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20. November 2019 04:52; Akt: 20.11.2019 10:30 Print

An diesem Hoodie sollen Näher 1.27 Fr. verdienen

von Raphael Knecht - Wie viel machen die Löhne in den Herstellungsländern beim Preis von Fast-Fashion-Artikeln aus? Public Eye hat die Preisgestaltung bei Zara unter die Lupe genommen.

Die Zahlen von Public Eye zeigen, wie viel die Herstellung eines Hoodies kostet – und wie viel Gewinn Zara damit macht. (Video: MT)
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Löhne, Materialkosten, Gewinn: In wessen Tasche fliesst eigentlich wie viel Geld, wenn man im Laden ein Kleidungsstück kauft? Dieser Frage ist Public Eye nachgegangen: Am Beispiel eines Zara-Hoodies schlüsselte die Nichtregierungsorganisation genau auf, wie viel der Mutterkonzern Inditex für sein Produkt bezahlt und wie viel er daran verdient – nun liegen die Ergebnisse vor.

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An einem Hoodie, der im Schnitt für 30.84 Franken verkauft wird, verdiene Zara selbst 4.86 Franken, schreibt Public Eye – also über 15 Prozent des Preises im Laden. Die Menschen, die das Kleidungsstück effektiv in den Fabriken produzieren, erhielten pro Hoodie hingegen lediglich 2.40 Franken Lohn.

Da Zara und Inditex diese Zahlen nicht konkret offenlegen, musste Public Eye eigene Nachforschungen anstellen. Die Werte sind darum Schätzungen der Organisation, die auf Dutzenden von Quellen und Insiderinformationen aus der Industrie basieren. Die genaue Aufschlüsselung sehen Sie im Video oben.

Keine Existenzlöhne

Für die niedrigen Lohnsummen kritisiert Public Eye den Zara-Konzern: Die Näherinnen und Näher im türkischen Izmir etwa seien weit von existenzsichernden Löhnen entfernt. Sie erhalten pro Hoodie umgerechnet 1.27 Franken für rund 30 Minuten Arbeit.

So kommt der Preis eines Zara-Hoodies zustande

Da Zara seinen Produzenten laut dem Bericht sehr knappe Beträge bezahlt, sei das Risiko hoch, dass etwa durch erhöhte Leistungsforderungen, unbezahlte Überstunden oder den Einsatz von Tagelöhnern die Arbeitskosten noch weiter gedrückt würden. Dies auch, weil die Eigentümer der Fabriken, die Zara-Produkte herstellen, trotz der geringen Marge selbst Gewinne anstreben.

Auf Gewinn verzichten

Ein Lösungsansatz, den Public Eye vorschlägt, wäre, dass Inditex und Agenturen, die für den Konzern die Produktion verantworten, auf einen Teil ihres Gewinns verzichten. Um den Arbeitern, die in der Produktion tätig sind, Löhne zum Leben zu sichern, bräuchte es pro Hoodie 4.19 Franken mehr. Selbst wenn Zara allein für diese Summe aufkommen würde, hätte das Unternehmen immer noch einen kleinen Gewinn von 67 Rappen pro Hoodie übrig – allerdings müsste Zara dann auf seine vorgegebene Umsatzrendite von mindestens 15 Prozent verzichten.

Inditex wehrt sich gegen die Anschuldigungen. Der Zara-Mutterkonzern bezeichnet die Ergebnisse der Analyse als «falsch und unfundiert». Public Eye sei von falschen Annahmen ausgegangen. Bei der Nichtregierungsorganisation heisst es hingegen, man habe diese Schätzungen nur vorgenommen, weil die Firma die relevanten Zahlen nicht verraten wollte.

Auch auf Anfrage von 20 Minuten schweigt Inditex über die wahren Zahlen. Die von Public Eye seien aber «bei weitem nicht zutreffend», schreibt das Unternehmen und betont, dass Inditex sich für Existenzlöhne einsetze. Die Fabriken würden zudem nicht nur für eine einzige Marke produzieren – darum müssten alle Beteiligten zusammenarbeiten.


