Steuern, Jobs, Fälschungen

02. Oktober 2018 09:59; Akt: 02.10.2018 09:59 Print

So schaden Chinas Online-Shops der Schweiz

von R. Knecht - Entgangene Mehrwertsteuer und gefährliche Medikamente: Der Onlinehandel mit Asien hat einige gravierende Nachteile.

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Asiatische Onlinehändler wie etwa Aliexpress (im Bild: Alibaba-CEO Jack Ma) sind wegen günstiger Produkte und kostenloser Lieferung auch in der Schweiz beliebt. Doch der Onlinehandel mit Asien bereitet der Schweiz und den hiesigen Konsumenten auch Probleme. Patrick Kessler, Präsident des Verbands des Schweizerischen Versandhandels, geht davon aus, dass ein markanter Anteil von in Asien bestellten Markenkleidern Fälschungen sind. Was die Leute aber oft nicht wüssten, sei, dass die Fälschungsindustrie mafiös aufgebaut sei. «Wer die Fake-Industrie unterstützt, unterstützt unter Umständen auch Menschenhandel und Kinderarbeit», so Kessler. Mit wachsendem E-Commerce würden auch immer mehr illegale Medikamente, Chemikalien und dergleichen eingeführt, sagt ein Sprecher der Eidgenössischen Zollverwaltung zu 20 Minuten. «Da gilt einfach nur: Hände weg», sagt Kessler. Wer so bei Medikamenten Geld sparen wolle, müsse im schlimmsten Fall mit dem Leben bezahlen. Laut der Schweizer Zollverwaltung gibt es besonders bei Elektronik viele unsichere Produkte, die ins Land kommen. Die billigen Komponenten wie etwa Ladeadapter oder Lichterketten würden einfach nicht den gleichen Prüfungen unterzogen wie Geräte, die im Schweizer Handel zum Verkauf stehen, sagt Kessler: «Es ist nur eine Frage der Zeit, bis deswegen mal ein Haus brennt.» Kessler rechnet damit, dass der Schweiz ab 2020 rund 100 Millionen Franken Mehrwertsteuer pro Jahr entgehen werden. Die Zoll- und Steuerverwaltung prüfen derzeit Massnahmen, wie man die Mehrwertsteuerpfilcht international durchsetzen kann. Die Verarbeitung von China-Päckli ist laut einer Post-Sprecherin teurer, weil es sich dabei oft um unförmige Sendungen handle, was der Post der Mehrkosten verursache.

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Viel billiger, grösseres Sortiment, Gratisversand – das sind einige der Vorteile, die auch Schweizer Kunden zum Shopping auf Portalen wie Aliexpress verlocken. Doch der Onlinehandel mit Asien macht der Schweiz und den hiesigen Konsumenten auch Probleme. Das sind einige davon:

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• Fälschungen
Patrick Kessler, Präsident des Verbands des Schweizerischen Versandhandels, geht davon aus, dass ein markanter Anteil von in Asien bestellten Markenkleidern Fälschungen sind. Der Kunde sei sich dessen allerdings meistens bewusst, nur schon wegen der Spottpreise. Was die Leute aber oft nicht wüssten sei, dass die Fälschungsindustrie mafiös aufgebaut sei. «Wer die Fake-Industrie unterstützt, unterstützt unter Umständen auch Menschenhandel und Kinderarbeit», so Kessler.

• Gefährliche Substanzen
Mit wachsendem E-Commerce werden auch immer mehr illegale Medikamente, Chemikalien und dergleichen eingeführt, sagt ein Sprecher der Eidgenössischen Zollverwaltung zu 20 Minuten. Diese Substanzen können gefährlich sein – gerade bei Medikamenten ist Vorsicht geboten.

• Fehlende Elektrozertifikate
Laut der Schweizer Zollverwaltung gibt es besonders bei Elektronik viele unsichere Produkte, die ins Land kommen. Billigen Komponenten wie etwa Ladeadapter oder Lichterketten werden teilweise nicht den gleichen Prüfungen unterzogen wie Geräte, die im Schweizer Handel angeboten werden.

• Entgangene Mehrwertsteuer
Kessler rechnet damit, dass der Schweiz ab 2020 rund 100 Millionen Franken Mehrwertsteuer pro Jahr entgehen werden. Die Zoll- und Steuerverwaltung prüft derzeit, wie man die Mehrwertsteuerpflicht international durchsetzen kann. Derzeit müssen ausländische Onlinehändler keine Mehrwertsteuer auf Sendungen mit einem Steuerwert von weniger als 5 Franken zahlen. Das soll sich ab 2019 ändern.

