Thriller in echt

12. Dezember 2011 14:22; Akt: 12.12.2011 14:31 Print

So kamen die CS-Daten nach Deutschland

Ein CS-Mitarbeiter sammelte aus Zeitvertreib Bankkundendaten. Als er seine Mappe im Fitnesszentrum vergass, kam ein grosser Coup ins Rollen, der auch ein Todesopfer forderte.

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Der CS-Mitarbeiter hatte bereits 2007 aus «Zeitvertreib, Leidenschaft und historischem Interesse» damit begonnen, an seinem Arbeitsplatz Bankkundendaten zu recherchieren. (Bild: Keystone)

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Die Geschichte hat das Zeug für einen Thriller der Extraklasse: In der Affäre um die Lieferung von Bankkundendaten an Deutschland wirft die Anklageschrift Licht auf eine abenteuerliche Story um Langeweile, Macht und Geldwäscherei.

Demnach hatte der beschuldigte CS-Mitarbeiter bereits 2007 aus «Zeitvertreib, Leidenschaft und historischem Interesse» damit begonnen, an seinem Arbeitsplatz Bankkundendaten zu recherchieren. Mit seinen Zugangsrechten war es ihm dabei möglich, in die bankinternen Systeme «Host» und «Frontnet» zu gelangen.

Mappe im Fitnesszentrum vergessen

Von den Ergebnissen machte er sich handschriftliche Notizen, die er immer in seiner Aktentasche bei sich trug. Die Aktenmappe vergass der CS-Mitarbeiter dann eines Tages in einem Fitnesscenter. Ein österreichischer IT-Unternehmer, mit dem der CS-Angestellte entfernt bekannt war, fand die Unterlagen.

Der Finder erkannte den Wert der Informationen und kontaktierte den Besitzer. Dieser willigte ein, weitere Daten zu liefern. Der Österreicher nahm in der Folge Kontakt mit den Behörden von Nordrhein-Westfalen auf und übermittelte dem CS-Mitarbeiter Aufträge der deutschen Vermittler für zusätzliche Recherchen.

Der CS-Angestellte sammelte bis Ende 2008 weitere Kundendaten und beschaffte auch bankinterne Powerpoint-Präsentationen zum Umgang der CS mit deutschen Kunden. Der österreichische Mittelsmann konnte schliesslich Datensätze zu 1500 bis 2500 Bankkunden mit Depotwerten in der Höhe von 1,8 bis 2 Milliarden Franken liefern.

Vermittler tot

Dafür überwies ihm das Bundesland Nordrhein-Westfalen 2,5 Millionen Euro. Der CS-Mitarbeiter selber erhielt davon rund 320 000 Euro. Nachdem der Datentransfer aufgrund von Medienberichten aufgeflogen war, begann die BA zu ermitteln. Der Österreicher wurde Mitte September 2010 verhaftet.

Er erhängte sich zwei Wochen später in seiner Zelle im Regionalgefängnis Bern. Der CS-Mitarbeiter wurde am 15. September 2010 in Tschechien verhaftet, wo er sich bei seiner Freundin aufhielt. Im November wurde er an die Schweiz ausgeliefert und am 17. Februar 2011 schliesslich aus der Untersuchungshaft entlassen.

Zwei Jahre bedingt gefordert

Der Betroffene soll wegen qualifiziertem wirtschaftlichem Nachrichtendienst, Geldwäscherei sowie Verletzung des Geschäfts- und Bankgeheimnisses schuldig gesprochen werden. Die Bundesanwaltschaft (BA) beantragt für den geständigen Ex-Mitarbeiter der Credit Suisse (CS) eine bedingte Freiheitsstrafe von zwei Jahren. Das Bundesstrafgericht wird am kommenden Donnerstag über die im abgekürzten Verfahren geführte Anklage der BA entscheiden. Bei dieser erst seit Anfang 2011 bestehenden Möglichkeit gesteht der Beschuldigte den Sachverhalt grundsätzlich ein. Ein Beweisverfahren findet vor Gericht deshalb nicht mehr statt.

Im Gegenzug erhält die angeklagte Person faktisch ein milderes Strafmass. Wie aus der nun veröffentlichten Anklageschrift der BA zur Steuerdaten-Affäre hervorgeht, werden dem Gericht für den geständigen früheren CS-Mitarbeiter eine bedingte Freiheitsstrafe von zwei Jahren und eine Busse von 3500 Franken beantragt.

Der Beschuldigte anerkennt die Zivilforderung der CS über 30 000 Franken. Die Ersatzforderung der Eidgenossenschaft gegen ihn soll auf 180 000 Franken festgelegt werden. Im noch laufenden Strafverfahren gegen den verstorbenen Österreicher wird noch über die Einziehung vorhandener Vermögenswerte zu befinden sein.

(sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Siggi am 12.12.2011 15:06 Report Diesen Beitrag melden

    so geht es nicht

    Ich habe keinerlei Verständnis für Steuerhinterzieher, die sollen Steuern zahlen wie jeder andere auch. Wenn der Datendieb aber auf Anweisung eines Fremden Staates oder Bundeslandes bestimmte Daten stiehlt, hat das schon eine andere Qualität. Dies ist auch nach deutschem Recht verboten. Die Gerichte sind bisher immer davon ausgegangen, dass kein Auftrag vorlag, deshalb haben sie den Ankauf nicht verurteilt. Übrigens, woher soll der Bankmitarbeiter wissen, welche Kunden ihre Steuern ordentlich zahlen und welche nicht?

  • Mario Barth am 12.12.2011 14:52 Report Diesen Beitrag melden

    gut so!

    Ich finde es toll dass die Daten nach Deutschland geliefert wurden, die sollen ihr Geld auch versteuern.

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  • Max Heinicke sen am 12.12.2011 21:56 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Gebrüder Grimms Märchen und Erzählungen

    Aus Langeweile ein bisschen Daten klauen und dann im Fitnesscenter vergessen. Das ein solcher Mist vor Gericht erzählt werden darf, ist ist ebenso ungeheuerlich wie die Tatsache, dass derselbe noch in den Medien verbreitet wird. Der Mann heisst sicher Grimm und hat einen Bruder

Die neusten Leser-Kommentare

  • Simon am 13.12.2011 13:54 Report Diesen Beitrag melden

    Ob Absichtlich sei dahin gestellt

    Die UBS sollte sich die Villiger Nachfolge mit dem Deutschen Axel Weber gründlich überlegen. Eine Schweizer-Bank braucht einen CH-Präsidenten.

    • Paris-Berlin am 15.12.2011 12:45 Report Diesen Beitrag melden

      Bleibt in der Schweiz

      Schweizer Banken, die immer noch Beihilfe zur Steuerhinterziehung leisten, haben in Europa und den USA nichts zu suchen. Es wird Zeit, das EU und USA durchgreifen und diese Banken schliessen. Transparancy International hat Steuerhinterziehung direkt nach Korruption als das zweitgrößte Problem benannt. Für jedermann nachvollziehbar - nur für die vermeintlich freiheitsliebenden Eidgenossen offensichtlich nicht.

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  • Max Heinicke sen am 12.12.2011 21:56 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Gebrüder Grimms Märchen und Erzählungen

    Aus Langeweile ein bisschen Daten klauen und dann im Fitnesscenter vergessen. Das ein solcher Mist vor Gericht erzählt werden darf, ist ist ebenso ungeheuerlich wie die Tatsache, dass derselbe noch in den Medien verbreitet wird. Der Mann heisst sicher Grimm und hat einen Bruder

  • Werner Brühlmann am 12.12.2011 17:26 Report Diesen Beitrag melden

    Giftsumpf

    Der Beitrag illustriert so recht deutlich, in was für einem giftigen Sumpf Geld aus Luft (oder Schwefeldämpfen) geschaffen und wieder vernichtet wird. Das Amusement der Herren und Damen Bonusempfänger dürfen die Leute bezahlen, die ihr Geld mit ehrlicher Arbeit verdient haben. Wann wird denn endlich dieses Pack in die Schranken gewiesen werden?

    • ... am 12.12.2011 23:16 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Wie unlogisch

      Was bitteschön hat jetzt das wieder mit dem Bonus zu tun?

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  • Heinz-Erhard am 12.12.2011 16:49 Report Diesen Beitrag melden

    man stiehlt nicht - so einfach ist das

    Eine Meinung zu bilden ist sehr einfach: man stiehlt nicht! So steht es in der Bibel und in den Gesetzbüchern. Unglaublich, dass das deutsche Bundesverfassungsgericht die Hehlerei als rechtens beurteilt hat - und unglaublich, dass deutsche Politiker immer noch gewillt sind für Diebesgut Millionenbeträge auszugeben. Kreativität ist gefragt um Steuersündern auf die Schliche zu kommen aber keine plumpe Rechtsbeugung.

    • andy stutz am 13.12.2011 15:21 Report Diesen Beitrag melden

      wer ist der böse?

      ...und wie nennen sie es, wenn deutsche steuerhinterzieher, die alle anderen steuerzahler in deutschland betrügen ihr geld vom schweizer staat geschützt auf schweizer banken verstecken können? und es ist selbstverständlich keine hehlerei, da es sich um informationen handelt! diese millionäre und milliardäre haben ihr vermögen unter den in deutschland geltenden bedingungen angesammelt, dann sollen sie auch dort gefälligst ihre steuern bezahlen.

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  • Peter Bürger am 12.12.2011 16:07 Report Diesen Beitrag melden

    Hinterhältige Null

    Aus "Leidenschaft", dass ich nicht lache. Dieser CS-Mitarbeiter ist nichts anderes als ein kleines, verlogenes, geldgieriges Spitzelwürstchen. Der Prototyp eines Oberbünzli. Übrigens kännte der sich mit seinem Talent gut beim entsprechenden Bundesamt bewerben, welches die nichtsahnenden Schweizer Bürger beschnüffelt.

    • Brumm B am 12.12.2011 20:26 Report Diesen Beitrag melden

      Bravo

      schön auf den Punkt gebracht!!

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