Konsumenten sollen ein Signal setzen

Konsumenten, die bei Fast-Fashion-Anbietern wie Zara einkaufen, sollen sich mit Herkunft und Existenzlöhnen befassen, wie Public-Eye-Sprecher Oliver Classen zu 20 Minuten sagt. Er empfiehlt etwa, die Kassierin im Laden zu fragen, warum auf dem Etikett nicht stehe, woher ein Kleidungsstück komme – und ob denn den Arbeitern in der Produktion existenzsichernde Löhne bezahlt würden. So könne man es den Konzernen immer schwieriger machen, zum Thema Löhne zu schweigen.

Leider sei es aber derzeit oft so, dass die Firmen bei konkreten Fragen ausweichen – oder sie würden sich hinter wohlklingenden Phrasen verstecken. Anfragen beim Kundendienst werden zudem über Monate hinausgezögert, wie die Recherchen von Public Eye zeigen. Mit solchen Anfragen lasse sich aber zumindest der Druck auf die Firmen aufrechterhalten.

Der Nachhaltigkeit zuliebe sollte aber vor allem auch weniger gekauft werden, wie Trendforscherin Marta Kwiatkowski vom GDI anmerkt: «Wir alle besitzen zu viele Kleider. Das einzig wirklich nachhaltige wäre, nur neue Teile kaufen, um alte, kaputte zu ersetzen.»

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Mario am 20.11.2019 05:10 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Staatliche Abzocke

    Genau Pullover anschauen. Mwst beträgt mehr als Gewinn von Zara. Das heisst Schweizer Staatsapparat verdient daran mehr als der Produktanbieter. Ist das OK?

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  • Produzent am 20.11.2019 05:24 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Produzenten vs. Handel

    Ich arbeite selbst in einem Schweizer Produktionsbetrieb und stelle fest, dass die produzierenden Betriebe leider selten bis nie einen höheren Deckungsbeitrag aufweisen als die Handelsunternehmen welche die Produkte vermarkten...traurige realität und auch hierzulande normalität

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  • Ueli der knech am 20.11.2019 05:49 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Zulieferer

    Ich habe durch meine berufliche Tätigkeit in viele Branchen hinein gesehen. Ob Smartphone Kleidung Hausbau Auto usw. Die Zulieferer werden immer gedrückt. Ob für ein Pullover chf 520.- oder ein Auto 80000-. bezahlt wird spielt keine Rolle

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Rebecca am 21.11.2019 12:21 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Der Staat...

    Also ich sehe der Staat verdient am meisten dran daher sollte er was abgeben.

  • Die Pessimistin am 21.11.2019 10:51 Report Diesen Beitrag melden

    Wo und wieviel

    Wieviele Hoodies näht eine Näherin im Tag, wie stehts mit der Kaufkraft im Land des Nähers aus?

  • z.s. am 21.11.2019 10:27 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    wer?

    wer gibt zara denn die 15% umsatzrendite vor?????

  • John Lieberman am 21.11.2019 04:33 Report Diesen Beitrag melden

    Titel

    "Näherei 1.77 CHF" sagt ja nicht, dass die Näherinnen 1.77 CHF pro Pullover verdienen; Das würde bedeuten, dass sie bei konservativ geschätzten 100 Pullovern pro Tag, bei 22 Arbeitstagen eine solche Näherin knapp 3'900. CHF verdienen würde. Wünschenswert aber ich denke, realitätsfremd.

  • DER KENNER am 20.11.2019 21:26 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    UND WIR HABEN ES GEGLAUBT

    Ich weiss nicht wie Ihr das zusammen rechnet,glaubt ihr wirklich das Zara 4.- an einem Hoodie verdient? Stoff für eine Rollekostet 250.- mit einer Rolle kan man locker 50 Hoodies schneiden, das gibt pro Hoodie 5.- Bedrucken kostet für Zara 0.10.-die SchneiderFirma verdienen pro stück ca 4TRY das ist umgerechnet 0.60.- das gibt insgesamt 5.70.- zwischenhändler verdienen max 20% das macht total 6.20.- mwst wird im Textilbranche mit 2% verrechnet und nicht 7.7% was macht es? 6.34.- mit mwst. Also verdient Zara 24.- pro hoodie. Darum können sie60%sale anbieten und verdienen immer noch 6.-