• Benachteiligte Schweizer Händler
Wegen der internationalen Postverträge gelten für asiatische Versandhändler in der Schweiz bessere Konditionen als für die hier ansässigen. Die United Postal Union, die für die Tarife zuständig ist, ist sich allerdings des Problems bewusst. Bis es behoben ist, dürfte es aber noch einige Jahre dauern.

• Jobverlust
Heute werden die Kleinwarensendungen bei der Post von Hand sortiert. Das Unternehmen rechnet allerdings damit, dass bis 2022 190'000 Kleinwarensendungen pro Tag in die Schweiz kommen werden, was mit dem aktuellen System nicht zu bewältigen ist, wie eine Sprecherin zu 20 Minuten sagt. Darum setze die Post künftig auf eine Sortieranlage. Dadurch dürften 30 bis 40 Stellen wegfallen. Entlassungen erwartet das Unternehmen aber nicht.

• Post zahlt drauf
Bis Ende 2017 war die Verarbeitung von Paketen aus China für die Post ein Verlustgeschäft, wie eine Sprecherin der Post zu 20 Minuten sagt. Dies, weil China als Entwicklungsland eingestuft war und die Post darum tiefe Entschädigungen für Sendungen aus China erhielt. Seit 2018 sei die Entschädigung aber höher und das Ergebnis positiv. Trotzdem sind China-Päckli laut der Sprecherin teurer, weil es sich dabei oft um unförmige Sendungen handle, was der Post bei der Verarbeitung Mehrkosten verursache.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • s.g. am 02.10.2018 10:22 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Preisunterschied zu gross...

    Also wenn ich das gleiche Produkt üblicherweise 4-mal günstiger in China bekomme sehe ich keinen Grund den überteuerten Zwischenhandel zu finanzieren.

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  • Onlinekäufer am 02.10.2018 10:24 Report Diesen Beitrag melden

    Nur noch peinlich..

    Wieso soll ich denselben Chinaschrott zum 10-fachen Preis bei Schweizer Händlern einkaufen? Und dann noch 10 Tage warten? Das macht doch keinen Sinn.. Tja.. Qualität wäre ein Thema. Aber das gibt's in der Schweiz schon seeeehr lange nicht mehr. Und jetzt seit ihr dran mit Argumenten liebe schweizer Händler..

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  • Nath am 02.10.2018 10:12 Report Diesen Beitrag melden

    China

    Ich kaufe ab und zu etwas aus China, hauptsächlich, weil die entsprechende Ware in der Schweiz gar nicht erhältlich ist.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Gewinnsucht der CH-Pseudomanager am 03.10.2018 13:40 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Deshalb kaufe ich auch dort ein

    Sorry, aber habe die Nase voll, von der Abzocke Mentalität und Gewinngier der Schweizer Wirtschaft und deren "Manager" (auch sie produzieren in China !) Zudem wird dann immer von Kostendruck gesprochen. China hin oder her, das erste was diesen Pseudomanagern in den Sinn kommt ist wieder eine "Reorganisation zu starten" und Leute zu entlassen ....

  • Roger am 03.10.2018 11:45 Report Diesen Beitrag melden

    Eigene Urteilskraft ist verlangt!

    Waren in ungenügender Qualität gibt es auch haufenweise in westlichen Onlineshops. Wie überall gibt es immer beide Seiten. Ein wenig Urteilskraft muss man ja selber mitbringen. Ich bestelle ständig auf chinesischen Online-Plattformen und habe höchst, aber höchst selten Probleme, sowohl in der Qualität wie auch im Service! Was soll ich jetzt wohl glauben? Meine eigene Erfahrung oder diese ständige Schwarzmalerei???

  • Marcel F. am 03.10.2018 10:50 Report Diesen Beitrag melden

    Sind wir denn nicht mehr frei?

    Erstens, was ich aus China bestelle, kriegt man bei uns nicht! Zweitens, gibt es heute Waren "Made In China", bei denen die Qualität inzwischen nicht nur gleich sind, sondern besser!!! Drittens, obwohl ich Waren aus China in besserer Qualität auswähle, kostet es nur ein Bruchteil im Vergleich zu Made In EU. Ich bin doch nicht blöde und zwinge mich, unbedingt nur Europäische Waren zu kaufen. Ist es etwa so, wenn es etwas für uns im Westen nicht mehr Vorteilhaft ist, gilt die Freiheit zum Handeln plötzlich doch nicht mehr???

