Kaufrausch

11. November 2019 20:44; Akt: 11.11.2019 21:35 Print

So lief die Rabattschlacht am Singles’ Day ab

von Philipp Hagen - Was wird gekauft und wie viel geben Schweizer aus? Hier die wichtigsten Zahlen und Fakten zum chinesischen Pendant des Black Friday.

Alibaba läutet mit Taylor Swift den Singles Day ein (Video: AP).
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Über 500 Millionen Menschen sollen nach Angabe von Online-Riese Alibaba am diesjährigen Singles’ Day auf Schnäppchenjagd gehen. Der 11.11. war bislang vor allem im asiatischen Raum eine echte Rabattschlacht, mittlerweile hat sich der Hype um die hohen Preisnachlässe global ausgeweitet.

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Diese Händler machen mit

In der Schweiz beteiligen sich über 110 Händler mit Aktionen am Singles’ Day, einige haben die Aktion auch gleich zu einer ganzen Sales-Woche ausgeweitet. Viele Unternehmen dürfen sich dann auch über eine Umsatzsteigerung freuen. Amorana etwa macht am Singles’ Day 120 Prozent mehr Umsatz als an anderen Tagen. Media-Markt und Microspot.ch gehen davon aus, dass die Nachfrage im Vergleich zum Singles’ Day des Vorjahres doppelt so gross ausfällt. Interdiscount verzeichnet gar 70 Prozent mehr Verkehr im Onlineshop als noch 2018.

Das sind die beliebtesten Aktionen

Passend zum «Tag der Singles» läuft bei Amorana die Blowjob-Maschine «Autoblow AI» ganz besonders gut. Bei Digitec waren die Airpods innert kürzester Zeit ausverkauft, bei Interdiscount gab es einen Ansturm auf das SBB-Angebot «Ab nach Deutschland». Bei Media-Markt nutzten viele Schnäppchenjäger den Preisnachlass für den Kauf eines iPhones, bei Dosenbach gingen winterliche Damenboots speziell gut über den Tresen. Allgemein stehen bei Deutschschweizern Elektronikartikel zuoberst auf dem Einkaufszettel. Bei den Westschweizern sind eher Kleider und Schuhe gefragt.

Den Black Friday abgelöst?

Durchschnittlich beträgt der Wert eines Schweizer Warenkorbs am Singles’ Day 140 Franken. Im Vorjahr waren es noch 96 Franken pro Einkauf. Löst der Singles’ Day jetzt gar den Black Friday als wichtigsten Shoppingevent der Schweiz ab? «Die Wahrscheinlichkeit ist sehr hoch, dass der Singles’ Day in den nächsten Jahren noch mehr an Bedeutung gewinnen wird und den Black Friday als wichtigsten Shoppingtag des Jahres ablöst», so Retailexperte Julian Zrotz von Blackfridaydeals.ch. Beim Black Friday landen Waren im Wert von 171.40 Franken im Einkaufswagen.

Alibabas Rekordlauf

68 Sekunden dauerte der Singles’ Day, da hatte der Online-Riese Alibaba bereits seine erste Milliarde Dollar Umsatz gemacht. 13 Milliarden Dollar waren es nach der ersten Stunde. Dies auch wegen Taylor Swift, die kurz vor Mitternacht die Rabattschlacht mit einem Auftritt in einer TV-Gala von Alibaba eingeläutet hatte. Am Mittag hatte das chinesische Pendant zu Amazon dann bereits die Vorjahresmarke von 30 Milliarden Dollar geknackt.

Wie Taylor Swift die Rabattschlacht ins Rollen brachte, sehen Sie oben im Video.

Schweizer kaufen erst bei 50 Prozent und mehr

Fast die Hälfte aller Schweizer tätigen an solchen Rabattschlachten wie Singles’ Day, Black Friday und Cyber Monday ihre schon länger geplanten Einkäufe, wie das Strategieberatungsunternehmen Oliver Wyman mitteilt. Wenig überraschend tun dies die meisten online. Nur 20 Prozent gehen im stationären Handel shoppen. Dabei steigen die Erwartungen an Rabatte zunehmend: Mehr als die Hälfte der Schweizer schlägt nur dann zu, wenn die Aktion 50 Prozent oder mehr beträgt.

Kannibalisierung des Tagesgeschäfts

Der Preiszerfall birgt auch Schattenseiten, Experten warnen: «Rabatte wirken wie eine Droge – über die Zeit muss man die Dosis immer weiter erhöhen», so Nordal Cavadini, Handelsexperte von Oliver Wyman. Er spricht von einer «Kannibalisierung des Tagesgeschäfts im Detailhandel». Reguläre und umsatzstarke Preise gehen auf Kosten der Schnäppchenangebote verloren.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • 50+ am 11.11.2019 20:59 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    habe nicht mitgemacht

    gigantische Umsatzzahlen, mein Anteil daran, CHF 0.--, muss ich mich nun schämen?

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  • Tüv Tüv am 11.11.2019 21:08 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Rohstoffe versauen

    Oje . 30 Milliarden Umsatz . Das heisst Waren für 29 Milliarden landen nach 2 Wochen auf der Müllkippe.

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  • Dryg am 11.11.2019 21:03 Report Diesen Beitrag melden

    Schade

    Es tut mir leid, ich habe den Durchschnitt wohl etwas nach unten gezogen.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Tyler Durden am 12.11.2019 22:24 Report Diesen Beitrag melden

    welch ein Drama

    wer an dem Tag was braucht, soll halt shoppen gehen und von Rabatten profitieren. Unterm Strich wird doch dasselbe ausgegeben. Black Friday, Singles Day - logisch, alles Käse. Aber sich darüber aufregen...

  • Susa am 12.11.2019 21:24 Report Diesen Beitrag melden

    mache ganz sicher nicht mit

    Alles nur noch Konsum Konsum Konsum. Mit ensprechendem Abfall. Von der Ressourcenverschwendung und den Arbeitsbedingungen Made in China ganz zu schweigen. Widerlich so was

  • Linksaussen am 12.11.2019 20:53 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wie wär's?

    Das Jahr hat 52 Freitage. Man könnte jeden anders benennen und Spezialrabatte gewähren, um das Geschäft anzukurbeln. Aber man könnte die Preise auch dem Wert der Waren anpassen und solche Tage einfach weglassen, dann kann der Kunde jederzeit preisgünstig einkaufen, ohne sich im Gewühl solcher «Sonderaktionen» zu unüberlegten Käufen verleiten zu lassen.

  • anna am 12.11.2019 20:37 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Kein Mitläufer

    Ich werde so etwas nie, nie, nie unterstützen.

  • Natalie Schmid am 12.11.2019 19:04 Report Diesen Beitrag melden

    Post

    Ich bin Brief und Pakete zustellerin bei der Post. Hab grad angst, was auf mich zu kommt in den nächsten Tagen