Super-Kabinen

02. Februar 2019 09:02; Akt: 02.02.2019 09:02 Print

So luxuriös fliegen die Passagiere in Zukunft

von Dominic Benz - Flugzeugkabinen sehen bald aus wie Hotelzimmer. Das sind die besten Ideen fürs Fliegen von morgen.

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Das Fliegen soll künftig noch bequemer werden. An der Aviatik-Messe Aircraft Interiors Expo werden im April die besten Erfindungen für die Flugzeugkabine ausgezeichnet. Nachfolgend stellen wir Ihnen eine Auswahl der Ideen vor. Endlich die Beine strecken können in der Economy-Class. Die Air New Zealand hat einen Sitz entwickelt, der quasi zu einer Couch umfunktioniert werden kann. Darauf lässt sich schlafen, mit Kindern spielen oder einfach entspannen. Das Reisen mit der eigenen Katze oder dem Hund ist mühsam. Daher hat die Firma Rockwell Collins eine Haustierbox entwickelt. Die Box ist für den Frachtraum oder die Kabine konzipiert. Während des Flugs können die Besitzer mit ihrem Vierbeiner übers Smartphone Kontakt aufnehmen. Das Gesicht des Herrchens soll den Vierbeiner beruhigen. : Wer Angst vor Dieben im Flugzeug hat, kann sein Portemonnaie, Smartphone oder den Schmuck in den Tresor der Firma MLI legen. Das soll für einen besseren Schlaf sorgen. Der fest eingebaute und persönliche Tresor lässt sich mit einem Code öffnen. Ebenso gibt es eine integrierte Kamera, die den Gesichtsabdruck von jedem aufzeichnet, der den Tresor öffnen will. Auf die Kameras kann man auch vom Cockpit zugreifen. Die flexible Suite des Büros Paperclip soll sich je nach Bedürfnissen der Airlines anpassen lassen. Das helfe, Platz zu sparen. Die Selbstbedienungstheke für Snacks und Getränke lässt sich während des Flugs aus der Tür klappen. Das braucht in den engen Flugzeugen wenig Platz. Entworfen hat die Theke die Firma Rockwell Collins. z Panasonic hat einen Wellness-Sessel für die Business Class entworfen. Der Fluglärm und sonstige Geräusche soll der Sitz schlucken. Hinzu kommen entspannende Musik und gemütliches Licht. Oft werden die Wassertanks unnötigerweise vollständig gefüllt – sogar auf Kurzstrecken. Das Gewicht sorgt für zusätzlichen Treibstoffverbrauch. Daher hat die Firma International Water Guart ein System entwickelt, mit dem die Crew an Board per App den Wasserstand am Boden regulieren kann. In 5-Prozent-Schritten lassen sich die Tanks per Knopfdruck füllen. So fliegt nur die Menge Wasser mit, die auch benötigt wird. Das Unterhaltungssystem von Singapore Airlines lässt sich auf jeden Gast abstimmen und personalisieren. Das Ganze funktioniert wie ein Streaming-Dienst à la Netflix. Filme, Serien oder Spiele lassen sich unterbrechen und auf dem Anschlussflug fortsetzen. Der Sitz in der Business-Class ist aus besonders leichten Materialien. Das Gewicht wird um bis zu 25 Prozent reduziert. Damit wird weniger Treibstoff verbraucht. Das Essen im Flugzeug hat nicht den besten Ruf. Die Universität Cincinnati hat nun eine App entwickelt, mit dem Passagiere ihr Essen individuell von einem Flughafen-Restaurant zusammenstellen lassen können. Das Essen wird dann am Boden in die Maschine geliefert und zu einem gewünschten Zeitpunkt serviert. Zum Konzept gehören auch neu gestaltete Küchenwagen in der Kabine. Das Beleuchtungssystem Skylight von Boeing bietet spezielle visuelle Erlebnisse. Je nach Flugphase passen sich die Bilder an. Davon sollen vor allem Passagiere in den Luxus-Klassen profitieren. Studenten der koreanischen Hongik-Universität haben die normale Kabinen-Aufteilung auf den Kopf gestellt. In ihrem Konzept in Zusammenarbeit mit dem Sitzhersteller Adient werden die verschiedenen Sitzklassen miteinander verschachtelt. So kann die Business-Class oberhalb der Economy-Class liegen. Das soll viel Platz sparen und für Gruppenreisen geeignet sein. Die Airline Emirates stellt in Hamburg das Konzept einer Luxus-Suite vor. Sie ist bis zu 40 Quadratmeter gross und hat ein richtiges Bett. Auch wenn die Suite im Gang positioniert ist, können die Passagiere aus dem Fenster schauen: In der Wand sind Bildschirme angebracht, die in Echtzeit die Aussicht aus der Maschine übertragen. Mit der Crew kommuniziert man per Videoanruf. Das WC soll endlich ansprechender werden und mehr Platz bieten. Das hat sich die deutsche Firma Krüger Aviation vorgenommen. Das WC ist für Passagiere verschiedener Kulturen konzipiert, sodass verschiedene Positionen fürs Geschäft eingenommen werden können. Integriert sind ein Wickeltisch, Fluginformationen im Spiegel oder ein Anti-Spritz-Waschbecken : Fliegen wie im Business-Jet – das will die Firma Aero-Dienst anbieten. Die Passagiere sollen sich dabei wie im eigenen Wohnzimmer zu Hause fühlen. Warme Materialien und Farben sollen dabei helfen. Der chinesischen Firma Comac schwebt die ultimative First-Class vor. Sie soll gute Bedingungen zum Arbeiten und Entspannen bieten. Das Design und die Beleuchtung sollen eine beruhigende oder bei Bedarf romantische Atmosphäre schaffen. In der Lounge der Firma AIM Altitude sollen sich Passagiere aller Klassen entspannen können. In den Bereich soll man sich bewegen, essen oder einfach treffen können. Der Raum lässt sich umgestalten, sodass auch Yoga oder Meditationsübungen möglich sind. Gedacht ist die Lounge vor allem für Ultra-Langstreckenflüge, zum Beispiel von Sidney nach London. Das deutsche Unternehmen ACM hat ein intelligentes Flugzeugsitz-System entwickelt. Es ist vor allem auf Flügen mit wenige Platz hilfreich. Per App erhält der Passagier ein visuelles Feedback, um die Sitzposition zu verbessern. Das geschieht über Sitzsensoren. Der Frachtraum war bis jetzt nicht für Passagiere gedacht. Das könnte sich ändern. Airbus und Safran haben ein Konzept für einen Schlafsaal entworfen. Wird der Platz im Frachtraum aber für Güter gebraucht, lässt sich das flexible Modul leicht austauschen. Üble Gerüche in der Kabine soll das Luftfilter-System von Panasonic beseitigen. Es kann in den Sitzen integriert werden. Das Ganze ist wohl nur für die Luxus-Klassen konzipiert. In der Holzklasse wird es demnach weiterhin ab und zu müffeln. Auch in der soll es bequemer werden. Die Firma Recaro hat einen Sitz für besseres Schlafen in der Economy-Class entwickelt. Dazu gehört nicht nur die Kopfstütze, sondern auch eine verlängerte Sitzunterseite. Mit dem Sitz soll es am Körper weniger unbequeme Druckpunkte geben.

