Neuer Trend

28. Juni 2019 07:43; Akt: 28.06.2019 07:43 Print

Klimageräte heizen Stromverbrauch an

von Isabel Strassheim - Diese Woche laufen die Klimaanlagen heiss und unser Strombedarf steigt. Die Energieversorger verzeichnen einen neuen Trend.

Die Hitzewelle feuert unseren Stromverbrauch an.
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Je heisser es wird, desto mehr lechzen wir nach Abkühlung. In der Stadt Zürich habe diesen Montag und Dienstag der Stromverbrauch im Vergleich zur Vorwoche zugenommen, sagt der Sprecher der Energiewerke EWZ, Thomas Jeiziner, zu 20 Minuten. Auch der Berner Versorger BKW bestätigt dies. Grund sei der höhere Kühlbedarf in Geschäften und Büros. «Die vermehrt im Einsatz stehenden Ventilatoren und Klimageräte in Privathaushalten tragen sicherlich ebenfalls zur Steigerung bei», sagt Jeiziner.

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Genaue Angaben, um wie viel Prozent der Verbrauch diese Tage zugenommen hat, gibt es von den Energiebetrieben noch nicht. Generell gilt aber die Regel: «Pro Temperaturgrad, das über dem sommerlichen Durchschnitt liegt, steigt der Stromverbrauch um etwa ein Prozent an», erklärt BKW-Sprecher Gilles Seuret. Die Leute duschten mehr, liessen Klimaanlagen laufen oder stellten Eis her für Getränke. «In den letzten Jahren ist tatsächlich ein Trend ersichtlich, wonach im Sommer mehr Strom verbraucht wird als früher.»

Eine Stunde Kühlung entspricht 6 km Fahrt mit E-Auto

Klimaanlagen laufen inzwischen auch in immer mehr privaten Wohn- oder Schlafzimmern. Sie gelten als Stromfresser. Ein handelsübliches Klimagerät der Energieklasse A verbraucht 1,3 Kilowatt pro Stunde. Damit könnte man mit dem Elektroauto Zoe 6 bis 8 Kilometer zurücklegen.

Der steigende Strombedarf im Sommer ist verhältnismässig neu und deswegen noch nicht klar erfasst. «Der Trend zu einem immer höheren Stromverbrauch im Sommer durch zusätzliche Kühlung ist möglich, aber statistisch nicht eindeutig belegbar», sagt Simon Banholzer von der Schweizerischen Energie-Stiftung. Laut dem Strom-Projektleiter werden in sämtlichen Energieszenarien für die Zukunft ein steigender Bedarf im Sommer einberechnet. «Durch die weitere Klimaerwärmung gibt es einen wachsenden Bedarf an Kühlung.» Durch die extremeren Temperaturen werde auch für den Winter mehr Bedarf an Strom erwartet.

Im Sommer kommt Schweiz ohne Stromimporte aus

Diesen Sommer sei die Versorgung vor allem durch die Wasserkraftwerke in der Schweiz gesichert, so die BKW. «Momentan ist sehr viel Wasser in den Flüssen, und auch die Speicherkraftwerke sind dank Schmelzwasser gut gefüllt», sagt BKW-Sprecher Jeiziner. Die ganztägig scheinende Sonne fördere auch die Solarenergie.

Die grosse Frage ist jedoch, ob der künftig generell steigende Strombedarf mit erneuerbarer Energie gedeckt werden könne. «Wenn wir auf Kohleenergie aus dem Ausland zurückgreifen müssen, um unseren wachsenden Bedarf zu decken, dann heizt das unseren Strombedarf nur noch mehr an», sagt Banholzer von der Energie-Stiftung. Denn die CO2-Emissionen der Kohle setzen die Klimaerwärmung fort. «Diese Negativspirale wäre fatal.»

Strombedarf steigt stetig

Der Stromverbrauch werde durch die Umstellung auf Elektroautos und Hausheizungen durch Wärmepumpen ohnehin rapide steigen, und zwar viel stärker als durch die Kühlung im Sommer, betont Banholzer. Damit werden zwar die CO2-Emissionen von Benzin- oder Dieselmotoren und Ölheizungen vermieden. «Entscheidend aber wird sein, wie der für die E-Autos und Heizungen nötige Strom erzeugt wird.» Nur erneuerbare Energien können den Klimawandel stoppen.

Bislang ist es so, dass die Schweiz im Sommer aus Wasserkraft gewonnenen Strom exportiert. Das Schmelzwasser der Gletscher füllt dann die Flüsse und Stauseen und treibt die Turbinen an. Im Winter, wenn der Strombedarf noch höher ist als im Sommer und die Wasserkraftwerke weniger produzieren, ist die Schweiz auf Energieimporte aus dem Ausland angewiesen.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Patrizia am 28.06.2019 07:58 Report Diesen Beitrag melden

    Welch Überraschung

    Diese unglaublich überraschende Tatsache ist nun wirklich eine Schlagzeile wert!

