Report Diesen Beitrag melden

      sehe ich genauso

      sehe ich genauso!!

    • Peter am 05.07.2011 14:14 Report Diesen Beitrag melden

      Wieso auch Steuern bezahlen?

      Von den obengenannten Familien, lebt ja keine offiziell in Griechenland, also warum dort Steuern zahlen? Der Hauptsitz deren Firmen sind ist schon lange nicht mehr Griechenland. Würde der griechische Staat einen Anreiz bieten, die Reedereien obiger Leute wieder nach Griechenland zu bringen, würde das Millionen an Einnahmen aufgrund der Flaggensteuer bringen und zusätzliche Arbeitsplätze. Zudem haben diese Familien auch in der Vergangenheit viel Gutes für Griechenland gemacht. So hat jeder dieser Familien viel Geld gespendet und in die Wirtschaft gesteckt.

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