Uhren- und Schmuckmesse

21. März 2019 11:15; Akt: 22.03.2019 11:16 Print

Wie hält Baselworld die Luxus-Fans bei Laune?

von Dominic Benz - Die Uhren- und Schmuckmesse läuft zum ersten Mal ohne den weltgrössten Hersteller Swatch Group. 20 Minuten war vor Ort.

So präsentiert sich die Baselworld in der Krise. (Video: Keystone)
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Die Baselworld steckt in der Krise. Hunderte von Ausstellern sind nicht mehr an der Uhren- und Schmuckmesse. Auch der weltgrösste Uhrenhersteller Swatch ist in diesem Jahr zum ersten Mal nicht mehr dabei. Mittlerweile sind noch rund 500 Aussteller in Basel – vor zwei Jahren waren es mehr als das Doppelte. Die Aussteller kritisieren die Messe scharf: Sie sei zu altmodisch, zu teuer und zu wenig innovativ.

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Braucht es eine Baselworld?

Daher muss sich die Baselworld neu erfinden und hat ein neues Konzept angekündigt. Allerdings sollen grundlegende Neuerungen erst nächstes Jahr erfolgen. Für dieses Jahr sei die Zeit zu knapp gewesen, so die Baselworld. Dennoch habe man einige Anpassungen schon jetzt vorgenommen. Wie präsentiert sich also die Messe in diesem Jahr? Kann sie die Aussteller bei Laune halten? 20 Minuten war am Pressetag vor dem offiziellen Start der Messe vor Ort.

Die Besucher

Trotz Kritik scheint das Interesse an der Baselworld noch immer gross zu sein: Internationale Gäste, VIPs und Medienleute strömen in die Messehallen. Die meisten Besucher haben sich in Schale geworfen. Auffallend viele Gäste aus Asien zücken ihre Handys für Fotos. In der Haupthalle zwischen den Messeständen herrscht Gedränge. Jeder will sich mit einem berühmten Brand wie TAG Heuter, Breitling oder Chanel ablichten.

Die Stimmung

Trotz der vielen Besucher ist es verhältnismässig ruhig an der Baselworld – ähnlich wie in einem Kunsthaus. Es wird geschlendert und über die wichtigsten Uhrentrends geredet. Laute Gespräche sind da fehl am Platz. Anders geht es an den Pressekonferenzen zu, etwa bei Hublot. Der Schweizer Hersteller feiert im eigenen Pavillon seine Partnerschaft mit dem italienischen Karossenhersteller Ferrari und stellt seine neuen Zeitmesser vor. Da gibt es ein Gewitter von Partyscheinwerfern, laute Musik und aufheulende Ferrari-Motoren. Echte Boliden stehen überall im Saal herum.

Das Essen

Die Baselworld will künftig dem Essen mehr Aufmerksamkeit schenken. Versteckte Take-aways soll es nicht mehr geben. Stattdessen will man richtige Restaurants mit Sterneküche und Bars anbieten. Davon ist allerdings in diesem Jahr nicht viel zu sehen. Lediglich ein Caterer bietet sein Essen vor seinem Messehaus an. Gleich daneben hat sich Breitling mit einem schicken Dinner-Platz installiert. Viele Uhrenmarken müssen weiterhin selber für das Essen der Besucher sorgen.

Stände

Nach wie vor sind die Stände der Aussteller wie Rolex, Patek Philippe, Gucci oder Carl. F. Bucherer pompös und teils zweistöckig. Für ihre Stände lassen die Marken viel Geld springen. Hersteller Swatch soll für den Auftritt seiner 18 Marken jährlich rund 50 Millionen Franken ausgegeben haben. Vor den Eingängen vieler Stände hat es Bäume, grosse Blumen und Pflanzen. Überhaupt fühlt sich der Gang durch die Haupthalle an wie ein Spaziergang durch einen Park – grüne Wiesen inklusive. Das hat aber auch Nachteile: Ab und zu laufen kleine Krabbeltierchen und Spinnen über die Ess- und Arbeitstische der Besucher.

So präsentiert sich die Baselworld in der Krise

Die Preise

Nicht verändert haben sich die Eintrittspreise: Eine Tageskarte kostet 60 Franken, über den Online-Verkauf 45 Franken. Viele Aussteller finden das zu hoch. Anderer Meinung ist Rolf Studer: «Der Preis ist grundsätzlich gerechtfertigt. Aber es muss einen Gegenwert für die Konsumenten geben. Dieser ist aber noch nicht vorhanden», sagt der Co-CEO der Schweizer Uhrenmarke Oris zu 20 Minuten. Etwas unternommen hat die Messe bei den Hotelpreisen. Die Baselworld ist mit vielen Hotels eine Partnerschaft eingegangen, um die überteuerten Zimmerpreise zu senken.