Zum Thema
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Wie das Fliegen von morgen aussehen kann, wird die Branchenmesse Aircraft Interiors Expo Anfang April in Hamburg zeigen. Dort wird jeweils der Crystal Cabin Award verliehen, der die besten Innovationen rund um Flugzeugkabinen und Bordprodukte auszeichnet. In diesem Jahr stehen 94 Konzepte aus 22 Ländern zur Auswahl. Unter den Bewerbern sind Airlines, Zulieferer, Universitäten und bekannte Flugzeughersteller.

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Viele High-End-Ideen betreffen die Business-Class. Sie sollen das Fliegen noch luxuriöser machen. Aber auch für die Economy-Class gibt es extravagante Vorschläge. Doch macht der Luxus das Fliegen teurer? Aviatik-Experte Kurt Hofmann von Hofmann Aviation & Consulting sagt zu 20 Minuten: «Günstig fliegen kann man auch in Zukunft – trotz modernsten Kabinen und hohem Komfort.»

«Preise bleiben günstig»

Der Ticketpreis hänge vor allem davon ab, wie viel Konkurrenz es auf einer Flugstrecke gebe. Die Airlines seien ständig daran, bei Kabinen innovativ zu sein. «Aber es muss sich unter dem Strich rechnen», sagt Hofmann. Viele Ideen dürften sowieso nicht umsetzbar sein. Grundsätzlich seien den Ideen für mehr Komfort keine Grenzen gesetzt. Für den Ticketpreis sei letztlich auch das Kerosin entscheidend. «Der Treibstoff ist der höchste Kostenbeitrag für eine Airline», erklärt Hofmann.

Eine Auswahl der nominierten Erfindungen für die Kabine sehen Sie in der Bildstrecke oben.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Laferi am 02.02.2019 09:21 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Bla bla

    Wir wissen wie Flugzeugkabinen heute aussehen und wir wissen auch das sie morgen nicht so aussehen werden, das man heute schon an der primitiven Einstellung des Sitzabstandes scheitert.

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  • T. Rolli am 02.02.2019 09:24 Report Diesen Beitrag melden

    Umweltbelastung pro Passagier?

    Das erfreut die Herzen der Teppichetagen. Fehlt nur noch der Escort-Service...

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  • Word am 02.02.2019 10:56 Report Diesen Beitrag melden

    Ja klar!

    Und wer soll sich sowas leisten können?! Wir fliegen in Zukunft nicht "luxuriös", sondern weiterhin wie die Ölsardinen!