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  • Igel am 28.06.2019 08:07 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Realität

    Ohne ein neues AKW wenn eines oder zwei alte abgeschaltet werden sollen, kann der Hauseigene Stromverbrauch der CH niemals gedeckt werden. Gut das das schon bei einigen Parlamentariern vorausschauend Diskutiert wird. Zumal noch E Autos gefördert werden. Es ist an der Zeit der Warheit in das Auge zu schauen. Nur Strom von Ausland Importieren ist keine Lösung. Das schafft Abhängigkeit und Preisdiktatur.

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  • Desillu am 29.06.2019 23:04 Report Diesen Beitrag melden

    Achtung!

    Diese Meldung ist die Vorbereitung für eine kommende Strompreiserhöhung oder die Erhebung von CO2-Abgaben auf den Strom. Wartet es nur ab.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Max der Dax am 02.07.2019 14:09 Report Diesen Beitrag melden

    im Norden neue AKWs

    Finnland baut neue AKWs um baldmöglichst CO2 neutral zu sein. Kam gestern im Radio (SRF). Ich sage schon lange, baut neue, moderne AKWs anstelle alles mit Solarpanels, Windrädern und Staumauern zuzustellen (Natur-, / Tierschutz). Auch können AKWs besser reguliert werden, Stauseen sind abhängig vom Winter/Schnee, Windräder vom Wind, Solar von der Sonne. Ist bei AKWs alles irrelevant. Vor Tsunamis müssen wir in der Schweiz keine Angst haben wie in Japan...

    • Otto Lotto am 02.07.2019 19:53 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Max der Dax

      Und wo den Atommüll entsorgen? Glücklicherweise sind neue Akws in der Schweiz chancenlos.

    • Finnair am 03.07.2019 06:36 Report Diesen Beitrag melden

      @Max der Dax

      Olkiluoto 3 ist schon 10 Jahre verspätet und hat 4x (12 statt 3 Mia) mehr gekostet als ursprünglich geplant. Hanhikivi dagegen ist mehr als unsicher, ob es auch je fertiggestellt wird. Man darf auch nicht ausser Acht lassen, dass es sich um ein politisches Geschäft mit Russland handelt - da geht es um wirtschafltiche Interessen. Wie auch immer, Finnland baut am gleichen Standort aber wenigstens auch gleich das Endlager und behält den Müll im eigenen Land. Anders die Schweiz, die zwar ein Zwischenlager hat, aber den Atommüll hintenrum immer noch nach Majak exportiert.

    • Finnair am 03.07.2019 06:42 Report Diesen Beitrag melden

      @Max der Dax

      Wenn du also bereit bist, für den Strom auch einen vier Mal höheren Preis zu bezahlen, dann lass AKWs bauen. In Finnland und in allen nordischen Ländern ist man sich inzwischen einig, dass Windkraftwerke die bessere und effizientere Lösung sind. Das sieht auch das Volk überwiegend so. Ich für meinen Teil sage, weniger Menschen wäre die Lösung. Finnland ist da ein gutes Vorbild mehr als zehn Mal grösser als die Schweiz und über 1/3 weniger Menschen. Macht Sinn. Eines der wenigen Länder, dessen Biokapazität im grünen Bereich ist. Die Schweiz ist da tiefrot.

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  • Kernel am 02.07.2019 05:40 Report Diesen Beitrag melden

    Stromverbrauch

    "Klimageräte heizen Stromverbrauch an" und ich habe gedacht, dass Klimageräte mit Luft funktionieren und nicht mit Strom.

  • Bambam Bigalow am 01.07.2019 22:51 Report Diesen Beitrag melden

    Aufgepasst!

    Wer das Video gesehen hat, der weiss, auch hier spielt es keine Rolle wenn der Strom aus Erneuerbaren kommt!

  • klumapapst am 01.07.2019 21:46 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Korrelation

    Der Stromverbrauch von Klimaanlagen korreliert sehr stark mit der Sonneneinstrahlung. Insofern sollte es einfach möglich sein, Klimaanlagen mit (eigenem?!) Solarstrom zu versorgen. Das grosse Problem ist nicht der Sommer, sondern der Winter mit zunehmender Anzahl Wärmepumpen und Elektrofahrzeugen...

  • Wir kühlen am 01.07.2019 21:45 Report Diesen Beitrag melden

    auch

    Ja logo. Wie soll man sonst bei den Temperaturen klar denken? Beim Arbeiten gibt es kein hitzefrei..

    • Paplo-Ball am 02.07.2019 05:43 Report Diesen Beitrag melden

      arbeiten in der Fabrik

      Ja und ich muss ohne Klimagerät arbeiten in der Fabrik, also geht es schon. Aber schon klar, ich bin ja nur ein Fabrikarbeiter und muss nicht denken.

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