Die Events

Die Baselworld will ab nächstem Jahr mit der Veranstaltung von Events punkten. Dazu gehört etwa ein 240-Grad-Catwalk mit etlichen LED-Screens, damit sich die Luxusmarken besser inszenieren können. In diesem Jahr ist davon aber noch nichts zu sehen. «Die Baselworld muss sich künftig viel mehr an die Konsumenten, Uhren-Fans und Social Media richten und ihnen ein Erlebnis bieten», sagt Oris-Chef Studer. Auch in diesem Jahr sind viele Stände nur mit einem Termin zu besichtigen. Mehr als Schaufenster-Shopping ist sonst nicht möglich.

Fazit

Trotz schwergewichtigen Abgängen zeigt sich die Baselworld in diesem Jahr mehr oder weniger im alten Licht. «Viel hat sich noch nicht verändert», sagt Oris-Chef Studer. Als reine Handelsmesse sei die Baselworld definitiv überholt. Im nächsten Jahr soll aber alles anders werden, verspricht die Messe. Doch auch ein neues Konzept wird Swatch nicht mehr zurückbringen. «Wir brauchen die Baselworld nicht», sagte Swatch-Chef Nick Hayek vor ein paar Tagen.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • tom wini am 21.03.2019 14:28 Report Diesen Beitrag melden

    Irgendwas stimmt nicht mehr

    Leute gehen in Aldi einkaufen, damit sie ein bisschen Geld sparen können während andere um die halbe Erde fliegen (1. Klasse natürlich) um an einer Uhrenmesse Luxusartikel anzuschauen.

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  • AutomatikUhrFan am 21.03.2019 13:16 Report Diesen Beitrag melden

    BaselWorld

    Klar, wenn ich mich für Uhren interessiere, macht es durchaus Sinn, wenn das Essen ins Zentrum gerückt wird. Aber schon so, die grosse Lücke von Swatch muss ja irgendwie / mit irgend etwas gefüllt werden.

  • Herr Bünli Max am 21.03.2019 11:40 Report Diesen Beitrag melden

    genau

    Wie hält Baselworld die Luxus-Fans bei Laune, mit einem CBD Stand

Die neusten Leser-Kommentare

  • Heli Reymond am 25.03.2019 15:42 Report Diesen Beitrag melden

    Eine Luxus Messe

    Es ist eine Luxusmesse, genauso wie die Art Basel. Wer sich mit Luxus umgeben kann und will, zahlt auch die gehobenen Eintrittspreise. Wer übers Internet bucht, spart 25%.

  • Berta am 23.03.2019 12:12 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Basel love

    Für mich lohnt es sich immer wieder zur Messe nach Basel zu kommen beruflich wie privat.

  • Nick am 22.03.2019 19:01 Report Diesen Beitrag melden

    Total obsolet

    Ich benutze zwei Uhren: die auf dem Handy und einen Trainingscomputer mit GPS beim Sport. Eine von meinem Vater geerbte Uhr liegt als Erinnerungsstück im Tresor. Wozu bräuchte ich eine andere Uhr? Noch dazu eine komplizierte, teure und obendrein ungenaue mechanische Uhr? Wir fahren ja auch nicht mehr mit Kutschen durch die Gegend. Kommt endlich im 21. Jahrhundert an.

    • Tom am 22.03.2019 23:02 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Nick

      Entweder man interessiert sich für die zugrundeliegende Technik oder nicht. Ich kaufe nicht alle zwei Jahre eine veraltete Smartwatch, nur weil sie vermeintlich genauer ist. Oder mir Emails anzeigt ... die Uhrmacherkunst zählt und als Mann ist das das einzige richtige Schmuckstück.

    • Uhrmacher Peter am 23.03.2019 08:24 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Tom

      Danke Tom für den guten Kommentar. Eine wertvolle mechanische Uhr ist nach wir vor faszinierend. Ob dies Nick versteht, ist zu bezweifeln.

    • Baron v. Z. am 23.03.2019 09:35 Report Diesen Beitrag melden

      Obsolet? Chabis...!

      Meine Automatik ist mittlerweile zwanzig Jahre am Handgelenk und über diese Zeitspanne stets ausgesprochen genau gelaufen. Zeitlos, elegant, ständiger Betrieb, hat einen weitaus kleineren ökologischen Fussabdruck als eine SW und das, was bisher in die Revisionen geflossen ist, ist weniger, als eine neue Schlauuhr vom abgebissenen Apfel kostet. Ein Hoch auf die Präzision und die Uhrmacherkunst!

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  • Neumann am 22.03.2019 17:55 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Vorbei

    Die Asiaten werden bald mit viel fulminanteren Messen das Publikum anziehen. Daneben wird Basel wie eine Brockenstube anmuten. Baselworlds Zeiten sind vorbei.

  • MTO am 22.03.2019 14:08 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Basel, nein danke

    Ich liebe Messen und besuche sie in der ganzen Schweiz. Leider habe ich mit Basel abgeschlossen. Basel ist keine Schweizerstadt mehr, autofeindlich, schlechtes Essen an Messen und zu teuer.

    • Kevin am 22.03.2019 15:13 Report Diesen Beitrag melden

      @MTO

      So geht es mir mit Stadt Zürich. Egal wo aber nicht nach Z.

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