    • Peter S. am 03.10.2018 11:06 Report Diesen Beitrag melden

      Wie peinlich!

      Die Situation bei uns im Westen wurde bestens zum Ausdruck gebracht, Marcel. Man stellt peinlicherweise schon zu deutlich fest, das es bei uns im Westen, allen voran die Amis, die Freiheit, die bei uns früher so hoch gepriesen wurde, mit den Füßen getreten wird. Denn, diese Freiheit gilt es tatsächlich nur, wenn sie für den Westen von Vorteil ist. Super peinlich!

    • Roger am 03.10.2018 11:31 Report Diesen Beitrag melden

      Schlechte Verlierer

      Da der Westen jetzt weiß, dass wir nicht länger mit der Qualität mithalten können, Preis-Leistung ja sowieso längst nicht mehr nennenswert, versuchen wir ständig, China schwarz zu malen. Es ist ja schon peinlich genug, dass der Westen sichtlich verliert. Muss der Westen also auch noch der ganzen Welt bestätigen, dass wir schlechte Verlierer sind? Tatsächlich super peinlich! Ungenügende Qualität gibt's auch haufenweise in westlichen Online-Shops!!!!

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  • fox am 03.10.2018 10:07 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    shame on china

    China ist eine Diktatur, hält Menschenrechte nicht ein und besetzt seit Jahren Tibet, als souveränen Staat. In China kauft man nicht ein (bewusst).

    • S. O. So am 03.10.2018 11:23 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @fox

      Den mit bewusst und unbewusst finde ich gut ! tatsächlich ist es heute praktisch bei jedem Produkt das Herstellerland deklariert, aber man kann natürlich einfach die Augen verschließen und hat dadurch, also durch den unbewussten Einkauf ein reines Gewissen, (ich nenne das heuchlerisch) das reine Gewissen bezahlen Sie einfach über den Zwischenhändler der mit seinen horrenden Margen sich die Tasche mit Geld füllt ! Tja, wenn Sie hier schon Moralapostel sein möchten, dann bitte mit der nötigen konsequent !

    • fox am 03.10.2018 13:17 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @S. O. So

      Leider falsch. Ich halte die Augen offen. Trotzdem kann man nicht vermeiden, dass man z.T. China-Produkte oder -teilprodukte kauft. Und wie halten Sie's mit ihrer Moral ? Leute, die Sie nicht kennen heuchlerisch zu nennen ?

    • S. O. So am 03.10.2018 15:42 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @fox

      Meine Moral ?... nun ich kaufe bei diesen diversen Onlinehändlern ein wenn ich etwas haben möchte was die anbieten und das BEWUSST, nicht zufällig weil ich es nicht bemerkt habe oder es nicht anders möglich sein soll ! wenn man eine Meinung so vertritt wie Sie das gerne weismachen möchten gibts immer Alternativen, deshalb finde ich eben kein anderes Wort als eben heuchlerisch !

    • fox am 03.10.2018 17:57 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @S. O. So

      ok. Möchte einen neuen Laptop ohne Bestandteile aus China kaufen. Bin da ziemlich hilflos. Da Sie sagen, es gäbe immer eine Alternative, können Sie mir, als BEWUSSTER Fachmann, sicher weiterhelfen. Danke im voraus.

    • S. O. So am 03.10.2018 20:32 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @fox

      Gerne biete ich Ihnen meine Hilfe an, mein Ratschlag, keinen neuen Laptop kaufen, sind ja eben Teile aus dem Bösen China drin ! die Menschen früher hatten auch keine Laptops und die Menschheit hat trotzdem überlebt, geht also ! Uhh, bin ich froh habe ich Ihre Probleme nicht !

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  • M. Sold. am 03.10.2018 10:07 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    freie Märkte... aber nicht für alle!

    immer das gleiche gejammer... man will die Konsumenten für dumm verkaufen und ihen einreden, dass nur was durch Zwischenhä dler teuer importiert wird gut ist. Produkte aus China direkt kaufen ist freie Marktwirtschaft. Schliesslich holen "unsere" Firmen auch lieber billigere Arbeitskräfte aus dem Ausland, kassieren den Gewinn ab und lassen uns hängen. Wieso sollten wir uns nicht am freien Markt bedienen müssen?!

    • Rudinio am 03.10.2018 12:32 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @M. Sold.

      Genau , präzise auf den Punkt gebracht.

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