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Peter M am 04.02.2019 07:33 Report Diesen Beitrag melden

    An die Jammeris

    Nur die reichen können so reisen, etc. Ist euch eigentlich auch klar, dass ihr nur wegen DIESEN Passagieren so günstig wegfliegen könnt? Glaubt ihr nicht? Nehmen wir einen Flug der Swiss von ZRH nach LAX: First 8 Passagiere zahlen rund 12'000 Franken (beide Wege), Business rund 5000, Eco rund 800 Franken. Gerechnet zahlen die Firstclasspax rund 96'000 zu 8, Business mit 47 Sitzen rund 235'000 und die Eco mit 164 Pax zahlen rund 131'200. Das ist der Grund warum man in der Eco enger stuhlt. Also rund 2/3 des Fluges werden von rund 1/4 der gutbetuchten Passagiere für EUCH bezahlt.

    • ESEREF am 12.02.2019 09:34 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Peter M

      Stimmt. Das gilt aber nicht nur fürs Fliegen. Bei den Steuern ist es genau dasselbe...

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  • Andreas Honegger am 03.02.2019 23:06 Report Diesen Beitrag melden

    Alles schön und gut, aber...

    ... was wird für die Umwelt getan? Wann fliegen wir mit Methanol, welches aus CO2 und Sonnenenergie gewonnen wird? Auch mit heutigen Triebwerken wäre fliegen dann doch umweltfreundlicher, da nur noch die Stickoxyde anfallen, das CO2 wird ja wieder "zurückgeholt". Besser wäre natürlich Methanol-Brennstoffzelle und Elektromotoren. Technisch möglich, wenn man wollte und die Leute bereit sind, allenfalls mehr für das Ticket zu zahlen.

    • Nurmal Soh am 04.02.2019 09:33 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Andreas Honegger

      Und das ist genau das Problem, die Leute sind nicht bereit mehr zu zahlen. Es wird der Tag kommen, an dem 500.- für Thailand und zurück schon als sehr teuer betrachtet wird.Solange diese Geiz ist geil Kultur vorliegt, wird es auch einer Airline nie in denn Sinn kommen ein teureres Flugzeug zu kaufen. Der Flugzeugbauer wird diese Technologie und den administrativen Aufwand mit sämtlichen Flug-&Sichjerheitsbehörden ans Preisschild hängen müssen und der Flieger wird dadurch unattraktiv für Airlines. Hinzu kommt, dass der Unterhalt dann doch nicht so günstig ist, wenn die AirPorts Nachrüsten müsse

    • Andreas Honegger am 04.02.2019 12:08 Report Diesen Beitrag melden

      @Nurmal Soh

      ... und genau da steckt der Pferdefuss. Die Geiz-ist-geil-Mentalität muss weg. Das ist wohl einer der grössten Knackpunkte unserer Zeit.

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  • Andreas Honegger am 03.02.2019 22:58 Report Diesen Beitrag melden

    Fragwürdig

    Die Superideen werden weiterhin nur für gut betuchte oder Geschäftsreisende sein (zB Postkader, Steurechefs und so). Die Holzklasse wird eng bleiben. Mit meinen 1.88m bin ich selbst bei den "besseren" Economy- Fliegern am Grössenlimit. Ein nettes Schlafkissen ändert nichts daran, dass ich keinen Platz für die Beine habe. Die Leute werden im Durchschnitt immer grösser, der Economy-Platz im Flieger (und in den SBB-Wagons) immer enger.

    • Peter M am 04.02.2019 07:23 Report Diesen Beitrag melden

      @Andreas Honegger

      Tja, fliegen wurde in den letzten 30 Jahre massiv billiger. Irgendwie muss ja Geiz ist geil finanziert werden - im Falle der Airlines halt mit weniger Beinfreiheit. Aber man kann sich z.B. auch eine Airline mit Premium-Eco aussuchen oder man fliegt nur 1 mal im Jahr weit weg dafür Business, statt 3-4 mal im Jahr wohin. Ist auch besser für die Umwelt.

    • Andreas Honegger am 04.02.2019 12:11 Report Diesen Beitrag melden

      @Peter M

      Ich fliege auch so ein, bestenfalls zwei mal im Jahr und nicht sehr weit. Und je nach Destination gibt es keine Premium-Eco oder Business - oder es ist massiv teurer. Ok, da ich sowieso höchstens 3 Stunden fliege geht es noch, dann kann ich mich zusammenkrümeln.

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  • KKTVCAM am 03.02.2019 18:37 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Business is nice

    Ich bin mit der Swiss Business absolut zufrieden.

  • Peter Miller am 03.02.2019 17:43 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Vieles ist schön - aber zu teuer od. gegen Safety

    Frachtraum-Schlafplatz - je nachvbelieben kann das ausgeladen werden. Das heisst für die Bodencrew (auch Ramper oder Ground Agents) mehr Arbeit. Obwohl die Airlines für kürzere Bodenzeiten tendieren und auch verlangen. Ein Widebidy in 50 Minuten zu ent- und beladen mit diesem System nicht mehr machbar. Daher denke ich, kommt nur dort in Frage, wo das Flugzeug kaum Beladung zu erwarten hat, dennoch viele Passagieraufkommen aufweist. In meinen Erfahrungen wird das nie durchkommen. Genau so die Snackbar bei den Türen. Safety First - die Türen müssen für den Notfall frei sein.